Die Flower-Klasse des Zweiten Weltkrieges war eine Klasse von 271 Korvetten zur Geleitzugsicherung und U-Boot-Abwehr, die in der britischen Royal Navy und alliierten Marinen dienten. Sie wird gelegentlich auch als Gladiolus-Klasse nach der ersten bei Smiths Dock Company vom Stapel gelaufenen Korvette dieses Typs bezeichnet. Der Auftrag für 56 Boote der Klasse im Juli und August 1939 kurz vor dem Kriegsbeginn war einer der umfangreichsten britischen Marineaufträge im Frieden. Die Boote waren eine militärische Entwicklung aus dem Walfänger Southern Pride und wurden nach zivilen Standards erbaut, was die Einbindung einer Vielzahl von Werften ermöglichte. 30 Werften stellten Korvetten der Flower-Klasse fertig, davon zwölf in Kanada und eine in Frankreich.
Nach dem Kriegsende wurden eine Vielzahl der Boote noch bei kleineren Marinen eingesetzt. Dazu wurden etwa 50 zu Walfängern umgebaut und unter britischer, norwegischer, niederländischer, südafrikanischer und der Flagge Panamas eingesetzt. Erhalten geblieben ist nur die Korvette HMCS Sackville der Royal Canadian Navy als Museumsschiff in Halifax.
Baugeschichte 1939 bestellte die Royal Navy eine Klasse kleiner Boote zur Sicherung des Küstenverkehrs, die preiswert und schnell in größeren Stückzahlen produziert werden konnten. Sie sollten vor allem die drohende Gefahr durch die Unterseeboote der Achsenmächte reduzieren und als Sofortmaßnahme zum Einsatz kommen, bis spezialisierte Kriegsschiffe in einem Kriegsfall zur Verfügung stehen könnten.
Trotz der Bedrohung durch den U-Boot-Krieg im Ersten Weltkrieg hatte man in den 1920er- und 1930er-Jahren die Gefährdung der Handelsschifffahrt vor allem durch Überwasserstreitkräfte und Flugzeuge gesehen. Die Vergrößerung der alliierten Flotten durch Sloops der Halcyon-Klasse wurde lange als Lösung gesehen. Erst kurz vor dem Kriegsbeginn bot der Plan eines „Patrol Vessel of Whaler Type“ der britischen Admiralität eine schnellere und preiswertere Lösung. Als Basis für diese Boote wurde der Entwurf des Walfängers Southern PrideDaten der Southern Pride und Bild der britischen Werft Smiths Dock Company in Middlesbrough aus dem Jahr 1936 gewählt. Dieses Fangboot unterschied sich in der Größe und im Fahrbereich von den üblichen Fangbooten, da es als Erkundungsboot für die Walfangflotten dienen sollte.
Die kleinen Geleitfahrzeuge wurden bald als Korvetten bezeichnet, eine Bezeichnung, die die Royal Navy zuletzt von 1830 bis 1877 benutzt hatte, um sie dann durch die Klasse der Kreuzer zu ersetzen. Als Namen wurden wieder Blumen und Pflanzen genutzt, wie schon bei den Sloops der Flower-Klasse des Ersten Weltkriegs, von denen 120 Einheiten nach Handelsschiffnormen gebaut worden waren, um Schwachstellen der damaligen Flottenrüstung auszugleichen.
Die Royal Navy bestellte am 25. Juli 1939 die ersten 26 Boote, denen am 31. August eine weitere Bestellung von 30 Booten unmittelbar vor Kriegsbeginn folgte. Bis zum Jahresende erhöhte sich die Zahl der bestellten Boote auf 145, und im Januar 1940 erfolgte aus dem Kriegshaushalt von 1939 noch die erste Bestellung von zehn Booten auf kanadischen Werften. Bis 1942 bestellte die Royal Navy weitere Boote der Klasse – zum Teil nach dem modifizierten Entwurf – in Großbritannien und Kanada.
Kurz nach Kriegsbeginn bestellte auch die Marine Nationale 22 Boote der Flower-Klasse,Le Masson, S. 27 f. von denen 16 auf britischen Werften und sechs in Frankreich gebaut werden sollten. Vier der in Frankreich begonnenen Boote wurden von Chantiers de Penhoët in Saint-Nazaire während der deutschen Besetzung für die Kriegsmarine weiter gebaut.
Auch Kanada suchte nach dem Kriegsausbruch des Zweiten Weltkriegs nach einer Möglichkeit, seine Marine schnell zu verstärken und übernahm die zehn von der Royal Navy in Kanada bestellten Boote und bestellte selbst 70 weitere auf der Basis des ersten Entwurfs auf kanadischen Werften.
