mini|Filippo De Filippi Filippo De Filippi (manchmal auch: Philippo de Philippi; * 20. April 1814 in Mailand; † 9. Februar 1867 in Hongkong) war ein italienischer Mediziner, Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie an der Universität Turin, Direktor des Museo regionale di scienze naturali in Turin und Forschungsreisender.Angelo Michele Piemontese, S. 301.

Leben und Wirken Sein Vater Giuseppe De Filippi (1782–1856) wurde in Varallo Pombia geboren und studierte in Pavia und später in Paris Medizin. Der Vater diente in Boulogne-sur-Mer in der Grande Armée als Militärarzt bei der Verteidigung vor der russischen Armee. Im Jahr 1811 heiratete er Giovanna Borsotti, mit der er mehrere Kinder hatte. Später zog er nach Mailand, wo er als Chirurg und Arzt praktizierte.Michele Lessona, S. 398.

Filippo De Filippi besuchte zunächst die Privatschule San Vittore Grande, bevor er ans Gymnasium Sant'Alessandro in Mailand wechselte. Nach dem Abitur studierte er Medizin am Collegio Ghislieri.

Er ist nicht zu verwechseln mit dem Arzt, Geographen, Bergsteiger und Forschungsreisenden Filippo De Filippi (1869–1938), dessen Onkel er war und der aus der Ehe seines Bruders Giuseppe De Filippi mit Olimpia Sella hervorging. (PDF; 81 kB).

Seit 1840 war er Mitglied der Accademia delle Scienze di Torino.

De Filippi als Wissenschaftler mini|Büste an der Universität Turin De Filippi widmete sich vor allem der vergleichenden Anatomie. Statt nach dem Medizinstudium seinem Vater nach Mailand zu folgen, zog er es vor, als Assistent von Professor Giammaria Zendrini in Pavia im Bereich der Zoologie zu forschen. Hier entstanden 1837 seine ersten zoologischen Artikel. In seiner Jugendzeit beschäftigte er sich mit einer großen Bandbreite von Forschungsthemen, die von Mineralogie, Geologie und Paläontologie bis zur Zoologie, Embryologie und vergleichender Anatomie reichte.

Im Jahr 1840 wechselte de Filippi an das Museo Civico di Storia Naturale di Milano, für das er bis ins Jahr 1847 arbeitete und publizierte.Michele Lessona, S. 399.

Als Giuseppe Gené (1800–1847) verstarb, berief ihn König Carlo Alberto im Jahr 1848 als Professor für Zoologie und Anatomie an die Universität von Turin. Im Gedenken an den Verstorbenen Gené schrieb De Filippi ein Nekrolog. Er war einer der Ersten, der die Theorien von Charles Darwin (1809–1882) in Italien verbreitete, obwohl er nicht allen Schlussfolgerungen der Theorie zustimmen konnte. So zog er sich 1864 den Unmut aller richtig denkenden Italiener zu, als er mit der provozierende These L'uomo e le scimmie (deutsch: Der Mensch und der Affe) für einen nationalen Skandal sorgte. Seine Werke zur Zoologie, vergleichenden Anatomie und zur Histologie fanden in den wissenschaftlichen Kreisen seiner Zeit viel Aufmerksamkeit. Viele seiner italienischen Publikationen wurden in andere Sprachen übersetzt.

Zu seinen Schülern zählten u. a. Michele Lessona (1823–1894). De Filippi bemühte sich die Naturwissenschaften einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, indem er die Lehre auf die Sekundarschulen ausweitete.Angelo Michele Piemontese, S. 302. Lessona schrieb schließlich im Jahr 1867 auch einen Nachruf auf seinen Mentor.Michele Lessona, S. 398–407.

