Kastell Tihău war ein römisches Hilfstruppenlager auf dem Dorfgebiet von Tihău, Gemeinde Surduc, Kreis Sălaj in Rumänien. Gemeinsam mit insgesamt 277 Stätten des Dakischen Limes wurde das Kastell Tihău 2024 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben.
Lage Im heutigen Siedlungsbild liegt das Bodendenkmal etwa zwei Kilometer nördlich des Dorfes in der Flur „Cetate“ am Ende eines Höhenrückens im Bereich der Mündung des Baches Briglez in den Fluss Someș. Der Kastellplatz lässt sich durch einen sichtbaren Erdwall deutlich im Gelände wahrnehmen. In antiker Zeit hatte die Kastellbesatzung die Aufgabe, die Schifffahrt auf dem Someș und den Landverkehr auf der nach Norden ins Barbaricum führenden Straße zu überwachen. Der antike Name des Kastells ist unbekannt.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 50, (Digitalisat).
Archäologische Befunde
Bei archäologischen Ausgrabungen im Jahre 1958 unter der Leitung von Mihai Macrea und Dumitru ProtaseDumitru Protase: Castrul roman de la Tihău (jud. Sălaj) în lumina cunoştinţelor actuale. In: E.N. 4 (1994), S. 75–101., die 1999 durch den niederländischen Archäologen Jan Kees Haalebos und andere mit geophysikalischen Methoden ergänzt wurdenJulian Bennett: The cohors equitata fort at Tihău-Cetate, Romania. The results of geophysical survey and other research. In: Journal of Roman Archaeology 19 (2006), S. 278–299., gelang es zwei Bauphasen zu differenzieren.
Holz-Erde-Lager mini|Grundriss und Befunde des Steinkastells, Nach Protase (1994). Das erste Kastell wurde in Holz-Erde-Bauweise durch eine Vexillation der Legio XIII Gemina in der frühen Phase der römischen Okkupation Dakiens (106 bis 110) errichtet. Es hatte einen rechteckigen Grundriss von vermutlich 128 m mal 138 m, was einer Grundfläche von knapp 1,77 Hektar entspricht. Seine Ecken waren in die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Umwehrt war es von einer 7,50 m mächtigen und 1,20 m hohen Holz-Erde-Mauer.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 51, (Digitalisat).
Steinkastell
Zu einem bislang nicht geklärten Zeitpunkt wurde das Holz-Erde-Lager durch ein Steinkastell ersetzt. Dieses besaß einen rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken, seine Achsen betrugen 129 Meter mal 144 Meter, entsprechend einer Grundfläche von 1,9 Hektar. Seine Ausrichtung entsprach der vorausgegangenen Bauphase. Bewehrt war das Kastell mit einer 1,80 m mächtigen Mauer in der Technik des Opus incertum, vor der ein einfacher, 4,50 m breiter und 2,00 m tiefer Graben verlief. Die Porta praetoria (Haupttor) befand sich an der Südostseite des Lagers und war damit entgegen der römischen Gepflogenheiten nicht in Richtung des Feindes ausgerichtet. Von der Innenbebauung konnte im Latus dextrum (rechte Lagerseite) das Praetorium (Wohnhaus des Kommandanten) teilweise erforscht werden. Als Besatzung des Steinkastell diente die Cohors I Cannanefatium.
Limesverlauf Der mit Wachtürmen und Kleinkastellen ausgebaute Limes Porolissensis verläuft, von einer größeren Ausbuchtung nach Norden abgesehen, unmittelbar am Kastell vorbei. Östlich davon konnten bislang 35 verschiedene Limesbauwerke identifiziert werden.Alle folgenden Angaben nach Fundstellen des Limesabschnittes auf der Webseite limesromania.ro des Nationalen Limesprogramms (englisch, rumänisch), abgerufen am 10. Januar 2019.