mini|Zufahrt zu einer geschlossenen Wohnanlage (Boca Bayou condominiums in Boca Raton, Florida)

Eine Gated Community ( für bewachte oder geschlossene Wohnanlage) ist ein geschlossener Wohnkomplex mit verschiedenen Arten von Zugangsbeschränkungen. Die Größe von Gated Communities variiert von einzelnen bewachten Appartementblöcken bis hin zu großflächigen Siedlungen mit über 100.000 Einwohnern mit eigener Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten, Gemeinschaftseinrichtungen, eigenen Schulen und Krankenhäusern und sogar eigenen Bürozentren und Arbeitsstätten. Seit den 1970er Jahren ist die Anzahl der geschlossenen Wohngegenden kontinuierlich gestiegen, vor allem in den Ballungszentren Nord- und Südamerikas. Auch in Asien und Europa gibt es diese Art von Wohnform.

Geschichte Ab dem 19. Jahrhundert zogen sich wohlhabende Personen in private Wohnanlagen zurück, um sich vor den Auswirkungen der Industrialisierung zu schützen.Edward J. Blakely, Mary Gail Snyder: Fortress America. Gated Communities in the United States. 2. Auflage. Brooking Institution Press, Washington 1999, ISBN 0-8157-9107-0, S. 3 ff. Schon 1857 entstand in New Jersey eine der ersten Gated Communities, der Llewellyn Park. Dieser besteht aus Villen, einem künstlich angelegten Teich und verfügt über 13 ha Land. Die Privatsiedlung mit überwachter Toreinfahrt ist ein Vorbild für die Entstehung weiterer privater Wohngegenden, die zunächst von wohlhabenden Bürgern bewohnt wurden.K. Frantz: Gated Communities in Metro Phoenix (Arizona). Neuer Trend in der US-amerikanischen Stadtlandschaft. In: Geographische Rundschau, 2001, 53, S. 12 f.

Auch in Paris entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts privat erschlossene, gemeinschaftlich verwaltete und geschlossene Wohnviertel. Herausragendes Beispiel ist die Villa Montmorency.Georg Glasze: Bewachte Wohnkomplexe und „die europäische Stadt“. Geograph. Institut der Universität Mainz, o. J.; geogr-helv.net (PDF; 6,5 MB). Dennoch sind Gated Communities über längere Zeit hinweg in erster Linie ein amerikanisches Phänomen der Sun-Belt-Staaten wie Arizona, Kalifornien oder Florida sowie der Ballungsräume von New York City und Chicago geblieben. Sie dienten oftmals als Zweitwohnsitz und wurden überwiegend von Rentnern in Anspruch genommen.K. Frantz: Gated Communities in Metro Phoenix (Arizona). Neuer Trend in der US- amerikanischen Stadtlandschaft. In: Geographische Rundschau, 2001, 53, S. 13

Der eigentliche Boom begann ungefähr 1970, jetzt waren Gated Communities nicht nur der privilegierten Bevölkerung vorbehalten, auch die unvermögenden Bürger konnten sich ein Leben in privaten Wohnsiedlungen leisten. Dies wiederum führte bei der Oberschicht zu dem Wunsch nach noch exklusiveren Angeboten innerhalb der Gated Communities, wie Golfplätzen.mini|Der Eingang der bewachten Wohnanlage Paradise Village Grand Marina Villas im Paradise Village Resort, Nuevo Vallarta, Nayarit, Mexiko.

Verbreitung Eine Erhebung im Jahr 2000 ergab, dass es in den USA mittlerweile knapp über 20.000 Gated Communities für insgesamt mehr als neun Millionen Einwohner gibt. Daraus ergibt sich, dass 3,2 % der Gesamtbevölkerung der USA in Gated Communities leben. Darüber hinaus gibt es noch andere Wohnanlagen, die zwar nicht durch ein Tor geschützt sind, aber über andere Sicherheitsmaßnahmen verfügen. Daraus geht hervor, dass über 20 Millionen US-Amerikaner in Siedlungen mit besonderen Sicherheitsmaßnahmen leben.

