mini|hochkant=1.4|Schloss Auhof heute (Südfront)
Das Schloss Auhof in der österreichischen Stadt Linz ist ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Schloss im statistischen Bezirk Dornach-Auhof. Eine erste Erwähnung fand Auhof im Jahr 1350. Das Anwesen diente unter anderem landwirtschaftlichen Zwecken und war Ort einer Brauerei. Besitzer waren von 1689 bis 1961 Angehörige des alteingesessenen Adelsgeschlechtes der Starhemberger.
Heute ist es Eigentum der Republik Österreich und dient als Verwaltungsgebäude der Linzer Johannes-Kepler-Universität. Dieses Schloss ist der einzige noch in Teilen erhaltene adelige Landsitz im Stadtgebiet von Linz.Herfried Thaler, Willibald Katzinger: Österreichische Kunsttopographie, Band LV Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil. Linz 1999, S. 327f. Seit 2012 steht das Gebäude aus dem Frühbarock unter Denkmalschutz.
Name Im 14. Jahrhundert wurde das Schloss häufig Au genannt und späterhin war bis ins 18. Jahrhundert daneben auch Auhof gängig. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Anlage nur noch als Auhof bezeichnet.Grüll op. cit. 1966, S. 111. Der Name verweist somit auf einen Hof im Sinne eines (herrschaftlichen) Gehöfts, das sich bei einer Flussniederung oder einem anderen ähnlichen Feuchtgebiet befindet oder zumindest zu seiner Entstehungszeit befunden hat.Zur Etymologie von Au und Hof vgl. beispielsweise Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearb. von Elmar Sebold, 24. Aufl. De Gruyter, Berlin 2002.
Geschichte Zum ersten Mal erwähnt wurde das Schloss Auhof in einer Urkunde vom 15. August 1350. Anfänglich handelte es sich bei dem Anwesen um einen Bauern- oder Gutshof.Herfried Thaler, Willibald Katzinger: Österreichische Kunsttopographie, Band LV Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil. Linz 1999, S. 327. Die Erhebung zum adeligen Sitz („gesazz“) erfolgte zwischen 1350 und 1386.Grüll op. cit. 1966, S. 112. Zu dieser Zeit verlieh Jans von Capell, Herr auf Steyregg, seinem Diener Chunrad von Aw, einem aus dem Geschlecht der Pergheimer stammenden Landrichter im Machland, den Sitz zu Au als Erblehen. Dieser gab ihn an Chunrad den Walich weiter, einem Landrichter in Österreich ob der Enns, der wiederum 1386 „dacz gesazz zw Aw“ an den Hauptmann ob der Enns Reinprecht II. von Walsee übergab. Der Besitz wurde aber wieder eingelöst, vermutlich unter Reicher dem Walch.Grüll op. cit. 1966, S. 112f. Auf dem Erbweg kam der Ansitz an die Tochter von Reicher dem Walch, Agnes, die mit Simon Volkra zu Dornach verheiratet war und dem sie den Auhof als Heiratsgut zubrachte. Steffan der Volkra verkaufte 1502 den Besitz an seinen Verwandten Georg Walch von Prandegg.Herbert Erich Baumert, Georg Grüll: Burgen und Schlösser in Oberösterreich Mühlviertel und Linz. Wien 1988, S. 97. Den Aumaiern war das Anwesen im 16. Jh. vererbrechtet worden, jedoch kaufte Christoph von Walch 1540 das Erbrecht von den Aumaiern zurück. Danach wurde der Auhof treuhänderisch von Leo von Hohenegg von Hagenberg verwaltet; dieser war der Vormund des unter Kuratel gestellten Christoph Walch. Bei den Walchen verblieb der Sitz bis zu deren Aussterben 1575.
