Die Malven (Malva) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Die 15 bis 30 Arten sind in Eurasien und Nordafrika verbreitet.
Namensgebung Das Wort „Malve“ geht über lateinisch malva (als „Pappel“Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 201 („Malua – bappeln – Malva – pappele […]“'). und „Hasenpappel“Vgl. etwa Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 801: „Haasen Pappeln, Malua“ und „Pappeln. Maluarum“ in Oeconomia von 1579. vor allem Wilde Malve oder Weg-Malve, möglicherweise auch Rosen-Malve und Gewöhnliche Stockrose, aber auch Echter Eibisch) und auf eine Mittelmeersprache zurück (vgl. arabisch Muluchiya und hebräisch mallūah für die nicht verwandte GartenmeldeGottfried Muys: Forschungen auf dem Gebiete der alten Völker und Mythengeschichte. 1. Teil: Griechenland und der Orient. J. M. Heberle, Köln, 1856. S. 107 ()).
Beschreibung mini|links|Illustration der Weg-Malve (Malva neglecta) mini|150px|Blütendiagramm einer Malve mini|links|Illustration aus Flora Batava, Volume 10 der Moschus-Malve (Malva moschata)
Erscheinungsbild und Blätter Malven-Arten wachsen als aufsteigende oder aufrechte, ein- bis mehrjährige oder kurzlebig ausdauernde krautige Pflanzen. Die wechselständig an den Stängeln angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die Blattspreiten sind handförmig gelappt oder gelegentlich tief eingeschnitten. Die bleibenden Nebenblätter sind ungestielt und meist bewimpert.
Blüten Die Blüten stehen entweder einzeln oder in Büscheln in den Blattachseln. Die drei meist unverwachsenen Hochblätter der Hülle, die auch häufig als Außenkelch interpretiert werden, variieren in der Form von linealisch bis eiförmig.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind becherförmig verwachsen, vergrößern sich oft bis zur Fruchtreife und stehen dann von der Achse ab. Die fünf Kronblätter sind meist violett, gelegentlich auch weiß, rosa oder rot. An ihrer Spitze sind sie eingekerbt oder eingebuchtet.
Wie bei allen Vertretern der Unterfamilie Malvoideae sind die vielen Staubblätter mit ihren Staubfäden zu einer den Stempel umgebenden Röhre, der sogenannten Columna, verwachsen, an deren Spitze jeweils die Staubbeutel entspringen. Die Staubbeutel sind jeweils nur mit einer Theca ausgestattet. Der oberständige Fruchtknoten weist neun bis fünfzehn Fächer auf. Jedes Fach enthält eine Samenanlage. Der Griffel ist in ebenso viele Äste verzweigt, wie der Fruchtknoten Fächer aufweist. Die Narben sind zum Blütenzentrum hin gerichtet.
Aus der violettblühenden Wilden Malve (Malva sylvestris) isolierte Richard Willstätter 1915 erstmals den Anthocyan-Farbstoff Malvidin als Dimethylether des Delphinidins.
Früchte und Samen Die an den Polen abgeplattete Spaltfrucht besteht aus neun bis fünfzehn Teilfrüchten und öffnet sich nicht. Die Teilfrüchte besitzen eckige Seitenkanten, aber keine Dornen. Jede Teilfrucht beherbergt einen Samen, der an den Wänden der Teilfrucht haftet.
mini|Malva acerifolia mini|Malva assurgentiflora mini|Nizzäische Käsepappel (Malva nicaeensis) mini|Malva parviflora mini|Strand-Strauchpappel (Malva subovata) mini|Blüte von Malva tournefortiana mini|Quirl-Malve (Malva verticillata)
Systematik und Verbreitung Die Gattung Malva wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 687 aufgestellt. Als Lectotypus wurde 1913 durch Britton und Brown Malva sylvestris festgelegt. Synonyme für Malva sind: Axolopha , Stegia , Dinacrusa .
