Wińsko [] (deutsch: Winzig) ist ein Ort und eine ehemalige Stadt im Powiat Wołowski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es ist zugleich Verwaltungssitz der Landgemeinde Wińsko mit Einwohnern (Stand ).

Geographische Lage mini|links|Winzig, nördlich von Wohlau, auf einer Landkarte von 1905 Die Ortschaft liegt in der Region Niederschlesien, zwischen Oder und Bartsch, etwa 15 km nördlich von Wołów (Wohlau) und 60 Kilometer nordwestlich von Breslau, in freier Höhenlage, umgeben von Anhöhen.

Geschichte mini|Verwaltungsgebäude (2019) mini|Winzig (Wintzig), südwestlich von Herrnstadt (Herrenstad), südöstlich von Köben (Koben) und nordnordwestlich von Wohlau (Wolaw), im Herzogtum Wohlau (Ducatus Wolanus), auf der Schlesienkarte von Petrus Schenk, 1710 mini|links|Stadtpanorama von Winzig, aus nördlicher Richtung gesehen, auf einem Stich von ca. 1812 mini|links|Stadtpanorama, aus südlicher Richtung gesehen, veröffentlicht 1914 Die erste Erwähnung eines slawischen Dorfes Vin stammt aus dem Jahre 1218. Herzog Primislaus/Primko I. von Sprottau und Steinau gründete 1285 nach Deutschem Recht (jure Teutonico) der Stadt Steinau die Stadt Wintzig,Gustav A. Tzschoppe, Gustav A. Stenzel: Urkundensammlung zur Geschichte des Ursprungs der Städte und der Einführung und Verbreitung Deutscher Kolonisten und Rechte in Schlesien und der Ober-Lausitz. Hamburg 1832, S. 401–402 (Google Books). die mit regelmäßigen Straßenzügen um einen großen Ring angelegt wurde 1404 erhielt Winzig das Magdeburger Recht.

Während des großen Raubzugs der Hussiten auf dem rechten Oderufer in Mittelschlesien 1432 wurde auch Winzig geplündert.Colmar Grünhagen: Die Hussitenkämpfe der Schlesier 1420–1435, bei Ferdinand Hirt, Breslau 1872, S. 223 (Google Books).

An der Wende des Mittelalters und der Neuzeit hatten die Tuchmacherei das Städtchen zu kurzer Blüte gebracht. Der Stadtbrand von 1514 vernichtete den Ort fast vollständig. Von den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt erst betroffen, als hier am 11. Juli 1626 eine Dänische Armee unter Johann Ernst von Sachsen-Weimar und eine Mansfeldsche Söldnerarmee durchzogen.Historisch-Politisch-Geographischer Atlas der gantzen Welt, Zwölffter Theil, Leipzig 1749, Sp. 1126–1127 (Google Books).Philipp Hanke: Topographische Chronik der Stadt Winzig, 1864, S. 93 (dbc.wroc.pl) Zwar mussten die Landbesitzer Proviant liefern und die Städte gewisse Abfindungen zahlen, doch im ganzen benahmen sich die Heere leidlich, da man die Schlesier für sich gewinnen wollte.Heinrich Schubert (Hrsg.): Michael Morgenbessers Geschichte von Schlesien, Dritte, gänzlich umgearbeitete Auflage, bei Josef Max & Comp., Breslau 1892, S. 210 (Google Books). Nachdem am 11. Oktober 1633 die Kaiserliche Armee unter Wallenstein in einem Überraschungsangriff Steinau an der Oder erobert hatte,Heinrich Schubert: Urkundliche Geschichte der Stadt Steinau an der Oder. Verlag von Max Woywod, Breslau 1885, S. 65–66 (Google Books). nahmen Kroatische Reiter die Gelegenheit wahr und plünderten die Winziger Bürgerschaft aus. Nachdem 1642 der schwedische General Lennart Torstensson die kaiserliche Festung Glogau erobert und ganz Niederschlesien rechts der Oder unter seine Kontrolle gebracht hatte, wurde der Stadt Winzig von den Schweden schon knappe Nahrungsmittel-Vorräte weggenommen. Als die Schweden 1643, von Mähren kommend, abermals durch Schlesien zogen und bei Auras über eine Schiffsbrücke in die Gegend von Wohlau gelangt waren, brandschatzten sie die ganze Region und die Stadt Winzig und erpressten Abgaben, bevor sie bei Beuthen an der Oder wieder die Oder überquerten und nach Meißen gingen.

