mini|Sabin Tambrea, 2020
Sabin Tambrea, (* 18. November 1984 in Târgu Mureș), ist ein deutscher Theater- und Filmschauspieler und Autor rumänischer Abstammung. 2021 erschien sein Debütroman Nachtleben bei Atlantik / Hoffmann und Campe.
Leben
Kindheit und Ausbildung Sabin Tambrea wurde in Rumänien geboren und entstammt einer Musikerfamilie. Zur Zeit des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu setzte sich sein Vater, ein Orchestermusiker, 1986 auf einer Konzertreise nach Frankreich ab. Im Rahmen der Familienzusammenführung siedelte ein Jahr danach die Mutter mit ihm und seiner Schwester zum Vater nach Deutschland über,Der Märchenkönig als Kunstliebhaber und Visionär. In: Neue Westfälische, 11. Juli 2011; abgerufen via Wiso presse. wo sie zunächst in Marl lebten und später nach Hagen umzogen; dort wuchs Sabin Tambrea auf.Patrick Wildermann: Majestät will ein Rätsel bleiben. In: Tagesspiegel, 4. Januar 2013, S. 21.
Tambreas Eltern Rodica Tambrea und Béla Tambrea sind Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Hagen bzw. der Dortmunder Philharmoniker. Seine Schwester Alina Armonas-Tambrea war Mitglied des Trio Enescu und ist Dozentin für Violine an der Darmstädter Akademie für Tonkunst.
Tambrea erhielt ab dem vierten Lebensjahr Musikunterricht auf der Violine. Ebenso studierte er das Bratsche- und Klavierspiel sowie das Dirigieren. Sein Bühnendebüt gab Tambrea im Alter von sechs Jahren als Solist im Kinderchor des Theaters Hagen. Zwischen 1994 und 2002 nahm er als Violinist mehrfach auf Regional- und Landesebene am Wettbewerb Jugend musiziert teil. Dabei belegte er sechsmal den ersten Platz und wurde daraufhin Mitglied des Landesjugendorchesters Nordrhein-Westfalens.
Im Alter von 18 Jahren beendete Tambrea den Musikunterricht, um sich der Schauspielerei zu widmen. 2006 gelang ihm die Aufnahme an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Dort ließ sich Tambrea bis 2010 zum Schauspieler ausbilden.
Arbeit als Theater- und Filmschauspieler Noch während seines Schauspielstudiums fand Tambrea Aufnahme als Theaterschauspieler am Berliner Ensemble, wo er 2008 mit weiteren Jungdarstellern in Claus Peymanns Inszenierung von Frank Wedekinds Frühlings Erwachen als Melchior auf der Bühne stand. Weitere Auftritte an diesem Schauspielhaus folgten, u. a. als junger Krieger und Titelheld in Boris Jacobys Philotas (2010), als Jack the Ripper in Robert Wilsons Version von Lulu (2011) sowie in der Doppelrolle der Viola und des Sebastian in Katharina Thalbachs Inszenierung von Shakespeares Was ihr wollt (2012). Rückblickend gab Tambrea an, von Beginn an Theaterrollen bekommen zu haben, „die eigentlich zu groß waren für mein Können zur jeweiligen Zeit, aber an denen ich wachsen durfte“.
Parallel zur Arbeit im Theater begann Tambrea, in Film- und Fernsehproduktionen in Erscheinung zu treten. Nach Sprecherrollen beim Deutschlandradio erschien er 2009 als eitler und unter Mordverdacht stehender Musikschüler André Kollwitz in der Polizeiruf-110-Folge Der Tod und das Mädchen. 2011 folgte sein Kinodebüt mit einer kleinen Rolle in Christian Schwochows Drama Die Unsichtbare. Anfang Juni desselben Jahres wurde Tambreas Verpflichtung als bayerischer „Märchenkönig“ Ludwig II. in Marie Noëlles und Peter Sehrs gleichnamiger Kinoproduktion bekannt, die Ende Dezember 2012 in den deutschen Kinos startete. Tambrea spielt an der Seite von Hannah Herzsprung den jugendlichen Regenten, während Sebastian Schipper den erwachsenen Ludwig verkörpert. Tambrea setzte sich beim Casting gegen mehr als 360 Konkurrenten durch und nahm in Vorbereitung auf die Dreharbeiten vier Monate lang Reitunterricht.Anke Sieker: Opulente Ausstattung für „Ludwig II.“. dapd Basisdienst, 20. Oktober 2011 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). Seine Darstellung brachte ihm den Bayerischen Filmpreis, den New Faces Award, den Preis als bester Hauptdarsteller beim ersten historischen Filmfestival in Waterloo sowie eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis ein. 2014 war Tambrea als Siegfried in Dieter Wedels Filmeinspieler für die Nibelungenfestspiele Worms zu sehen. Ein Jahr später folgte die Hauptrolle als eifersüchtiger französischer Liebhaber von Alice Dwyer in Andrina Mračnikars Kinofilm Ma Folie sowie der Part als diabolischer SS-Untersturmführer Hermann Reineboth in Philipp Kadelbachs Fernsehfilm Nackt unter Wölfen (beide 2015). In dem ARD-Historiendrama Das Geheimnis der Hebamme, basierend auf Sabine Eberts Hebammen-Saga, spielte Tambrea die Rolle des Bösewichts Randolf (2016). Große Popularität verschafften ihm seine Rollen im Ku’damm-TV-Mehrteiler (2016/2018/2021/2025) und der Serie Babylon Berlin (2020).
