mini|Ein Schnellbootverband, vmtl. die 8. Schnellboot-Flottille, läuft von Kirkenes zum Einsatz aus, zwischen 1942 und 1945|222x222px Die Schnellbootverbände der Reichs- und Kriegsmarine waren militärische Verbände, in denen die Schnellboote der Reichsmarine und ab 1935 der Kriegsmarine zusammengefasst waren, und die aus Schnellbooten und Unterstützungsschiffen bestanden.Walter Lohmann, Hans H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Sammelwerk in drei Bänden. O.O. 1956. Band I, Hauptkapitel V, Kapitel 5
Als Schnellboote wurden sowohl bewaffnete Motorboote als auch Motor-Torpedoboote bezeichnet, welche kleiner und schneller als die eigentlichen Torpedoboote waren. Der englische Begriff für die deutschen Schnellboote im Zweiten Weltkrieg war E-boat.
Geschichte Der Aufbau der Schnellbootwaffe begann bei der Reichsmarine mit den Aktivitäten des Leiters der Seetransportabteilung der Marineleitung, Kapitän zur See Walter Lohmann, der Geheimprojekte zur Aufrüstung der Flotte konzipierte. Er gründete im Jahr 1924 die Travemünder Yachthafen AG (Trayag). Bei der „Trayag“ wurden mit von Lohmann beschafften inoffiziellen Geldmitteln Schnellboote entwickelt und Versuchsbauten realisiert. Bis dahin waren zum Aufbau der Schnellbootflotte lediglich Weltkriegsbauten modernisiert worden. Im Jahr 1925 engagierte sich Lohmann zudem bei der Gründung des Deutschen Hochseesportverbands HANSA. Der von Adolf von Trotha geleitete Verband betrieb die „Hanseatische Yachtschule“ in Neustadt in Holstein, wo junge Männer auf Motor- und Segelbooten ausgebildet wurden. Dadurch wurde im Geheimen die Grundlage für die Besatzungen der künftigen Schnellboote gelegt.Wilhelm Treue, Werner Rahn, Eberhard Möller: Deutsche Marinerüstung 1919–19425. Die Gefahren der Tirpitz-Tradition. Verlag E.S. Mittler & Sohn, Herford / Bonn 1992, ISBN 3-8132-0386-7, S. 131–138. Zur Finanzierung der Entwicklungen der „Trayag“ suchte Lohmann über den Motoryachtclub von Deutschland Interessenten, die die Travemünder Neubauten privat erstehen sollten. Gegen Ende des Jahres 1925 beteiligte er sich zudem an der Gründung der Neustädter Slip GmbH. Diese Werft gewährleistete die Reparatur der Boote der „Yachtschule“ und ermöglichte zudem die Ausbildung von technischem Personal. Im selben Jahr wurden bei der „Trayag“ und der auf Motoryachten spezialisierten Bremer Lürssen-Werft Schnellboote in Auftrag gegeben. Der Auftrag umfasste zwei Boote, die eine Geschwindigkeit von 33 Knoten erreichen sollten und erfolgte durch die „Navis GmbH“, eine Tarnfirma, die Lohmann für seine inoffiziellen Aktivitäten nutzte. Das von Lürssen gelieferte Boot Lür wurde maßgeblich für die weitere Entwicklung der deutschen Schnellboote. Es kam erstmals im Rahmen einer S-Boot-Übung im Jahr 1926 zum Einsatz. An dieser zweiwöchigen Übung nahmen acht Boote teil, wobei die älteren, modernisierten Modelle schlechte Ergebnisse zeigten. mini|U-Boot-Zerstörer UZ 14, 1918. mini|Schnellboot S 9 Im Jahr 1926 erfolgte die Bestellung einiger Versuchsboote, die zunächst als U-Boot-Zerstörer (UZ) klassifiziert waren. Genauer wurde dabei zwischen „U-Such- und Minenräumboote“ (UZ 1 bis UZ 11, UZ 14+UZ 15, UZ 18 bis UZ 20 und UZ 22) und reinen „Minensuchboote“ (UZ 12+UZ 13, UZ 16+UZ 17) unterschieden. Dieses Beschaffungsprojekt fiel in eine Grauzone der Beschränkungen des Versailler Vertrages, der diese Kategorie von Kriegsschiffen nicht erwähnte. Aber bereits im Ersten Weltkrieg waren 1916/17 unter dem Namen U-Boot-Zerstörer Schnellboote, u. a. durch die Oertz-Werft, gebaut worden.
