mini|Gemälde der Fürstin etwa von 1767, Alexander Roslin, Öl auf Leinwand mini|Dieses Ölgemälde der Lubomirska mit einem Greyhound des Malers Marcello Bacciarelli entstand in den 1770er Jahren. Lubomirska trägt hier ein Hochzeitskleid, obwohl sie bereits 20 Jahre vorher geheiratet hatteAnna Straszewska: auf der Webseite des Museum Schloss Wilanów (in Englisch, abgerufen am 11. Januar 2013) mini|Der geliebte Adoptivsohn Henryk Lubomirski als „Genius des Ruhms“, Élisabeth Vigée-Lebrun, 1789, Öl auf Holz

Elżbieta Izabela Lubomirska (geborene (Prinzessin) Czartoryska; * 21. Mai 1736 in Warschau; † 25. November 1816 in WienBożenna Majewska-Maszkowska, Mecenat artystyczny Izabelli z Czartoryskich Lubomirskiej, Wrocław [u. a.] 1976, S. 95.) war eine polnische Fürstin und bedeutende Mäzenin sowie Buch- und Kunstsammlerin im Zeitalter des Rokoko. Unter ihr entstanden verschiedene Paläste (teilweise Umbauten) und Parkanlagen. Sie war politisch interessiert und aktiv; so gewährte sie auf ihrem Besitz in Łańcut einem Teil des französischen Hofes während der Revolutionszeit Schutz. Da sie häufig (und vor allem auf Porträts) hellblaue Kleider trug, wurde sie noch zu Lebzeiten in Polen als „himmelblaue Fürstin“ () bezeichnet. Wegen ihrer ausgezeichneten Umgangsformen erhielt sie in der Pariser Gesellschaft auch den Beinamen „Madame l’Etiquette“.

Leben Lubomirska stammte aus der polnischen Magnatenfamilie Czartoryski. Ihr Vater, mit dem sie ein liebevolles Verhältnis verband, war der politisch einflussreiche August Aleksander Czartoryski. Ihre Mutter, Maria Zofia Czartoryska (1698–1771), geb. Sieniawska, war in erster Ehe mit Stanisław Ernest Denhoff verheiratet gewesen und gehörte nach dessen Tod zu den reichsten Frauen ihrer Zeit. Unter anderem gehörte ihr die mittelalterliche Burg Tenczyn bei Rudno. bei Rodzinna-turystyka.pl (polnisch, abgerufen am 17. Januar 2013) Elżbietas Bruder war Adam Kazimierz Czartoryski.

Als junges Mädchen war die spätere Lubomirska mit ihrem Vetter, dem späteren König Stanislaus II. August Poniatowski, eng befreundet. Sie beeinflusste ihn zunächst;Teresa Grzybkowska u. a.: Amor Polonius or the Love of the Poles. 2010, S. 113. nach seiner Thronbesteigung kühlte das Verhältnis jedoch abgem. der Webseite des Wilanów Palastmuseums. siehe Links und entwickelte sich in späteren Jahren zu einer Gegnerschaft. In seinen Tagebüchern beschreibt Poniatowski die Jugendfreundin.

Am 9. Juni 1753 wurde sie mit Stanisław Lubomirski (1722–1782), einem Großmarschall der Polnischen Krone, verheiratet. Lubomirski war unter anderem Eigentümer von Łańcut, Wiśnicz, Przeworsk und dem Familienpalast in Lemberg. Auch wenn sie ihren Mann nicht liebte, achtete sie ihn. Das Paar hatte vier Töchter: Aleksandra Potocka (1760–1831, Ehefrau von Stanisław Kostka Potocki), Konstancja Małgorzata Rzewuska (1761–1840), Julia Potocka (1766–1794, Ehefrau von Jan Potocki) und Izabela Potocka. Nach dem Tode ihres Vaters im Jahr 1782 erbte Lubomirska das enorme Vermögen der Familie.Teresa Grzybkowska u. a.: Amor Polonius or the Love of the Poles. 2010, S. 231. Im selben Jahr starb auch ihr Ehemann. Von nun an leitete sie die Verwaltung ihres Besitzes selbst. Mit Hilfe der Schwiegersöhne (vor allem Stanisław Kostka Potocki war ihr ein geschätzter Berater) bestimmte sie auch aus dem Ausland über ihre polnischen Besitztümer.

Ihr Adoptivsohn war Henryk Lubomirski,Henryk Lubomirski (1777–1850) war Grundbesitzer, Kunstmäzen und Begründer des Museums der Fürsten Lubomirski in Lemberg. Er war als Kurator an der nationalen Ossliński-Bibliothek tätig und politisch engagiert. Im Alter von sechs Jahren war er von der Fürstin Lubomirska mit dem Einverständnis seiner Eltern adoptiert worden. Er stammte aus einer Seitenlinie der Lubomirskis den sie verehrte und mit dem sie viel reiste. Im Gegensatz zu ihren leiblichen Kindern schenkte sie ihm viel Zuneigung und bildete ihn persönlich aus.Teresa Grzybkowska u. a.: Amor Polonius or the Love of the Poles. 2010, S. 230.

