Dementia (Alternativtitel: Daughter of Horror) ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Film von John Parker aus dem Jahr 1955. Der nur mit Musik und vereinzelten Toneffekten unterlegte, ohne Dialoge arbeitende Film vereint Elemente des Horrorfilms, des Film noir und des expressionistischen Films.„Essentially an experiment in cinematic expressionism […] Though nominally a horror film, Daughter of Horror actually operates in several different generic registers. The most important of these is film noir and the crime drama, but the film also refers to such experimental works as Luis Bunuel's Un chien andalou […]“ – Gary Don Rhodes: Horror at the Drive-In: Essays in Popular Americana. McFarland & Co. 2003, S. 156.
Handlung Eine junge Frau erwacht nachts in einem heruntergekommenen Hotel aus einem Alptraum. Sie steckt ein Schnappmesser ein und geht hinaus auf die Straße, wo ihr die Zeitungsschlagzeile „Mysterious stabbing“ (dt. „mysteriöser Messermord“) ins Auge fällt. In einer Seitenstraße wird sie von einem Betrunkenen belästigt, doch ein Streifenpolizist kommt hinzu und schlägt den Betrunkenen brutal nieder. Ein Unbekannter spricht sie an und überredet sie, einem reichen Mann in einer Limousine Gesellschaft zu leisten, der den Kuppler für seine Dienste entlohnt. Während der Fahrt erinnert sich die junge Frau, wie sie in ihrer Jugend von ihrem alkoholkranken Vater misshandelt wurde, bis sie ihn erstach, nachdem er in einem Anfall von Eifersucht ihre Mutter getötet hatte. Der reiche Mann nimmt die junge Frau mit in sein vornehmes Apartment, wo sie ihn sexuell provoziert. Als er sie sich gefügig machen will, ersticht sie ihn und stürzt den Sterbenden aus dem Fenster. Im Sturz entreißt er ihr das Amulett, das sie um den Hals trägt. Da die Hand des Leichnams das Amulett umschlossen hält, schneidet sie diese ab, beobachtet von gesichtslosen Passanten. Der Polizist, der sie vor dem Betrunkenen rettete, verfolgt sie; auf der Flucht wirft sie die Hand in den Korb eines Blumenmädchens. Sie begegnet erneut dem Kuppler, der sie in einem Jazzclub vor der Polizei versteckt. Schließlich wird sie dort entdeckt; der reiche Mann deutet sie mit seinem Armstumpf aus der Menge heraus, die sie daraufhin umringt. Die junge Frau erwacht in ihrem Hotelzimmer, das Geschehen war scheinbar nur ein Traum. Sie öffnet die Schublade ihrer Kommode, darin befindet sich eine abgeschnittene Hand, die ihr Amulett umklammert. Die Kamera verlässt das Hotelzimmer, aus dem ein verzweifelter Schrei ertönt.
Hintergrund Dementia entstand im Studio in Hollywood und an Originalschauplätzen in Venice, Kalifornien, und wurde 1953 fertiggestellt. Die Filmmusik schrieb der namhafte Avantgarde-Komponist George Antheil, ergänzt durch Gesang der Sopranistin Marni Nixon. In dem Jazzclub, in den sich die junge Frau flüchtet, ist ein Auftritt des Jazzmusikers Shorty Rogers mit seiner Band Shorty Rogers and His Giants zu sehen.
Dementia blieb die einzige Regiearbeit Parkers. Im Vorspann wird er nicht als Autor und Regisseur, sondern nur als Produzent genannt. In späteren Jahren behauptete Darsteller Bruno VeSota, entscheidenden Anteil am Drehbuch gehabt und den Film gemeinsam mit Parker inszeniert zu haben.Paul Parla, Charles P. Mitchell: A Truth That Will Shock You! In: Filmfax Nr. 65. Zitiert nach der US-DVD der Firma „Kino Video“, 2000.
Erst nach mehreren Anläufen erhielt der mit Schnittauflagen versehene Film eine Freigabe der Zensurbehörde des Staates New York. Am 22. Dezember 1955 startete Dementia in New York City im Doppelprogramm mit dem Dokumentarfilm Picasso. Jack H. Harris erwarb die Vertriebsrechte und startete den Film, mit einem Voice-over von Ed McMahon versehen, als Daughter of Horror in den US-Kinos.Informationen auf der US-DVD der Firma „Kino Video“, 2000. In der Jack H. Harris-Produktion Blob – Schrecken ohne Namen (1958) läuft in einem Kino ein kurzer Ausschnitt aus Daughter of Horror.
In Großbritannien weigerte sich die Zensurbehörde BBFC 1957, den Film freizugeben. Erst 1970 wurde er ohne Schnitte zugelassen. auf der Website der BBFC, abgerufen am 7. Dezember 2012. auf der Website der BBFC, abgerufen am 7. Dezember 2012. In Deutschland wurde der Film nicht gezeigt.
Kritiken
Literatur Re/Search No. 10: Incredibly Strange Films. Re/Search Publications, San Francisco 1986, ISBN 0-940642-09-3, S. 179–180.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1955 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Expressionismus im Film Kategorie:Horrorfilm Kategorie:Film noir Kategorie:Thriller