Schenkendöbern () ist eine Gemeinde im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Die Ortsteile Grano, Kerkwitz, Groß Gastrose und Taubendorf sowie die Gemeindeteile Albertinenaue und Klein Gastrose zählen zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden.

Geografie Schenkendöbern liegt in der Niederlausitz, rund fünfeinhalb Kilometer westlich von Guben und 30 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Cottbus. Die Gemeinde grenzt im Norden an Neuzelle im Landkreis Oder-Spree, im Osten an Guben, im Südosten an die polnische Landgemeinde Gubin, im Süden an Jänschwalde, im Südwesten an Tauer und Turnow-Preilack, im Westen an Lieberose und Jamlitz (beide im Landkreis Dahme-Spreewald) sowie im Nordwesten an Friedland und Grunow-Dammendorf (beide im Landkreis Oder-Spree).

Im westlichen Teil des Gemeindegebietes liegen die Reicherskreuzer Heide und die Lieberoser Heide mit einem Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberose. Die Ortsteile Bärenklau und Pinnow grenzen an das Naturschutzgebiet Pinnower Läuche und Tauersche Eichen, zwischen Krayne und dem Ortsteil Schenkendöbern liegt das Naturschutzgebiet Krayner Teiche/Lutzketal. Der Ortsteil Groß Gastrose liegt an der Lausitzer Neiße, die an dieser Stelle die Grenze zu Polen bildet.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Schenkendöbern gliedert sich in die folgenden Ortsteile, Gemeindeteile und Wohnplätze:

Atterwasch (Wótšowaš) mit dem Wohnplatz Seehof Bärenklau (Barklawa) mit den Wohnplätzen Siedlung (Sedlišćo) und Vorwerk (Forwark) Grabko (Grabk) Grano (Granow) mit dem Wohnplatz Hammer (Hamry) Groß Drewitz (Wjelike Drjejce) mit den Wohnplätzen Göhlenvorwerk, Neue Häuser und Schieben Groß Gastrose (Gósćeraz) mit dem Gemeindeteil Klein Gastrose (Mały Gósćeraz) Kerkwitz (Keŕkojce) mit dem Wohnplatz Neißeaue (Nysowy Ług) Krayne (Krajna) Lauschütz (Łužyca) mit dem Wohnplatz Lauschützer Mühle Lübbinchen (Lubink) mit dem Wohnplatz Forsthaus Waldhof Pinnow (Pynow) mit den Wohnplätzen Forsthaus Eichhorst (Gólnikaŕnja Dubina) und Teerofen (Mazniki) Reicherskreuz (Rychartojce) Schenkendöbern (Derbno) mit dem Gemeindeteil Wilschwitz (Wólšnica) und den Wohnplätzen Seemühle (Jazorowy Młyn) und Vorwerk (Forwark) Sembten (Semtyń) Staakow (Stoki) Taubendorf (Dubojce) mit dem Gemeindeteil Albertinenaue (Albertininy Ług)

Geschichte 14. bis 19. Jahrhundert mini|Kirche in Pinnow Der Ort Krayne mit 184 Einwohnern (Stand: 2004) wurde im Jahr 1465 erstmals urkundlich erwähnt. Im selben Jahr ist auch von einem Ort namens Schenkendobir die Rede. Die Bezeichnung setzt sich aus „Schenken“ und dem sorbischen „Döbern“ (Dubrawa, deutsch: Eichenwald) zusammen, was auf die Lage des Orts in einer feuchten Talmulde an einem Waldstück hindeutet. Unklar ist, ob „Schenken“ auf ein wohlhabendes Geschlecht der Schenken von Landsberg zurückzuführen ist. Der Ort war mit einem aus dem Mittelalter stammenden Schloss verbunden, das zur Herrschaft Schenkendorf gehörte, die wiederum im Besitz der Herren von Wesenburg stand.

