mini|Schräge Heckansicht des DMC-12 mini|Markenemblem
Der DeLorean DMC-12 ist das einzig gebaute Modell der DeLorean Motor Company (DMC). Das Coupé wurde von Januar 1981 bis Dezember 1982 in Nordirland gefertigt. Bekannt wurde der Wagen insbesondere durch die Film-Trilogie Zurück in die Zukunft ab 1985, in der er zu einer Zeitmaschine umgebaut wurde. Durch diese Filmreihe erlangte das Fahrzeug Kultstatus bei Autosammlern und in der Popkultur, allerdings alles erst einige Jahre nach dem Bankrott des Herstellers.
Modellgeschichte Konzept John DeLorean wollte nach eigener Aussage ein „ethisches“ Auto bauen – sicher, langlebig und nachhaltig. Bereits als General Motors (GM)-Manager vertrat DeLorean die Meinung, kompakten, hochwertigen Fahrzeugen mit leistungsstarken, effizienten Motoren und einer verbesserten Sicherheit gehöre die Zukunft. Weil sich das übrige Management dieser Meinung nicht anschloss, ging DeLorean als Vize-Präsident von GM immer öfter auf Konfrontationskurs mit seinen Kollegen, was schließlich dazu führte, dass man ihn vor die Wahl stellte: Freiwillig gehen oder gefeuert werden. Um sein Gesicht zu wahren, entschloss sich John DeLorean im Mai 1973, bei GM zu kündigen, um sich mit der Idee eines Sportwagens unter eigenem Namen (DMC – DeLorean Motor Company) selbstständig zu machen. Die Entwicklung des technischen Konzepts lag in dieser frühen Phase bei Bill Collins, einem ehemaligen Ingenieur bei Pontiac.
Schon früh versuchten DeLorean und Collins, ihre Vorstellungen von einem „ethischen Auto“ umzusetzen, indem sie der „Allstar“-Versicherung ein Sicherheitskonzept abkauften und auf dessen Basis den ersten Prototyp des DMC-12 schufen, der allerdings noch DSV (DeLorean-Safety-Vehicle) hieß.
Bereits 1975 entschied sich John DeLorean dafür, die Form seines Wagens von Giorgetto Giugiaro gestalten zu lassen. Das Design war schon nach wenigen Monaten fertig. Es war kein vollständig neuer Entwurf, denn Giugiaro griff auf eine für den Porsche 928 gedachte Vorlage zurück, die von Porsche abgelehnt worden war. Auch gab es bereits ein ähnlich anmutendes Fahrzeug in Form des Matra Laser. Die Form war von Giugiaros Studie Maserati Medici abgeleitet worden, einer aufsehenerregenden Arbeit, die später so unterschiedliche Fahrzeuge wie den Maserati Quattroporte III und das Audi Coupé Serie I beeinflusste. Die leichte Heckpartie mit den dünnen Streben orientierte sich an Giugiaros Entwürfen für die Maseratis Bora und Merak.
Erste Zeichnungen aus dem Jahr 1975 sahen – jedenfalls als Alternativgestaltung – eine 2+2-sitzige Version des Coupés vor. Sie wurde nicht realisiert; DeLorean blieb bei der Konzeption des DMC-12 als Zweisitzer. Die Idee eines Viersitzers wurde einige Zeit später bei DeLoreans Medusa-Projekt wieder aufgegriffen.
Prototypen mini|Vorführmodell des DMC-12 Coupé von Italdesign, 1975; heute im Ulster Folk and Transport Museum.
Giorgetto Giugiaros Unternehmen Italdesign bei Turin erhielt im Februar 1975 den Auftrag, den DeLorean-Wagen zu gestalten. Im März 1975 zeigte Giorgetto Giugiaro seinem Auftraggeber John DeLorean und dessen Chefingenieur William T. Collins Jr. fünf unterschiedliche Seitenansichten im Maßstab 1:10 sowie einige Frontansichten. Im Juli 1975, knapp sechs Monate nach Auftragsvergabe, sahen DeLorean und Collins das durchsichtige Modell aus Epowood und befanden es für gut. Epowood ist ein Epoxidharz-Schaum, der mit Handwerkzeugen zur Holzbearbeitung bearbeitet werden kann. Der Vorteil gegenüber Holz ist, dass er keine Fasern hat.Schautafel im Ulster Folk and Transport Museum.