Gründe für die Verbreitung Es gibt verschiedene Gründe und Motivationen der Menschen, in Gated Communities zu wohnen. In Gated Communities zu leben bedeutet auch gleichzeitig einen Rückzug aus der gewohnten und städtischen Umgebung, der mit Veränderungen der eigenen Lebensweise einhergeht. Es handelt sich laut Jan Wehrheims Meinung dabei um folgende, häufige Motive:

die Angst vor Kriminalität (Schutz durch Mauern, Sicherheitspersonal, Überwachungsmaßnahmen) Abgrenzungsbedürfnisse bspw. vor anderen Gesellschaftsschichten die Unzufriedenheit mit öffentlichen Dienstleistungen die Möglichkeit der Mitgestaltung und Mitwirkung der eigenen Wohnsiedlung Verlangen nach Ruhe, Naturnähe, Privatsphäre und sozialer, kultureller Homogenität (verkehrsarme Planung der Straßen) der hohe Status von Bewohnern dieser Viertel in der übrigen Stadt (hohes Soziales Kapital)

Typologien Aufgrund des unterschiedlichen Grades ihrer Abgrenzung, der Art der eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen sowie ihrer Bewohnerschaft samt ihren Einzugsmotiven sind in der Literatur verschiedene Typologien der Gated Communities herausgebildet. Diese lassen sich dahingehend unterschiedlich kategorisieren.

Nach Sicherheit und Abgrenzung Nach Sicherheit und Abgrenzung werden Gated Communities in drei verschiedene Kategorien unterteilt:

Neu entstehende private Gated Communities Neu entstehende private Gated Communities befinden sich vor allem in Vororten und werden von Angehörigen der unteren Mittelschicht bis hin zur Oberschicht bewohnt. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass ihr Aufbau von Anfang an streng geplant ist, damit ein einheitliches Bild entsteht. Bei neu geplanten Gated Communities wird das Wohnviertel durch eine Mauer oder einen Zaun abgegrenzt. In größeren Einheiten können die Bewohner zahlreiche Alltagsaktivitäten verrichten; es gibt Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten u. ä. In kleineren Anlagen sind diese Möglichkeiten eng begrenzt; oft gibt es nur eine kleine Gartenanlage als einzige Gemeinschaftseinrichtung. Die Bewachung wird oft von privaten Wachdiensten übernommen.

Nachträglich geschlossene Nachbarschaften Im Gegensatz zu neu entstehenden privaten Gated Communities werden nachträglich geschlossene Nachbarschaften nicht auf Initiative von Bauträgern entwickelt, sondern schon bestehende Wohnviertel werden nachträglich auf Wunsch der Bewohner umzäunt. Diese Gated Communities liegen oft mitten in einer Stadt, was Schwierigkeiten mit sich bringt, da beispielsweise Durchfahrtsstraßen eine komplette Abriegelung verhindern können.

Doorman- oder Concierge-Gebäude Bei Doorman- oder auch Concierge-Gebäuden handelt es sich, anders als bei Gated Communities, ausschließlich um ein Gebäude, in dem mehrere Mietparteien wohnen. In dieses Gebäude gelangen nur die Bewohner oder auch Gäste, die vorher von dem jeweiligen Bewohner angemeldet worden sind. Außerdem gibt es in manchen Fällen Gesichts- und Ausweiskontrollen. Die Zugangsüberwachungen können unterschiedlich ausgeführt werden. Die Installation von Kameras oder die Einstellung von so genannten Doormen oder Concierge als Torwächter wären möglich.

Nach ihrer Bewohnerschaft und Einzugsmotiven Edward Blakely und Mary Snyder machen ihre Typologien von Gated Communities an den in den USA existierenden Communitys fest und unterteilen diese in drei idealtypische Kategorien, die sich alle aus verschiedenen Gründen bilden und unterschiedliche Zugangsbedingungen besitzen. Jedoch ist nicht auszuschließen, dass in der Realität auch Überschneidungen zwischen den Kategorien vorzufinden sind. Als Bedingung aller Gated Communities müssen eine (sichtbare) Abgeschlossenheit gegenüber Nichtmitgliedern, eine eigenständige (Versorgungs-)Infrastruktur und das Bestehen einer Gemeinschaft mit gewissen Regeln gegeben sein.Edward J. Blakely, Mary Gail Snyder: Fortress America. Gated Communities in the United States, 2. Auflage, 1999, Washington: Brooking Institution Press. ISBN 0-8157-9107-0. S. 39 ff.

Eine Sonderform stellt das Demenzdorf dar, das nach außen hin abgegrenzt wird, um die teilweise orientierungslosen Bewohner am Verlassen ihres Wohngebiets zu hindern.

Lifestyle Communities (Lebensstil-Gemeinschaften) In diesen Communitys finden sich Personen nach ihren Interessen bzw. ihrer Lebenseinstellung zusammen, um dort unter Gleichgesinnten, abgegrenzt von anderen, zu leben und Freizeitmöglichkeiten gemeinsam und exklusiv zu nutzen.