Später kamen noch weitere des sogenannten modifizierten Entwurfes hinzu. Diese Boote hatten eine veränderte Bugform, ein verlängertes Vorschiff, niedrigere und längere Brückenaufbauten, den Mast hinter der Brücke und eine verstärkte Bewaffnung.
Als die USA 1941 in den Krieg eintraten, hatten sie schon ein großes Neubauprogramm für U-Boot-Abwehrschiffe, aber einen akuten Mangel an fertigen Schiffen. Sie übernahmen daher zehn fertiggestellte Korvetten der Flower-Klasse aus dem Dienst der Royal Navy im Februar bis April 1942, die als „Patrol Gunboats“ der Temptress-Klasse (PG 62 bis PG 71) in den Dienst der US Navy kamen. Die USS Temptress ex HMS Veronica war ursprünglich von der Französischen Marine 1939 bestellt worden. Dazu wurden fünfzehn weitere der modifizierten Flower-Klasse auf kanadischen Werften durch Übernahme britischer Aufträge als Action-Klasse (PG 86 bis PG 100) bestellt, von denen nur acht ab November 1942 (PG 86/87, PG 89, PG 92 bis PG 96) in den Dienst der US Navy kamen, während die anderen bei Fertigstellung an die Royal Navy kamen. Unter den gegenseitig gewährten Lend-Lease-Bedingungen, wurden zehn Boote der Temptress-Klasse im August 1945 wieder der Royal Navy übergeben und die sieben Boote der Action-Klasse gelangten zwischen Januar und Juli 1946 doch noch zur US Navy.
Von der als Zwischenlösung geplanten Korvette der Flower-Klasse wurden 267 Boote für die Alliierten bis 1944 fertiggestellt. Obwohl für den küstennahen Einsatz vorgesehen, wurden sie wegen ihres großen Fahrbereichs ein wesentliches Element der Geleitzugsicherung im Atlantik.
Bewaffnung mini|Hauptgeschütz der Korvetten der Flower-Klasse war ein 4-Zoll-Mk.IX-Geschütz mini|Laden eines Wasserbombenwerfers Mk.VII Die Korvetten der Flower-Klasse erhielten ein 4-Zoll-102-mm-Geschütz vom Typ Mk.IX auf dem Vordeck, Abwurfschienen für 40 Wasserbomben am Heck, dazu eine Winde für Minensuchgeräte und über der Maschine einen Kampfstand für ein 2-pounder-40-mm-Geschütz, ein sogenanntes pom-pom. Wegen des Mangels an diesen Geschützen wurden anfangs oft ein Paar Lewis-Maschinengewehre als Ersatz für die pom-pom eingebaut. Diese Bewaffnung hätte den Booten in der geplanten Rolle als Küsten-Geleitboot und Patrouillenboot in der Nordsee kaum Schutz gegen Luftangriffe gegeben. Da sie gleich als Langstrecken-Geleitboote auf dem Atlantik zum Einsatz kamen, war diese Schwäche relativ unbedeutend, da die Luftwaffe eher selten Geleitzüge angriff. Boote der Flower-Klasse, die in anderen Bereichen eingesetzt wurden, mussten vorher eine Verstärkung ihrer Flugabwehrbewaffnung erhalten. Da die Korvetten auch von jeder kleinen Werft und Marinebasis repariert werden konnten, erhielten sie eine veränderte Bewaffnung relativ unkompliziert, so dass es viele unterschiedliche Ausstattungen gab. Bewaffnungsänderungen, die eine Vielzahl der Boote erhielten, waren: der Ausbau der Minensuchausrüstung, der mehr Bunkerkapazität gab; die Erhöhung des Wasserbombenvorrats durch zusätzliche Halterungen am Heck und an den Schiffsseiten; der Einbau eines Hedgehog-Werfers ab Frühjahr 1943, der die Bekämpfung von U-Booten aus einer Distanz bei fortlaufender ASDIC-Ortung erlaubte; Einbau zusätzlicher Lewis-Maschinengewehre auf der Brücke und über dem Maschinenraum; Einbau von 20-mm-Oerlikon-Kanonen, meist zwei in den Brückenenden, gelegentlich auch bis zu sechs über dem Maschinenraum.
Nur einzelne Boote hatten alle Veränderungen und nicht immer in dieser Reihenfolge. Die in Kanada und für die US-Navy gebauten Korvetten hatten noch weitere Änderungen der Bewaffnung, wie den Einbau einer 3-Zoll-76-mm/50-cal-Kanone im hinteren Bereich.
