Die Tour de France 2014 fand vom 5. Juli bis 27. Juli 2014 statt und war die 101. Austragung des wichtigsten Etappenradrennens der Welt. Die Tour startete in Leeds und endete nach 21 Etappen traditionsgemäß auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris. Zum zweiten Mal nach 2007 fand der Grand Départ der Rundfahrt in England statt. Nach den ersten drei Etappen in Großbritannien verlief das Rennen im Uhrzeigersinn durch Frankreich, Belgien und Spanien. Geplant waren ursprünglich 3663,5 Kilometer als Gesamtlänge. Durch eine kurzfristig geänderte Streckenführung der 5. Etappe verkürzte sich die diese aber auf 3660,5 Kilometer.
Gesamtsieger wurde der Italiener Vincenzo Nibali, der seine erste Tour de France gewann und damit als sechster Radsportler überhaupt bei allen drei Grand Tours einmal siegreich war. Zudem waren mit Jean-Christophe Péraud und Thibaut Pinot erstmals nach der Tour 1997 wieder französische Fahrer auf dem Tourpodium vertreten.
Ausgangslage Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes Startberechtigt waren alle 18 ProTeams. Am 28. Januar 2014 vergab der Veranstalter A.S.O Wildcards an vier Professional Continental Teams. Das französische Team , die erst im vergangenen Jahr gegründete schweizerische Mannschaft IAM Cycling sowie das deutsche Team NetApp-Endura nahmen erstmals an der Tour de France teil.NetApp-Endura und IAM zur Tour de France – Wildcards auch für Cofidis und Bretagne radsport-news.com vom 28. Januar 2014, zuletzt aufgerufen am 28. Januar 2014. Die 198 angetretenen Fahrer stammten aus 34 verschiedenen Nationen, traditionell waren die meisten davon Franzosen. Neben den 44 Startern aus dem Heimatland der Tour kamen 20 weitere aus Spanien sowie jeweils 17 aus Italien und den Niederlanden. Es waren zudem zehn Deutsche, neun Schweizer und ein Österreicher am Start.
Der deutsche Jens Voigt war mit 42 Jahren nicht nur erneut ältester Starter, sondern stellte mit seiner 17. Tour-Teilnahme auch den Rekord des Amerikaners George Hincapie und des Australiers Stuart O’Grady ein, die ebenfalls 17 mal bei der Frankreich-Rundfahrt am Start waren. Ebenfalls 42 Jahre alt war Chris Horner und damit zweitältester Starter der Tour. Der Niederländer Danny van Poppel wurde am Tag der 20. Touretappe 21 Jahre alt. Er war wie im Vorjahr der jüngste der knapp 200 Starter. Das Durchschnittsalter der Fahrer dieser Tour-Ausgabe lag bei etwa 30 Jahren. In der Nachwuchswertung fuhren 27 Sportler (etwa 14 Prozent des Feldes) ab Geburtsjahrgang 1989. Dieser Wert war im Vergleich zu den letzten Jahren etwas niedriger.
Eine detaillierte Starterliste mit einem Überblick über die Nationalitäten, Erfolge, Gesamtplatzierungen und Ausstiege der einzelnen Fahrer und Teams während der Tour de France 2014 findet sich auf der separaten Seite → Fahrerfeld 2014.
+ Übersicht über die angetretenen Mannschaften ProTeams (ALM) (AST) (BEL) (BMC) (CAN) (EUC) (FDJ) (GIA) (GRS) (KAT) (LAM) (LTB) (MOV) (OGE) (OPQ) (SKY) (TCS) (TFR) Professional Continental Teams (BSE) (COF) (IAM) (TNE)
Favoriten Als Favoriten auf den Toursieg wurden im Vorfeld immer wieder Vorjahressieger Chris Froome (SKY) und der zweimalige Toursieger Alberto Contador (TCS) genannt. Contador gewann bereits die Frankreich-Rundfahrten der Jahre 2007 und 2009. Zum Favoritenkreis zählte ebenfalls der italienische Meister Vincenzo Nibali (AST), der im letzten Jahr den Giro d’Italia gewann und Zweiter der Vuelta a España wurde, die er bereits 2010 gewonnen hatte.
Aussicht auf eine Platzierung unter den ersten Zehn hatten der Kapitän der Movistar-Mannschaft, Alejandro Valverde, der Sechstplatzierte der letztjährigen Tour, Bauke Mollema (BEL) aus den Niederlanden, Tejay van Garderen (BMC), der 2012 bester Jungprofi der Tour war, und Weltmeister Rui Costa (LAM) aus Portugal, der 2014 bereits die Tour de Suisse für sich entscheiden konnte. Zudem hatten auch Joaquim Rodríguez (KAT), 2013 Dritter, sowie Andrew Talansky (GRS), Sieger des Critérium du Dauphiné 2014, Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung. Zum erweiterten Favoritenkreis zählten auch Pierre Rolland (EUC), Romain Bardet (ALM), Jakob Fuglsang (AST), Daniel Navarro (COF) und Thibaut Pinot (FDJ).