Es gibt drei Arten von Lifestyle-Communitys:

Retirement Communities werden in der Regel von Personen der Mittel- und der gehobenen Mittelklasse bewohnt, die das Rentenalter bereits erreicht haben, da ein bestimmtes Alter in diesen Gemeinschaften meist als Voraussetzung für einen Einzug gilt. In nicht wenigen Fällen werden die Häuser anfangs lediglich als Zweitwohnsitze genutzt und nur in den Wintermonaten genutzt, die dort ebenfalls mit angenehmen Temperaturen aufwarten.

Golf and Leisure Communities lassen Menschen der Oberschicht zusammenkommen, die abgegrenzt von anderen in einem elitären Kreis wohnen möchten. Gemeinsames Interesse, beispielsweise am Golf- oder Tennissport, spielt zudem eine wichtige Rolle in diesen Gemeinschaften und wird in vielen Fällen durch Mitgliedschaften in den verschiedenen Clubs unterstrichen.

Suburban New Town Communities sind die modernste Form der Lifestyle-Communitys. Es handelt sich hierbei um riesige, oft mehrere tausend Wohneinheiten umfassende Gemeinschaften, die allerdings nicht von vornherein als solche gedacht waren, sondern erst nachträglich geschlossen wurden und darum neben Wohngebiet auch gewerbliche Flächen mit einschließen können. Die Zusammenschlüsse resultieren oft aus Unzufriedenheit mit der städtischen Versorgung, wie z. B. der Müllabfuhr, die dann in der Community von den Mitgliedern selbst geregelt wird und das Gebiet quasi zu einer völlig autonomen Vorstadt-Gemeinschaft werden lässt. Diese Art von Community ist häufig in den so genannten Sunbelt-Staaten der USA zu finden, die sich von Kalifornien durch den kompletten Süden bis nach Florida ziehen.

Security Zone Communities Die Motivation von Personen, sich in diesen Communitys zusammenzuschließen, wird hauptsächlich durch Angst vor Kriminalität sowie ein mitunter als unerträglich empfundenes Verkehrsaufkommen in ihrer Umwelt geleitet. Das Sicherheitsbedürfnis überwiegt für die Bewohner dieser Communitys als primäre Motivation und spiegelt sich in der Planung sowie Umsetzung wider. Der Zugang zu diesen Communitys wird stark reglementiert und durch privates Wachpersonal sowie diverse Überwachungs- und Sicherheitsvorrichtungen (Zäune, Sicherheitstore, Bewegungsmelder etc.) für Nichtmitglieder so gut wie unmöglich gemacht.

Prestige Communities Diese Communitys bilden einige der sich am schnellsten verbreitenden Gated-Communitys-Formen. Vor allem die Stabilität der sozialen und wirtschaftlichen Umwelt sowie das Bieten von Luxus sind hier wichtig. Die Abgrenzung von der Außenwelt und die Privatisierung staatlicher Dienstleistungen sind vorhanden, stehen jedoch im Hintergrund. Es besteht folgende Unterscheidung von Typen:

Rich-and-famous-Communities waren die ersten Wohngegenden dieser Art in den Vereinigten Staaten. Sie dienen als Rückzugsort für Prominente und Reiche. Sie sind durch Sicherheitsanlagen und Wachpersonal geschützt. Oft werden sie sogar versteckt angelegt, um dem Interesse der Öffentlichkeit ganz zu entgehen.

Top-Fifth-Communities wurden für Bewohner von weniger exklusivem Status entworfen. Sie bieten diesen dennoch Prestigegüter wie prunkvolle Parkanlagen und sogar künstliche Strände an. Auch hier ist der Zugang stark beschränkt und wird stets bewacht.

Executive-Communities sind die Bürgerliche-Mittelstand-Version dieser Community-Form. Sie sind mit weit weniger Mitteln ausgestattet, bieten ihren Bewohnern dennoch das Gefühl von Luxus und einem prestigeträchtigen Stand in der Gesellschaft. Innerhalb der Community werden Gleichheit, Ordnung und Sicherheit als Sinnbild für Stabilität wahrgenommen. Diese Form von Community taucht in den Vereinigten Staaten immer häufiger auf.

Struktur, Verwaltung und Organisation Viele Gated Communities haben eine besondere Art der Verwaltung, die durch die Homeowners Associations (HOA) ausgeführt wird. Sie besitzen neben den Grundstücken auch Teile der Straßen, Gehwege und gegebenenfalls Tore. Ihr Hauptziel ist es, den Wert ihrer Grundstücke zu erhalten.