Mit dem Tod des Herzogs Georg Wilhelm I. (* 1660, † 1675) gelangte Winzig zusammen mit den Herzogtümern Liegnitz, Brieg und Wohlau durch Heimfall an die Krone Böhmen. Winzig blieb ein Ackerbürgerstädtchen; die Umgebung bot gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging Winzigs Bedeutung als Umschlagplatz für den Getreidehandel mit Polen verloren. Bedeutsam waren die Winziger Viehmärkte. Später siedelten sich in der Stadt und der Umgebung Verarbeitungsbetriebe für landwirtschaftliche Produkte an. Im Gut Kunern südwestlich von Winzig nahm Franz Karl Achard 1802 seine erste Zuckerfabrik in Betrieb. Der vom Namen und vom Wappen der Stadt bezeugte Weinbau gehörte schon am Anfang des 20. Jahrhunderts der Vergangenheit an.Josef Partsch: Schlesien – Eine Landeskunde für das deutsche Volk auf wissenschaftlicher Grundlage, Teil II: Landschaften und Siedelungen, Ferdinand Hirt, Breslau 1911, S. 451 (Google Books).

Um 1910 hatte die Stadt eine evangelische und eine katholischen Pfarrkirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht, eine Höhere Mädchenschule, eine gewerbliche Fortbildungsschule, eine Brauerei, eine Likörfabrik, eine Maschinenfabrik, Mühlen, eine Stärkefabrik, Ziegeleien, Kram- und Viehmärkten sowie Lederhandel. Mehrere Ziegeleien verwerteten den in der Gegend vorkommennden Geschiebelehm. Von Bedeutung waren auch Schuhmacherei und Strumpfwirkerei. Im Jahr 1910 hatte Herrnstadt zwei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, eine gewerbliche Fortbildungsschule, eine Branntweinbrennerei, einer Brauerei, ein Holzsägewerk, Mühlen, einer Ziegelei sowie Kram- und Viehmärkte. Am 2. Dezember 1912 wurden auf der 1220,8 Hektar großen Stadtbezirk 132 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 174 Pferde, 539 Stück Rindvieh, sieben Schafe, 661 Stück Borstenvieh, 75 Ziegen sowie 226 Gänse, 15 Enten, 1586 Hühner, 16 Truthühner und 83 Bienenstöcke hielten. Am 1. Dezember 1913 standen im Stadtbezirk 1746 Apfelbäume, 889 Birnbäume, 3216 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 577 Kirschbäume, 18 Aprikosenbäume, 55 Pfirsichbäume und 167 Walnussbäume.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat – Auf Grund der Ergebnisse der Vieh- und Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1913, der Viehzählung vom 2. Dezember 1912 und anderer amtlicher Quellen, Heft 6: Provinz Schlesien, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Breslau, 8. Kreis Wohlau, S. 52–53, Ziffer 3 (Google Books).

Am 10. September 1910 wurden die Landgemeinden Pfarroggen und Vorwinzig aus dem Amtsbezirk Piskorsine in die Stadtgemeinde Winzig eingegliedert.Stadt Winzig

Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Pfarroggen einen Flächeninhalt von 128 Hektar und 76 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 47 Einwohner. Zu den gleichen Zeiten hatte der Gutsbezirk Vorwinzig eine Flächengröße von 56 Hektar und 30 Ar sowie 18 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1928, S. 344–477, insbesondere S. 414, 23. Kreis Wohlau, Ziffer 61 und 102 (Google Books). Am 30. September 1928 erfolgte die Eingliederung der Gutsbezirke Pfarroggen und Vorwinzig aus dem Amtsbezirk Piskorsine in die Stadtgemeinde Winzig.

Um 1935 hatte Winzig unter anderem drei Hotels, acht Gasthäuser und Restaurants, ein Bankhaus und eine Sparkasse, eine Buchdruckerei, drei Getreidehandlungen, zwei Holzsägewerke, vier Imkereien, eine Kartoffelgroßhandlung, eine Likörfabrik, zwei Maschinenbauanstalten, eine Molkerei, eine Mühle, drei Viehhandlungen, einen Zeitungsverlag, eine Ziegelei und eine Reihe von Gemischtwarenläden, Fachgeschäften, Warenhändlern, Dienstleistern sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1800–1801 (Google Books).

Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Winzig zum Landkreis Wohlau im Regierungsbezirk Breslau der Provinz Niederschlesien im Deutschen Reich.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Winzig im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. In den vorherigen Kämpfen mit der deutschen Wehrmacht war Winzig stark zerstört worden. Im Sommer 1945 wurde Winzig zusammen mit fast ganz Schlesien von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die Polen führten für Winzig die Ortsbezeichnung Wińsko ein. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Winzig vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

Nach 1945 wurde das Stadtrecht entzogen; die Ortschaft fiel in die Bedeutungslosigkeit. Bis 1967 erfolgte keinerlei Wiederaufbau in dem zerstörten Ort, so dass das Ortsbild heute große Freiflächen aufweist. Die gotische Kirche überstand den Krieg unversehrt.

Einwohnerentwicklung