Das Akademische Gymnasium Salzburg ist ein humanistisches Gymnasium (Langform) und Europagymnasium in Salzburg. Die Schule wurde am 20. September 1617 von Fürsterzbischof Markus Sittikus als Benediktinergymnasium gegründet und ist das jüngste der fünf Akademischen Gymnasien in Österreich. Der erste Schultag war der 6. November 1617. Das Gymnasium trug den Namen „Akademisches Gymnasium“ bis 1855 und ab 1964, dazwischen auch K. k. (Staats-)Gymnasium, Humanistisches Gymnasium und 1. Bundesgymnasium.

miniatur|Studiengebäude des Akademischen Gymnasiums bis 1975 miniatur|Außenansicht generalsaniertes Schulgebäude, Herbst 2016 miniatur|Aula des neuen Schulgebäudes miniatur|Sitzmöglichkeiten des neuen Schulgebäudes Die Schule befindet sich seit 1976 im Stadtteil Riedenburg und steht in einem aufgelassenen Steinbruch am südlichen Fuß des Rainberges an der Sinnhubstraße nächst der Beucklreuth, dem Übergang zwischen Rainberg und Mönchsberg, über welchen die ehem. Schwimmschulstraße führt.

Schulzweige Neusprachlich-humanistisches Gymnasium In diesem Zweig bilden Sprachen, Bildung im Sinne einer Persönlichkeitsentfaltung, sozialer Umgang und eine kritisch-innovative Auseinandersetzung mit modernen Technologien die Schwerpunkte. In der ersten Klasse wird Englisch unterrichtet, das Fach Soziales Lernen vermittelt Kommunikation, Lerntechniken und das Thema Miteinander.

Ab der zweiten Klasse kommt Latein hinzu, in der fünften Klasse kann zwischen Französisch und Alt-Griechisch gewählt werden. Ab der sechsten Klasse gibt es ein Kurssystem (Modulare Oberstufe), in dem 15 Wahlmodule gewählt werden können.

Europagymnasium Ziel des Schulversuches Europagymnasium ist es, den Schülern neben den Schwerpunkten des neusprachlich-humanistischen Gymnasiums eine zusätzliche Sprache und völkerverständigende Grundwerte zu vermitteln. Ein Schüleraustausch mit EU-Ländern soll die sprachlichen Fähigkeiten und das kulturelle Verständnis erweitern. Im Unterschied zum neusprachlich-humanistischen Gymnasium wird Spanisch ab der vierten Klasse unterrichtet und im Modulsystem ab der sechsten Klasse können 5 Wahlmodule gewählt werden.

Modulare Oberstufe Die modulare Oberstufe beginnt in der sechsten Klasse (10. Schulstufe) und wird derzeit als Schulversuch durchgeführt. Die Pflichtfächer werden auf das gesetzlich vorgeschriebene Stundenminimum reduziert und die Schüler haben mehr Wahlmöglichkeiten. Nach jedem Semester wird ein Zeugnis ausgestellt, allfällige negative Module können im Rahmen einer Modulprüfung positiv abgelegt werden.

Die Module: Basismodule (Pflichtfächer wie Deutsch etc.) sind verpflichtend, im Stundenausmaß etwas reduziert. Wahlmodule (bisher Wahlpflichtfächer) sind wesentlich erweitert und in einem vorgegebenen Rahmen von den Schülern ihren Interessen entsprechend „wählbar“. Es werden drei Arten von Wahlmodulen unterschieden: Ergänzungsmodule erweitern das allgemeine Fachangebot, z. B. Italienisch, Spanisch, Informatik, Darstellende Geometrie. Vertiefungsmodule beziehen sich auf die Basismodule (Deutsch, Englisch, Mathematik etc.) und haben die Funktion, Inhalte zu „vertiefen“ und vernetzendes Denken (fächerübergreifende Angebote) zu fördern. Schlüsselqualifikationsmodule sollen zukünftige Anforderungen in Beruf und Gesellschaft flexibel zu bewältigen helfen. Beispiele für Angebote sind Rhetorik, Kommunikation, Präsentation, Medienkunde, wissenschaftliches Arbeiten. Fremdsprachen und Wettbewerbe Latein und Alt-Griechisch Jährlich nehmen Schüler an der Latein- und Griechischolympiade teil. Schüler der Schule nehmen auch am Ovidwettbewerb (Certamen Ovidianum Certamen Ovidianum Sulmonese) und am Cicerowettbewerb (Certamen Ciceronianum Arpinas) teil. Französisch Der Landesfremdsprachenwettbewerb Französisch wird derzeit von Lehrern aus dem Akademischen Gymnasium organisiert und findet in der Schule statt. Spanisch Den Fremdsprachenwettbewerb Spanisch organisieren Lehrer der Schule. Neben dem Wettbewerb werden zahlreiche Projekte wie zum Beispiel spanisches Theater von und für Schüler angeboten. Russisch Russisch wird nicht direkt an der Schule unterrichtet, Schüler können es jedoch am Bundesgymnasium Zaunergasse besuchen und dann am Fremdsprachenwettbewerb teilnehmen. Känguru der Mathematik Alle Schüler nehmen an dem jährlich stattfindenden Wettbewerb teil. Geschichte Vorläufer und während des Erzbistums Die Vorläufer des Akademischen Gymnasiums waren die Domschule und die Lateinschule zu St. Peter, deren Anfänge sich bis in die Zeit von Arno und des heiligen Rupertus zurückverfolgen lassen (7. Jh. n. Chr.).

