Die Burg Matsuyama (, (Iyo-)Matsuyama-jō), auch Burg Katsuyama (, Katsuyama-jō) oder „Goldene-Schildkröten-Burg“ (, Kinki-jō), der ehemaligen Provinz Iyo auf Shikoku ist eine spektakuläre Sehenswürdigkeit von Matsuyama, der Hauptstadt der Präfektur Ehime. Sie beinhaltet einen der nur 12 erhaltenen originalen Tenshu, Hauptturm, japanischer Burgen.

Sie ist nicht zu verwechseln mit der Burg Matsuyama (Bitchū) in der Stadt Takahashi, Präfektur Okayama.

Geschichte Der Daimyō, Fürst, Katō Yoshiaki erhielt 1595 ein Han, das Lehen des Daimyō, von 60.000 koku in der Gegend des heutigen Matsuyama und zog in die Burg Masaki ein. Nach der Schlacht von Sekigahara 1600 wurde er auf 200.000 koku hochgestuft und errichtete 1602 eine große Burganlage auf dem Katsuyama samt Residenz am Fuße des Berges. Dazu wurde in der Ebene planmäßig die Burgstadt mit ihrem rechtwinkligen Straßenmuster angelegt. 1627 wurde Katō nach Aizu-Wakamatsu versetzt, wobei im Gegenzug der dortige Burgherr Gamō Tadatomo Matsuyama als Lehen erhielt. Da die Linie Gamō bereits 1634 ausstarb, wurde das Lehen 1635 den Hisamatsu (ein Matsudaira-Zweig) mit einer Zuwendung von 150.000 koku übertragen. 1784 wurde der Tenshu durch einen von Blitzeinschlag verursachten Brand zerstört und erst 1854 in seinem heutigen erhaltenen Zustand wieder errichtet. Die Hisamatsu blieben über 16 Generationen Burgherren bis zur Meiji-Restauration 1868. Sie stellten auch die Daimyō von Kuwana.

Grundlegende Anlage Die Burg Matsuyama war eine Hirayama-jō, eine Hügelburg, bei der sich der zentrale Bereich der Burg, der Hommaru (; H), auf dem Gipfel eines niedrigen Berges und die vorgelagerten Bereiche, Ni-no-maru (; 2) sowie der San-no-maru (; 3) am Fuß des Berges befanden: links|mini|Plan der Burg (S. Text):H: Hommaru auf der Höhe mit Tenshu-Komplex im Norden2: Ni-no-maru auf halber Höhe3: San-no-maru untenEntgegengesetzt zur Darstellung besteht der San-no-maru aus dem ganze Gelände innerhalb des (Wasser-)Grabens. Der Hommaru wurde auf dem 130 m hohen Gipfel der Anhöhe auf ca. 400 m langgestreckt angelegt. Die schmale Ausformung in der Mitte des Hommaru ist darauf zurückzuführen, dass das ursprünglich aus zwei Gipfeln bestehende Gelände durch die Aufschüttung des dazwischenliegenden Tals zu einer zusammenhängenden Fläche umgestaltet wurde. Im Norden innerhalb des Hommaru befindet sich der Hon-dan (), ein erhöhter, gesicherter Bereich, in dem der Tenshu-Komplex mit mehreren Wachtürmen (Yagura), (, Renritsushiki; H) thront. Der Hommaru wurde hauptsächlich als Lagerraum genutzt.

Auf halber Höhe zwischen Gipfel und Fuß der Anhöhe befand sich vorgelagert der zweite Bereich und das eigentliche Zentrum der Burganlage, der ca. 200 m² große Ni-no-maru (2), in welchem sich die Resizenz, Gärten und Teehäuser als Unterkunft des Daimyō befanden. Hier befindet sich besonders auffällig ein großer Brunnen.

Zu Füßen der Anhöhe lag innerhalb eines von einem breiten Graben umgebenen Gelände der vorgelagerte dritte Bereich, der ca. 500 m² große San-no-maru (3), welches mit den Wohnhäusern hochrangiger Gefolgsleute bebaut war. Der San-no-maru ist von einem ca. 6 m hohen Erdwall und einem ca. 50 m breiten Wassergraben umgeben. Ebenfalls auf diesem Gelände befanden sich Wohnungen von Vasallen und Personal. Aus Sicht eines möglichen Angreifers hätte man sich von unten nach oben durch die einzelnen Bereiche kämpfen müssen. Außerhalb des Grabens lag die planmäßig angelegte Burgstadt.

Da das Lehen (Han) zu Beginn der Meiji-Zeit von den Daimyō an den Tennō bzw. an den Staat zurückgegeben und so öffentlicher Besitz wurde, konnte die Fläche des San-no-maru für den Shiroyama Park () genutzt werden, in dem sich auch ein Stadion, ein Baseball-Stadion und die Gemäldegalerie der Präfektur befinden. Der Burgpark wurde 1990 als einer der "100 berühmten Kirschblütenorte Japans" und 2006 als einer der "100 historischen Parks Japans" gekürt. Das Gelände der Residenz im Ni-no-maru wurde nach einigen Brandschäden im Zweiten Weltkrieg in den Ninomaru Historic Site Garden umgestaltet.

