hochkant=1.6|mini|Drei Bilder des Slawischen Epos von Alfons Mucha, 2012 im Prager Messepalast ausgestellt.
Das Slawische Epos, im Originaltitel Slovanská Epopej, ist ein Gemäldezyklus und das Hauptwerk des tschechischen Malers Alfons Mucha. Es zeigt die Geschichte der slawischen Völker und besteht aus 20 großformatigen Tempera-auf-Leinwand-Bildern, die in den Jahren 1911 bis 1928 entstanden.L. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 22. Es ist im Schloss Moravský Krumlov ausgestellt.
Entstehung mini|Mucha bei der Arbeit zum Slawischen Epos (1920) Mucha war vor allem für sinnliche weibliche Allegorien und Plakatkunst im Jugendstil bekannt. Sein dekoratives Schaffen als „Gebrauchskünstler“ war zwar lukrativ, füllte ihn jedoch nicht aus. In seiner Spätphase löste er sich von der kommerziellen Kreativität, um sich der Verwirklichung eines fortwährenden Anliegens zu widmen: Auf „dem Gipfel seines Erfolges, keimte in Mucha die Sehnsucht, mit der bisherigen Diensthaftigkeit seiner Kunst zu brechen und den unaufhörlichen Strom von Aufträgen […] anzuhalten“.L. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 22. Die Idee zum Slawischen Epos war Mucha 1899 beim Entwerfen des Pavillons für Bosnien-Herzegowina für die Pariser Weltausstellung 1900 gekommen.muchafoundation.org Im Anschluss muss er für seine Recherche viel durch die slawischen Länder gereist sein. Seine Inspirationsquellen suchte er in Fachliteratur und Debatten mit Historikern, Architekten sowie Folkloristen.L. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 24f. Realisiert werden konnte der Zyklus durch die finanzielle Deckung des mit Mucha befreundeten und slawophilen Millionärs Richard Crane.L. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 22–24. Der amerikanische Großindustrielle bezahlte alle benötigten Ressourcen, nicht bloß die Malutensilien, sondern auch die Miete für die Arbeitsstätte, welche auf Grund der riesigen Leinwände im Schloss der westböhmischen Stadt Zbiroh gelegen war. Das Slawische Epos war unkommerziell, es wurde nach seiner Fertigstellung und Präsentation 1928 der Stadt Prag kostenfrei übergeben.muchafoundation.org Mucha selbst sagte, die Arbeit „hielt ich für meine heilige Pflicht, und habe daher auch keinen Verdienst daran und sie sollte auch keine bezahlte Arbeit sein“.Alfons Mucha: Einführung. 1928. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 63. Er stellte jedoch die Bedingung, dass in Prag ein eigener Pavillon für das Slawische Epos gebaut werden sollte.M. Kachlikova: Spezial – Slawisches Epos: Alfons Muchas Vision der slawischen und tschechischen Geschichte. Radio Praha 2012. Abruf am 8. September 2012.
Motive Im Slawischen Epos geht es vorrangig um religiöse, militärische und kulturelle Themen. Allegorien sind häufig.L. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 25f. Die Gemälde sind nicht klassisch, sondern collagenartig aufgebaut. Die Figuren beruhen auf fotografischen Vorlagen.L. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 34. Sie zeigen eine deutliche Konzentration auf die tschechische GeschichteL. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 26. und deren protestantische Linie. Der Künstler widmete seinem eigenen Volk zehn Bilder, also die Hälfte des Slawischen Epos. Die übrigen zeigen drei allgemein-slawische, zwei russische und je ein bulgarisches, ein serbisches, ein kroatisches und ein polnisches Thema. Doch auch in den Motiven der anderen Länder sind häufig tschechische Gestalten oder Hinweise versteckt.L. Bydzovska, K. Srp: Orbis pictus Alfons Mucha. In: K. Srp (Hrsg.): Alfons Mucha. Das slawische Epos. Krems-Stein 1994, S. 27. Den 20. Teil und Abschluss bildet das zusammenfassende Gemälde „Apotheose“ (Verherrlichung). Dieses Werk entstand auch zeitlich als letztes des Epos.