Der Nachfolger von Erzbischof Markus Sittikus, Erzbischof Paris Lodron, baute das Gymnasium zur Universität aus. Der Leiter der Schule, Praefectus Gymnasii, war dem Rektor der Universität verantwortlich, die Schüler wurden bis 1810 in die Matrikel der Universität eingetragen.

Es gab fünf Klassen, in denen ein Lehrer alle Gegenstände (Religion, Latein, Griechisch, Deutsch, Geographie, Geschichte und Mathematik) unterrichtete. Ab der zweiten Klasse durften die Schüler untereinander nur mehr Latein sprechen. Neben der akademischen Ausbildung wurde auch das Theater wie bei den Jesuiten gefördert, das zu Jahresschlussfeiern und besonderen Anlässen auftrat. Durch eine Verordnung von Erzbischof Colloredo 1776 fand es jedoch ein Ende.Josef Stockinger: Wiedergeburt aus dem Geist der Renaissance und des Humanismus. In: Festschrift 375 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg; 1992, S. 18–19

Unter bayerischer Regentschaft Nach dem „Normativ der Errichtung der öffentlichen Unterrichtsanstalten“ im Schuljahr 1811/12 wurde das Gymnasialstudium ausgeweitet.Josef Stockinger: Wiedergeburt aus dem Geist der Renaissance und des Humanismus. In: Festschrift 375 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg; Salzburg 1992 Die Stundentafeln wurden besonders im Sinn des Neuhumanismus verändert, sodass beide alte Sprachen stärker hervortraten. In den vier Jahren der Oberstufe waren 23 Wochenstunden für Latein und Griechisch vorgesehen. Auch Mathematik war mit 12 Wochenstunden stark vertreten. Wegen der politischen Situation und der Abhängigkeit Bayerns von Napoleon wurde Französisch angeboten. Das Akademische Gymnasium erlebte während der Wirren des Napoleonischen Krieges eine Blütezeit.Josef Stockinger: Das Akademische Gymnasium zu Salzburg zur Zeit der Bayernherrschaft (1810–1816). In: Jahresbericht des Akademischen Gymnasiums 1969/70, S. 6–21, bes. S. 11 f.

Biedermeier und Reform des höheren Schulwesens in Österreich 1849/50 Nachdem das Land Salzburg 1816 endgültig zu Österreich gekommen war, wurden wieder die österreichischen Lehrpläne eingeführt, in denen ein Lehrer für alle Fächer – mit der Ausnahme von Religion – vorgesehen war. Die Lehrer wurden von den Benediktinerabteien St. Peter und Michaelbeuern gestellt.

Durch die Reform unter Kultusminister Leopold Graf von Thun und Hohenstein erhielt das höhere Schulwesen in Österreich eine Grundlage, die es bis 1962 behalten sollte. Das Gymnasialstudium wurde auf acht Jahre ausgeweitet, das Fachlehrersystem eingeführt und eine Reifeprüfung/Matura für die Absolventen vorgesehen. Besonders die geprüften Fachlehrer sollten das Bildungsniveau heben. Darüber hinaus wurden Deutsch und naturwissenschaftliche Fächer eingeführt.Wolf: Das Akademische Gymnasium Salzburg in den Jahrzehnten der großen Schulreform im Jahre 1849 bis zum Zusammenbruch der Monarchie. In: Festschrift 350 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg 1617–1967; Salzburg 1967 S. 65–78, bes. S. 65.

Erster und Zweiter Weltkrieg Während des Ersten Weltkrieges wurde das Gebäude mit der k.k. Staatsrealschule Salzburg, die in ein Reservelazarett umgewandelt wurde, gemeinsam mit der Lehrerbildungsanstalt Salzburg genutzt. Viele Professoren und Schüler wurden zum Kriegsdienst eingezogen.

Sofort nach dem Anschluss Österreichs wurden der Direktor Hofrat Karl Schnizer seines Amtes enthoben (13. März 1938) und die Schüler regelmäßig mit ideologischem und politischem Gedankengut konfrontiert. Nach Ende des Krieges wurde Schnizer wieder als Direktor eingesetzt.Josef Stockinger: Wiedergeburt aus dem Geist der Renaissance und des Humanismus. In: Festschrift 375 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg, 1992, S. 24–25

Sanierung des Schulgebäudes Das Schulgebäude wurde von 2014 bis 2016 generalsaniert. Dem Gebäude wurde ein zweites Obergeschoß hinzugefügt und nahezu das gesamte Gebäude erneuert. Lediglich die Grundstrukturen des Gebäudes blieben erhalten.

