Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Lankwitz enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Lankwitz im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 35 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Bild Name Standort Verlege­datum Leben 100px Seydlitzstraße 40 Ilse Bock kam am 22. Dezember 1896 in Neubrandenburg im heutigen Mecklenburg-Vorpommern als Tochter des Kaufmannes Julius Bock (geboren am 22. November 1853 in Strelitz/Mecklenburg) und dessen Frau Franziska geborene Heine (geboren am 29. März 1857 in Mirow) auf die Welt, sie hatte noch 15 Geschwister. In Neubrandenburg besuchte Ilse Bock die Grundschule und später die Höhere Mädchenschule. Nach ihrer Schulzeit absolvierte sie eine Lehre als Putzmacherin und war mehrere Jahre in diesem Beruf tätig. Am 20. Oktober 1920 heiratete sie ihren Cousin, den am 26. Januar 1895 geborenen kaufmännischen Angestellten Max Bock. 1923 kam in Berlin-Schöneberg die Tochter Ingeborg Nanny zur Welt. Ab 1929 lebte die Familie in der Seydlitzstraße 40 in Berlin-Lankwitz. Ilse Bock erkrankte etwa im Januar 1940 an einem schweren Nervenleiden. Sie wurde mehrfach medizinisch behandelt und hielt sich zeitweilig auch im Jüdischen Krankenhaus in Berlin auf. Ihre Tochter Ingeborg Nanny konnte 1939 gemeinsam mit ihren Cousinen Lilly Segel und Marianne Rothwellm (beide geborene Bock) sowie mit ihrem Cousin Werner Bock mit einem Kindertransport nach England fliehen. Im August 1941 mussten die Eheleute Bock ihre Wohnung in der Seydlitzstraße 40 räumen, sie wurden im Gemeindezentrum der Jüdischen Liberalen Synagoge in der heutigen Axel-Springer-Straße aufgenommen. Die Eheleute Bock planten nun ihre Flucht: Ilse ließ sich beim Friseur die Haare blondieren, um nicht als Jüdin aufzufallen, dabei erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und wurde im Oktober 1942 ins Jüdische Krankenhaus eingeliefert. Kurz darauf wurde sie dort mit 80 weiteren Personen von der Gestapo verhaftet und in das Sammellager Große Hamburger Straße gebracht. Am 29. November 1942 wurde Ilse Bock von dort aus mit dem „23. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Im Oktober 1943 soll sie noch in einem Außenkommando des KZs Auschwitz gearbeitet haben. Eine Überlebende berichtete, sie sei zunehmend apathischer geworden, sie habe den Mut verloren und soll die Absicht geäußert haben, „freiwillig ins Gas“ zu gehen. Ihr Todeszeitpunkt ist unbekannt. Ihr Mann Max Bock überlebte im Untergrund. 100px Seydlitzstraße 40 Ingeborg Nanny Bock kam am 29. Januar 1923 in Berlin-Schöneberg als einziges Kind von Max Bock und seiner Frau Ilse geborene Bock zur Welt. Die Eltern stammten aus Mecklenburg-Vorpommern und lebten bereits seit einigen Jahren in Berlin. Ab circa 1929 wohnte Ingeborg Nanny mit ihren Eltern in der Seydlitzstraße 40 in Berlin-Lankwitz. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Verschärfung des nationalsozialistischen Terrors kam Ingeborg Nanny am 17. Januar 1939 gemeinsam mit ihren Cousinen Lilly Segel und Marianne Rothwellm (beide geborene Bock) sowie mit ihrem Cousin Werner Bock mit einem Kindertransport nach England. In Manchester kam sie zunächst bei einer Pflegefamilie unter. Dort baute sie sich schließlich ein neues Leben auf. Am 21. Juli 1945 heiratete sie Raymond William Austin. 1946 wurde die gemeinsame Tochter Barbara Susan geboren. Die Familie wohnte in Knutsford/Cheshire in England. Ihre Mutter, Ilse Bock, wurde in Auschwitz ermordet, ihr Vater, Max Bock, konnte der Deportation und Ermordung nur durch die Hilfe von Freunden – auch jenen seiner Tochter – entgehen. 