Aufbau und Befestigungsanlagen des Hommaru mini|Tonashi-mon mit dem Taiko-yagura (Hintergrund), dem Tsutsui-mon (rechter oberer Rand) und dem Kita-sumi-yagura des Tenshu-Komplexes (links weit hinten) Der Hommaru (H) auf dem Gipfel des Berges kann über einen südlichen, gesicherten Hauptzugang (Ōte) sowie einen nördlichen Hinterzugang (Karamete) vom Ni-no-maru (2) aus erreicht werden:

Die Befestigungstürme und Tore Zwischen dem südlichen Hauptzugang vom Ni-no-maru (2) zum Hommaru (H) verfügte die Burg Matsuyama über ein heute nicht mehr existierendes Tor (Mon), das Haupttor (Ōte-mon). Von diesem sind nur noch die Grundmauern erhalten. Nach einer weiteren Serpentine steht man vor einem Tor ohne Torflügel (Tonashi-mon). Wer dieses Tor passiert, steht einem stark befestigten weiteren Tor (Tsutsui-mon) gegenüber, dessen Dach vom Tonashi-mon aus sichtbar ist. Östlich neben dem Tsutsui-mon befindet sich ein verborgenes Tor (Kakure-mon), das für Überraschungsgegenangriffe gegen Belagerer genutzt werden konnte.

Auf den das Tonashimon überragenden Steinmauern des Taka-ishigaki befindet sich ein Trommelturm (Taiko-yagura) mit Öffnungen zum Herabwerfen von Gegenständen. Dort wurden Taiko-Trommeln aufgestellt, um vor sich der inneren Burganlage nähernden Feinden zu warnen. Nach Passieren des Tsutsui-mon folgt nach einer kleinen Vorburg eine weitere Verteidigungslinie mit dem Südost-Eckturm (Tatsumi-yagura) und dem mit dem zentralen Trommeltor (Taiko-mon), welches mit dem oben genannten Trommelturm (Taiko-yagura) im Westen verbunden ist. Hierauf folgt der zentrale Innenhof des Hommaru. Um zum Hon-dan und zum Tenshu-Komplex im Norden der Anlage zu gelangen, muss dieser ca. 300 m lange offene Bereich, heute als Shiroyama Park Honmaru Square () bekannt, gequert werden. Dabei passiert man den an der westlichen Mauer des Hommaru gelegenen Bagu-yagura.

Nimmt man den nördlichen Hinterzugang zum Hommaru gelangt man zum heute nicht mehr vorhandenen ersten Westtor (Inui-ichi-no-monDas japanische Wort Inui bezeichnet im traditionellen japanischen Kompasssystem die Himmelsrichtung Nordwesten; Ichi bedeutet "Eins" bzw. in diesem Fall besser "Erstes".). Hiervon sind ebenfalls nur noch die Grundmauern erhalten. Das Inui-ichi-no-mon lag direkt unterhalb des zweistöckigen West-Wachturms (Inui-yagura). Der Inui-yagura ist vermutlich eins der ältesten Gebäude der Burg und es wird vermutet, dass es von der südlich von Matsuyama gelegenen Burg Masaki stammt. Nach dem Inui-ichi-no-mon folgte der hintere Eingang des Hommaru, das Nord-West-Tor (Inui-mon). Der Platz zwischen dem Inui-ichi-no-mon und dem Inui-mon war bewusst sehr eng gehalten, um eine Verteidigung zu erleichtern.

Nach dem Passieren des Inui-mon betritt man den Hommaru und passiert den im Norden befindlichen Nohara-yagura, den einzigen in Japan noch erhaltenen zweigeschossigen Wachturm des Typs bōrō-gata. Anschließend steht man direkt vor der westlichen Flanke des Hon-dan, und hier auch gleichzeitig des darin liegenden Tenshu-Komplexes. mini|Südliche Ansicht des Teilmodells des Hon-dan-Komplexes (Links die beiden Eck-Yagura des mittigen Tenshu-Komplexes, vorne mittig der Ko-Tenshu; außerhalb vorne mittig das Shichiku-mon)|links

Der Hon-dan Der Hon-dan ist der Bereich, in dem sich die zentralen Burggebäude mit Dai-Tenshu (), der zentrale Hauptturm, und Ko-Tenshu (), ein kleiner Tenshu, innerhalb des Hommaru konzentrieren. Er liegt ca. 8 m höher als der übrige Hommaru und besitzt nur einen Zugang, das südlich gelegene Ersttor (). Der Hon-dan ist nach dem Matsuyama Hiroku 36 Ken in Ost-West-Richtung und 30 Ken 2 Shaku in Nord-Süd-Richtung groß, was ungefähr 65 × 55 m entspricht und den Tenshu-Komplex mit umfasst. Auf der Nord-, Ost- und Südseite ist der Hon-dan im Vergleich zum engeren Tenshu-Komplex noch um weitere Verteidigungslinien verstärkt.