Die Gattung Malva gehört zu der Tribus Malveae in der Unterfamilie Malvoideae innerhalb der Familie der Malvaceae. Die Gattung Malva ist Teil eines Komplexes mehrerer nah verwandter Gattungen (Malva, Lavatera, Malope, Kitaibelia, Alcea und Althaea), die sich nur schwer gegeneinander abgrenzen lassen. Molekulargenetische Untersuchungen zeigten, dass die Gattungen zueinander paraphyletisch sind. Unklar ist bisher, wie eine neue Aufteilung des Komplexes aussehen kann, in Betracht käme eine Aufteilung in zwei (Malva und Malope) oder eine in vier oder auch mehr Gattungen. Die Anzahl der Arten lässt sich daher ebenso wenig festlegen wie die traditionelle Gliederung der Gattung in Sektionen. Eine Tendenz zu einer weiter gefassten Gattung Malva ist aber vorhanden.
Die paläoarktische Gattung Malva in traditionellem Umfang ist in Eurasien und Nordafrika verbreitet; einige früher zu Lavatera und jetzt zu Malva gestellte Arten sind in Nordamerika und Australien beheimatet.
Es gibt 15 bis 30 Malva-Arten: Malva acerifolia (Syn. Malva canariensis , Lavatera acerifolia ): Sie kommt nur auf den Kanarischen Inseln vor. Malva aegyptia : Sie kommt in Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien vor. Rosen-Malve (Malva alcea ) Baumförmige Strauchpappel (Malva arborea ; Syn.: Lavatera arborea , Malva eriocalyx , Malva dendromorpha ) Malva assurgentiflora (Syn. Lavatera assurgentiflora ): Sie kommt nur in Kalifornien vor. Malva cathayensis : Sie kommt ursprünglich in Indien vor. Malva cretica : Sie kommt in Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien vor. Malva davaei : Es gibt zwei Unterarten: Malva davaei subsp. davaei: Sie kommt in Spanien und Portugal vor. Malva davaei subsp. mauritanica (Syn.: Lavatera mauritanica ): Sie kommt in Marokko, Algerien, Portugal, Spanien und auf Teneriffa vor. Malva hispanica : Sie kommt in Marokko, Algerien, Portugal und Spanien vor. Malva iljinii Malva lindsayi (Syn.: Lavatera lindsayi ): Dieser Endemit kommt nur auf der mexikanischen Insel Guadalupe vor. Malva microphylla (Syn.: Lavatera microphylla , Malva bakeri nom. illeg.): Sie kommt nur in Marokko. Moschus-Malve (Malva moschata ) Malva multiflora (Syn.: Lavatera cretica , Malva pseudolavatera , Malva linnaei ): Sie kommt in Südeuropa, in Nordafrika, auf den Kapverden, auf Madeira und auf den Kanaren, in Zypern, auf der Sinaihalbinsel und in Westasien vor. Weg-Malve (Malva neglecta ) Nizzäische Käsepappel (Malva nicaeensis ): Sie kommt in Südeuropa, in Nordafrika, auf den Kanaren und auf Madeira, auf der Arabischen Halbinsel, in Westasien, auf Zypern, auf der Sinaihalbinsel, im Kaukasusraum und in Zentralasien vor. Malva occidentalis (Syn.: Lavatera occidentalis ): Sie kommt nur in Baja California vor. Malva pacifica (Syn.: Lavatera venosa ): Sie kommt nur in Baja California vor. Malva parviflora : Sie kommt in Südeuropa, in Nordafrika, in Westasien, auf der Arabischen Halbinsel, im Kaukasusraum und in Turkmenistan vor. Malva preissiana (Syn.: Malva australiana , Lavatera plebeia ): Sie kommt in Australien vor. Kleinblütige Malve (Malva pusilla , Syn.: Malva borealis ): Sie ist in Eurasien von der Türkei bis ins östliche Sibirien, Kasachstan, Kirgisistan, Turkmenistan, Usbekistan, Tibet, China und in der Mongolei weitverbreitet. Strand-Strauchpappel (Malva subovata , Syn.: Lavatera maritima , Malva wigandii ): Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, Portugal, Spanien, auf den Balearen, in Frankreich, Italien, Sardinien und Korsika vor. Wilde