Metallica ist das fünfte Studioalbum der US-amerikanischen Metal-Band Metallica. Es erschien am 12. August 1991 bei Elektra Records und wird aufgrund seines schlichten, fast komplett schwarzen Covers häufig The Black Album genannt. Das hauptsächlich vom Kanadier Bob Rock produzierte Album markierte einen Wendepunkt in der musikalischen Entwicklung der Band. Nachdem die Lieder zuvor immer länger und progressiver geworden waren, schrieb die Band nun einfacher arrangierte, kürzere und eingängigere Songs.
Mit weltweit über 30 Millionen verkauften Einheiten, davon rund 16 Millionen in den USA, gehört es zu den weltweit erfolgreichsten Alben. Metallica ist bis heute das meistverkaufte Metal-Album. In zehn Ländern erreichte es Platz eins der jeweiligen Albumcharts. 1992 erhielten Metallica den Grammy Award in der Kategorie Best Metal Performance.
Entstehung Vorproduktion Schon während der Damaged-Justice-Tournee zeigten sich die Musiker unzufrieden mit der musikalischen Ausrichtung ihrer Band. Nach dem Ende der Tournee im Oktober 1989 äußerte sich der Gitarrist Kirk Hammett, dass die Lieder des Vorgängeralbums …And Justice for All zu lang seien und nahm das fast zehnminütige Titellied als Beispiel.Matthias Weckmann: Schwarze Magie. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 7.
Schlagzeuger Lars Ulrich erklärte, die Alben seiner Band seien mit der Zeit so steril geworden, dass man Handschuhe anziehen müsse, um die CDs in den CD-Spieler zu legen.Matthias Weckmann: Schwarze Magie. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 8. Im Vorfeld der Produktion sammelten die Musiker im Sommer 1990 ihre Ideen für das neue Album. Die dabei entstandenen Riffs wurden auf Kassetten aufgenommen und untereinander ausgetauscht.
Entscheidend für das Album wurde eine Idee von Kirk Hammett, die ihm nachts gegen zwei Uhr in den Sinn kam. Aus der Idee, die lediglich ein Riff umfasste und die Hammett zunächst wenig beachtete, entstand das Lied Enter Sandman. Obwohl es das erste fertiggestellte Lied war, erhielt es als letztes einen Text. Sänger und Gitarrist James Hetfield und Lars Ulrich arbeiteten gemeinsam das entstandene Material auf. Dafür trafen sich die Musiker in Ulrichs Haus in Berkeley, wo er sich ein kleines Tonstudio eingerichtet hatte.Michael Rensen: Thrash, Trauer & Triumphe. In: Rock Hard-Sonderausgabe Metallica, , S. 42
Da die Band von dem oftmals als trocken beschrieben Klang des Vorgängeralbums weg wollte, schauten sich die Musiker nach einer Person um, die das neue Material abmischen sollte. Dabei fiel die Wahl auf Bob Rock, der zuvor schon mit Bands wie Bon Jovi oder Aerosmith zusammengearbeitet hatte. James Hetfield war von Rocks Mix des The-Cult-Albums Sonic Temple beeindruckt, während Ulrich durch das Mötley-Crüe-Album Dr. Feelgood auf den Kanadier aufmerksam wurde.
Das Bandmanagement kontaktierte Rock und fragte, ob er das kommende Metallica-Album abmischen wolle. Rock antwortete, dass er das Album nicht nur mischen, sondern komplett produzieren wolle. Allerdings stand Rock nun vor einem Dilemma, da er seinem Freund und Bon-Jovi-Gitarristen Richie Sambora versprochen hatte, dessen Soloalbum Stranger in This Town zu produzieren. Bob Rock begab sich mit seiner Familie auf einen Urlaub im Grand-Canyon-Nationalpark. Mitten in der Wüste sah er einen Indianer, der ein Metallica-Shirt trug. Wenig später hörte er an einer Tankstelle ein Lied von Metallica im Radio. Daraufhin rief Rock seinen Manager an und sagte Sambora ab.Michael Rensen: Thrash, Trauer & Triumphe. In: Rock Hard-Sonderausgabe Metallica, , S. 43
Im September und Oktober 1990 nahm die Band Demos für die Lieder Enter Sandman, Sad but True, Wherever I May Roam, Nothing Else Matters und The Unforgiven auf. Für den Fall, dass die Zusammenarbeit mit Bob Rock nicht funktionieren würde, bezahlten Metallica ihrem bisherigen Produzenten Flemming Rasmussen einen einmonatigen Urlaub auf Abruf.
