Das Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115 war ein Verband der Großherzoglich Hessischen Armee, die seit der Militärkonvention mit Preußen von 1867 als Kontingent in die Preußische Armee integriert waren und dort zuletzt die Großherzoglich Hessische (25.) Division bildeten. mini|Der Regimentsgründer, Landgraf Ludwig V. mini|Fahne des Leib-Regiment zu Fuß hier noch mit den Initialen von Landgraf Ludwig X. mini|Fahne des Leib-Garde-Regiments. Hier bereits mit den Initialen von Großherzog Ludwig I.

Stiftungstag Durch den Landgrafen Ludwig V. mit dem Stiftungstag vom 11. März 1621 aufgestellt, handelte es sich um das älteste aktive Regiment Deutschlands. Es war mit Masse immer in Darmstadt stationiert.

Regimentschef/Regimentsinhaber 1691 bis 1738: Ludwig Balthasar Freiherr von Schrautenbach 1738 bis 1778: Der Erbprinz Danach war stets der Landesherr im Besitz der Chefstelle.Auch Inhaberstelle genannt

Unterstellung 1914 XVIII. Armee-Korps in Frankfurt am Main Großherzoglich Hessische (25.) Division in Darmstadt 49. Infanterie-Brigade (1. Großherzoglich Hessische) in Darmstadt

Aufstellung und Historie Im Jahre 1621 als normales Infanterieregiment aufgestellt, wurde es ihm 1806, nach der Erhöhung der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt in ein Großherzogtum, das Prädikat „Leibgarde“ Regiment verliehen. Das Regiment war damit das älteste der deutschen Infanterie-Regimenter. Zuletzt führte es die Bezeichnung „Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115“. Regimentsinhaber war stets der regierenden Landgraf bzw. Großherzog.

11. März 1621: auf Anordnung von Landgraf Ludwig V. wurde eine Kompanie Infanterie als „Kompanie Dressler“ aufgestellt. 1630: Mit der „Kompanie Dressler“ als Stamm wurde das „Regiment von Leyen“ gebildet, die bisherige „Kompanie Dressler“ wurde innerhalb des Regiments zur „Fürstlichen Leib-Kompanie“. 1632: Das „Regiment von Leyen“ wurde aufgelöst, die „Fürstliche Leib-Kompanie“ blieb als selbstständiger Verband bestehen. 1646: Mit weiteren fünf geworbenen Kompanien wurde die „Fürstliche Leib-Kompanie“ zum „Leib-Regiment zu Fuss“ aufgestockt. 1647: Die, im Jahr zuvor angeworbenen Kompanien wurden wieder entlassen, das vormalige Regiment bestand nur noch aus der „Leib-Kompanie“. 1672: Die Leibkompanie wurde auf 200 Mann verstärkt und fortan „Leibgarde zu Fuss“ genannt. 1677: Es wurden zwei weitere Kompanien aufgestellt und das „Leibgarde-Bataillon“ gebildet. 1687: Das Regiment kämpfte unter Prinz Georg von Hessen im Auftrag der mit dem Kaiser und den Polen gegen die Türken verbündeten Republik Venedig, um sie im Verband mit anderen deutschen Truppen bei der Wiedereroberung des Peloponnes zu unterstützen. Februar 1690: Das Regiment kehrte wegen des inzwischen ausgebrochenen Pfälzischen Erbfolgekrieges mit Frankreich in die Heimat zurück. Die Personalverluste durch Kampfhandlungen und Krankheiten waren so eklatant, dass der Bestand im Mai 1689 nur noch 191 Mann betrug. Ludwig Balthasar von Schrautenbach-Weitolshausen übernahm nunmehr als Oberstleutnant das Regimentskommando. Um das so stark zusammengeschmolzene Regiment zu vervollständigen, wurde es 1691 mit der bisherigen Leibgarde vereinigt und führte fortan den Namen „von Schrautenbachisches Regiment“. 1691: Nachdem in den vergangenen Jahren mehrfach die Personalstärke geschwankt hatte, wurde der Verband wieder zum Regiment aufgestockt, ohne jedoch in der Präsenzstärke konstant zu bleiben. 1. April 1697: Es wurden drei Kompanien zur Aufstellung des Ober-Rheinischem Kreis-Regiments (des späteren Regiment Prinz Carl) abgegeben. 1. September 1745: Im Regiment wurde die „1. Grenadier Leib-Komp.“ aufgestellt. März 1768: Aufstellung einer 2. Grenadier-Kompanie. Das Regiment hieß jetzt „Leib-Regiment zu Fuss“ und bestand aus zwei Bataillonen zu je einer Grenadier- und vier Musketier-Kompanien. 1790: Abgabe der beiden Grenadier Kompanien zur Bildung des I. Leib-Grenadier-Bataillons 1. Juni 1803: Unter französischem Einfluss fand eine Umgliederung statt. Die Infanterie wurde in drei Feldbrigaden und drei Reservebrigaden eingeteilt. Die Feldbrigade 1 war die Leibbrigade und bestand aus dem „Leib-Regiment zu Fuss“ zu zwei Bataillonen à vier Kompanien und dem Füsilier-Bataillon. 18. August 1806: Die „Leib-Brigade“ wurde in „Leib-Garde-Brigade“, das „Leib-Regiment“ in „Leib-Garde-Regiment“, das Füsilier-Bataillon in „Garde-Füsilier-Bataillon“ umbenannt. 1. März 1812: Das Garde-Füsilier-Bataillon wurde aus dem Brigadeverband entlassen. Die Brigadestruktur wurde aufgelöst, das Leib-Garde-Regiment bestand aus zwei Bataillonen. Das Garde-Füsilier-Bataillon wurde mit dem I. Leib-Füsilier-Bataillon des Leib-Regiments zur Aufstellung des provisorischen leichten Infanterie-Regiments verwendet. 1812: Im Feldzug nach Russland wurde das „Leib-Garde-Regiment“ nahezu aufgerieben. 1813: Das „Leib-Garde-Regiment“ wurde mit zwei Bataillonen zu je vier Kompanien neu aufgestellt. 1. Juli 1820: Neugliederung der Streitkräfte. Das Regiment erhielt zwei Kompanien des aufgelösten „Regiment Prinz Emil“. 11. April 1830: Das Regiment erhielt den Namen „1. Infanterie Regiment (Leib-Garde-Regiment)“ und führte diesen bis 1872. 7. April 1867: Militärkonvention mit Preußen. 1. Juli 1866: Die Schützenkompanie schied aus dem Regimentsverband aus. 13. Juni 1871: Neue Militärkonvention mit Preußen. Das hessische Kontingent blieb als geschlossene Division im Verbande der Preußischen Armee. Es wurde der Zusatz „Großherzoglich“ eingeführt. 1. Januar 1872: Die Struktur des Verbandes wurde nach preußischem Muster umformiert. Das vormalige „Garde-Jäger-Bataillon“ wurde dem Regiment zunächst als Garde-Füsilier-Bataillon angegliedert, führte aber weiterhin das Jägerhorn in der Bataillonsfahne. Es musste Personal zur Bildung des Füsilier-Bataillons des Infanterie-Leib-Regiments abgegeben werden. Die Großherzog. Hessischen Truppen erschienen zum ersten Mal in der Rangliste für 1872. Das Regiment erhielt den Namen „1. Großherzoglich Hessischen Infanterie-(Leibgarde) Regiment Nr. 115“ und führte diesen bis 1906 1. April 1881: Abgabe der 11. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 116 1. April 1887: Abgabe der 8. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 138 4. Januar 1889: Das Garde-Füsilier-Bataillon wurde in III. Bataillon umbenannt 2. August 1893: Bildung eines IV. (Halb-)Bataillon. 1. April 1897: Abgabe des IV. Bataillons zur Aufstellung des Infanterie-Regiments Nr. 168. 28. November 1906: Zum letzten Mal ändert sich der Name in: „Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115“

