mini|300px|Münnerstadt mit Pfarrkirche, Zehntscheune (links) und Jörgentor (rechts) mini|hochkant|Marktplatz mit Hotel Bayerischer Hof mini|hochkant|Jörgentor (um 1348) mit Vortor
Münnerstadt ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen.
Geografie Geografische Lage und Geologie Die Stadt befindet sich 23 km nördlich des Oberzentrums Schweinfurt und ist im Westen von Schindberg und Michelsberg, im Süden vom Karlsberg und im Osten von der Zent umgeben. Im Norden öffnet sich das weite Lauertal. Die Stadt liegt an der Muschelkalk-Schichtstufe, die dort in der südlichen Vorrhön ungefähr in nordnordöstlicher Richtung verläuft. Diese Schichtstufe wird im Münnerstädter Stadtgebiet von der Lauer durchbrochen, die weiter östlich bei Oberlauringen im Gebiet der Keuper-Sandstein-Schichtstufe (siehe auch Hassberge) bzw. Gips-Keuper-Hochfläche entspringt und einige Kilometer flussabwärts von Münnerstadt bei Niederlauer in die Fränkische Saale mündet. Gegen Nordwesten schließt sich die Buntsandstein-Hochfläche mit den Tälern der Fränkischen Saale und ihrer Nebenflüsse. Die Muschelkalkhochfläche erstreckt sich südöstlich von Münnerstadt, wo sie im Osten/Südosten in die Gips-Keuper-Hochfläche übergeht, die wiederum von der Keuper-Sandstein-Schichtstufe begrenzt wird.
Kalkhaltige, oft recht fruchtbare Bodentypen in der Umgebung Münnerstadts sind die Folge dieser geologischen Verhältnisse. Die Böden sind vor allem lehmige Auenböden in der Talfüllung, Parabraunerden auf der Muschelkalk-Hochfläche, geringmächtige, steinige Rendzinen an den Steilhängen dieser Schichtstufe und Braunerden in den nordwestlichen Bereichen, in denen Buntsandstein ansteht.
Die lokale Geologie ist auch verantwortlich dafür, dass sich dort eines der bedeutendsten Grundwasservorkommen Nordbayerns befindet. Dies ist nur scheinbar ein Gegensatz zu den Trockentälern der Umgebung (Maital, Michelsgrund, Goldgrund etc.) und den verbreiteten Trockenbiotopen (Wacholderheiden, Magerrasen), die sich auf den geringmächtigen trockenen Hangböden entwickelt haben.
Nachbargemeinden Burglauer Strahlungen Bad Bocklet Nüdlingen Poppenlauer-Maßbach Thundorf Großbardorf
Gemeindegliederung Es gibt 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Althausen, Bildhausen-Nordost, Bildhausen-Südwest, Brünn, Burghausen, Fridritt, Gressertshof, Großwenkheim, Kleinwenkheim, Münnerstadt, Reichenbach, Seubrigshausen, Wermerichshausen und Windheim. Die Gemarkung Münnerstadt hat eine Fläche von 18,959 km². Sie ist in 3785 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5008,97 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Spitalmühle und Thalkapelle.
Einwohnerzahlen der Kernstadt und der Gemeindeteile Münnerstadt (Kernstadt) (3705 Einwohner) Althausen (296 Einwohner) Brünn (152 Einwohner) Burghausen (294 Einwohner) Fridritt (220 Einwohner) Großwenkheim (725 Einwohner) Kleinwenkheim mit Kloster Maria Bildhausen (500 Einwohner) Reichenbach (708 Einwohner) Seubrigshausen (500 Einwohner) Wermerichshausen (227 Einwohner) Windheim (343 Einwohner)
Stand der Einwohnerzahlen: November 2013 Quelle: Stadtverwaltung Münnerstadt
Geschichte mini|Klosterkirche St. Michael und saniertes Fachwerkhaus mini|Der Anger, Blick nach Osten zur Stadtpfarrkirche Maria Magdalena mini|Mittelschiff und Chor der Stadtpfarrkirche
4500 bis 450 v. Chr. Das Gebiet der heutigen Stadt Münnerstadt ist uraltes Siedlungsgebiet. Reiche Funde aus der Jungsteinzeit (4500–2100 v. Chr.) bis zur Hallstattzeit (ab 750 v. Chr.) beweisen, dass schon vor Jahrtausenden Menschen dort Wälder rodeten, Felder bestellten und Handel trieben. Gerade im östlichen Stadtgebiet, im Umfeld der Gemeindeteile Großwenkheim, Maria Bildhausen und Althausen, bearbeiteten die keltischen Siedler die fruchtbaren Böden des beginnenden Grabfeldes.