Insgesamt nahmen mit Contador, Froome, Rodríguez und Nibali sowie den Brüdern Andy und Fränk Schleck sechs Fahrer an der 101. Tour de France teil, die bereits einmal bei der Frankreich-Rundfahrt auf dem Podium standen. Contador, Nibali, Froome, Valverde, Andy Schleck, Chris Horner und Michele Scarponi gehörten zu den Startern, die bereits einmal eine Grand Tour für sich entscheiden konnten.
Für Siege im Sprint kamen im Vorfeld vor allem der deutsche viermalige Tour-Etappensieger Marcel Kittel (GIA) sowie der 25-fache Etappensieger Mark Cavendish infrage. Auch André Greipel (LTB), Peter Sagan (CAN) und Alexander Kristoff (KAT) wurden als mögliche Sieger von Flachetappen im Massensprint genannt.
Tourverlauf Etappen mini|Kopfsteinpflaster bei der Carrefour de l’Arbre Auf dem Programm standen unter anderem eine Etappe über Kopfsteinpflaster und fünf Etappen mit Bergankunft. Auf einen Prolog und ein Mannschaftszeitfahren wurde verzichtet. Die vorletzte Etappe wurde als einziges Einzelzeitfahren dieser Ausgabe ausgetragen.
Das Rennen startete in Leeds mit einer Etappe ohne besondere Schwierigkeiten. Die ersten beiden Etappen führten durch die Grafschaft Yorkshire. Ziel der zweiten Etappe war Sheffield. Auf der dritten Etappe steuerte das Fahrerfeld die britische Hauptstadt London an, wo schon die Tour 2007 ihren Auftakt gehabt hatte. Anschließend wurde das Rennen in Frankreich fortgesetzt. Die fünfte Etappe führte auf einer Länge von 13 Kilometern über Kopfsteinpflaster. Sieben der sogenannten Pavé-Sektoren von Paris–Roubaix wurden in entgegengesetzter Richtung des Frühjahrsklassikers befahren. Beginnend mit dieser Etappe bis in die Vogesen folgte die Tour de France, zum Gedenken des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs 100 Jahre zuvor, dem über mehrere Jahre unveränderten deutsch-französischen Frontverlauf.Tour de France 2014 – Strecke. In: radsport-seite.de, abgerufen am 10. Juli 2014.
Auf der 14. Etappe in den Alpen stellte der Col d’Izoard den höchsten Punkt der diesjährigen Rundfahrt dar, weshalb bei dieser Bergwertung das Souvenir Henri Desgrange vergeben wurde. In den Pyrenäen waren auf der 16. und 18. Etappe Bergwertungen der höchsten Kategorie zu befahren, unter ihnen die Anstiege zum Port de Balès und zum Col du Tourmalet. Die 17. Etappe enthielt vier Bergwertungen der ersten Kategorie, darunter den Col de Peyresourde und die Bergankunft am Pla d’Adet.
Etappe Datum Strecke Typ Distanz (km) Zeit (h:min:s) Etappensieger 20px|verweis=Rote Rückennummer Kämpferischster Fahrer 1 Leeds – Harrogate Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 190,5 4:44:07 2 York – Sheffield hügelige Etappe 201,0 5:08:36 3 Cambridge – London Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 155,0 3:38:30 Marcel Kittel 4 Le Touquet-Paris-Plage – Villeneuve-d’Ascq Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 163,5 3:36:39 Marcel Kittel 5 Ypern – Arenberg-Porte du Hainaut Kurze hügelige Etappe 152,5 3:18:35 6 Arras – Reims Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 194,0 4:11:39 7 Épernay – Nancy Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 234,5 5:18:39 8 Tomblaine – Gérardmer hügelige Etappe 161,0 3:49:28 Blel Kadri 9 Gérardmer – Mülhausen hügelige Etappe 170,0 4:09:34 Tony Martin 10 Mülhausen – Planche des Belles Filles Etappe mit besonderen Schwierigkeiten 161,5 4:27:26 Tony Martin R Ruhetag in Besançon Ruhetag 11 Besançon – Oyonnax hügelige Etappe 187,5 4:25:45 12 Bourg-en-Bresse – Saint-Étienne Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 185,5 4:32:11 13 Saint-Étienne – Chamrousse Etappe mit besonderen Schwierigkeiten 197,5 5:12:29 14 Grenoble – Risoul Etappe mit besonderen Schwierigkeiten 177,0 5:08:27 Alessandro De Marchi 15 Tallard – Nîmes Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 222,0 4:56:43 R Ruhetag in Carcassonne Ruhetag 16 Carcassonne – Bagnères-de-Luchon hügelige Etappe 237,5 6:07:10 17 Saint-Gaudens – Saint-Lary-Soulan / Pla d’Adet Kurze Etappe mit besonderen Schwierigkeiten 124,5 3:35:23 18 Pau – Hautacam Kurze Etappe mit besonderen Schwierigkeiten 145,5 4:04:17 19 Maubourguet – Bergerac Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 208,5 4:43:41 20 Bergerac – Périgueux Einzelzeitfahren 54,0 1:06:21 nicht vergeben 21 Évry – Paris Champs-Élysées Etappe ohne besondere Schwierigkeiten 137,5 3:20:50 nicht vergeben Gesamtkilometer: 3660,5
Wertungen im Tourverlauf Die Tabelle zeigt den Führenden in der jeweiligen Wertung bzw. die Träger der Wertungstrikots oder farbigen Rückennummern am Ende der jeweiligen Etappe an. Eine detailliertere Übersicht über die Platzierungen nach einer Etappe bieten die einzelnen Etappenartikel, die in der ersten Spalte verlinkt sind.
