Andrej Andrejew, auch André Andrejew (* in Schaulen, Russisches Kaiserreich; † 13. März 1967 in Loudun, Frankreich), war ein russischstämmiger, in Mittel- und Westeuropa aktiver Filmarchitekt, Zeichner und Bühnenbildner.
Leben Andrejew erhielt seine Ausbildung an Moskaus Kunstakademie und ging zunächst ans hauptstädtische Stanislawski-Theater, wo er als Bühnenbildner arbeitete. Infolge der Oktoberrevolution kam er nach Berlin, wo er zunächst unter Max Reinhardt am Deutschen Theater arbeitete.
Seit Ende 1922, beginnend mit dem russischen Stoff Raskolnikow, ist er als Architekt beim deutschen Film nachzuweisen. Neben zahlreichen Komödien von Regisseuren wie Friedrich Zelnik und Géza von Bolváry stattete Andrejew auch einige künstlerisch ambitionierte Inszenierungen wie Jacques Feyders Therese Raquin (nach Thérèse Raquin von Émile Zola), Zelniks Die Weber sowie G. W. Pabsts Die Büchse der Pandora und Die Dreigroschenoper aus. 1932 folgte Andrejew Pabst, als dieser nach Frankreich ging, um dort einen Don-Quichotte-Film mit Fjodor Schaljapin in der Titelrolle zu drehen.
Von Andrejews Arbeiten vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stechen vor allem seine 1935 entworfenen Bauten zu Anatole Litvaks prachtorientiertem Mayerling-Film und Julien Duviviers in Prag entstandenen Neufassung des Golem-Stoffs heraus. In den 30er Jahren war der russische Szenenbildner auch sporadisch beim britischen Film aktiv. Während des Kriegs arbeitete Andrejew nahezu exklusiv für die unter deutscher Kontrolle stehende Produktionsgesellschaft Continental Films S.A. Alfred Grevens, für die er stimmungsvolle und düstere Dekors wie die zu Die Teufelshand und Der Rabe entwarf.
Andrejew fand nach 1945 in Frankreich keine Beschäftigung mehr und ging für einige ambitionierte Großproduktionen, darunter Anna Karenina, Der Fall Winslow und Anastasia, erneut nach London. Zuletzt war er auch wieder in Berliner bzw. bundesrepublikanischen Ateliers tätig und stattete für Top-Regisseure wie Carol Reed und Wolfgang Staudte die Filme Gefährlicher Urlaub, Bonjour Kathrin und Madeleine und der Legionär aus. Anschließend zog sich Andrejew in den Ruhestand nach Frankreich zurück.
Andrejew hat auch jenseits des Films gearbeitet. So ist er auch als Zeichner in Erscheinung getreten.Andrejew-Zeichnungen in der Galerie Michel Cabotse
Filmografie 1923: Raskolnikow 1923: Die Macht der Finsternis 1925: Das Geheimnis der alten Mamsell 1925: Der Trödler von Amsterdam 1925: Briefe, die ihn nicht erreichten 1926: Försterchristl 1926: Der Veilchenfresser 1926: Überflüssige Menschen 1926: An der schönen blauen Donau 1926: Die lachende Grille 1927: Der Zigeunerbaron 1927: Alpentragödie 1927: Im Luxuszug 1927: Die Spielerin 1927: Der goldene Abgrund 1927: Das tanzende Wien 1927: Die Weber 1928: Therese Raquin 1928: Der Herzensphotograph 1928: Heut’ tanzt Mariett 1928: Die Heilige und ihr Narr 1928: Der Ladenprinz 1928: Zwei rote Rosen 1928: Mary Lou 1928: Wolga-Wolga 1928: Die Büchse der Pandora 1929: Diane 1929: Die Liebe der Brüder Rott 1929: Meineid 1929: Der Narr seiner Liebe 1929: Sprengbagger 1010 1929: Revolte im Erziehungshaus 1930: Die letzte Kompagnie 1930: Ihre Majestät die Liebe 1930: Die Dreigroschenoper 1931: Der Raub der Mona Lisa 1931: Liebeskommando 1932: Großstadtnacht 1933: Mirages de Paris (französische Version von Großstadtnacht) 1933: Don Quichotte (Don Quichotte) 1933: Dans les rues 1933: Der seltsame Alte (Cette vieille canaille) 1934: Natascha (Nuits moscovites) 1934: Der falsche Zar von Kazan (Volga en flammes) 1934: L’or dans la rue 1934: Mein Herz der Königin (The Love Affair of the Dictator) 1935: Whom the Gods Love 1936: Mayerling (Mayerling) 1936: Le Golem 1936: Das Gäßchen zum Paradies 1936: Taras Bulba (Tarass Boulba) 1936: Der geliebte Vagabund (The Beloved Vagabond, auch franz. Vers.: Le vagabond bien-aimée) 1937: Melo (Dreaming Lips) 1937: Dark Journey 1937: Storm in a Teacup 1937: La citadelle du silence 1937: Rivalin der Zarin (La Tarakanowa) 1938: Le drame de Shanghaï 1938: Lumières de Paris 1938: Himmelsmusikanten (Les musiciens du ciel) 1939: Die weiße Sklavin (L’esclave blanche) 1939: Jeunes filles en détresse 1939: Paris-New York 1940: Ils étaient 12 femmes 1941: Sie waren sechs (Le dernier des six) 1941: Einmal im Jahr (Caprices) 1941: Der Mörder wohnt Nr. 21 (L’assassin habite au 21) 1942: Symphonie der Liebe (La symphonie fantastique) 1942: Die Teufelshand (La main du diable) 1942: Die falsche Mätresse (La fausse maîtresse) 1942: Picpus 1942: Liebe im Süden (Simplet) 1943: Der Rabe 1943: Söhne einer Mutter (Pierre et Jean) 1943: Das Paradies der Damen (Au bonheur des dames) 1943: La ferme aux loups 1944: Le dernier sou 1947: A Man About the House 1947: Anna Karenina 1948: Der Fall Winslow 1948: Britannia Mews 1948: Frauen im gefährlichen Alter (That Dangerous Age) 1949: The Angel with the Trumpet 1950: Dämon Uran (My Daughter Joy) 1953: Gefährlicher Urlaub 1953: Wiedersehen in Monte Carlo (Melba) 1954: Mambo 1955: Alexander der Große 1955: Bonjour Kathrin 1956: Anastasia 1957: Madeleine und der Legionär
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 108 f.
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