Kastell Romita (antiker Name Certinae, Cersie oder Certie) war ein römisches Hilfstruppenlager auf dem Gebiet des zur Gemeinde Românași im Kreis Sălaj gehörenden Dorfes Romita in der rumänischen Region Siebenbürgen. In antiker Zeit lag es in der römischen Provinz Dacia Porolissensis und war Bestandteil des Limes Porolissensis.
Lage Im heutigen Siedlungsbild befindet sich das Bodendenkmal rund einen Kilometer südlich des Dorfes Brusturi in der landwirtschaftlich genutzten, nicht überbauten Flur „Cetate“. Es sind kaum noch Spuren des Lagers im Gelände erhalten. Topographisch liegt es auf einer Hochterrasse östlich des Agrij, eines linken Nebenflusses des Someș (Somesch). In antiker Zeit gehörte das Militärlager vermutlich zum so genannten Porolissumkomplex, einer Gruppe von insgesamt vier Auxiliarlagern (einschließlich Romita) in und um Porolissum, dem heutigen Moigrad. Die Lage ist durch den Poarta-Meseşului-Pass bedingt, der die optimale Verbindung aus dem oberen Theißbecken darstellt. Die Stanortwahl erfolgte höchstwahrscheinlich aus logistischen Gründen, da der Korridor vom Agrij-Tal nach Porolissum zu den bestzugänglichen Wegen zählt. Die Aufgabe der Kastellbesatzung war die Kontrolle des Verkehrs im Agrijtal.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 45, (journals.ub.uni-heidelberg.de Digitalisat).George Cupcea et al.: Situl arheologic de epocă romană de la Brusturi – La Ruine (Certiae).
Quellen und Forschungsgeschichte Auf der Tabula Peutingeriana ist Cersi(a)e mit einer Entfernung von 17 römischen Meilen von Largiana und vier Meilen bis Porolissum verzeichnet.Tab. Peut. Segm. VIII. In der Kosmografie des Geographen von Ravenna findet es sich als Certie ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft von Porolissum.Rav. Cos. IV, 5, 10.
Die ersten Nachrichten über römische Funde aus Romita stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es dauerte jedoch bis 1864, bevor durch Károly Torma eine genauere Lokalisierung erfolgte,Károly Torma: Adalékok észak-nyugati Dácia föld- és helyiratához. Pest 1864. und bis 1880, bevor durch denselben Wissenschaftler konkretere Angaben über die möglichen Dimensionen und Besatzungen des Militärlagers gemacht wurden.Károly Torma: A Limes Dacicus felső része. Értekezések Tört. Tud. Köréből IX. 2., Budapest 1880 (Digitalisat). Pál Király gab Ende des 19. Jahrhunderts die Abmessungen mit 210 m mal 150 m an,Pál Király: Dacia, provincia Augusti. Pleitz Fer. Pál Könyvnyomdája, 1894. Vasile Lucăcel näherte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiter der Wahrheit mit den Maßen von 230 m mal 185 m.Nach Alexandru V. Matei und István Bajusz: Castrul roman de la Romita-Certiae. Ghid al monumentelor arheologice din Dacia Porolissensis, Zalău 1997, S. 15–16. Enstzunehmende wissenschaftlich Ausgrabungen unter der Leitung von Alexandru V. Matei und István Bajusz führten dann schließlich 1996/1997 zu dem genauen Ergebnis von 225 m mal 187 m, was einer Grundfläche von 4,21 Hektar entspricht.Alexandru V. Matei und István Bajusz: Castrul roman de la Romita-Certiae. Ghid al monumentelor arheologice din Dacia Porolissensis, Zalău 1997, S. 18ff. Im Rahmen einer geophysikalischen Prospektion des Kastellareals durch ein internationales und interdisziplinäres Forschungsteam mit maßgeblicher Beteiligung der damaligen Katholieke Universiteit Nijmegen (der heutigen Radboud-Universität Nijmegen) und der Universität Utrecht unter der Leitung von Jan Kees Haalebos wurden diese Ergebnisse bestätigt (230 m mal 192 m = 4,41 Hektar) und weitere wichtige Erkenntnisse über den inneren Aufbau des Kastells gewonnen.Paul Franzen, Alexandru V. Matei, Felix Marcu: The Roman fort at Romita (Dacia). Results of the geophysical survey. In: Acta Musei Napocensis, 41–42/1, 2004–2005 (2007), S. 161–178, (mnit.ro PDF).