8. bis 11. Jahrhundert Die Thüringer, nach ihnen die Franken, drängten nach Christi Geburt in den Raum um Münnerstadt. Sie nutzten den Michelsberg östlich von Münnerstadt als Fliehburg für die umwohnende Bevölkerung in Zeiten der Gefahr. Diese Grapfeldonoburg (die Hauptvolksburg der Grabfeldgaubewohner) dürfte im 5. Jahrhundert entstanden sein und mit ihr ein Dorf zu ihren Füßen an der Lauer. Am 28. Dezember 770 vermachten Egi und Sigihilt ihren Gesamtbesitz (auch Weingärten) zu Munirihestat dem Kloster Fulda; dies war auch die erste urkundliche Erwähnung der Stadt. Aus den etwas über 100 Jahren zwischen 770 und 876 gibt es 18 Urkunden, die Münnerstadt nennen. Dies belegt, dass der Ort in karolingischer Zeit große Bedeutung besaß. Die älteste archivalisch nachweisbare Gaugerichtsverhandlung in ganz Ostfranken fand am 3. Mai 800 in Münnerstadt statt.
12. bis 18. Jahrhundert 1156 stiftete Hermann von Stahleck das bedeutende Zisterzienserkloster Bildhausen im östlichen Stadtgebiet. Die Grafen von Henneberg mehrten ihren Besitz im Raum Münnerstadt. Im 12. Jahrhundert errichteten sie am Zusammenfluss von Lauer und Talbach eine Talburg. Die Bewohner des alten Ortes Münnerstadt verließen ihre wenig geschützten Häuser und siedelten sich im Schatten der Burg an. Um das Jahr 1230 entwickelte sich die befestigte Stadt (oppidum) Münnerstadt mit Stadtmauer (erwähnt 1251) und vier Stadttoren, Markt (1272), Stadtgericht, Stadtrat (1279) und Stadtsiegel (1287). Handel und Handwerk blühten auf. Das Münnerstädter Getreidemaß galt in 38 Orten des nördlichen Unterfrankens. Um 1231 übernahm der Deutsche Orden die Pfarrei Münnerstadt. Bei der „Hennebergischen Hauptteilung“ im Jahr 1274 kam die halbe Stadt an die Grafschaft Henneberg-Hartenberg, welche diesen Anteil 1371 an die Linie Henneberg-Aschach verkaufte. Die andere Hälfte kam nach 1315 als Teil der Neuen Herrschaft Henneberg an die Linie Henneberg-Schleusingen. 1279 gründeten die Augustiner auf Wunsch der Bürger ein Kloster in der Stadt. Im Jahr 1340 ist ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das „vor der Stadt“ lag.siehe Daten der Gesellschaft für Leprakunde unter Möglicherweise waren schon im späten 13. Jahrhundert auch Juden in der Stadt wohnhaft, was als weiteres Zentralitätskriterium gelten kann. Sie waren wohl bereits 1298 von der sogenannten Rintfleisch-Verfolgung betroffen. mini|Das königliche Gymnasium am Stenayerplatz Die Grafen von Henneberg förderten Handel und Handwerk. Durch ihren Einfluss verlieh Kaiser Ludwig der Bayer am 3. Juli 1335 dem blühenden Ort das Stadtrecht. Die wehrhafte Stadt wurde zu ihrem wichtigen Stützpunkt gegen die mächtigen Würzburger Fürstbischöfe. Erbschaft und finanzielle Probleme ermöglichten es den geistlichen Herren, ab 1354 den Anteil der Stadt, welcher der Linie Henneberg-Schleusingen gehörte, in ihren Besitz zu bringen. Die Bürger wollten die Herrschaft beider Stadtherren abschütteln und reichsfrei werden. Ein Aufstand scheiterte, eine neue Stadtordnung regelte ab 1385 das Leben innerhalb der Mauern. 1434 erwarben die Grafen von Henneberg-Aschach die Pfandschaft über die würzburgische Hälfte der Stadt. Durch eine Erbteilung der Grafschaft Henneberg-Aschach im Jahr 1468 gelangte Münnerstadt an Graf Otto III. von Henneberg-Aschach († 1502). 1483 versuchte der Würzburger Bischof, seinen verpfändeten Anteil an der Stadt wieder auszulösen. Dies gelang erst um 1490. Die hennebergische Hälfte gelangte in der Folgezeit an Ottos Neffen, Graf Hermann VIII. von Henneberg–Aschach († 1535), dem Erben des „Römhilder Teils“ der Grafschaft Henneberg-Aschach.
34 Urpfarreien zwischen Rhön und Frankenwald gehörten zum Archidiakonat Münnerstadt. Einmal im Jahr trafen sich die Geistlichen in der mächtigen Pfarrkirche zu Münnerstadt. Die Handwerker schlossen sich zu 24 Zünften zusammen. Die wohlhabenden Bürger („Münnerstadt hat’s Geld“) beauftragten selbstbewusst bedeutende Künstler mit der Ausgestaltung ihrer Kirche. 1492 errichtete Tilman Riemenschneider dort seinen ersten großen Flügelaltar, ein bedeutendes Werk der Gotik. 1504 bemalte der berühmte Veit Stoß diesen Altar und fertigte die vier Tafelbilder der Kilianslegende.