1948 kam es zu einem Wiedersehen mit dem Vater in England. 100px Seydlitzstraße 40 Max Bock wurde am 26. Januar 1895 in Neustrelitz im heutigen Mecklenburg-Vorpommern als Sohn des jüdischen Karl Bock und seiner nichtjüdischen Ehefrau geboren. Die Familie zog nach Berlin, wo Max die Volks- sowie Realschule besuchte und eine kaufmännische Lehre absolvierte. Danach war er einige Jahre im Einzelhandel tätig. Als 19-Jähriger meldete er sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst und war bis zum Zusammenbruch der Russischen Front als Schütze an der Ostfront stationiert. Am 20. Oktober 1920 heiratete er seine Cousine, die am 22. Dezember 1896 als Tochter von Julius und Franziska Bock geborene Putzmacherin Ilse Bock. 1923 kam die Tochter Ingeborg Nanny auf die Welt. Ab 1929 lebte die Familie in der Seydlitzstraße 40 in Berlin-Lankwitz. Ihre Tochter Ingeborg Nanny konnte 1939 gemeinsam mit ihren Cousinen Lilly Segel und Marianne Rothwellm (beide geborene Bock) sowie mit ihrem Cousin Werner Bock mit einem Kindertransport nach England fliehen. Ihre Eltern mussten im August 1941 ihre Wohnung in der Seydlitzstraße 40 räumen, sie wurden im Gemeindezentrum der Jüdischen Liberalen Synagoge in der heutigen Axel-Springer-Straße aufgenommen. Am 29. November 1942 wurde Ilse Bock nach Auschwitz deportiert und zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Max Bock musste untertauchen, Freunde der Familie halfen ihm den Zweiten Weltkrieg zu überleben. Nach dem Krieg war er als Kaufmann in einer amerikanischen Firma als Managing Director tätig. Er heiratete seine Schwägerin Alice Bock und kehrte mit ihr im Dezember 1945 in seine Wohnung in die Seydlitzstraße 40 zurück. Erst 1948 kam es zu einem Wiedersehen mit seiner Tochter Ingeborg Nanny. Max Bock starb 1969 in Berlin. 100px Mozartstraße 22 Dora Goldschmidt kam am 8. Oktober 1876 in Hannover als Tochter von Levi Salomon Goldschmidt und seiner Ehefrau Jette/Henriette auf die Welt. Die Familie lebte in Hamburg, bis Dora am 29. Oktober 1898 in Hamburg den Kaufmann Hermann Freudenthal heiratete und mit ihm nach Berlin zog. Er war Inhaber eines Geschäfts für den Engros-Handel mit Goldwaren und Uhrketten. Die Geschäftsadresse in der Alexandrinenstraße 25 II war in den ersten Jahren mit der Wohnadresse identisch. Der Sohn Ernst wurde am 24. Juni 1905 und die Tochter Lucie/Lotte am 20. Februar 1909 geboren. Ab 1909/10 bewohnten Freudenthals eine Wohnung in der Augsburger Straße 64. Erst nach dem Tod ihres Ehemannes am 14. November 1929 gab Dora Freudenthal diese Wohnung auf. Sie zog zu ihrem Sohn Ernst in die Helmstedter Straße 27 nach Wilmersdorf. Dieser emigrierte im April 1933. Nach 1935 verließ auch die Tochter Lucie/Lotte Freudenthal, verheiratete Liebesschuetz, mit ihrem Mann und der 1934 in Brandenburg geborenen Tochter Irene Deutschland. Nun zog Dora Freudenthal in die Mozartstraße 22 nach Lankwitz. Bis zu ihrer Deportation im Jahr 1942 lebte sie dort als Untermieterin bei dem Fabrikanten Julius Goehr und seiner Ehefrau Gertrud. Julius Goehr und Siegmund Dunkel, die mit nicht-jüdischen Ehefrauen in sog. Mischehen lebten, waren Eigentümer des Mietshauses in der Mozartstraße. Am 11. September 1942 wurde Dora Freudenthal mit 99 anderen Juden vom Anhalter Bahnhof aus in das Konzentrationslager nach Theresienstadt deportiert. Von dort aus wurde sie am 29. September 1942 in das Vernichtungslager nach Treblinka gebracht und ermordet.11 Stolpersteine in Steglitz plus 1 in Tiergarten. kirchenkreis-steglitz.de; abgerufen am 17. November 2018. 