Um 1480 wurden Teile des Ortes an die Stadt Guben verkauft und wechselten von dort bereits neun Jahre später an den Landvogt Nickel von Köckritz, der die Gemeinde wiederum 1512 an den Johanniterorden verkaufte. Dort blieb sie bis zur Auflösung des Ordens 1811 in Besitz. Das Gut wurde von den Johannitern als Vasallengut weiter verliehen. In diesen Jahrhunderten wurde in geringem Umfang Handel über die Fernstraße von Guben über Lieberose und Lübben bis nach Leipzig getrieben. Daneben war die Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle der Gemeinde. Die Bauern kultivierten Roggen, Gerste, Hafer, Buchweizen, Lein, Erbsen, Hirse und Hanf, ab 1790 auch Hopfen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts werden Kartoffeln angebaut. Ab 1520 wird eine Gastwirtschaft, bis 1750 eine Wasserburg erwähnt.Chronik Schenkendöbern, Webseite der Gemeinde Schenkendöbern, abgerufen am 3. Juli 2013. 1840 war das Gut im Besitz einer Witwe Breitenfeld.

20. und 21. Jahrhundert mini|hochkant|Kriegerdenkmale in Schenkendöbern Das Gut wechselte mehrfach den Besitzer, bis es 1917 von der Familie Vorsteher zu einem Landwirtschaftsbetrieb mit Viehzucht und Molkerei ausgebaut wurde. Ab 1924 wurden Flaschenmilch sowie weitere Molkereiprodukte nach Guben verkauft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Vorsteher durch die Auswirkungen der Bodenreform enteignet. Das Gebäude wurde von Umsiedlern bewohnt, später als Bürgermeisteramt, LPG-Küche und -Büro genutzt. Die umliegenden Flächen wurden an Bauern und Umsiedler verteilt. Bis 1960 entstanden insgesamt vier LPGs, darüber hinaus am Ochsenberg ein Rinderkombinat und im Schenkendöberner Vorwerk ein Schweinestall. Bis 1969 wuchs die KAP „F 97“ auf sieben LPGs an – mit Groß Gastrose 1976 die letzte verbliebene LPG. In diesem Jahr wurde die LPG in eine Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) mit dem Namen „Wilhelm Pieck“ umbenannt. Sie umfasste bis zur Wiedervereinigung eine Fläche von 6600 Hektar Ackerland und Wiese. 1989 trennte sich Groß Gastrose von Schenkendöbern; ein Jahr später Groß Drewitz.

Südlich des Gemeindegebiets befindet sich der Tagebau Jänschwalde. Im Jahr 2007 wurden Pläne bekannt, nach denen Vattenfall den 2019 auslaufenden Tagebau nach Norden erweitern wollte. Die Schenkendöberner Ortsteile Kerkwitz, Grabko und Atterwasch mit zusammen ca. 900 Einwohnern wären von der Umsiedlung betroffen gewesen. Am 30. März 2017 gab der neue Eigentümer LEAG schließlich bekannt, auf die Erweiterung von Jänschwalde zu verzichten.

Verwaltungsgeschichte Atterwasch, Bärenklau, Grabko, Grano, Groß Drewitz, Groß Gastrose, Kerkwitz, Krayne, Lauschütz, Lübbinchen, Schenkendöbern, Sembten und Taubendorf gehörten seit 1817 zum Kreis Guben, Pinnow, Reicherskreuz und Staakow zum Kreis Lübben (Spreewald) in der preußischen Provinz Brandenburg. Alle Orte wurden 1952 in den Kreis Guben im DDR-Bezirk Cottbus eingegliedert. Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße.

Am 31. Dezember 1998 schlossen sich Grano, Groß Drewitz, Krayne, Lauschütz, Schenkendöbern und Sembten zur Gemeinde Lutzketal zusammen. Gleichzeitig bildeten Lübbinchen, Pinnow, Reicherskreuz und Staakow die neue Gemeinde Pinnow-Heideland. Bereits am 28. Mai 1998 war durch den Zusammenschluss von Groß Gastrose und Kerkwitz die Gemeinde Gastrose-Kerkwitz entstanden.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1998

Die heutige Gemeinde entstand am 26. Oktober 2003 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der sechs bis dahin selbstständigen Gemeinden Atterwasch, Bärenklau, Gastrose-Kerkwitz, Grabko, Lutzketal und Pinnow-Heideland.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2003

