Der Bahnhof Wolfratshausen ist eine Betriebsstelle der Isartalbahn in der oberbayerischen Stadt Wolfratshausen. Der Bahnhof liegt im Tarifbereich des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) und wird von der Linie S 7 der S-Bahn München bedient.
Die Lokalbahn Aktien-Gesellschaft (LAG) nahm den Bahnhof am 27. Juli 1891 als Endpunkt der aus München kommenden Isartalbahn in Betrieb. Zum 1. Juni 1897 verlängerte die LAG die Isartalbahn bis nach Eurasburg und später bis nach Bichl. Bis zur Verstaatlichung der LAG im Jahr 1938 war Wolfratshausen ein Lokbahnhof, in dem Lokomotiven gewartet wurden. Von 1957 bis 1972 legte die Deutsche Bundesbahn in mehreren Etappen die Strecke zwischen Bichl und Wolfratshausen still, seitdem ist der Bahnhof Wolfratshausen wieder Endbahnhof der betriebenen Strecke. Im Mai 1972 wurde der S-Bahn-Verkehr zwischen München und Wolfratshausen aufgenommen.
Lage
mini|Umgebungskarte des Bahnhofs Wolfratshausen mit rot markiertem Bahnhofsgebäude Der Bahnhof befindet sich im Osten der Wolfratshausener Innenstadt. Das Empfangsgebäude steht westlich der Gleise und hat die Adresse Bahnhofstraße 41. Im Westen der Gleise verlaufen die Bahnhofstraße, die Sauerlacher Straße und die Straße Am Floßkanal. Südlich des Empfangsgebäudes befindet sich der Wolfratshausener Busbahnhof. Im südlichen Bahnhofsbereich kreuzt die Sauerlacher Straße (Staatsstraße 2070) mit einem schienengleichen Bahnübergang die Gleisanlagen, nördlich des Bahnhofs unterquert der Mühlpointweg die Strecke.
Wolfratshausen ist heute Endpunkt der Isartalbahn (VzG 5507), einer eingleisigen, elektrifizierten Hauptbahn. Der Bahnhof liegt am Streckenkilometer 26,30. Die Bahnstrecke wird von der Deutschen Bahn als Kursbuchstrecke geführt.
Geschichte Planung und Bau
Am 24. Oktober 1886 erteilte der bayerische Staat die Konzession zum Bau einer meterspurigen Bahnstrecke von München über Wolfratshausen zur Rottmannshöhe am Starnberger See, die nach einem Beschluss von 1885 in Normalspur gebaut werden sollte. Dabei sollte der Wolfratshausener Bahnhof in der Nähe der Dorfener Höhe errichtet werden, die etwa eine Dreiviertelstunde Fußweg vom Wolfratshausener Marktplatz entfernt lag. Die Marktgemeinde Wolfratshausen protestierte gegen diese Lage. Sie befürchtete, dass die Einwohnerzahl weiter sinken würde, wenn andere Orte mit direktem Bahnanschluss Wolfratshausen gegenüber Vorteile hätten. Die mit dem Bau der Strecke beauftragte Aktiengesellschaft Isarbahn wollte den Bahnhof jedoch nicht in der im Tal der Loisach gelegenen Wolfratshausener Ortsmitte errichten, da dies pro Kilometer bis zu 80.000 Goldmark mehr gekostet hätte. Wolfratshausen bot 60.000 Mark für die Errichtung des Bahnhofs im Tal und gründete am 26. September 1888 den Bahnverein München–Wolfratshausen zur Durchsetzung der Bahnhofsverlegung. Am 27. September 1888 einigte sich Wolfratshausen mit der Bahngesellschaft, indem diese den Bau einer Straße zwischen dem Bahnhof auf dem Berg und dem Marktplatz versprach. Am 6. November 1889 wurde der Bau und Betrieb der Strecke der Lokalbahn Aktien-Gesellschaft (LAG) übertragen. Gleichzeitig beschlossen die Gemeinden und die LAG, den Endpunkt Rottmannshöhe aufzugeben und die Bahn stattdessen von Wolfratshausen über Eurasburg nach Bichl weiterzubauen. Damit war es für Wolfratshausen wieder möglich, doch einen Bahnhof im Loisachtal zu bekommen. Nachdem der Bürgermeister am 23. November 1889 die kostenlose Abtretung der dafür benötigten Grundstücke zugesagt hatte, begannen am 27. Mai 1890 die Bauarbeiten. Allerdings kam es wegen Hangrutschen an der Schlederleite nördlich von Wolfratshausen beim Bau des Streckenabschnittes Ebenhausen–Wolfratshausen zu Verzögerungen. Am 27. Juli 1891 konnte die Isartalbahn bis Wolfratshausen eröffnet werden.