mini|links|Schloss Auhof bei Linz nach einem Stich von Georg Matthäus Vischer von 1674. Zu sehen ist auch die an das Schloss angebundene, barocke Schlosskirche und eine Sonnenuhr auf dem Turm in der Nordwest-Ecke des Vierkanters.Herbert Erich Baumert: Vom adeligen Landsitz zum Universitätsrektorat. Das Schloss Auhof bei Linz. In: blickpunkt Oberösterreich Kulturzeitschrift. Jahrgang 41, 1991, Heft 3, S. 1. Ende des 16. Jahrhunderts scheint der Auhof als Liechtensteinisches Lehen auf. 1575 wurde Jörg von Hoheneck mit den Walchschen Gütern belehnt. Josef Stangl (Stängl) zu Waldenfels erwarb 1589 den Sitz; dessen Sohn Jakob veräußerte ihn 1628 an Konstantin Grundemann von Falkenberg, der ihn 1639 an Mathias Kronpichler weiterverkaufte. Zu der Zeit der Grundemanns kann das Schloss samt Besitztümern wie folgt beschrieben werden:
Der Meierhof besaß drei sehr ertragreiche Felder mit einer Größe von mehr als 30 Tagewerk, wobei ein Drittel Zehent zur Herrschaft Riedegg und zwei Drittel zur Herrschaft Steyregg gehörten. Weitere Besitztümer des Meierhofes waren 18 Tagewerk Holzgründe und zahlreiche Obstbäume. Der Hof hatte auch eine Ziegelstatt als Ofen sowie Stadeln und Lehmgruben.Grüll op. cit. 1966, S. 115. Zu dieser Zeit wurde auf dem Landgut Auhof auch eine jährliche Jagd auf Niederwild (Reißjagd) abgehalten.Herbert Erich Baumert: Vom adeligen Landsitz zum Universitätsrektorat. Das Schloss Auhof bei Linz. In: blickpunkt Oberösterreich Kulturzeitschrift. Jahrgang 41, 1991, Heft 3, S. 3.Deutsches Jagdlexikon, abgerufen am 29. Dezember 2012
Um 1660 kaufte Graf Christoff Ernst von Schallenberg den Auhof. Die Schallenberger betrieben hier einen großen Meierhof und seit dem Ende des 16. Jahrhunderts auch eine kleine Brauerei. Sein Sohn Christoff Dietmar verkaufte 1689 das „Schlosz und Landgut Au im Wildberger Landgericht“ an Reichsgraf Gundacker von Starhemberg. Dieser Verkauf am 2. Jänner 1689 fand aufgrund von Schulden statt.Grüll op. cit. 1966, S. 116. Das Schloss blieb bis 1961 im Besitz der Starhemberger, mit einer Zwangsunterbrechung von 1938 bis 1952.
Während der Franzosenkriege im Mai/Juni 1809 fanden auf dem Schlossareal Gefechte zwischen Österreichern und Württembergern/Sachsen unter Vandamme und Bernadotte statt. Dabei wurde die Einrichtung des Schlosses durch das dort einquartierte Militär stark beschädigt. Nach Aufhebung der Grundherrschaft 1848 verlor der Auhof an Bedeutung und verfiel (wie auch die im damaligen Besitz der Starhemberger sich befindlichen Freisitze Schloss Hagen und Schloss Auberg); der Meierhof (der heutige Gasthof „Auhof“) und das Brauhaus waren verpachtet.
Am Anfang des Ersten Weltkrieges stellte Ernst Rüdiger Fürst von Starhemberg, Abgeordneter der Wählerliste des oberösterreichischen Großgrundbesitzes, einige Räume des Schlosses zur Pflege verwundeter und kranker Soldaten zur Verfügung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schlossgebäude den russischen Besatzungstruppen von 1945 bis 1955 als Unterkunft, die schwere Schäden anrichteten. Das Schloss wurde auch für die russische Militärverwaltung verwendet. Die umliegenden Kasernen nutzten die Besatzer als Wohnmöglichkeit. Seit 1960 stehen diese als Mietwohnungen zur Verfügung.Linzer Kulturstadtteile heute (PDF; 2,3 MB); abgerufen am 22. Oktober 2012 1961 verkaufte Heinrich Rüdiger Starhemberg das Schloss mit dem umliegenden Park (110.000 m²) für 8,6 Millionen Schilling (rund 625.000 Euro) an die Stadt Linz, welche das Areal und das Schloss der Johannes-Kepler-Universität zur Verfügung stellte.
Heute befinden sich im Schloss die Universitätsverwaltung und das Rektorat. Mit den großen Parkanlagen und dem rechteckigen Schlossteich ist das Schloss heute das Wahrzeichen der Universität und Ziel für Spaziergänger. Eigentümer des Schlosses ist die Republik Österreich (Linzer Hochschulfonds).
Architektur Bauform Früher bildeten Ansitz und Meierhof einen geschlossenen Vierkanthof um einen großen rechteckigen Innenhof.Herfried Thaler, Willibald Katzinger: Österreichische Kunsttopographie, Band LV, Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil. Linz 1999, S. 329. Im 17. Jahrhundert wurde der Freisitz Auhof schlossähnlich ausgebaut. Heute ist das Schloss ein hakenförmiger Bau mit unterschiedlicher Geschoßhöhe. Die hinter dem Schloss gelegenen Wirtschaftsgebäude wurden abgebrochen, erhalten blieben nur das Herrenhaus und der früher wirtschaftlichen Zwecken dienende Osttrakt.Beate Auer, Brigitta Fragner, Ulrike Knall-Brskovsky, Paul Mahringer: Dehio-Handbuch Die Kunstdenkmäler Österreichs Oberösterreich Linz, Wien, 2009, S. 500.