Die jüngsten Untersuchungen wurden zwischen 2018 und 2023 durch ein vom Muzeul Național de Istorie a Transilvaniei kooordiniertes Kooperationsprojekt mit dem Muzeul Judeţean de Istorie şi Artă Zalău, der Universität Bayreuth, der Universität Bukarest und der Babeș-Bolyai-Universität Cluj vorgenommen. Die deutsche Beteiligung durch die Universität Bayreuth stand unter der Leitung des Althistorikers Markus Zimmermann.Forschungsprojekt: Repräsentationsarchitektur am Rande des Reiches? Archäologisch-althistorische Untersuchung eines mutmaßlichen Tetrapylon im Hilfstruppenlager von Romita (Gemeinde Românași, Kreis Sălaj, Rumänien) auf der Webpräsenz der Professur für Alte Geschichte der Universität Bayreuth.
Archäologische Befunde Bei den archäologischen Ausgrabungen konnte ein mit seiner Prätorialfront nach Norden hin ausgerichtetes, viertoriges Steinkastell aus hadrianischer Zeit (117 bis 138) zweifelsfrei identifiziert werden. Seine Abmessungen betrugen 225 m (Nordsüd) mal 187 m (Ostwest), was einer Fläche von 4,21 ha entspricht. Die Ausgräber gehen jedoch davon aus, dass ein vorausgehendes Holz-Erde-Lager bereits in der frühesten Zeit der römischen Okkupation (ab 106) bestanden hat, dessen Grundriss mit dem des Steinkastells identisch war, so dass dessen Spuren im Wesentlichen von denen des Steinkastells überlagert sind.Alexandru V. Matei und István Bajusz: Castrul roman de la Romita-Certiae. Ghid al monumentelor arheologice din Dacia Porolissensis, Zalău 1997, S. 26. Einer anderen Theorie zufolge könnte das Holz-Erde-Lager aber auch deutlich kleiner als das Nachfolgekastell gewesen und daher bislang noch nicht gefunden worden sein.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 101f.Paul Franzen, Alexandru V. Matei, Felix Marcu: The Roman fort at Romita (Dacia). Results of the geophysical survey. In: Acta Musei Napocensis, 41–42/1, 2004–2005 (2007), S. 161–178, (mnit.ro PDF).
Principia Die Strukturen der Principia wurden hauptsächlich durch geophysikalische Untersuchungen, nur geringflächig durch konventionelle Ausgrabungen ermittelt. Die Ergebnisse verweisen auf zwei mögliche Bauphasen. In der frühen Phase dürften die Principia Abmessungen von etwa 40 Metern in ihrer Nord-Süd-Achse und 37 Metern in ihrer Ost-West-Achse besessen haben, was einer Gesamtfläche von 1.480 Quadratmetern entsprochen hätte. In einer jüngeren Bauphase wurden dann die Maße von 50 bis 52 m (Nord-Süd) und 35 bis 37 m (zwischen 1.850 und 1.924 m²) erreicht.
Im Magnetbild der Principia zeigt sich eine etwa 12 m mal 37 m (= 444 m²) große Basilika vor einem rund 28 m mal 28 m (= 784 m²) großen Innenhof, der von zwei seitlichen Raumfluchten flankiert und von einer rückwärtigen Raumflucht begrenzt zu sein scheint. Eine direkte bauliche Verbindung zwischen dem Innenhof beziehungsweise dessen seitlichen Raumfluchten und dem rückwärtigen Gebäudekomplex ist im Magnetogramm nicht erkennbar. Hingegen ist das Fahnenheiligtum mit seiner Apsis im Zentrum der rückwärtigen Raumflucht deutlich sichtbar.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 105–107 sowie Tafel 14.Paul Franzen, Alexandru V. Matei, Felix Marcu: The Roman fort at Romita (Dacia). Results of the geophysical survey. In: Acta Musei Napocensis, 41–42/1, 2004–2005 (2007), S. 166f. sowie Tafel 2, (mnit.ro PDF).