Malve (Malva sylvestris ; Syn.: Malva erecta ): Sie wird als Gemüse- und Heilpflanze verwendet. Enthält Malvidin. Thüringer Strauchpappel (Malva thuringiaca , Syn.: Lavatera thuringiaca ) Malva tournefortiana : Sie kommt in Portugal, Spanien, Frankreich, Montenegro und Marokko vor. Malva trifida Cav. (Syn.: Malva stipulacea ): Sie kommt nur in Spanien vor. Becher-Malve (Malva trimestris , Syn.: Lavatera trimestris ) Quirl-Malve (Malva verticillata ): Es gibt mindestens drei Varietäten: Malva verticillata var. crispa : Sie wird kultiviert und ist in vielen Gebieten der Welt verwildert. Malva verticillata var. rafiqii : Sie kommt in China, Korea, nördlichen Indien sowie Pakistan vor. Malva verticillata var. verticillata (Syn.: Malva chinensis , non Malva sinensis , Malva mohileviensis , Malva pulchella , Malva verticillata subsp. chinensis , Malva verticillata var. chinensis ): Sie ist in China, Indien, Korea, Myanmar, Äthiopien sowie Europa und vielleicht in Bhutan weitverbreitet. Malva vidalii (Syn.: Lavatera vidalii ): Die Heimat ist Marokko.
mini|Getrocknete Malvenblüten
Verwendung Manche Malven-Arten werden aufgrund ihres Aromas in der Industrie vor allem für Kosmetikartikel verwendet oder als Malvenblütentee genutzt. Tee aus Blättern der Wilden Malve ist außerdem ein Heilmittel gegen Reizhusten.Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde: Grundlagen – Anwendung – Therapie. Thieme Verlag. Die Sorten einiger Malven-Arten werden als Zierpflanzen genutzt.
Quellen Literatur Ya Tang, Michael G. Gilbert, Laurence J. Dorr: Malva. In , PDF-Datei, textgleich online wie gedrucktes Werk. (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen und Systematik) Stewart Robert Hinsley: Malva in der Malvaceae-Website. (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen und Systematik) Martin Forbes Ray: Systematics of Lavatera and Malva (Malvaceae, Malveae) — a new perspective. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 198, 1995, S. 29–53. doi:10.1007/BF00985106 Pedro Escobar García, Peter Schönswetter, Javier Fuertes Aguilar, Gonzalo Nieto Feliner, Gerald M. Schneeweiss: Five molecular markers reveal extensive morphological homoplasyand reticulate evolution in the Malvaalliance (Malvaceae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 50, 2009, S. 226–239. Volltext-PDF.
Einzelnachweise Ya Tang, Michael G. Gilbert, Laurence J. Dorr: Malva. In , PDF-Datei, textgleich online wie gedrucktes Werk. Stewart Robert Hinsley: The Malva Alliance in der Malvaceae-Website. Sultanul Abedin: Malva. In: Eugene Nasir, S. I. Ali (Hrsg.), Sultanul Abedin: Flora of West Pakistan 130. Malvaceae. Stewart Herbarium, Rawalpindi, 1979, S. 34 Julián Molero Briones, Josep María Montserrat Martí: Nomenclatura de algunas especies del género Malva Linnaeus (Malvaceae). In: Fontqueria. Band 55, Nr. 38, 2006, S. 285–292, PDF-Datei. Martin Forbes Ray: New combinations in Malva (Malvaceae: Malveae). In: Novon. Band 8, Nr. 3, 1998, S. 288–295, online. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 687, F. Conti et al.: Integrazioni alla Checklist della flora vascolare italiana. In: Natura Vicentina. Band 10, 2007, S. 5–69, Benito Valdés: Malvaceae: Malva In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. Richard Willstätter, Walter Mieg: Untersuchungen über die Anthocyane. VIII. Über den Farbstoff der wilden Malve. In: Justus Liebigs Annalen der Chemie. Band 408, Nr. 1, 1915, S. 122–135, doi:10.1002/jlac.19154080108.
Weblinks
Kategorie:Malvengewächse