Im Jahr 1785 war Lubomirska – bereits als Witwe – in die „Dogrumowa-Intrige“Maria Teresa Dogrumowa hatte König Stanislaus II. August vor einem angeblich von Adam Kazimierz Czartoryski in Auftrag gegebenen Giftanschlag gewarnt. Die Warnung wurde als Intrige aufgedeckt und Dogrumowa zu lebenslanger Haft verurteilt verwickelt. Nachdem sie in einem Gerichtsverfahren unterlegen war, verließ sie Polen. Sie bereiste Europa (Genf, Neapel, Rom, London),Stefan Sutkowski: The history of music in Poland. 1750–1830. The Classical Era.(= The History of Music in Poland. Band 4). Sutkowski Edition, Warschau 2004, ISBN 83-917035-3-3, S. 81. lebte zunächst vorwiegend in Frankreich (wo sie eine enge Freundin der französischen Königin Marie-Antoinette wurde)Gerhard Trumler: The Great Country Houses of Poland. Abbeville Press, 2008, ISBN 978-0-7892-0890-3, S. 60. und während der Französischen Revolution in der Schweiz. Später hielt sie sich überwiegend in Wien auf, wo sie auch starb. Als Todesursache wurde Lungenlähmung angegeben.

Gesellschaftliche Bedeutung Aufgrund ihres enormen Reichtums,So wird vermutet, dass Lubomirska die vermögendste ausländische Person im vorrevolutionären Paris gewesen sei, gem. George L. Mauner (Hrsg.): Paris, center of artistic enlightenment. Band 4 von: Papers in art history from the Pennsylvania State University. Pennsylvania 1988, ISBN 0-915773-03-1, S. 100. ihrer Bildung und Großzügigkeit wie auch ihres modisch-gepflegten Auftretens war Lubomirska beliebt in den Salons in Paris, Wien und London wie an Königs- und Fürstenhöfen. Ständig war sie von bedeutenden Künstlern, Wissenschaftlern und auch Politikern der Zeit umgeben. Bei einem Besuch in Karlsbad lernte Johann Wolfgang von Goethe 1785 die Fürstin kennen und war so fasziniert von ihr, dass er seinen Aufenthalt im Kurbad um eine Woche verlängerte. In ihrem Pariser Salon verkehrten unter anderem Thomas Jefferson, Madame de Boufflers sowie die Maler Jean-Baptiste Greuze und Jacques-Louis David.Teresa Grzybkowska u. a.: Amor Polonius or the Love of the Poles. 2010, S. 231. Eine enge polnische Freundin der Fürstin war die jüngere und künstlerisch talentierte Prinzessin Helena Radziwiłł, geb. Przeżdziecki.Teresa Grzybkowska u. a.: Amor Polonius or the Love of the Poles. 2010, S. 116.

Die Fürstin war zeit ihres Lebens umstritten – sie war exzentrisch, wechselhaft veranlagt und hatte depressiv-apathische Phasen; sie konnte außerordentlich großzügig, aber auch selbstsüchtig, gemein und kleinlich sein.. auf der Webseite Warszawa da się lubić, 14. November 2012 (polnisch, abgerufen am 16. Januar 2013) Die Bedürftigen auf ihren Gütern unterstützte sie sehr freigiebig. Hier richtete sie auch Schulen und Krankenhäuser ein und finanzierte Ärzte. Behinderten und Alten wurden monatliche Zahlungen angewiesen; oft sorgte sie für die Übernahme von Beerdigungskosten Mittelloser.Teresa Grzybkowska u. a.: Amor Polonius or the Love of the Poles. 2010, S. 262. Sie finanzierte auch die Ausbildung talentierter Künstler (wie bei Józef Brodowski) oder deren Lebensabend (wie beim Maler Louis Marteau).

Bauherrin Lubomirska gehörte nach dem Tode des Vaters und des Ehemanns zu den größten Grundbesitzern Polens. Dazu gehörten ihr Dörfer und sogar Städte (wie Wiśnicz und Łańcut). Sie verfügte und unterhielt 19 Residenzen, die vor allem in Polen lagen. Sie reiste ständig und besuchte viele dieser Wohnsitze regelmäßig.