Beim ersten Zusammentreffen in Rocks Heimatstadt Vancouver überraschte der Produzent die Band mit seiner Einschätzung, dass Metallica das Live-Element ihrer Konzerte noch nie auf Platte habe einfangen können. Die Band spielte Rock die aufgenommenen Demos vor. Rocks kritische Äußerungen zum Material missfielen zunächst besonders den Hauptsongwritern James Hetfield und Lars Ulrich. Hinter verschlossenen Türen arbeiteten die Musiker dennoch an Rocks Vorschlägen und ließen sich schließlich überzeugen.
Aufnahmen Am 6. Oktober 1990 begannen die Aufnahmen in den One-on-One-Studios in North Hollywood, in denen bereits das Vorgängeralbum aufgenommen worden war. Der Tontechniker Randy Staub sowie Mike Tacci assistierten Bob Rock. Dieser änderte die bisherige Aufnahmeweise der Band entscheidend. Während zuvor alle Instrumente einzeln aufgenommen worden waren, ließ Rock die Musiker zunächst alle Lieder gemeinsam proben. Die neue Arbeitsweise bedeutete für Kirk Hammett und Bassist Jason Newsted eine Umstellung, da beide in der Vergangenheit nur kurz im Studio waren.
Um dem Schlagzeug ein klangliches Volumen zu verleihen, ließ Rock bis zu 50 Mikrofone um das Schlagzeug postieren. Mit der Suche nach dem passenden Klang waren Rock und Ulrich insgesamt drei Wochen lang beschäftigt.Michael Rensen: Thrash, Trauer & Triumphe. In: Rock Hard-Sonderausgabe Metallica, , S. 49 Ulrich hatte den Plan, jedes Lied mehrfach komplett durchzuspielen. Rock verwarf diese Idee. Stattdessen musste Ulrich sämtliche Lieder bis zu 40 Mal spielen. Die besten Abschnitte wurden dann wie bei einem Puzzle zusammengesetzt. Immer wieder kam es zu Verzögerungen, da Ulrich, von eigenen Fehlern genervt, das Studio verließ.
Jason Newsteds Bass erhielt im Gegensatz zum Vorgängeralbum, bei dem das Instrument weit in den Hintergrund gemischt und kaum hörbar war, höhere Priorität. Newsted probierte verschiedene Bässe aus und diskutierte mit Rock lange über die richtige Frequenz.Matthias Weckmann: Schwarze Magie. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 9.
Für die Aufnahmen der Gitarren ließ Bob Rock ein zeltartiges Gewölbe errichten, dessen Wände und Decken mit Holz ausgekleidet wurden. In der Mitte dieses Bauwerks, das die Musiker scherzhaft Tent of Doom (engl. für Zelt des Untergangs) nannten, waren die Verstärker platziert. Insbesondere James Hetfield war von den Ergebnissen begeistert. Seiner Meinung nach habe Bob Rock „die Gitarren in allen Belangen fetter gemacht“.Matthias Weckmann: Schwarze Magie. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 10.
Da die Aufnahmen der Instrumente mehr Zeit als geplant in Anspruch nahmen, mussten sich die beteiligten Personen bei den Aufnahmen des Gesangs beeilen. Trotzdem wollte Bob Rock die bisherige Arbeitsweise verändern. Während Hetfields Gesang zuvor immer gedoppelt wurde, wollte Rock hiermit aufhören, um Hetfields stimmliche Charakteristik deutlicher auszubauen.Matthias Weckmann: Vom Leitwolf zum Mann. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 16 Lars Ulrich erklärte in einem Interview, dass Rock Hetfield dazu brachte, sich sicher genug zu fühlen, um richtig zu singen. Während der Aufnahmen verlor Hetfield zeitweilig seine Stimme. Auf Rocks Anraten besuchte er einen Kantor in Los Angeles, um bei ihm Gesangsunterricht zu nehmen und Stimmübungen zu machen.Metallica: Some Kind of Monster. Dokumentarfilm, 2004, 141 Min. Regie: Joe Berlinger und Bruce Sinofsky. Eine Produktion von We're only in it for the music + Third Eye Motion Picture Company + RadicalMedia + Blackened Dennoch erlitt Hetfield immer wieder Rückschläge. In Bezug auf die beim Kantor erlernten Gesangstechniken erklärte James Hetfield, der Knoten und Verhärtungen auf den Stimmbändern hatte, in dem britischen Dokumentarfilm Classic Albums: Metallica – The Black Album aus dem Jahre 2001: „Das gab mir Selbstvertrauen. Danach klang ich ja nicht wie ein Opernsänger. Ich singe immer noch wie ein Seemann.“. Dokumentarfilm, 2001, 50 Min. Regie: Matthew Longfellow. Ausführende Produzenten: Terry Shand und Geoff Kempin. Eine Produktion von Isis Productions + Eagle Rock Entertainment, London
Hetfield schrieb für das Album sehr persönliche Texte. In einem Interview erklärte er, dass er bei diesem Album versucht habe, mehr in sich hineinzusehen, und sich außerdem Fragen nach dem Leben gestellt habe. Die Spannbreite seiner Texte reichen vom Tod seiner Eltern über Selbstmitleid, Impressionen des Tourlebens bis zum Thema Liebe. Der Text zu Enter Sandman stand fünf Minuten, bevor der Gesang für dieses Lied aufgenommen wurde.Matthias Weckmann: Schwarze Magie. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 13. Ende Mai 1991 waren die Aufnahmen abgeschlossen.