Privates Tambrea lebt in Berlin und ist seit 2018 mit der Schauspielerin Alice Dwyer verheiratet. Er bezeichnet sich selbst als „offenen Atheisten“. 2024 wurden Tambrea und Dwyer Eltern eines Kindes.
Theaterstücke (Auswahl) Jahr Theaterstück Rolle Regie Bühne 2002 Winner and Loser Julian Theater Hagen 2003 In einem tiefen dunklen Wald Hauptrolle Theater Hagen 2004 Shakespeare sämtliche Werke Chris Long, Daniel Singer, Jess Winfield Theater Hagen 2004 Indien Wirt/Priester Theater Hagen 2004 nellie goodbye Jonny Theater Hagen 2005 Der Vetter aus Dingsda Hans Theater Hagen 2005 Norway Today August Theater Hagen 2006 Ehrensache Cem Theater Ernst-Busch-Schule 2006 Das Geheimnis der Irma Vep / Komödie Hauptrolle Theater Hagen 2006 Anatevka Perchik Theater Hagen 2007 Liliom Ficsur Theater Hagen 2008 Hermannschlacht Hermann Theater Ernst-Busch-Schule 2008/09 Frühlings Erwachen Melchior Gabor Berliner EnsembleInternationale Maifestspiele, Wiesbaden 2009 Shakespeares Sonette Woman/Lady Berliner Ensemble 2010 Das Käthchen von Heilbronn Graf von Strahl Berliner Ensemble 2010 Im Dickicht der Städte George Garga Berliner Ensemble 2011 Lulu Jack the Ripper Berliner Ensemble 2012 Geschichten aus dem Wiener Wald Alfred Berliner Ensemble 2012 Was ihr wollt Viola/Sebastian Berliner Ensemble 2013 Peter Pan Peter Pan Berliner Ensemble 2014 Die Kannibalen Klaub Berliner Ensemble 2015 Schwarze Milch der Frühe – Der Dichter Paul Celan … Berliner Ensemble 2017 Prinz Friedrich von Homburg Prinz Friedrich Arthur von Homburg Berliner Ensemble
Filmografie (Auswahl)
Publikationen Nachtleben. Atlantik Verlag Hamburg, 2021. Vaterländer. Gutkindverlag Berlin, 2024.
Sprecher in Hörbüchern Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie. Übers. Sonja Finck. Random House Audio, 2019 Ta-Nehisi Coates: Der Wassertänzer. Random House Audio, 2020 Takis Würger: Noah. Von einem, der überlebte. Random House Audio, 2021
Auszeichnungen 2012: Bayerischer Filmpreis, Nachwuchsdarstellerpreis für Ludwig II. 2013: New Faces Award für Ludwig II. 2013: Daphne-Preis der TheaterGemeinde Berlin für herausragende junge Darsteller 2013: Historical Filmfestival Waterloo: Bester Hauptdarsteller für Ludwig II. 2013: Deutscher Filmpreis: Nominierung für Ludwig II. (Beste darstellerische Leistung – männliche Hauptrolle) 2016: Deutscher Fernsehpreis: Auszeichnung für Nackt unter Wölfen (Bester Fernsehfilm, als Teil des Hauptcasts) 2019: Grimme-Preis: Auszeichnung im Wettbewerb Fiktion für Hackerville (als Teil des Ensembles) 2022: Günter-Rohrbach-Filmpreis – Darstellerpreis für In einem Land, das es nicht mehr gibt gemeinsam mit Marlene Burow und David Schütter 2024: Nominierung für den Bambi in der Kategorie Schauspieler National für Die Herrlichkeit des Lebens 2026: Jupiter Award: Auszeichnung für Der Heimweg (Bester Film TV & Streaming national, stellvertretend als Hauptdarsteller) sowie Nominierung in der Kategorie Bester Darsteller (TV & Streaming) national
Weblinks
Sabin Tambrea bei castforward.de Sabin Tambrea Agenturprofil
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Darstellender Künstler (Berlin) Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Rumäne Kategorie:Geboren 1984 Kategorie:Mann