Vorhandene Paläste ließ sie sanieren, um- oder ausbauen. Lubomirska war modernen architektonischen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen, von ihr präferierte Kunststile waren Rokoko und Klassizismus. Sie legte viele Parks in ihren Residenzen an bzw. überformte vorhandene (meist französisch-barocke) im Stil englischer Landschaftsgartengestaltung. Sie gehörte zu den ersten Parkbesitzern in Polen, die diesen Gartenbaustil einführten.Die ersten Gärten im englischen Stil entstanden in Polen Anfang der 1770er Jahre bei Warschau. Besonders großzügig waren neben dem Mokotów-Park der Lubomirska der Park Michał Poniatowskis in Jabłonna sowie die heute nicht mehr oder nur noch teilweise (Park na Książęcem) bestehenden Anlagen des Bruders des Königs, Kazimierz Poniatowski in der Warschauer Juridika Solec und der Lubomirska-Schwägerin Izabela Czartoryska in Powązki ausgestattet. Gem. Information auf der Webseite des Museums in Nieborów (abgerufen am 14. Januar 2013)

Schloss Łańcut

Die Fürstin beauftragte bedeutende Architekten und Künstler der Zeit (Simon Gottlieb Zug, Johann Christian Kamsetzer, Chrystian Piotr Aigner, Fryderyk Bauman (1765/1770–1845) und Vincenzo Brenna), den ererbten Palast aufzustocken und grundlegend umzugestalten. Die ursprüngliche Palazzo-in-fortezza-Anlage wurde zu einem Palast-Park-Komplex umgebaut.Geschichte des Schlosses auf der Webseite des Schlossmuseums Łańcut (abgerufen am 18. Januar 2013) Es entstanden die schönsten Räume des Palastes: der Ballsaal, der Große Speisesaal und das Kleine Theater.

Lubomirska trug in Łańcut eine umfangreiche Bibliothek zusammen, die Basis der späteren „Potocki-Bibliothek“, die heute zu den wenigen nach dem Zweiten Weltkrieg erhaltenen Hausbibliotheken polnischer Magnatenfamilien gehört. Der mehrstöckige Bibliothekspavillon in Łańcut wurde von Chrystian Piotr Aigner entworfen. Eine aus über 1500 Bänden bestehende Musikaliensammlung umfasste u. a. Manuskripte und handschriftliche Kopien von Partituren von Giovanni Battista Cimadoro, Giovanni Paisiello, Wolfgang Amadeus Mozart, Marcello Bernardini di Capua und Gioachino Rossini.Tadeusz Baj: . auf der Webseite des Schlossmuseums in Łańcut (abgerufen am 14. Januar 2013) In Łańcut errichtete Lubomirska auch eine Destillerie, die heute als Polmos Łańcut (der Name der hier produzierten Wodkamarke Biała Dama bezieht sich auf die Tochter von Lubomirska) firmiert.

Wilanów-Palast

Den Wilanów-Palast hatte Lubomirska 1778 von ihrer Mutter, Maria Zofia Czartoryska, geerbt. Er war als Residenz für den König Johann III. Sobieski im barocken Stil errichtet worden. In den 1730er Jahren hatte auch August der Starke das Anwesen genutzt. Die Fürstin wollte den Palast einerseits dem Andenken Sobieskis erhalten, ihn aber auch modernisieren. Zunächst ließ sie von ihrer Mutter begonnene Erweiterungsbauten abschließen: ein Badehaus, einen Küchentrakt und ein Wachgebäude (Kordegardia) an der Südseite des Schlosses. Den geplanten Bau dreier ebensolcher Gebäude am Nordflügel verwirklichte sie nicht. Von 1781 bis 1794 ließ sie dann unter Leitung von Simon Gottlieb Zug weitreichende Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten durchführen.Muzeum Pałac w Wilanowie (Hrsg.): Dawno temu w Wilanowie. Verlag Definition Design, 2006, ISBN 83-923130-1-1, S. 11. (polnisch) Diese betrafen vor allem die Innenausstattung des Südflügels, in dem ihre Wohnräume lagen.

Auch die Zufahrt zur Palastanlage wurde neu gestaltet. Die Fürstin ließ drei Alleen anlegen, die symmetrisch auf das Eingangstor zum Vorhof zusammenliefen. Südlich des Palastes wurde auf ihre Anweisung auf dem Grundstück des Sobieski-Gutshofes ein romantischer, englisch-chinesischer Landschaftspark mit künstlich aufgeschütteten Erhebungen angelegt.Reinhold Vetter: Polen. Geschichte, Kunst und Landschaft einer alten europäischen Kulturnation. (DuMont Kunst-Reiseführer). 3. Auflage. DuMont Buchverlag, Köln 1991, ISBN 3-7701-2023-X, S. 204.

mini|Schloss in Łancut mini|Wilanów-Palast am Warschauer Stadtrand mini|Das später umgestaltete Palais in Warschau-Mokotów mini|hochkant|Tor zum Potocki-Palast in der Warschauer Innenstadt

Mokotów-Palais („Mon Coteau“)