Um zum zentralen Tenshu-Komplex innerhalb des Hon-dan zu gelangen, muss man von Süden kommend das Ichi-no-mon passieren und anschließend eine gegen den Uhrzeigersinn angeordnete Abfolge mehrerer Innenhöfe durchqueren. Diese dem Tenshu-Komplex vorgelagerten und zum Hon-dan gehörenden Innenhöfe sind durch Verteidigungstore (; ; und ) und hohen Mauern samt Yagura voneinander getrennt. mini|Blick vom Ko-Tenshu auf das Ichi-no-mon und den Masugata-Bereich dahinter (Links das San-no-mon) Der Bereich zwischen dem Ichi-no-mon und dem Ni-no-mon wurde als Masugata () angelegt, sodass von allen Seiten ein Belagerer des Ni-no-mon aus umringender, erhöhter Stellung beschossen werden konnte.

Über das stark gesicherte San-no-mon besteht zudem eine Abkürzung vom zweiten Innenhof direkt in den zentralen Innenhof des Tenshu-Komplexes. Das Shikiri-mon im Norden bildete einen alternativen Zugang zum Innenhof des Tenshu; der Bereich unmittelbar hinter dem Tor wurde ebenfalls als Masugata angelegt. Der Tenshu-Komplex mini|Innenhof des Tenshu-Komplexes mit dem Zugang (mittig) zum Dai-Tenshu und Sujigane-mon (rechts) Bei dem Tenshu-Komplex der Burg Matsuyama handelt es sich um einen Tenshu mit mehreren Türmen, Grundrisstyp Renritsushiki (): Er besteht aus einem von mehreren Yagura, dem kleineren Ko-Tenshu und direkt mit dem Dai-Tenshu verbundenen rechteckig umschlossenen Innenhof, vergleichbar mit der Burg Himeji. Er liegt nochmal 4 m höher als der Hon-dan auf dem sog. Tenshu-maru. mini|Minami-sumi-yagura und Kita-sumi-yagura aus Sicht des Inui-mon.|links Der südöstlicher Eck-Yagura des Komplexes, von welchem aus auch das Ichi-no-mon am Eingang des Hon-dan beschossen werden konnte, stellt den Ko-Tenshu dar und ist mit dem Dai-Tenshu direkt über einen Tamon-yagura (), ein langgezogener Yagura mit überdachtem Gang, verbunden.

Der nördliche Eck-Yagura (, links) und der südliche Eck-Yagura (, rechts) sind ebenfalls durch einen Tamon-yagura verbunden und stellen die unmittelbare Verteidigungslinie gen Westen in Richtung des Hintereingangs durch das westliche Inui-mon dar.

Wichtiges Kulturgut Die Burg wird in der Liste der 100 bedeutenden Burgen Japans geführt.

Der Tenshu sowie folgende sechs Yagura, sieben Tore (Mon) und sieben Mauerstücke sind als Wichtiges Kulturgut Japans ausgezeichnet:

Türme Tenshu (Burgturm) San-no-mon Minami-yagura (Südlicher Turm des dritten Tors) Ni-no-mon Minami-yagura (Südlicher Turm des zweiten Tors) Ichi-no-mon Minami-yagura (Südlicher Turm des ersten Tors) Inui-yagura (Nordwestturm) Nohara-yagura (Nohara-Turm) Kakure-mon Tsuzuki-yagura (Anschließender Turm des versteckten Tors)

mini|Shichiku-mon vor dem Tenshu-Komplex

Tore Shikiri-mon (Trenntor) San-no-mon (Drittes Tor) Ni-no-mon (Zweites Tor) Ichi-no-mon (Erstes Tor) Shichiku-mon (Shichiku-Tor) Kakure-mon (Verstecktes Tor) Tonashi-mon (Tor ohne Türflügel)

Mauern Shikiri-mon Uchi-bei (Innere Mauer des Trenntors) San-no-mon Higashi-bei (Östliche Mauer des dritten Tors) Sujigane-mon Higashi-bei (Östliche Mauer des Sujigane-Tors) Ni-no-mon Higashi-bei (Östliche Mauer des zweiten Tors) Ichi-no-mon Higashi-bei (Östliche Mauer des ersten Tors) Shichiku-mon Higashi-bei (Östliche Mauer des Shichiku-Tors) Shichiku-mon Nishi-bei (Westliche Mauer des Shichiku-Tors)

Weitere 30 rekonstruierte Gebäude sind ebenfalls registriertes Kulturgut.

Bilderstrecke Die Galerie folgt einem gedanklichen Weg durch alle Bereiche der Burganlage, beginnend vor dem San-no-maru und endend im Tenshu:

Anmerkungen

Einzelnachweise

Literatur

Vereinigung der Burgverwaltungen: Lesezeichen von Burgen, 2005. (japanisch)

Miyaji, Saichiro (Hrsg.): Bakumatsu shoshu saigo-no hanshu-tachi. Nishinihon-hen. Jinbunsha, 1997. ISBN 978-4-7959-1906-8.

Weblinks

Offizielle Website der Burg mit Karte und historischem Überblick (englisch) Eintrag der Burg bei der 24 Best Castles Stamp Rally (englisch)

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