Bei den jüngeren Untersuchungen wurde vor den Principia ein Tetrapylon zunächst noninvasiv ermittelt und anschließend durch einen Sondierungsschnitt bestätigt.George Cupcea, Felix Marcu, Ioniţă Petiș, Bajusz Mátyás, Dan Deac, Horaţiu Cociș, Markus Zimmermann: Castrul auxiliar de la Brusturi/Romita, jud. Sălaj. Reluarea cercetărilor arheologice. In Felix Marcu, George Cupcea (Hrsg.): Limes. Frontierele Imperiului Roman in Romania 4 (2018), S. 16–20 (limesromania.ro Digitalisat).George Cupcea et al.: Brusturi, com. Creaca, județul Sălaj Punct: Castrul roman auxiliar (la Ruine) tetrapylon – principia. In: Institutul Național al Patrimoniului (Hrsg.): Cronica Cercetărilor Arheologice campania 2021, 2022, S. 71–74 (biblioteca-digitala.ro Digitalisat).George Cupcea et al.: Brusturi, com. Creaca, jud. Sălaj Punct: Castrul roman auxiliar (la Ruine) [tetrapylon – principia]. In: Muzeul Județean Mureș (Hrsg.): Cronica Cercetărilor Arheologice campania 2023, 2024, S. 89–91 (academia.edu Digitalisat).
Praetorium Rund 30 Meter östlich der Principia, im Latus dextrum (rechte Kastellhälfte), unmittelbar an der Porta principalis dextra (rechtes Seitentor) gelegen, konnte das Praetorium (Wohnhaus des Kommandanten), eine rund 42 m (Nord-Süd-Achse) mal 37 m (Ost-West-Achse), also insgesamt 1.554 m² große Peristyl-Villa vom mediterranen Typus identifiziert werden. In ihr gruppieren sich verschiedene, bis zu fünf Metern breite Räumlichkeiten, deren Konturen im Magnetbild sehr gut abgrenzbar sind, um einen 20 m mal 20 bis 25 m großen Innenhof. Ein weiteres Großgebäude in der Praetentura sinistra (linkes, vorderes Lagerviertel) wurde ebenfalls als mögliches Praetorium in Betracht gezogen (siehe weiter unten), was durchaus möglich wäre, wenn man davon ausgeht, dass jeweils zwei Kohorten gleichzeitig das Kastell belegt haben.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 107–109.Paul Franzen, Alexandru V. Matei, Felix Marcu: The Roman fort at Romita (Dacia). Results of the geophysical survey. In: Acta Musei Napocensis, 41–42/1, 2004–2005 (2007), S. 167–170, (mnit.ro PDF).
Horrea Westlich der Principia finden sich im Magnetogramm mehrere parallel verlaufende Mauerzüge, die auf zwei längliche Gebäude von nicht mehr als zehn Metern Breite hinweisen. Auch wenn keine Stützpfeiler wahrnehmbar sind, sprechen Grundriss (Länge von bis zu 50 Metern und einer Breite von unter zehn Metern) und Lage der Gebäude für eine Ansprache als Getreidespeicher (Horrea).Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 109f.Paul Franzen, Alexandru V. Matei, Felix Marcu: The Roman fort at Romita (Dacia). Results of the geophysical survey. In: Acta Musei Napocensis, 41–42/1, 2004–2005 (2007), S. 170f., (mnit.ro PDF).
Mannschaftsbaracken Spuren der Mannschaftsbaracken wurden 1990 archäologisch im Profil eines Sondierungsschnittes festgestellt, aber nicht weiter systematisch untersucht. Weitere Konturen dieser Holzbauwerke wurden in den geophysikalischen Untersuchungen sichtbar. Demnach handelt es sich um mit bis zu rund 55 m mal 10 m (= 550 m²) relativ lange Baracken, deren Spuren sowohl in der Praetentura (drei Bauten) als auch in der Retentura (vier Bauwerke) sichtbar wurden. Wie so viele geophysikalisch festgestellte Befunde bedürfen auch diese der endgültigen Klärung mit konventionellen feldarchäologischen Methoden.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 110.Paul Franzen, Alexandru V. Matei, Felix Marcu: The Roman fort at Romita (Dacia). Results of the geophysical survey. In: Acta Musei Napocensis, 41–42/1, 2004–2005 (2007), S. 171f., (mnit.ro PDF).
Sonstige Bauwerke