Mozart und das Gymnasium – eine Begegnung Wolfgang Amadeus Mozart komponierte im Alter von 11 Jahren das Interludium Apollo et Hyacinthus (KV 38) für das lateinische Theaterstück „Clementia Croesi“ von P. Rufin Widl, einem Professor des Gymnasiums. Es wurde in der Aula am 13. Mai 1767 im 150. Jahr nach Gründung des Gymnasiums mit Schülern aufgeführt. In den Gymnasialprotokollen heißt es:

Persönlichkeiten Direktoren und Lehrer Heinrich Hackel, Lehrer ab 1900, Direktor 1925–1934, Alpenvereinsleiter Aegidius Jais, Professor 1778–1788, Schulpräfekt ab 1784, Benediktinerpater, römisch-katholischer Theologe und Hochschullehrer Olivier Klose, Lehrer 1889–1918, Entdecker der Schnabelkanne vom Dürrnberg Stefan Kruckenhauser, Lehrer 1931–1936 Michael Lori, Professor um 1752–1759, Benediktiner, Mathematiker, Theologe und Hochschullehrer Joseph Mayburger, Lehrer 1848–1850, Landschaftsmaler Joseph Mezger, Professor 1658–1662, Benediktiner, Theologe, Jurist und Historiker Paul Mezger, Lehrer der Philosophie 1660–1666, Benediktiner, Theologe und Hochschullehrer Eugen Müller, Lehrer 1904–1939, Dirigent und Komponist Ludwig Purtscheller, Lehrer 1876–1899, Alpinist und Erstbesteiger des Kilimandscharo Eduard Richter, Lehrer 1871–1886, Geograph (Richterhöhe) Beda Weinmann, Lehrer 1848–1869, Künstler, Gründer der Feuerwehr und des Turnvereins in Salzburg

Schüler und Absolventen Abraham a Sancta Clara (Ulrich Megerle), 1659 eingetreten, katholischer Prediger und Poet Simon Rettenpacher, 1648 eingetreten, Universitätsprofessor, Barockdichter

Zwischen 1750 und 1814 Anton Diabelli, Schüler 1790–1796, Komponist und Musikverleger Virgil Fleischmann, vor 1804, Benediktiner und Komponist Josef von Hudelist (1759–1818), Diplomat und Staatsmann Joseph Mohr, Schüler 1801–1808, Textdichter „Stille Nacht, Heilige Nacht!“ Josef Rauchenbichler, vor 1795, Geistlicher und Schriftsteller Josef Scheill, bis 1803, Geistlicher, Theologe und Kirchenrechtler Sigismund von Neukomm, Abschluss 1795, Komponist Simon Stampfer, Abschluss 1811, Naturwissenschaftler, Erfinder des Films Valentin Stanič, Abschluss 1798, Pfarrer, Alpinist (1800 Erstbesteigungen: Großglockner, Watzmann, Hoher Göll) Judas Thaddäus Zauner, Abschluss 1770, Jurist und Historiker

Zwischen 1815 und 1859 Karl Breymann, Matura vor 1824, Forstwissenschaftler und Mathematiker Christian Doppler, Schüler 1816–1821, Physiker und Mathematiker (Dopplereffekt) Carl von Frey, Schüler bis 1841 Johannes Kardinal Katschthaler, Matura 1852, Erzbischof Ignaz Harrer, Matura 1844, Mathematiker und Jurist, Bürgermeister 1872–75 Franz Xaver Schmid vermutlich Abschluss 1840, Philosoph, Schriftsteller und Hochschullehrer Franz Stelzhamer, Abschluss 1821, Dichter Franz Valentin Zillner, Abschluss 1833, Arzt und Geschichtsschreiber

Zwischen 1860 und 1913 Eberhard Fugger, Matura 1860, Geologe, Historiker, Museumsdirektor Hermann Bahr, Matura 1881, Schriftsteller und Kritiker Wilhelm Erben, Matura 1882, Historiker und Diplomat Franz Martin, Matura 1901, Kunst- und Landeshistoriker Richard Mayr, Matura 1897, Sänger (Bassist) Alexander Mörk von Mörkenstein, Matura 1907, Maler und Höhlenforscher Egon Ranshofen-Wertheimer, Matura 1912, Diplomat Franz Rehrl, Matura 1910, Landeshauptmann 1947–1949 Ignaz Rieder, Matura 1878, Erzbischof von Salzburg Albert Schumacher, Matura 1864, Arzt, Bürgermeister, Landeshauptmann 1897–1902