Uniformierung mini|Ärmelaufschläge des Mannschaftsrocks. Die Knopflochschlitze sind statt wie üblich rot, hier weiß unterlegt. mini|Ärmelaufschläge des Offiziersrocks. Nur bei den Offizieren dieses Regiments war der unterste Knopf nicht durchgeköpft Blauer Waffenrock nach preußischem Muster mit roter Abzeichenfarbe. Auf dem Kragen und auf den brandenburgischen Aufschlägen wurden Gardelitzen aus weißer Wolle (für Offiziere aus Silber) getragen. Als Besonderheit war bei den Offizieren die unterste Ärmellitzen nicht durchgeknöpft, außerdem war der Hintergrund der Knopflöcher statt in der Aufschlagfarbe (hier rot) wie üblich, weiß unterfüttert. Auf den Schulterstücken wurde ein gekröntes „L“ und ab 1909 Zeitschrift für Heereskunde, von Diepenbroick - Grüther & Schulz Verlag, Hamburg 1933, S. 516 ein ebensolches „EL“ getragen. Die 1. Kompanie führte die Bezeichnung „Leibkompanie“ und hatte statt der sonst üblichen Kompanienummer ein „L“ auf den Knöpfen der Schulterklappen. Das neue Modell der Pickelhaube aus dem Jahre 1887 hatte alle Beschläge in Weißmetall, auf der Vorderseite den von Zweigen umgebenen bewehrten und gekrönten hessischen Löwen, im Hintergrund ein Bandeau mit den Jahreszahlen „1621“ und „1897“, dazu obenauf der Gardestern. Dieser war bei den Offizieren in Email und erhaben ausgeführt. Das Koppelschloss trug lediglich eine 5-bügeliger Krone in Weißmetall. Die Offiziersschärpe war in Silber gefertigt und hatte drei rote Durchzüge. Die Feldbinde in der gleichen Farbgebung, das Schloss war mit einem gekrönten „EL“ versehen. Die Achselstücke der Offiziere waren in Silber mit roter Durchwirkung ausgeführt. 1913 wurde bei Manövern und Übungen erstmals die feldgraue Uniform getragen.

