Die dritte Präsidentschaftswahl in Polen fand am 31. Mai 1926 in Warschau statt. Die Nationalversammlung hat Józef Piłsudski zum Präsidenten der Republik Polen gewählt, dieser nahm die Wahl jedoch nicht an.
Hintergrund Während des Maiputsches vom 12. bis zum 15. Mai 1926 stürzte Marschall a. D. Józef Piłsudski die neu gewählte Regierung der Rechts-Mitte Koalition unter Wincenty Witos.Gotthold Rhode: Geschichte Polens. Ein Überblick. 3., verbesserte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-00763-8, S. 485. Der Präsident der Republik Polen, Stanisław Wojciechowski, verzichtete am 15. Mai auf sein Amt, um eine weitere Anfeindung und einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Der Sejmmarschall Maciej Rataj übernahm entsprechend der „Märzverfassung“ bereits zum zweiten Mal interimistisch die Amtsgeschäfte des Staatsoberhaupts. Zunächst wurde erwartet, dass Marschall Piłsudski auch das Parlament auflösen lässt und vorgezogene Neuwahlen befiehlt. Da allerdings nach dem Putsch keinerlei klare Anweisungen von Piłsudski kamen, rief Rataj für den Montag, den 31. Mai 1926 die Präsidentschaftsneuwahl aus.
Die Wahl Kandidaten
Folgende Kandidaten wurden in der Nationalversammlung zur Wahl vorgeschlagen: Adolf Bniński – Ländereibesitzer, Ökonom, Woiwode von Posen (seit 1923), Monarchist Józef Piłsudski – Marschall der Armee, Mitgründer der Polnischen Sozialistischen Partei, vormaliger Staatschef (1919–1922) und Oberbefehlshaber (1919–1923)
Die Abstimmung Unter dem Vorsitz des Sejmmarschalls Maciej Rataj fand die geheime Wahl in der vierten Sitzung der Nationalversammlung durch Wahlzetteleinwurf statt.
+ Warschau, 31. Mai 1926 Wahlgang Kandidat Stimmenzahl % Unterstützende Parteien 1. Wahlgang Adolf Bniński 193 35 % nationalistische Parteien Józef Piłsudski 292 53 % linke und zentristische Parteien Ungültige Stimmen 61 12 % Somit wurde Józef Piłsudski gewählt.
mini|Schreiben von Piłsudski an die Nationalversammlung mit der Nichtannahme der Wahl
Nach der Wahl Marschall Piłsudski nahm die Wahl nicht an.Gotthold Rhode: Geschichte Polens. Ein Überblick. 3., verbesserte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, S. 486. Die Ablehnung der Wahlannahme wurde mit Staunen wahrgenommen, sowohl unter seinen Gegnern wie auch unter seinen Unterstützern. Mit seiner Wahl und der Ablehnung der Würde verfolgte Piłsudski gleich zwei Ziele. Zum ersten, er legitimierte damit seinen Putsch, da die demokratischen Prozeduren formal eingehalten blieben. Zweitens, er unterwarf sich die Nationalversammlung und demonstrierte damit seine weitestgehende Abscheu gegenüber dem Parlament.Marschall Piłsudski pflegte es außerdem, gegenüber der Presse die Verfassung als Prostituierte (poln. prostytuta) und privat die Abgeordneten als Huren (poln. kurwy) zu verunglimpfen.
Da weiterhin kein Staatsoberhaupt feststand, vertagte Rataj die Nationalversammlung auf den nachfolgenden Tag, damit eine weitere Wahl des Präsidenten stattfinden konnte.
Literatur
Fußnoten
#19260531 Polen 05 Kategorie:Politik (Zweite Polnische Republik) Kategorie:Józef Piłsudski