Betrieb unter der Lokalbahn-Aktiengesellschaft
mini|Der Güterschuppen nördlich des Bahnhofsgebäudes im Jahr 2012 Am 27. Juli 1891 wurde der Bahnhof Wolfratshausen als Endpunkt der Isartalbahn eröffnet. Westlich der Gleisanlagen befindet sich das Empfangsgebäude. Gegenüber dem Bahnhofsgebäude auf der anderen Seite des Bahnhofsplatzes gab es eine Bahnhofsrestauration. Als Streckenendpunkt erhielt der Wolfratshausener Bahnhof im Norden eine dreigleisige Wagenhalle. Im Westen der Wagenhalle schloss ein einständiger Lokschuppen an. In diesem befand sich zum Heben von Flüssigkeiten ein Pulsometer. Kurz vor dem Lokschuppen befand sich ein Kohlenschuppen, wo die Kohle für die Dampflokomotiven gelagert wurde. Westlich des Lokschuppens verließ die Isartalbahn den Bahnhof, nachdem sie einen Bahnübergang überquert hatte. Der eigentliche Bahnhof verfügte über drei Gleise mit Bahnsteigen, sowie ein weiteres, welches für den Güterverkehr vorgesehen war. Am südlichen Ende des vierten Gleises befanden sich die Güterverkehrsanlagen. Es waren ein Güterschuppen, eine Seiten- und eine Stirnrampe für die Güterverladung, sowie eine Stationswaage mit einer Tragkraft von 20 Tonnen vorhanden.
Am 25. August 1896 begannen die Bauarbeiten für die Verlängerung der Isartalbahn nach Bichl. Am 1. Juni 1897 konnte die Strecke bis Eurasburg eröffnet werden. Zum 23. Mai 1898 folgte die Eröffnung der Gesamtstrecke bis zum Bahnhof Bichl, wo Anschluss zur Staatsbahnstrecke von Tutzing nach Kochel bestand. Der Bahnhof Wolfratshausen blieb auch danach im Bahnbetrieb bedeutend, da hier die aus München kommenden Züge geschwächt und die in Richtung München fahrenden Züge gestärkt wurden. Mit der Verlängerung der Bahnstrecke nach Eurasburg ließ die LAG auch die Gleisanlagen des Bahnhofs erweitern. So erhielt der Bahnhof westlich des Güterschuppens ein zusätzliches Ausziehgleis. Bis spätestens 1909 entstand vor dem ersten Gleis des Wagenschuppens eine Drehscheibe mit einem Durchmesser von 6,5 Metern. Außerdem erhöhte die LAG die Tragkraft der Waggonwaage vor dem Güterschuppen von 20 auf 30 Tonnen. An jedem durchgehenden Personenzuggleis richtete man ebenfalls bis spätestens 1909 an beiden Enden je einen Wasserkran ein, der von der örtlichen Wasserleitung gespeist wurde. Östlich des Waggonschuppens war ein Gleisanschluss zur Eiskeller Brauerei Eberl-Faber entstanden. Seit 1909 nutzten die Personenzüge nicht mehr das Gleis 3, in Richtung München entstand auf der Seite des Empfangsgebäudes ein zusätzliches Stumpfgleis.
Der Bahnhof Wolfratshausen hatte im Ersten Weltkrieg keine wichtige Bedeutung und blieb unbeschädigt. Die seit 1915 immer höher werdenden Verluste der LAG beeinflussten den Verkehr im Isartal und es wurden weniger Züge gefahren. In den Zügen, die nur zwischen Wolfratshausen und München verkehrten, gab es nur noch die dritte Klasse. Erst Ende 1933 wurde die Anzahl der Züge zwischen München und Wolfratshausen durch die Förderung der Gemeinden und durch die Reduzierung der parallel verkehrenden Busse wieder auf elf Zugpaare täglich angehoben. Am 1. August 1938 wurde die LAG verstaatlicht. Sie wurde von der Deutschen Reichsbahn übernommen.
Zweiter Weltkrieg und Elektrifizierung
mini|Anschlussgleis nach Geretsried im Jahr 2012 Im Zweiten Weltkrieg wurde zwischen 1940 und 1941 ein Anschlussgleis zur Munitionsfabrik in Geretsried errichtet. Es zweigt im Bahnhof Wolfratshausen von der Isartalbahn ab. Für Munitionstransporte verwirklichte die Deutsche Reichsbahn einen eigenen Güterbahnhof südlich von Wolfratshausen, welcher 1941 in Betrieb ging. Im Verlauf der zunehmenden Zerstörung Münchens errichtete die Deutsche Reichsbahn eine Verbindung vom Anschlussgleis nach Süden. Dadurch entstand in Wolfratshausen ein Gleisdreieck, worüber die Deutsche Reichsbahn die Güterzüge über Bichl und Tutzing umleitete. Der Bahnhof Wolfratshausen war jedoch weiterhin für das Zusammenstellen der Züge zuständig. Außerdem waren weiterhin Rangierarbeiten in Geretsried und Wolfratshausen nötig. Da die Alliierten in den Jahren 1943 und 1944 Teile der Isartalbahn durch Luftangriffe zerstörten, konnte der reguläre Personenverkehr erst 1946 wieder aufgenommen werden. Die Wagenhalle wurde vermutlich im Zweiten Weltkrieg zerstört. Den Lokschuppen ließ die Deutsche Bundesbahn spätestens nach dem letzten Dampflokeinsatz der Baureihe 64 auf der Isartalbahn abreißen.