Die Fähigkeit, U-Boote zu entdecken, wurde durch den Einbau von Sonar-Geräten, den High Frequency Radio Detection Finder (genannt Huff-Duff) sowie immer besserer Radar-Geräte gewährleistet. Die britischen Fahrzeuge waren in diesem Bereich besser ausgestattet, da sie schneller verbesserte Geräte erhielten und anders als die kanadischen in der Regel über Kreiselkompasse verfügten, die eine exaktere Ausnutzung der Sonarergebnisse ermöglichten.
Abwicklung des Bauprogramms
Ab 1939 bauten britische Werften, ab 1940 auch französische und kanadische Werften Boote der Flower-Klasse.
Britische Bauten In Großbritannien wurden von 1939 bis Juli 1942 135 Korvetten der Flower-Klasse auf 17 Werften gebaut. Die entwickelnde Werft Smith’s Dock erhielt auch Aufträge für zehn Korvetten für die französische Marine, von denen neun schließlich von der Royal Navy übernommen wurden. Harland & Wolff stellte mit 35 Korvetten den größten Anteil her, von denen auch sechs ursprünglich von der französischen Marine bestellt waren.
Ab September 1942 wurden auch noch zehn Boote der modifizierten Flower-Klasse auf britischen Werften gebaut, die letztlich alle bei Marinen des Commonwealth (vier Indien (nach Dienst in der RN), vier Kanada, zwei Neuseeland) Dienst taten.
1. Kiellegung Indienststellung von bis Anzahl Bauwerft 19. Oktober 1939 6. April 1940 2. November 1941 20 Smiths Dock Company, Middlesbrough10 von der französischen Marine bestellt nur La Bastiase und La Mouline an diese ausgeliefert 30. Oktober 1939 5. April 1940 8. Dezember 1941 35 Harland & Wolff Ltd, Belfast 11. Oktober 1939 22. April 1940 28. März 1942 9 Charles Hill & Sons, Bristol 20. September 1939 24. Mai 1940 16. Januar 1942 10 William Simons & Company, Renfrew 20. Oktober 193926. Februar 1943 25. Mai 1940 30. Mai 19425. Juli 1944 7 + 2 mod. George Brown & Co., Greenock 25. Oktober 19392. November 1942 19. Juli 1940 26. Dezember 1941März 1944 12 + 3 mod. Fleming & Ferguson Ltd, Paisley 26. Oktober 1939 12. August 1940 12. Oktober 1940 2 Blyth Dry Docks & Shipbuilding Co., Blyth 18. September 193927. Februar 1943 17. August 1940 5. März 19425. Januar 1944 6 + 1 mod. A. & J. Inglis, Glasgow 23. Oktober 193926. November 1942 12. September 1940 23. Februar 19428. Februar 1944 5 + 2 mod. John Crown & Sons Ltd, Sunderland 30. November 1939 30. September 1940 19. September 1941 5 J. Lewis & Sons Ltd, Aberdeen 31. Oktober 1939 16. Oktober 1940 30. April 1941 3 Grangemouth Dockyard Company, Grangemouth 31. Oktober 1939 15. November 1940 2. Juli 1942 5 Henry Robb Ltd, Leith 30. Dezember 1939 20. November 1940 25. November 1941 6 Hall, Russell & Company, Aberdeen 15. November 1939 27. Januar 1941 3. März 1941 2 Cook, Welton & Gemmell, Beverley 23. November 1939 25. Februar 1941 31. Juli 1941 2 George Philip & Sons Ltd., Dartmouth 27. Juni 194026. September 1942 16. Juli 1941 12. Mai 194210. November 1943 4 + 2 mod Alexander Hall & Company, Aberdeen 21. Dezember 1939 23. Juli 1941 1. Oktober 1941 2 Ailsa Shipbuilding Company, Troon
Kanadische Bauten Das Bauprogramm auf kanadischen Werften wurde von der Royal Navy begonnen, die aus dem Haushalt 1939 die ersten zehn Korvetten dort im Januar 1940 bestellte. Die Boote wurden alle bei Fertigstellung an die Royal Canadian Navy abgegeben. Nach Kriegsende wurden sie der Royal Navy übergeben. Die Kanadier bestellten darüber hinaus 70 Korvetten der Flower-Klasse zum Aufbau einer eigenen Flotte. Insgesamt zwölf kanadische Werften wurden mit dem Bau der Geleitfahrzeuge betraut.
Die kanadische HMCS Charlottetown (K 244) gilt als erstes Boot des modifizierten Flower-Typs, von dem 27 Boote für die Royal Canadian Navy in Kanada fertiggestellt wurden. Weitere 15 Aufträge der Royal Navy (RN) wurden nach Kriegseintritt der USA an die US Navy (USN) abgetreten, von denen acht als Action-Klasse von dieser in Dienst genommen wurden, während die anderen sieben Boote in den Dienst der Royal Navy kamen.