Im Jahr 1927 wurde eine weitere Übung angesetzt, an der sechs der alten Weltkriegsboote teilnahmen. Die hierbei gemachten Erfahrungen gaben den Ausschlag für die Entscheidung zum Aufbau einer „Kleinbootswaffe“. Daraufhin wurden Anfang 1928 alle eingesetzten Boote von der Reichsmarine übernommen. Mitte April 1929 wurden im Ostseesperrverband 13 alte Minenräumboote und 11 sogenannte „Bewachungsfahrzeuge“, sieben ehemalige LM-Boote (LM stand für Luftschiffmotor), zusammengefasst. Die als „Bewachungsfahrzeuge“ getarnten Boote erhielten die Bezeichnung UZ(S) (U-Bootzerstörer (Schnellboot)). Hinzu kamen noch vier andere Boote, sodass elf Boote UZ(S) 11 bis UZ(S) 21 im Verband zusammenkamen.
Im Jahr 1931 entschied das Marinekommandoamt, eine Halbflottille aufzustellen und leitete den Austausch der Weltkriegsboote gegen Neubauten ein. In diesem Zusammenhang wurde im Dezember die offizielle Bezeichnung „Schnellboot“ etabliert. Im Jahr darauf forderte das Flottenkommando aufgrund der Bedeutung der Schnellboote für die Seekriegführung in der Ostsee eine Aufstockung des Bootsbestandes der Halbflottille von vier auf sechs einsatzbereite Boote. Die Anzahl sollte im Kriegsfall auf bis zu acht Boote aufgestockt werden können. Im Jahr 1934 wurden die Einsatzmöglichkeiten der Schnellboote außerhalb der Ostsee ins Auge gefasst. Zum Angriff auf die Häfen an der nordfranzösischen Kanalküste sollte bei den im Marinebudget für das Jahr 1935 vorgesehenen sechs neuen Booten die Reichweite verbessert werden. Bis zum Jahr 1937 war schließlich der Bootsbestand auf 14 Neubauten angewachsen, so dass die Aufstellung einer weiteren Schnellbootflottille beschlossen wurde. Im April 1938 schlug der Chef des Flottenkommandos Admiral Rolf Carls vor, den Schnellbootbau mit S 37 einzustellen. Diese Beschränkung der Schnellbootwaffe auf somit 30 Boote begründete Carls mit der Ansicht, der erfolgreiche Einsatz der Boote sei sowohl in der Nordsee als auch in der mittleren Ostsee "zu sehr vom Wetter abhängig". Bei den deutschen Schnellbooten handelte es sich also nach Carls Ansicht lediglich um eine "Gelegenheitswaffe", zudem hielt er die Entwicklung des S-Bootes an sich für abgeschlossen.Wilhelm Treue, Eberhard Möller, Werner Rahn: Deutsche Marinerüstung 1919–1942. Die Gefahren der Tirpitz-Tradition Verlag E. S. Mittler & Sohn, Herford / Bonn, 1992, ISBN 3-8132-0386-7, S. 136–137. Diesen Überlegungen lag die zu diesem Zeitpunkt in der deutschen Marine noch vorherrschende Überzeugung zu Grunde, das ein Krieg gegen das Vereinigte Königreich ausgeschlossen wäre, was auch von Hitler mehrfach beteuert wurde. Diese Einstellung änderte sich aber bereits Mitte des Jahres 1938, was sich auch in einer Denkschrift der Seekriegsleitung niederschlug, die Hellmuth Heye im Auftrag Erich Raeders im Juni Jahres verfasste und die die Grundlage des Z-Plan genannten Aufrüstungsprogramms der Kriegsmarine wurde.Michael Salewski: Die deutsche Seekriegsleitung 1935–1945. Band I: 1935–1941. Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen, Frankfurt am Main 1970, S. 40–41 Auf Basis der Empfehlungen der bisherigen Chefs der S-Bootshalbflottillen Günther Schubert, Heinz-Dietrich von Conrady und Kurt Sturm, sowie insbesondere der Einschätzung Erich Beys betonte diese Denkschrift die Bedeutung der Schnellbootwaffe, insbesondere in der Verteidigung der eigenen Küsten. Im November 1938 wurde durch das Oberkommando der Marine der Weiterbau bis zu einem Bestand von 75 Booten, sowie eine Weiterentwicklung der Schnellboote an sich beschlossen, während das Flottenkommando auf seiner Ansicht beharrte und diese auch in den folgenden Jahren wiederholt äußerte.
Während des Zweiten Weltkriegs war die Flottille die Standardformation der Schnellboote, die aus regelmäßig acht Schnellbooten und einem Begleitschiff bestand. Insgesamt gab es 14 Schnellboot-Flottillen und eine Schnellboot-Schulflottille, die ab Ende 1943 zur Schnellboot-Lehrdivision aufgestockt wurde. Zunächst unterstanden die Schnellboot-Flottillen (S-Flottillen) dem Führer der Torpedoboote (F.d.T.). Am 10. April 1942 wurde diese Dienststelle aufgelöst und die des Führers der Schnellboote geschaffen.Die Torpedoboote wechselten zum Führer der Zerstörer. Im Kriegstagebuch der SKL heißt es dazu:Kriegstagebuch der Seekriegsleitung 1939–1945. Mittler, Teil A, Band 32, April 1942, 1992, S. 163.