Forschungsreise nach Persien Am 21. April 1862 brach er von Genua zu einer Forschungsreise nach Persien auf.Michele Lessona, S. 403. In den Jahren 1862 und 1863 sammelte er mit Lessona und dem Naturforscher und Politiker Giacomo Doria (1840–1913) in Persien.Unbekannt, S. 341. Während De Filippi sich auf geologische Beobachtungen und die Wirbeltiere konzentrierte, fiel die Erforschung der Weichtiere und Gliedertiere Lessona und Doria zu. Die Reise beschrieb er in seinem viel beachteten Werk Note di un viaggio di Persia nel 1862 (Notizen einer Reise nach Persien im Jahr 1962) oder Artikeln wie Nuove o poco note specie di animali vertebrati raccolte in un viaggio in Persia nell’estate dell’anno 1862, Riassunto del catalogo degli animali vertebrati delle provincie caucasiche e della Persia sia occidentale oder Riassunto di alcune osservazioni sulla Persia occidentale.

Die Schiffsreise begann in Genua und führte sie über Konstantinopel, das Schwarze Meer nach Poti, wo sie an der Mündung des Rioni an Land gingen. Von hier setzten sie die Reise auf dem Landweg fort. Über Kutaissi, Tiflis, Jerewan und Culfa betraten sie nach der Überquerung des Grenzflusses Aras erstmals persisches Hoheitsgebiet. Über Täbris und Qazvin erreichten sie schließlich mit Teheran das Ziel ihrer Reise. Nach einer von Schah Naser ad-Din Schah gesponserten Exkursion zum Damavand standen zunächst diplomatischen Aufgaben an.

Ihr Rückweg führte sie über das Elburs-Gebirge nach Rasht am kaspischen Meer. Von hier reisten sie weiter nach Baku und Astrachan. Über die Wolga erreichten sie als nächstes Ziel Nischni Nowgorod. Weitere Stationen waren Moskau, Sankt Petersburg und Berlin. Von dort führte sie der Weg zurück nach Hause.

Forschungsreise um die Welt Am 8. November 1865 segelte De Filippi mit Vittorio Francesco Arminjon (1830–1897) und seinem jungen Assistenten Enrico Hillyer Giglioli (1845–1909) mit der Fregatte »Regina« von Neapel über Gibraltar und Rio de Janeiro nach Montevideo, wo die Korvette »Magenta« vor Anker lag. Am 17. Januar 1866 erreichten sie schließlich Montevideo. Arminjon übernahm das Kommando der »Magenta« und so brachen sie am 2. Februar 1866 zu einer ozeanographischen Expedition und Weltumrundung mit der »Magenta«, auf. Über das Kap der Guten Hoffnung erreichten sie schließlich am 7. April Batavia, wo sie bis 6. Mai blieben. Die Reise ging weiter Richtung Singapur, wo sie 15. Mai anlegten. Am 26. Mai verließen sie Singapur um nach Saigon zu segeln, das sie 3. Juni erreichten. Nach einem achttägigen Aufenthalt erreichten sie am 25. August die Bucht von Jedo. Die nächsten Stationen waren Wusong, Peiho im Golf von Petsheli, Peking, zurück nach Wusong und Shanghai. Am 19. Dezember 1866 gingen sie in Hongkong an Land. Als die »Magenta« am 26. Januar 1867 Hongkong verließ, blieb De Filippi schwer krank in Hongkong zurück.August Petermann, S. 472. Der junge Giglioli übernahm seinen wissenschaftlichen Verantwortungsbereich.Barbara Mearns u. a., S. 111.

Bei den zahlreichen Ausflügen war De Filippi in Macao an der Amöbenruhr bzw. Cholera erkrankt und starb schließlich am 9. Februar 1867 in Hongkong.

Seine Leiche wurde 1879 nach Italien überführt. De Filippi wurde auf dem Friedhof von Pisa begraben, in der Stadt, in der seine Tochter Elisa mit seinem Schwiegersohn und Schüler Sebastiano Richiardi (1834–1904) lebte. Als Richiardi zusammen mit Giovanni Canestrini (1835–1900) im Jahr 1869 Archivio per la zoologia, l’anatomia e la fisiologia herausgab, widmeten sie ihm die Ausgabe mit den Worten Alla Memoria di Filippo De Filippi.Sebastiano Richiardi, S. 2.

Dedikationsnamen mini|Orangekehl-Schattenkolibri gemalt von John Gould und Henry Constantine Richter Der neue Gattungsname Defilippia, den Tommaso Salvadori (1835–1923) für den Langzehenkiebitz verwendete, gilt heute als Synonym für die Gattung der Kiebitze Vanellus , 1760.Tommaso Salvadori, S. 373.