Die Deutsche Bundesbahn legte den Abschnitt von Beuerberg nach Bichl wegen geringer Fahrgastzahlen und schlechtem Zustand des Oberbaus am 31. Mai 1959 still. Im Mai 1960 elektrifizierte sie die Isartalbahn bis Wolfratshausen. Die Deutsche Bundesbahn nahm den elektrischen Betrieb von München nach Wolfratshausen am 29. Juni 1960 auf. Der Gläserne Zug kam als erster elektrischer Zug im Bahnhof Wolfratshausen an. In Wolfratshausen richtete die Deutsche Bundesbahn ein Unterwerk für die Versorgung der Oberleitung mit Strom ein. Das Werk ist an die Bahnstromleitung von Kochel nach Holzkirchen angeschlossen. Fortan führten Uerdinger Schienenbusse den Betrieb zwischen Wolfratshausen und Beuerberg durch. Die Fahrgäste mussten im Bahnhof Wolfratshausen von München weiter in Richtung Beuerberg umsteigen. Am 28. Mai 1972 stellte die Deutsche Bundesbahn schließlich auch den Güter- und Personenverkehr auf dem Streckenabschnitt von Wolfratshausen nach Beuerberg ein, die Strecke wurde stillgelegt. Der Bahnhof Wolfratshausen war somit wieder Endpunkt der Isartalbahn.
Integration in die S-Bahn München
Am 28. Mai 1972 nahm die S-Bahn München den Betrieb auf, wofür die Deutsche Bundesbahn den Bahnhof grundlegend umbauen ließ. Dabei ließ sie unter anderem einen neuen 76 Zentimeter hohen Mittelbahnsteig errichten, welcher nun über einen höhengleichen Übergang, über das Gleis 1 barrierefrei erreichbar ist. Ebenfalls umgebaut wurde das Empfangsgebäude. Der nördliche Pavillon und die Wartehalle wurden abgerissen und durch ein flaches Gebäude ersetzt. Spätestens 1972 stellte die Deutsche Bundesbahn auch den Stückgutverkehr ein, sodass die Weichenverbindungen zum Güterschuppen entfernt wurden. Den Gleisanschluss zur Brauerei legte die Deutsche Bundesbahn ebenfalls still, er ist heute nicht mehr vorhanden.
Fortan verkehrte die S-Bahn vom Holzkirchner Flügelbahnhof des Münchner Hauptbahnhofs nach Wolfratshausen. Eine Weiterführung durch den Stammstreckentunnel war damals noch nicht möglich. Seit der Eröffnung der Südstreckeneinführung in die S-Bahn-Stammstrecke mit dem sogenannten Südstreckentunnel unter den Ferngleisen in Richtung Pasing am 31. Mai 1981 verkehrt die S-Bahn aus Wolfratshausen weiter über die S-Bahn-Stammstrecke.
Aufbau Bahnsteige und Gleisanlagen
mini|Bahnsteig mit S7 nach Aying Der Wolfratshausener Bahnhof besitzt zwei Bahnsteiggleise an einem 140 Meter langen und 76 Zentimeter hohen Mittelbahnsteig, der über einen schienengleichen Übergang über Gleis 1 barrierefrei mit dem Empfangsgebäude verbunden ist. Der Bahnsteig ist nicht überdacht und verfügt über digitale Zugzielanzeiger. Neben den Bahnsteiggleisen 1 und 2 befindet sich das bahnsteiglose Gleis 3, von dem südlich des Bahnübergangs der Sauerlacher Straße das Anschlussgleis nach Geretsried abzweigt. Südlich der Abzweigung befand sich bis 2018 eine zweigleisige Abstellanlage, von der nur noch ein Gleis vorhanden ist. Nach dem Prellbock am Ende der Abstellanlage führte das Gleis der ehemaligen Isartalbahn noch etwa 450 Meter weiter nach Süden, bevor es endet. Im nördlichen Teil des Bahnhofs zweigten vom Gleis 3 vier weitere Abstellgleise ab, von denen seit 2018 nur noch ein Gleis vorhanden ist und noch zum Verladen von Gütern genutzt werden kann.
Gleis Nutzbare Länge Bahnsteighöhe Aktuelle Nutzung 1 140 m 76 cm S7 in Richtung München 2 140 m 76 cm S7 in Richtung München
Empfangsgebäude mini|Empfangsgebäude und Busbahnhof