Ab 1940 wurden entlang der niederländischen, belgischen und französischen Küste fünf große Bunkeranlagen, sogenannte Schnellbootbunker, zum Schutz der Schnellboote gebaut.
Am 8. Mai 1945 kam es in der Geltinger Bucht zur letzten Musterung durch den F.d.S. Rudolf PetersenAm 13. Juni 1944 als siebenter von acht Soldaten mit dem Schnellboot-Kriegsabzeichen mit Brillanten ausgezeichnet. für die Einheiten der Schnellbootverbände in Form einiger S-Flottillen bzw. deren verbliebene Boote. Konkret waren dies die S-Boote der 10. Schnellboot-Flottille, der 3. Schnellboot-Schulflottille, der Begleitschiffe der Schnellboot-Lehrdivision und zwei Schiffe der 8. und 9. S-Flottille. Für den nächsten Tag wurde eine Flaggenparade für die sogenannte Kurland-Flottille durchgeführt. Mitte Mai 1945 wurden die Schnellbootverbände der Kriegsmarine durch den F.d.S. dann außer Dienst gestellt.
Führer der Schnellboote
Geschichte Die S-Flottillen wurden dem Führer der Schnellboote (F.d.S), welcher am 10. April 1942 aufgestellt wurde, truppendienstlich unterstellt. Operativ unterstanden ihm nur einige Flottillen, andere den örtlichen Seebefehlshabern, besonders diejenigen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Der F.d.S. selbst war truppendienstlich dem Flottenkommando unterstellt, operativ dem Marinegruppenkommando West. Mitte Juli 1943 wurden auf Antrag des F.d.S. fünf S-Flottillen – die 3., 7., 21., 22. und 24. – in die neu aufgestellte 1. Schnellboot-Division zusammengefasst, die truppendienstlich dem Marinegruppenkommando Süd unterstand.
Haupteinsatzgebiet der Schnellboote war der Ärmelkanal. Deshalb befand sich die Hauptbefehlsstelle des F.d.S. in Scheveningen, von wo aus bereits der F.d.T. die S-Boote geführt hatte. Je nach Einsatzschwerpunkt wurden Nebenbefehlsstellen eingerichtet, so z. B. in Wimereux bei Boulogne-sur-Mer, Cherbourg und während und nach der alliierten Invasion der Normandie in Le Havre, Ostende/De Haan und Den Helder.
Während der Landung der Alliierten in Frankreich im Juni 1944 konnten Schnellboote eine Anzahl alliierter Landungsschiffe und Transporter versenken.Versenkungserfolge im Westraum bei WLB, abgerufen am 27. Dezember 2020
Im Winter 1944/45 wurde der Stab der Dienststelle nach Sengwarden bei Wilhelmshaven verlegt. Am 6. April 1945 entscheidet der F.d.S. den Stab und die Flottillenstäbe in den Raum Sonderburg zu verlegen. Bei Kriegsende befand sich der Stab der Dienststelle in Flensburg beim Sonderbereich Mürwik.
Kurz vor Kriegsende verschärfte sich die Versorgungslage der Flottillen erheblich. Die schlechte Versorgung mit ausreichend Torpedos und Treibstoff ließ den F.d.S. mehrmals in seinen Berichten verlauten. Am 14. März 1945 fragt der F.d.S. an, ob durch die kritische Brennstofflage bei ungünstiger Wettervorhersage auf Schnellbooteinsätze verzichtet werden kann. Das Marineoberkommando Nord antwortet:Kriegstagebuch der Seekriegsleitung 1939–1945. Mittler, Teil A, Band 67, März 1945, 1997, S. 199.
In der Folge blieben die schlechter werdende Versorgungslage und die unterschiedliche Bewertung von Wetterlage zu Einsatzmöglichkeiten Themen zwischen der Dienststelle und der Seekriegsleitung.
Führer der Schnellboote Einziger Führer der Schnellboote war vom 20. April 1942 bis Kriegsende Fregattenkapitän Rudolf Petersen, ehemaliger Kommandant von S 9.J. P. Mallmann-Showell: Das Buch der deutschen Kriegsmarine 1939–1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-880-3, S. 102 Er wurde am 1. April 1944 zum Kapitän zur See befördert und am 23. September 1944 zum Kommodore ernannt.
Chefs des Stabes
Korvettenkapitän Heinrich Erdmann: von Juni 1944 bis April 1945 Fregattenkapitän Herbert Max Schultz: von April 1945 bis Kriegsende, ehemaliger Chef der 1. Schnellboot-Division
1. Schnellboot-Division
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