Danach stellte das US-Unternehmen Kar Kraft einen ersten Prototyp her. Er war Anfang 1977 fahrbereit. Er unterschied sich in Details – beispielsweise in der Position der Rückspiegel und in den Seitenfenstern – vom späteren Produktionsmodell, entsprach aber weitgehend den Vorgaben von Bill Collins und John DeLorean. Er nahm viele Sicherheitsmerkmale des Allstar-Sicherheitskonzepts auf, war also unter anderem mit Airbags ausgestattet. Erste Tests eines 3-Liter-V6-Motors von Ford brachten unbefriedigende Ergebnisse, und DeLorean verbaute einen Vierzylindermotor von Citroën. So erhielt der erste Prototyp Motor und Getriebe vom Citroën CX, der 75 kW (102 PS) leistete. Für den Citroën-Motor war allerdings kein 5-Gang-Getriebe erhältlich; zudem erwies sich der Motor als zu schwach, weshalb DeLorean Turboaufladung in Erwägung zog. Citroën lehnte dies mit Hinweis auf Garantieansprüche ab und trat als möglicher Motorenlieferant zurück.
mini|Karosserie-Oberfläche DeLorean DMC-12 1977 entstand ein zweiter Prototyp, der bei Creative Industries hergestellt wurde. Er hatte einen 2,7-Liter-V6-Motor von Peugeot/Renault/Volvo (den sogenannten „PRV-Motor“ oder Europa-Motor), der Bill Collins bereits im Renault Alpine A310 aufgefallen war. Der Einbau dieses großen, schweren Motors führte dazu, dass die gesamte hintere Hälfte des Wagens umgestaltet werden musste; aus einem Mittelmotor-Wagen wurde eine Heckmotor-Konstruktion. Weil das Projekt nur langsam voranschritt und DeLorean immer stärker unter Erwartungsdruck seiner Investoren stand, beschloss er – ohne Rücksprache mit Bill Collins –, die weitere Entwicklung des Wagens auszulagern.
Im Januar 1979 besuchten der Direktor des kurz vorher in Nordirland gegründeten DeLorean Motor Cars Limited, Charles Bennington, und der Einkaufsleiter Barrie Wills die Firma Italdesign. Giorgetto Giugiaro zeigte ihnen seinen neuesten Konzeptentwurf, den Ace of Clubs (Kreuz-Ass). Er sagte, sein vier Jahre altes Design sei veraltet und müsse überarbeitet werden. Er empfahl, die scharfen Kanten zu runden und verschiedene Eigenheiten des Ace of Clubs einzuarbeiten. Man einigte sich darauf, dass die rechte Fahrzeugseite des Modells unverändert bleiben solle, während die linke anhand der empfohlenen Designänderungen modifiziert werden solle. Daraufhin musste Bennington nur noch DeLorean von den erforderlichen Änderungen überzeugen. Das überarbeitete Modell wurde ihm im April 1979 vorgestellt, und das überarbeitete Design wurde genehmigt, so dass es 1980 in Produktion gehen konnte.Epo-wood Delorean.
Entwicklung bei Lotus mini|DeLorean DMC-12 schräge Frontansicht mini|DeLorean DMC-12 schräge Heckansicht
DeLorean setzte für die Entwicklung bis zur konkreten Marktreife und -einführung noch zwei weitere Jahre an. So trat er an Porsche heran und bat um die Entwicklung zur Serienreife. Porsche lehnte aber mit der Begründung ab, für Entwicklungsarbeiten an dem Fahrzeug mindestens fünf Jahre zu benötigen; das Projekt sei im von DeLorean vorgegebenen Zeitrahmen nicht seriös durchführbar. DeLorean stand als vollhaftender Einzelunternehmer aber unter zunehmendem Druck. Er musste sein bis dahin unausgereiftes Konzept zu einem markttauglichen, attraktiven Produkt weiterentwickeln. Der einzige Automobilhersteller, der sich schließlich in der vorgegebenen Zeit des DSV annehmen mochte, war Colin Chapman und sein britisches Unternehmen Lotus.