Jules Bourcier (1797–1873) widmete De Filippi im Jahr 1847 das Artepitheton für den Orangekehl-Schattenkolibri (Phaethornis philippii).Jules Bourcier, S. 624. Mit ihm fand durch John Gould (1804–1881) in der englischen Literatur der Trivialname De Philippi's Hermit Einzug. Der Rotbrust-Stärling Sturnella defilippii (Bonaparte, 1850) bekam seinen Namen, da Bonaparte erkannte, dass der Name Sturnella militaris, den De Filippi 1847 in seinem Katalog Museum Mediolanense Animalia Vertebrata verwendet hatte, schon vergeben war. Um den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur zu genügen, würdigte er De Filippi.Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 429. Nach seinem Tod beschrieben Giglioli und Salvadori im Jahr 1869 erstmals den Juan-Fernandez-Sturmvogel Pterodroma defilippiana. In ihrer Begründung für den Namen hieß es:

Der Mailänder Museumsdirektor Georg Jan (1791–1866) nannte 1863 eine neue Schlangenart Heterodon De Filippi die heute auch unter dem Trivialnamen Defilippis Nachtotter (Causus defilippii) bekannt ist.Georg Jan, S. 225. Ein weiteres Reptil mit seinem Namen ist eine Echse, die Lorenzo Camerano (1856–1917) im Jahr 1877 beschrieben hat, und die heute unter dem Namen Darevskia defilippii geführt wird.Lorenzo Camerano, S. 86.

Schließlich widmete ihm der Malakologe Cesare Maria Tapparone-Canefri (1838–1891) den Namen einer Käferschnecke Acanthochitona defilippii (Protonym: Amycula de-filippii),Cesare Maria Tapparone-Canefri, S. 78. der Direktor des Museo Civico di Storia Naturale di Milano Emilio Cornalia (1824–1882) eine Unterart des Tapeti Sylvilagus brasiliensis defilippi (Protonym: Lepus de-filippii) und der Entomologe und Malakologe Luigi Bellardi (1818–1889) eine Bremsenart Tabanus defilippii.Emilio Cornalia, S. 57.

Erstbeschreibungen von Filippo de Filippi De Filippi hat einige Gattungen, Untergattungen, Arten und Unterarten als Erstautor beschrieben. Hierzu gehören u. a.:

Fische mini|Platinbeilbauchfisch Alborella (Alburnus alborella (, 1844)) Astyanax mexicanus (, 1853) Centromochlus heckelii (, 1853) Platinbeilbauchfisch (Thoracocharax securis (, 1853)) Polyacanthonotus rissoanus ( & , 1857) Maskierter Steinbeißer (Sabanejewia larvata (, 1859)) Poecilia (, 1861) Acanthalburnus microlepis (, 1863) Gold-Steinbeißer (Sabanejewia aurata (, 1863)) Alburnus doriae , 1865

Vögel Rostschwanz-Ameisenfänger (Drymophila genei (, 1847)) Weißschenkel-Soldatenstärling (Sturnella bellicosa , 1847) Weißkopf-Bartvogel (Lybius leucocephalus (, 1853)) Schwarzbrust-Bartvogel (Lybius rolleti (, 1853)) Unterart des Goldschnabelhopf (Rhinopomastus minor cabanisi (, 1853)) Gattung Weißkehlsänger (Irania , 1863) Unterart des Steinortolan (Emberiza buchanani cerrutii , 1863) Rotschwanz-Steinschmätzer (Oenanthe chrysopygia oder Oenanthe xanthoprymna chrysopygia (, 1863)) Unterart Langschwanz-Drossling (Turdoides huttoni salvadorii (, 1865))

Reptilien Iranolacerta brandtii (, 1863) Atractus favae (, 1840) Trapelus lessonae (, 1865)

Gürtelwürmer Gattung Haementeriade , 1849 Haementeria officinalis , 1849

Vielborster Gattung Armandia , 1861 Armandia cirrhosa , 1861

Werke 1834

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1838

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1865

1866

1867

1868

1869

Literatur

Einzelnachweise

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