100px Havensteinstraße 26 Alice Matilda Florence Salt wurde am 19. Mai 1878 in Winchcombe (Gloucester) in England als einzige Tochter von Alice Rebecca Salt geborene Chambers (* 1. Juli 1843; † 3. Januar 1891) und ihrem Ehemann Henry Richard Salt (1843–1929) geboren. Sie hatte die beiden älteren Brüder Henry George und Wiliam Arthur sowie den jüngeren Bruder Cecil Henry. 1901 lebte sie in Wallingford (Oxfordshire). Nach dem Tod der Mutter heiratete ihr Vater 1907 erneut. Am 7. Januar 1905 heiratete Alice Salt in Wallingford Richard Hohenemser, zog mit ihm nach Berlin, und am 3. Januar 1906 brachte sie dort ihren Sohn Kurt Hohenemser zur Welt. 1919 lebte die Familie in Frankfurt am Main. Am 8. April 1942 starb sie zusammen mit ihrem Ehemann durch Freitod in der Havensteinstraße 26. 100px Havensteinstraße 26 100px Nicolaistraße 38 Martha Josephsohn kam am 4. Januar 1878 in Königsberg als Tochter von Aron Josephsohn und seiner Frau Berta geborene Rosen zu Welt, sie hatte eine ältere Schwester Friederike. Sie heiratete und nahm den Namen ihres Mannes „Israelski“ an. Ob sie Kinder hatte, konnte nicht ermittelt werden, ihr Mann starb und 1939 wohnte sie im Haus ihrer ebenfalls verwitweten Schwester Friederike Lichtenstein in der Nicolaistraße 38 in Lankwitz. Ihre Schwester musste das Haus an das Deutsche Reich - Luftfahrt - verkaufen, Martha und ihre Schwester Friederike mussten in die Güntzelstraße 60 ziehen. Am 5. September 1942 wurde sie von dort nach Riga deportiert, am 8. September 1942 wurde sie ermordet.19. Osttransport - Transportliste 241. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 30. Dezember 2018Biografische Zusammenstellung von Nina Haeberlin 100px Kaiser-Wilhelm-Straße 19 100px Kaiser-Wilhelm-Straße 19 100px Havensteinstraße 18 ehem. Havensteinstraße 16e Rosalie Alice Levy kam am 9. Februar 1896 in Saarlouis als Tochter des Kaufmanns Jakob Levy und seiner Frau Bertha geborene Weil zur Welt. Alice wurde Lehrerin, sie hatte die Lehrbefähigung für das Lyzeum, Mittel- und Volksschulen. 1928 heiratete sie in Saarbrücken den nichtjüdischen Wirtschaftsprüfer Dr. Ernst Kirchner. Das Paar zog nach Berlin, wo am 8. Juni 1932 die Tochter Marianne geboren wurde. Die Familie lebte in Steglitz, Florastraße 10 und danach in der Havensteinstraße 16e. Im März 1936 wurde die Ehe von Rosalie und Ernst Kirchner geschieden, Ernst Kirchner verstarb im Juni 1936 in Münster. Rosalie Kirchner musste Zwangsarbeit leisten, deswegen schickte sie die Tochter Marianne 1941 zu ihren Schwiegereltern nach Bad Homburg vor der Höhe, wo diese die Kurpension Villa Weiland betrieben. In den Sommerferien 1942 besuchte Marianne ihre Mutter, zur Sicherheit hatte ihr Großvater ihr ihren Taufschein mitgegeben. Am 18. Juli 1942 wurde ihre Mutter verhaftet, Marianne entging der Verhaftung dadurch, dass sie ihren Taufschein vorlegte. Marianne verbrachte den Rest der Schulferien bei Berliner Bekannten.Ein Taufschein als Lebensretter. In: Frankfurter Rundschau, 4. Mai 2017. Ihre Mutter kam von Juli 1942 bis April 1943 in das Arbeitserziehungslager Fehrbellin, dann wurde sie in das KZ Auschwitz deportiert und dort am 30. April 1943 ermordet. Marianne wurde, als sie zurück in Bad Homburg v.d.Höhe war, vom Gymnasium verwiesen und musste die Volksschule besuchen. Sie heiratete 1958 Stanislao Zazo, zog mit ihm nach Italien und bekam drei Kinder.