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Atterwasch 26. Oktober 2003 Bärenklau 26. Oktober 2003 Gastrose-Kerkwitz 26. Oktober 2003 Grabko 26. Oktober 2003 Grano 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Lutzketal Groß Drewitz 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Lutzketal Groß Gastrose 28. Mai 1998 Zusammenschluss mit Kerkwitz zu Gastrose-Kerkwitz Kerkwitz 28. Mai 1998 Zusammenschluss mit Groß Gastrose zu Gastrose-Kerkwitz Klein Gastrose 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Groß Gastrose Krayne 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Lutzketal Lauschütz 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Lutzketal Lübbinchen 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Pinnow-Heideland Lutzketal 26. Oktober 2003 Pinnow 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Pinnow-Heideland Pinnow-Heideland 26. Oktober 2003 Reicherskreuz 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Pinnow-Heideland Schenkendöbern 31. Dezember 1998 26. Oktober 2003 Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Lutzketal,Bildung der neuen Gemeinde Sembten 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit fünf weiteren Gemeinden zu Lutzketal Staakow 31. Dezember 1998 Zusammenschluss mit drei weiteren Gemeinden zu Pinnow-Heideland Taubendorf 1. Februar 1974 Eingemeindung nach Groß Gastrose Wilschwitz 1. Januar 1926 Eingemeindung nach Schenkendöbern

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 2003 4 457 2005 4 264 2010 3 942 2015 3 662 2020 3 543 Jahr Einwohner 2021 3 478 2022 3 457 2023 3 458 2024 3 401 2025 3 313 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. DezemberHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Spree-Neiße. S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Schenkendöbern besteht aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 75,7 % zu folgendem Ergebnis:

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 Sitze2024 CDU 15,2 % 2 19,0 % 3 Wählergruppe Feuerwehr 12,8 % 2 18,9 % 3 SPD 7,4 % 1 10,0 % 2 Wählergruppe Groß Drewitz 6,6 % 1 8,2 % 1 Die Linke 8,2 % 1 8,1 % 1 Wählergruppe Senioren 2,8 % 1 7,9 % 1 Einzelbewerber Gerald Märksch – – 7,7 % 1 Wählergruppe Lutzketal 8,7 % 1 6,7 % 1 Einzelbewerberin Melanie Bähr – – 5,8 % 1 Wählergruppe Bärenklauer Sportverein 4,1 % 1 5,3 % 1 Einzelbewerber Christian Huschga – – 2,4 % 1 Wählergruppe Heimat und Zukunft – Hier 13,1 % 2 – – AfD 12,0 % 2 – – Wählergruppe Bürger für Bürger – vereint gegen Betroffenheit 5,5 % 1 – – Wählergruppe Pinnow-Heideland 3,8 % 1 – – Insgesamt 100 % 16 100 % 16

Bürgermeister 1998–2003: Karl Krähe (SPD) 2003–2019: Peter Jeschke (CDU)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam 2004, S. 33. Abgerufen am 6. März 2024. seit 2019: Ralph Homeister (Wählergruppe Feuerwehr)

Homeister wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. September 2019 mit 52,8 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74 gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 15. September 2019

Gemeindepartnerschaften Ruppichteroth (Nordrhein-Westfalen) Trzebiechów (Woiwodschaft Lebus, Polen)

Sehenswürdigkeiten mini|Ehemaliges Herrenhaus und heutiger Sitz der Gemeindeverwaltung In der Liste der Baudenkmale in Schenkendöbern und in der Liste der Bodendenkmale in Schenkendöbern stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmale.

Naturparks und Naturschutzgebiete Der südliche Teil des Naturparks Schlaubetal liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Schenkendöbern. Zwischen Reicherskreuz, Staakow und Pinnow liegt die Reicherskreuzer Heide, südlich und westlich des Pinnower Sees liegt das Naturschutzgebiet Pinnower Läuche und Tauersche Eichen.

Geschichtsdenkmale Ehrenmal für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter im Wald südwestlich von Kerkwitz entlang des Waldweges nach Grabko, das an die zahlreichen Toten eines Kriegsgefangenenlagers erinnert, dessen Geschichte noch der Aufarbeitung harrt.

Ortsteil Reicherskreuz mini|Feldsteinhaus in Reicherskreuz