Etappe 20px|Gelbes TrikotGesamtwertung 20px|Grünes TrikotPunktewertung 20px|Gepunktetes TrikotBergwertung 20px|Weißes TrikotNachwuchswertung 20px|Gelbe RückennummerTeamwertung 1. Marcel Kittel , 2. Peter Sagan 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Vincenzo Nibali Ag2r La Mondiale 11. 12. 13. 14. Joaquim Rodríguez 15. 16. Rafał Majka Thibaut Pinot 17. 18. 19. 20. 21. Sieger
Rennverlauf Erste Woche Die erste Etappe endete mit dem Sieg des Sprinters Marcel Kittel (GIA) und einem folgenschweren Sturz des als Favoriten für die Punktewertung in das Rennen gegangenen Mark Cavendish (OPQ). Er konnte aufgrund der Verletzungen, die er sich dabei zuzog, am folgenden Tag nicht mehr starten. Kittel erkämpfte sich damit auch das erste Gelbe Trikot und auch die Führung in der Punktewertung. Das Grüne Trikot wurde daraufhin auf der zweiten Etappe vom Tageszweiten Peter Sagan (CAN) getragen und bis Paris nicht mehr abgegeben, weil er auf der zweiten Etappe selbst in dieser Wertung in Führung ging.
Die zweite Etappe führte über hügeliges Gelände. Vincenzo Nibali (AST) setzte sich zwei Kilometer vor dem Ziel aus einer rund 20-köpfigen Spitzengruppe ab, gewann die Etappe mit zwei Sekunden Vorsprung und eroberte zum ersten Mal das Gelbe Trikot. Die Situation in den beiden wichtigsten Wertungen änderte sich auf den beiden Folgeetappen nicht, da jeweils die Sprinter das Finale dominierten: Marcel Kittel gewann beide Etappen, während Peter Sagan durch einen zweiten Platz auf der dritten Etappe seine Führung im Punkteklassement ausbauen konnte.
Die Streckenführung der fünften Etappe wurde aufgrund von starken Regenfällen kurzfristig geändert. Zwei der neun Kopfsteinpflaster-Abschnitte, die auch bei Paris–Roubaix befahren werden, waren nicht passierbar. Nach 80 Kilometern stürzte der Vorjahressieger Chris Froome zum dritten Mal innerhalb von zwei Tagen und gab das Rennen auf. Von den übrigen Favoriten für den Toursieg kam Vincenzo Nibali auf dem Kopfsteinpflaster am besten zurecht. Er erreichte das Ziel 19 Sekunden hinter Tagessieger Lars Boom (BEL) und baute seinen Vorsprung auf seine Hauptkonkurrenten im Kampf um das Gelbe Trikot auf über zwei Minuten aus.
Nach zwei Flachetappen, die von Sprintern (André Greipel und Matteo Trentin) gewonnen wurden, führte die achte Etappe auf den letzten 30 Kilometern über zwei Anstiege der zweiten Kategorie und endete mit einem Anstieg der dritten Kategorie in Gérardmer. Mit dem Sieg durch Blel Kadri (ALM) setzte sich erstmals ein Ausreißer durch. Zweiter wurde Alberto Contador (TCS), der sich auf den letzten Metern des Abstiegs von Vincenzo Nibali absetzte und das Ziel drei Sekunden vor dem Italiener erreichte.
Zweite Woche Auf der neunten Etappe gelang es erstmals einer großen Gruppe (knapp 30 Fahrer), das Ziel vor dem Hauptfeld zu erreichen. Sieger durch einen gemeinsamen Vorstoß mit Alessandro De Marchi (CAN) aus dieser Gruppe wurde schließlich in Alleinfahrt Tony Martin (OPQ). Damit übernahm Tony Gallopin (LTB) das Gelbe Trikot, womit am Französischen Nationalfeiertag ein Franzose das maillot jaune trug. Martin wurde zum kämpferischsten Fahrer der Etappe gewählt, zudem übernahm er die Führung in der Bergwertung.