mini|links|Plan Schloss Auhof Linz links ehemalige Gesamtanlage nach franziszeischem Kataster von 1826, rechts heutiger Bestand A heutiger Bestand 1 Teil des ehem. Hauptgebäudes 2 ehem. Wirtschaftstrakt 3 Brunnen Das heutige Schlossgebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert, Fassaden und Mansarddach aus dem 18. Jahrhundert. Der nach Süden weisende Haupttrakt besitzt drei Geschoße, ein Mansarddach und ein einfaches Granitportal von 1630. Der angebaute Flügel ist zweigeschoßig mit einem turmartig gestalteten, barocken Eingangstor (1689). Das straßenseitig betonte Einfahrtsportal am Torturm stammt aus der Zeit zwischen 1775 und 1800: ein Korbbogenportal mit klassizistischer Zopf- und Rosettenornamentik, flankiert von Vollsäulen mit klassizistischen Kapitellen, darüber ein deutlich verkröpftes Gebälk, seitlich klassizistische Vasen tragend. Das Quadratfenster wird von einem gebrochenen Rundbogen umfasst (1905).Herfried Thaler, Willibald Katzinger: Österreichische Kunsttopographie, Band LV, Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil, Linz, 1999, S. 332.
Die vier in den 1960er Jahren erneuerten Fassaden sind im Prinzip gleich gestaltet. Die Fensteraufteilung folgt strengen, jedoch nicht ganz regelmäßig gesetzten Achsen. Durch das rustizierende Sockelgeschoß werden die Obergeschoße betont. Die Fenster im ersten Obergeschoß sind durch ein profiliertes Abschlussgesims hervorgehoben, die Fenster im zweiten Obergeschoß sind hochrechteckig. Die Fenster des „piano nobile“ besitzen eine gerade Verdachung. An der Ostfassade sind die Fenster im rechten Teil als Doppelfenster ausgebildet. Der vierzehnachsige Osttrakt ist vermutlich aus dem ehemaligen Meierhof hervorgegangen. Der Torbau ist etwas aus der Mitte gerückt. Dieser Flügel ist mit kleinen, runden, neobarocken Blechgaupen ausgestattet.Herfried Thaler, Willibald Katzinger: Österreichische Kunsttopographie, Band LV Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil. Linz 1999, S. 330ff.
Raumaufteilung Alle drei Geschoße des Gebäudes besitzen die gleiche Raumaufteilung, mit Ausnahme des Eingangsraums hinter dem Südportal. Auf dem Vischer-Stich sieht man auch die Zweiteilung der Längsachse. Das älteste Gewölbe, eine Stichkappentonne mit gekreuzten Gratenden aus dem Jahr 1560/70, befindet sich im nordöstlichen Erdgeschoßraum. Das Tonnengewölbe im Erdgeschoß des Südteils stammt wahrscheinlich aus dem späten 16. Jahrhundert bis ersten Drittel des 17. Jahrhunderts; möglicherweise wurden die Stichkappen mit ihren geknickten Anläufen Ende des 17. Jahrhunderts verändert. Die Stichkappentonnen mit gekreuzten, an den Anläufen geknickten Stichkappen der anderen beiden nördlich liegenden Räume stammen aus dem Jahr 1689. Die Ecke für den begehbaren Brunnenschacht im Nordwestraum ist wahrscheinlich ebenfalls 1689 zugebaut worden (heute Abgang zum Heizungskeller). Die Mauern des Südteils weisen an der Basis eine Dicke von 110 bis 115 cm auf und werden nach oben schmäler.
Auch im Obergeschoß findet man Stichkappentonnen mit Kreuzgratkompartimenten (Ende 16. Jh./1. Hälfte 17. Jh.). In den übrigen Räumen und im gesamten dritten Stockwerk befinden sich leicht gekehlte Flachdecken. Im Inneren gibt es darüber hinaus zahlreiche Prunkportale.Herfried Thaler, Willibald Katzinger: Österreichische Kunsttopographie, Band LV Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz, III. Teil. Linz 1999, S. 331f.
Die Raumaufteilung im Inneren des Schlosses, besonders der südliche Bereich, der auf den Meierhof des 17. Jahrhunderts zurückgeht, wurde 1960 stark erneuert. Im nördlichen Teil ist die Aufteilung von 1905 in Ställe mit Traversengewölben und darüberliegenden Wohnungen noch teilweise erhalten.
Die tiefgreifende Umgestaltung 1961 erfolgte, um den Bedürfnissen der Johannes-Kepler-Universität Rechnung zu tragen.
Schlosspark Auhof