Die Gedanken des Wittenberger Augustinermönchs Martin Luther fielen bei den Bauern und Bürgern auf fruchtbaren Boden. Gegen den mächtigen Abt von Maria Bildhausen rotteten sie sich zusammen und brannten 1525 das Kloster nieder. Doch der Aufstand des Bildhäuser Haufens brach wie der gesamte Bauernkrieg unter den harten Schlägen der Fürsten rasch zusammen. Das Jahr 1552 brachte viel Veränderung mit sich: Der erste evangelische Pfarrer zog in die Pfarrkirche ein, die Augustiner mussten die Stadt verlassen, die Söldner des Ansbacher Markgrafen brandschatzten Teile der Stadt. mini|Das Juliusspital ab 1280 Die Söhne von Hermann VIII., Berthold XVI. († 1549) und Albrecht († 1549) teilten sich im Jahr 1532 das Erbe. Dabei kam ein Viertel von Münnerstadt an Berthold XVI. von Henneberg–Römhild. Dieser verkaufte 1548 den Anteil an seine Schwäger, die Grafen von Mansfeld und diese 1552 an Würzburg. Das andere Viertel von Münnerstadt kam 1532 an Albrecht von Henneberg–Schwarza. Mit dessen Tod im Jahr 1549 erlosch die Linie Henneberg-Schwarza. Dabei stand dieses Viertel von Münnerstadt als Erbe den Grafen zu Stolberg zu. Jedoch ergriffen die Grafen von Henneberg-Schleusingen davon Besitz, wodurch dieser Anteil gemäß dem Kahlaer Vertrag nach dem Aussterben der Henneberger 1583 unter gemeinsame sächsische Verwaltung fiel.
Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn erwarb 1585 durch den Schleusinger Vertrag den Teil der Stadt, der noch nicht den geistlichen Herren aus Würzburg gehört hatte. Als Stadtherr führte er die Gegenreformation in „seiner“ Stadt durch. Etwa 400 Protestanten mussten die Stadt verlassen. Es waren vorrangig Handwerker, die Münnerstadt den Rücken kehrten. Die Kirche wurde aufwendig umgestaltet. Ein Gymnasium sollte der Ausbildung des Priesternachwuchses dienen. Doch erst 1660 konnte einer seiner Nachfolger diese Absicht realisieren. Die schrecklichen Jahre des Dreißigjährigen Krieges setzten Stadt und Region hart zu. 1631 eroberten die Schweden die Stadt, 1641 soll ein Wunder die Bürger und Münnerstadt vor großem Unheil bewahrt haben. Jetzt kehrten die Augustiner zurück (1652), bauten ihr Kloster wieder auf und übernahmen 1685 Pfarrei und Gymnasium.
19. Jahrhundert bis zur Gegenwart Napoleon veränderte auch Franken. Stadt und Amt Münnerstadt wurden 1803 erstmals bayerisch. Die Abtei Maria Bildhausen wurde säkularisiert, die Mönche wurden vertrieben, die Gebäude teilweise abgerissen, andere verkauft. Münnerstadt wurde 1804 Sitz eines Landgerichts. Der Deutsche Orden musste Münnerstadt verlassen, sein Besitz fiel dem Staat zu. Im Jahr 1805 fiel Münnerstadt an das neugeschaffene Kurfürstentum bzw. ab 1806 Großherzogtum Würzburg unter dem Habsburg-Lothringer Erzherzog Ferdinand. Der Wiener Kongress schlug das Großherzogtum Würzburg und damit Münnerstadt endgültig dem neuen Königreich Bayern zu. Die Stadt wurde Verwaltungszentrum für die ländliche Umgebung, verlor aber immer mehr von ihrer früheren Bedeutung und wurde im frühen 20. Jahrhundert eine kleine Landstadt im neuen Kreis Bad Kissingen. mini|Älteste bekannte Aufnahme von Münnerstadt durch Johann Aquilin Glückstein vor 1873
mini|hochkant=0.6|Notgeld 1920, 50 Pfennig-Schein 1874 wurde die Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen/später Erfurt eröffnet, Münnerstadt wurde Bahnstation an der Verbindung Stuttgart–Berlin, zeitweise Haltebahnhof der Schnellzugverbindung Stuttgart–Berlin.
Am 8. April 1945 eroberte die 14th Armored Division der United States Army, welche drei Tage zuvor bei Gemünden den Main überquert hatte, die Stadt. Einhergehende Bombardierungen und Beschuss veränderten das Stadtbild erheblich. Wertvolle Bausubstanz, wie etwa die Marienkapelle, manche Wohnhäuser und eines der vier Stadttore, ging verloren.