Gesellschaft: Enoshima Dentetsu
Die Enoshima-Dentetsu-Linie (jap. , Enoshima dentetsu-sen) ist eine Eisenbahnstrecke auf der japanischen Insel Honshū. Sie verbindet in der Präfektur Kanagawa die Städte Fujisawa und Kamakura. Die zum Teil straßenbahnähnlich trassierte Strecke erschließt die touristisch bedeutende Region Shōnan mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Kulturgütern, darunter die Halbinsel Enoshima. Betreiberin ist das Verkehrsunternehmen Enoshima Dentetsu K.K. (jap. ), kurz Enoden (), eine Tochtergesellschaft der Odakyu Group.
Beschreibung Die 10,0 km lange Strecke, deren östliche Hälfte zum Teil dem Nordufer der Sagami-Bucht folgt, besitzt die in Japan übliche Spurweite von 1067 mm (Kapspur). Sie ist mit Gleichstrom elektrifiziert, wobei die Versorgungsspannung der Oberleitungen 600 V beträgt. Die auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h begrenzte Strecke ist fast gänzlich eingleisig, die Züge können sich aber an vier der 15 Haltestellen sowie an einer Ausweiche kreuzen. Dadurch wurde seit 1952 ein Zwölf-Minuten-Takt angeboten; aufgrund einer zunehmenden Verspätungsquote wurde mit der Fahrplanänderung zum 18. März 2023 auf einen seither tagsüber geltenden 14-Minuten-Takt umgestellt. In den frühen Morgen- und späten Abendstunden verkehren die Züge unregelmäßig in einem durchschnittlichen 20-Minuten-Takt. Der Fahrbetrieb findet täglich zwischen 05:10 Uhr und 00:00 Uhr statt.
Ursprünglich war die Enoden nach der japanischen Straßenbahnverordnung konzessioniert, seit 1945 wird sie als Eisenbahn betrieben, was kriegsbedingt zunächst als vorübergehende Lösung gedacht war. Zwischen der Haltestelle Enoshima und der Brücke über den Bach Kobe-gawa existiert heute noch ein rund 450 Meter langer straßenbündiger Abschnitt, der jedoch über keinen straßenbahntypischen Oberbau mit Rillenschienen, sondern über einen schwereren, asphaltierten Eisenbahnoberbau mit durchgehenden Radlenkern verfügt. Ein 209 Meter langer Tunnel besteht zwischen Gokurakuji und Hase.
Neben dem Berufsverkehr dient die Enoden zu einem großen Teil dem touristischen Ausflugsverkehr. In der Nähe der Strecke befinden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie die buddhistischen Tempelanlagen Kōtoku-in, Hase-dera und Gokuraku-ji sowie die Halbinsel Enoshima. Eine international beliebte Touristenattraktion bildet zudem der Bahnübergang an der Sagami-Bucht östlich der Haltestelle Kamakura-kōkō-mae.
Umsteigemöglichkeiten bestehen in Fujisawa auf die Tōkaidō-Hauptlinie von JR East und die Odakyū Enoshima-Linie der Odakyū Dentetsu, in Enoshima auf die Shōnan Monorail und in Kamakura auf die Yokosuka-Linie von JR East.
Der Betriebshof befindet sich in Kamakura zwischen den Haltestellen Inamuragasaki und Gokurakuji und umfasst auf einer Fläche von 4.000 m² eine sechsgleisige Rangieranlage mit Wagenhallen sowie die integrierte Hauptwerkstatt. Im Jahre 1995 wurde der Betriebshof umfangreich saniert. Ferner existiert in der Nähe der Haltestelle Enoshima eine dezentrale Abstellanlage.
Geschichte Nach ihrer Gründung am 25. November 1900 errichtete die Enoshima Dentetsu K.K. den ersten Abschnitt der Strecke zwischen Fujisawa und Enoshima, der erste Zug verkehrte am 1. September 1902. Anschließend wurde die Strecke in mehreren Etappen verlängert: am 20. Juni 1903 von Enoshima nach Shichirigahama, am 1. April 1904 von Shichirigahama nach Gokurakuji, am 16. August 1907 von Gokurakuji nach Omachi und am 14. November 1910 nach Kamakura-Komachi.
Im Laufe der folgenden vier Jahrzehnte kam es zu mehreren Besitzerwechseln, bis die Enoden 1953 schließlich an die Odakyū Dentetsu gelangte und seither Bestandteil der übergeordneten Odakyu Group ist. Die Endstation in Kamakura-Komachi wurde am 1. März 1949 aufgehoben; seither verkehren die Züge zum Bahnhof Kamakura. Die Einführung von Mehrfachtraktion am 2. Juni 1971 ermöglichte den Einsatz von Zügen mit bis zu vier Wagen, was bei den heute eingesetzten zweiteiligen Gelenktriebwagen einer Doppeltraktion entspricht. Seit 2007 werden elektronische Fahrkarten der Typen PASMO und Suica anerkannt.