Abmischung und Mastering Die Abmischung des Albums fand in den A&M-Studios in Hollywood statt. In den ersten Tagen lieferten sich Bob Rock und Lars Ulrich lange Diskussionen um die erste Singleauskopplung des Albums. Während Ulrich auf Enter Sandman bestand, sah Rock Holier Than Thou als beste Wahl. Ulrich konnte sich schließlich durchsetzen. Nach der Wahl der Single kam es zu weiteren Diskussionen zwischen Ulrich und Hetfield um die Anzahl der Tonspuren für ihre Instrumente.
Bob Rock erinnerte sich in einem Interview, dass er und Randy Staub diese Diskussionen nur Kaugummi kauend und mit literweise Kaffee überstanden haben. Teilweise waren die beteiligten Personen bis zu 16 Stunden am Tag beschäftigt, da der Abgabetermin immer näher rückte. Für den Mix von Enter Sandman benötigte man zehn Tage, während Holier Than Thou in fünf Stunden gemischt wurde.
Am 7. Juli 1991 endete der Abmischprozess. Einen Tag später flogen Rock, Hetfield und Ulrich nach New York, um mit Hilfe von George Marino das Album zu mastern. Schon nach der Ankunft ergaben sich weitere Probleme, da das mitgebrachte Band digitale Störgeräusche enthielt. Unter Zeitdruck musste ein neues Studio gefunden werden, um die Fehler zu beseitigen. Am 10. Juli 1991 gegen zwei Uhr morgens waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Produktionskosten beliefen sich auf über eine Million US-Dollar.Matthias Weckmann: Schwarze Magie. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 14.
Veröffentlichung mini|Die Gadsden flag, die die Band zum Albumcover inspirierte. Zum ersten Mal seit dem Debütalbum Kill ’Em All aus dem Jahre 1983 wurde ein Metallica-Album nicht nach einem Lied benannt. Zwischenzeitlich war der Albumtitel The Snake Album (engl. Das Schlangen-Album) im Gespräch gewesen. Darüber hinaus fanden die Musiker keinen Liedtitel, der repräsentativ für das gesamte Album gewesen wäre.
Das Albumcover entwarf der US-amerikanische Künstler Pushead (bürgerlich Brian Schroeder). Das komplett schwarz gehaltene Bild zeigt in der oberen linken Ecke das Bandlogo. In der unteren rechten Ecke ist eine von der Gadsden flag inspirierte Schlange zu sehen. Durch das Cover wurde das Album auch als The Black Album bekannt. Die Inspiration für das Cover stammte vom Spinal-Tap-Album Smell the Glove. Laut Lars Ulrich wollte die Band so minimalistisch wie möglich agieren, da die Cover der Vorgängeralben voller Symbole waren.Matthias Weckmann: Der Seher. In: Metal Hammer-Legenden - The Black Album, S. 54
Am 29. Juli 1991 wurde mit Enter Sandman die erste Single aus dem Album ausgekoppelt. Einen Tag später strahlte MTV das dazugehörige Musikvideo erstmals aus. Das komplette Album wurde den Fans am 3. August 1991 vorgestellt, als 19.000 Menschen im New Yorker Madison Square Garden es kostenlos hören durften. Die weltweite Veröffentlichung des Albums erfolgte schließlich am 13. August 1991.
Neben Enter Sandman wurden mit The Unforgiven, Nothing Else Matters, Wherever I May Roam und Sad but True vier weitere Singles ausgekoppelt. Für jede Single wurde auch ein Musikvideo gedreht.
Lieder Titelliste Enter Sandman – 5:30(Hammett, Hetfield, Ulrich) Sad but True – 5:20(Hetfield, Ulrich) Holier Than Thou – 3:47(Hetfield, Ulrich) The Unforgiven – 6:23(Hammett, Hetfield, Ulrich) Wherever I May Roam – 6:44(Hetfield, Ulrich) Don’t Tread on Me – 3:59(Hetfield, Ulrich)