Die Leibkompanie errang 1908 und 1909 den Kaiserpreis für beste Schießleistungen innerhalb der Infanterie des XVIII. Armee-Korps und durfte ein entsprechendes Abzeichen auf dem Rockärmel tragen.

Gefechtskalender Dreißigjähriger Krieg 1636: Zweite Belagerung von Magdeburg

Holländischer Krieg 1677/78: Feldzüge mit der Kaiserlichen Armee am Rhein und an der Saar gegen Frankreich

Pfälzischer Erbfolgekrieg 1689/96: gegen Frankreich am Rhein und in den Niederlanden 1689: Einnahme von Mainz 1695: Erstürmung von Namur

Spanischer Erbfolgekrieg 1702 bis 1713: Krieg gegen Frankreich am Mittel- und Oberrhein 1702: Schlacht bei Friedlingen, Einnahme der Festung Landau 1703: Verteidigung von Landau, Schlacht am Speyerbach 1704: Einnahme von Landau

Polnischer Erbfolgekrieg 1734/35: Kämpfe gegen Frankreich am Ober- und Mittelrhein

Österreichischer Erbfolgekrieg 1747 bis 1749: Kämpfe gegen Frankreich in den Niederlanden

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 1776–1783: Auslandseinsatz in Nordamerika: Gefecht bei Flatbush, bei New York (Incleberg), bei White Plains, Woodbridge, am Brandywine-River, bei French Creek, Sturm auf Fort Reedbank, in Canada, Gefecht bei Stillwater, Kapitulation von Saratoga, Belagerung von Charlestown

Koalitionskriege 1792/93: Kämpfe am Main und Mittelrhein gegen Frankreich 1793: Einnahme von Mainz, Gefechte bei Buchsweiler, bei Lembach, und bei Weissenburg, Schlacht bei Kaiserslautern 1794: Verteidigung von Mainz 1795: Gefechte bei Kreuznach und bei Planig 1796: Schlacht von Altenkirchen, Schlacht bei Limburg, Gefechte bei Runkel, und bei Oberlahnstein, Schlacht von Neuwied, Kämpfe bei Bendorf, bei Montabaur, Gefechte bei Mainz und bei Wiesbaden 1798/99: bei der Kaiserlichen Observations-Armee am Lech 1806/07: Auf französischer Seite gegen Preußen: 1806: Schlacht bei Jena 1807: Gefechte bei Graudenz, Belagerung von Graudenz, Gefecht bei Neudorf, Belagerung von Stralsund 1809: Auf französischer Seite Kämpfe gegen Österreich: Gefecht bei Efferding, bei Ebelsberg, Schlacht bei Aspern, Schlacht bei Wagram, Gefecht bei Znaim.

Feldzug nach Russland 1812 Schlacht um Smolensk, Schlacht bei Borodino, Schlacht an der Moskwa, Schlacht bei Krasnoje, Schlacht an der Beresina, Gefechte bei Wilenka, bei Slavotka und bei Wilna 1813 Gefecht bei Dirschau. Kämpfe in Sachsen und Schlesien gegen die Verbündeten. Schlacht bei Großgörschen, Schlacht bei Bautzen, Völkerschlacht bei Leipzig, Verteidigung von Torgau.

Herrschaft der hundert Tage 1815: Gefechte bei Rheinzabern, bei Strassburg, Belagerung von Neubreisach und der Festung Hüningen

Deutsche Revolution 1848/1849 1848: Straßenkämpfe in Frankfurt am Main 1849: Kämpfe gegen Revolutionäre in der Rheinpfalz und im Großherzogtum Baden. Einnahme von Worms, Gefechte bei Hemsbach, bei Weinheim, bei Käferthal, bei Groß Sachsen, bei Sinsheim, bei Gernsbach und bei Oos.

Deutscher Krieg 1866: Kämpfe gegen Preußen: Gefechte bei Frohnhofen/Laufach, Weiler, bei Aschaffenburg, Stockstadt, Mainflingen und Gerchsheim.

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71: Schlacht bei Vionville, Schlacht bei Gravelotte, Kämpfe bei Noisseville, Gefechte bei Montbarrois und bei Orléans, Gefechte bei Meung, bei Beaugency, bei Montlivault und Chambord, bei Bienne, am Braye-Bach, bei La Motte-Beuvron, bei Dhuizon, Einschließung von Metz, Schlacht bei Le Mans. Die Pionier-Kompanie (später als 9. Kompanie im Infanterie-Regiment Nr. 117) war an einem Gefecht bei Epuisan beteiligt.

Boxeraufstand 1900: Beteiligung von Freiwilligen am Ostasiatischen Expeditionskorps.