Dort arbeiteten 1977 und 1978 zeitweise 200 Mitarbeiter daran, den DeLorean zur Serienreife zu entwickeln. Die bisherige technische Entwicklung von Bill Collins wurde dabei weitestgehend aufgegeben, Collins selbst gab auf und kündigte Anfang 1979. Lotus entwickelte ein völlig anderes Fahrgestell, das im Wesentlichen dem des Lotus Esprit entsprach: ein vorn und hinten gegabelter Zentralrohrrahmen aus (nicht rostfreiem) Stahlblech. Die „Zinken“ sind an den Enden durch Querträger verbunden. In den dadurch gebildeten Dreiecken sitzt vorn der Tank, und das hintere Rahmendreieck nimmt den Motor auf. Die Vorderräder mit Zahnstangenlenkung sind an Doppelquerlenkern aufgehängt, hinten ist eine Zentrallenkerachse eingebaut, das heißt der Radträger stützt sich mit einem schräg nach vorn gerichteten Ausleger am Rahmen ab und wird von zwei Querlenkern seitlich geführt.Fotos des Rahmens
Was von DeLoreans Idee übrig blieb, waren lediglich Giugiaros Karosserieform, die Flügeltüren und die edelstahlbeplankte Kunststoffkarosserie. Die Entscheidung, das technische Rückgrat des DeLorean dem des Esprit anzupassen, wird heute allgemein mit der kurzen Zeit begründet, die Lotus für die technische Entwicklung zur Verfügung stand: eine eigenständige Konstruktion des DeLorean-Fahrgestells wäre in weniger als zwei Jahren kaum möglich gewesen.
Lotus schaffte tatsächlich das fast Unmögliche und entwickelte den „neuen“ DeLorean in nur zwei Jahren. Dies ließ allerdings auch kaum Zeit, um Fehler und absehbare Kinderkrankheiten des Autos zu beheben. So wurde das Projekt noch enger am Lotus Esprit orientiert.
Das Fahrzeug, das Lotus letztlich präsentierte, war kaum noch als Sportwagen anzusehen: mit rund 1,3 t Gewicht und 97 kW (132 PS) in der Katalysator-Ausführung lag er weit hinter den Fahrleistungen von Wettbewerbsmodellen wie zum Beispiel der Corvette oder dem Ferrari zurück. Vielen potentiellen Kunden war das bei einem solch teuren Fahrzeug zu wenig.
Das zurückhaltende Temperament lag nicht zuletzt an der ökonomisch sinnvollen, letzten Endes aber unglücklichen Entscheidung für den 2,8 Liter großen PRV-Sechszylinder (V-Motor) mit Renault-Getriebe, der seine lange Karriere in den großen Limousinen von Peugeot, Renault und Volvo begonnen hatte. Der DMC-12 erreichte mit seiner strömungsgünstigen Karosserieform eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Wegen der damals in den USA geltenden Gesetze zeigte der Tachometer des Wagens nur Geschwindigkeiten bis 85 mph (140 km/h) an.
Serienproduktion mini|DeLorean im Auto- und Technikmuseum Sinsheim mini|Detailansicht Flügeltür mini|Interieur mini|Armaturen des DMC-12
Im Januar 1981 wurde die Serienproduktion des DMC-12 in Dunmurry (7 km südwestlich von Belfast im britischen Nordirland) aufgenommen. Am 21. Januar desselben Jahres rollte die erste Einheit des DeLorean vom Band.John Lamm: DeLorean Stainless Steel Illusion. 2003 S. 112. Das neue DMC-Werk wurde fast komplett durch Zuwendungen der britischen Regierung finanziert, die eine weitere Stärkung der nordirischen Terrororganisation IRA verhindern wollte, indem sie die hohe Arbeitslosigkeit in Nordirland senkte. Vor dem Serienanlauf waren zwei Wagen hergestellt worden, mit denen Testfahrten über insgesamt nur 60.000 Meilen für das Bestehen der US-Abgasprüfung durchgeführt wurden. Dieser Aufwand war jedoch zu gering, um alle möglichen Mängel aufzuspüren und Fehler vor Beginn der Serienfertigung zu beheben. Dass DeLorean gleichwohl die Produktion aufnahm, lag am wachsenden Druck seiner Investoren und Händler, die nach sechs Jahren des Wartens nun endlich Geld verdienen wollten.
Qualitätsprobleme Die Serienfahrzeuge litten schon früh unter schwankender Produktqualität. Gleichbleibende Spaltmaße durften nicht erwartet werden, da die Glasfaserwannen, aus denen das Auto eigentlich besteht, mit relativ großen Toleranzen produziert wurden. Das notwendige manuelle Anpassen und Ausrichten der Verkleidungsbleche war daher nicht ganz einfach.