Liste der Bahnhöfe mini|Gokurakuji-Tunnel mini|Triebwagen des Typs 2000 Name km Anschlusslinien Infrastruktur Lage Ort Foto EN01 Fujisawa () 0,0 Tōkaidō-Hauptlinie Odakyū Enoshima-Linie eingleisige Endstation mit zwei Bahnsteigen Fujisawa 100px EN02 Ishigami () 0,6 eingleisige Haltestelle 100px EN03 Yanagikōji () 1,2 eingleisige Haltestelle 100px EN04 Kugenuma () 1,9 zweigleisige Haltestelle, Mittelbahnsteig 100px EN05 Shōnan-kaigan-kōen () 2,7 eingleisige Haltestelle 100px EN06 Enoshima () 3,3 Odakyū Enoshima-Linie Shōnan Monorail zweigleisige Haltestelle, Seitenbahnsteige 100px EN07 Koshigoe () 3,9 eingleisige Haltestelle Kamakura 100px EN08 Kamakura-kōkō-mae () 4,7 eingleisige Haltestelle 100px Minegahara () Ausweiche 100px EN09 Shichirigahama () 5,6 eingleisige Haltestelle 100px EN10 Inamuragasaki () 6,8 zweigleisige Haltestelle, Mittelbahnsteig 100px EN11 Gokurakuji () 7,6 eingleisige Haltestelle 100px EN12 Hase () 8,3 zweigleisige Haltestelle, Seitenbahnsteige 100px EN13 Yuigahama () 8,9 eingleisige Haltestelle 100px EN14 Wadazuka () 9,2 eingleisige Haltestelle 100px EN15 Kamakura () 10,0 Yokosuka-Linie Shōnan-Shinjuku-Linie zweigleisige Endstation 100px
Fahrzeuge Derzeit (Stand: März 2026) umfasst der Bestand 18 Fahrzeuge, wovon sich 15 im Fahrgastbetrieb befinden:
Fahrzeugtyp Hersteller Baujahr(e) Anzahl an Fahrzeugen Bild Anmerkungen 100 (108) Niigata Tekkōsho 1931 1 rahmenlos|133x133px Vierachsiger Triebwagen mit Tatzlagerantrieb und Nockenfahrschalter, erhalten als Museumswagen; aufgrund mangelnder Ersatzteile werden seit 1982 nur noch Demonstrationsfahrten innerhalb des Betriebshofs angeboten. Ursprünglich Serie von 17 Fahrzeugen aus den Baujahren 1922 bis 1953, die zum Teil von verschiedenen japanischen Straßen- und Eisenbahnbetrieben übernommen wurden. 300 (305) Tōyoko Sharyō Kōgyō, Tōkyū Sharyō Seizō, Nihon Sharyō Seizō Tōkyō Shisha, Amemiya Seisakusho 1960 (Modernisierung 1989/1998) 1 rahmenlos|133x133px Sechsachsiger Gelenktriebwagen mit Scheibenantrieb (ursprünglich Tatzlagerantrieb) und elektromotorischem Nockenschaltwerk, als Museumswagen im regulären Fahrgasteinsatz; ursprünglich Serie von sechs Triebwagen aus den Baujahren 1956 bis 1968. Die übrigen Fahrzeuge wurden zwischen 1991 und 2007 ausgemustert. 1000 Tōkyū Sharyō Seizō 1979–1987 6 rahmenlos|133x133px Sechsachsiger Gelenktriebwagen mit Tatzlagerantrieb (erste bis dritte Lieferserie) bzw. Scheibenantrieb (vierte und fünfte Lieferserie) und elektromotorischem Nockenschaltwerk. 2000 Tōkyū Sharyō Seizō 1990–1992 3 rahmenlos|133x133px Sechsachsiger Gelenktriebwagen mit Scheibenantrieb und elektromotorischem Nockenschaltwerk. 10 Tōkyū Sharyō Seizō 1997 1 rahmenlos|133x133px Sechsachsiger Gelenktriebwagen im Retrodesign mit Scheibenantrieb und elektromotorischem Nockenschaltwerk; ursprünglich zum 95. Jubiläum der Streckeninbetriebnahme beschafft. 20 Tōkyū Sharyō Seizō 2002–2003 2 rahmenlos|133x133px Sechsachsiger Gelenktriebwagen mit Scheibenantrieb und elektromotorischem Nockenschaltwerk. 500 Tōkyū Sharyō Seizō 2006–2008 2 rahmenlos|133x133px Sechsachsiger Gelenktriebwagen mit Drehstromantrieb und IGBT-Leistungselektronik. 700 J-TREC 2026 2 rahmenlos|133x133px Sechsachsiger Gelenktriebwagen mit Drehstromantrieb und IGBT-Leistungselektronik. Inbetriebnahme ab 2026; geplant als sukzessiver Ersatz für den Typ 1000.
In der Hauptverkehrszeit verkehren die Züge in Doppeltraktionen, wobei jeweils ein einzelner Triebwagen als Zwei-Wagen-Zug und eine Doppeltraktion entsprechend als Vier-Wagen-Zug geführt wird. Durch nachträglich erfolgte Anpassungen sind mit Ausnahme des museal erhaltenen Wagens 108 alle Fahrzeugtypen austauschbar mehrfachtraktionsfähig.
Weblinks
Enoshima Dentetsu (japanisch) Enoshima Electric Railway (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Japan Kategorie:Verkehrsbauwerk in der Präfektur Kanagawa Kategorie:Fujisawa (Kanagawa) Kategorie:Bauwerk in Kamakura