Marte Olsbu Røiseland, geb. Marte Olsbu (* 7. Dezember 1990 in Arendal) ist eine ehemalige norwegische Biathletin. Sie ist dreizehnmalige Weltmeisterin und wurde bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking dreimalige Olympiasiegerin im Sprint, in der Verfolgung und mit der norwegischen Mixed-Staffel.

Olsbu Røiseland begann als Jugendliche mit dem Biathlonsport und gilt als Spätentwicklerin, die lange auf ihre Erfolge hinarbeiten musste. Nach mehreren Jahren in der zweiten norwegischen Auswahl wurde sie im Frühjahr 2014 in den Elitekader aufgenommen und startete danach regelmäßig im Weltcup. Ihre ersten Einzel-Weltcupsiege feierte sie im Winter 2018/19. Zuvor war sie mit der Frauen-Staffel bei den Weltmeisterschaften 2016 zum ersten Mal Weltmeisterin geworden. Als erste Biathletin gewann sie bei den Weltmeisterschaften 2020 in sieben Rennen sieben Medaillen, darunter fünf goldene. Die französische Sport-Tageszeitung L’Équipe zeichnete sie dafür als Weltsportlerin des Jahres aus. Neben drei Olympiasiegen bei den Winterspielen in Peking entschied Olsbu Røiseland in der Saison 2021/22 den Gesamtweltcup für sich. Im März 2023 beendete sie ihre Karriere.

Werdegang Anfänge (bis 2009) Marte Olsbu Røiseland stammt aus Froland in der südnorwegischen Provinz Agder, wo sie unter ihrem Geburtsnamen Marte Olsbu aufwuchs. Ihr Vater betreibt ein Sägewerk,Jostein Magnussen: Olsbu Røiseland har brukt ferien til å fullføre hyttedrømmen auf aftenposten.no. 14. Juni 2021. Abgerufen am 4. November 2022. sie hat einen sechs Jahre älteren Bruder.Nicholas Bergh: Tok Norges OL-gull nummer 200. In: Aftenposten. 12. Februar 2022. Abgerufen am 4. November 2022 via PressReader. Olsbu wurde mit einer schweren Form von Asthma geboren und litt vor allem in ihrer frühen Kindheit unter starken Atemproblemen. Anfang der 1990er-Jahre nahm sie an einem Forschungsprojekt in Oslo teil, um ihre Lungenkapazität durch gezieltes Training zu vergrößern, wodurch sich ihr gesundheitlicher Zustand mit der Zeit verbesserte.Giorgio Capodaglio: Biathlon - Marte Olsbu Røiseland racconta la sua storia: "Lo sport mi ha aiutato a guarire dall'asma" auf fondoitalia.it. 21. März 2020. Abgerufen am 4. November 2022. Sie war früh sportlich aktiv: Als Zweijährige stand sie erstmals auf Skiern, später spielte sie in einer Handballmannschaft und begann nach deren Auflösung auf Veranlassung ihres Vaters im Alter von 13 Jahren beim örtlichen Verein Froland IL mit dem BiathlonsportAlexander Nupen: Bronsejentas tøffe vei mot toppen. In: Agderposten. 4. März 2016. Abgerufen am 4. November 2022 via PressReader. – als einziges Mädchen im Team und zunächst ohne mit ihren Leistungen sonderlich aufzufallen.

Nach dem Mittelschulabschluss wechselte Olsbu 2006 auf das Skigymnasium in Sirdal. Dort übernahm Roger Grubben ihr Training, der auch den Olympiasieger Ole Einar Bjørndalen über mehrere Jahre betreute. Grubben erklärte später gegenüber norwegischen Medien, Olsbu sei anfangs eine der vier bis fünf schwächsten Sportlerinnen ihrer Klasse gewesen. Beeindruckt hätten ihn aber zum einen ihr unbedingter Wille zur Verbesserung und ihre sorgfältig ausgerichtete Planung, zum anderen ihr Wettkampfgeist im direkten Duell mit Konkurrentinnen. Zudem lobte Grubben, der auch nach Olsbus Abschluss am Skigymnasium weiter mit ihr zusammenarbeitete, dass die von ihm betreute Athletin eigenverantwortlich Entscheidungen treffe und Prioritäten setze, etwa in Bezug darauf, welche Wettkämpfe sie vor einem Großereignis bestreite.Åge Harald Drangsholt: „Marte har søkt etter å jage kvalitet på hver eneste trening.“ In: Fædrelandsvennen. 22. Februar 2020. Abgerufen am 4. November 2022 via PressReader. Neben Grubben lernte Marte Olsbu auf dem Skigymnasium in Sirdal auch ihren späteren Ehemann Sverre Røiseland, mit dem sie zwei Söhne hat, die 2023 und 2026 geboren wurden, als Klassenkameraden kennen. Røiseland unterstützte seine Freundin bei der Umstellung auf ein strukturiertes Training und einen zielgerichteten Ernährungsplan.Hanne Skjellum, Håkon Eliassen & Malin Jørnholt: Ikke engang foreldrene trodde Røiseland kunne nå toppen auf nrk.no. 14. Februar 2020. Abgerufen am 4. November 2022. Im Februar 2008 gewann Olsbu im Massenstart der Altersklasse U18 ihren ersten nationalen Meistertitel.Arild Sandvik: Hun er en kald fisk auf fvn.no. 8. Februar 2008. Abgerufen am 4. November 2022. Während ihrer Zeit als Nachwuchssportlerin hatte sie viel mit Verletzungen und Krankheiten zu kämpfen, unter anderem erkrankte sie an Pfeiffer-Drüsenfieber und musste sich einer Operation an der Achillessehne unterziehen.

Langsamer Aufstieg in den Weltcupkader (2009 bis 2014) Ab Herbst 2009 studierte Olsbu an der Universität Agder, wo sie ein auf Spitzensportler zugeschnittenes Programm besuchte, in dem die Kurse vor allem im Frühjahr stattfanden, damit im Herbst und Winter Zeit für Training und Wettkämpfe blieb. Sie schloss ihr Public-Health-Bachelorstudium im Sommer 2016 ab.Viktig uke for Marte Olsbu auf uia.no. 7. Juni 2016. Abgerufen am 4. November 2022. In der Zwischenzeit stieß Olsbu langsam in die vorderste Reihe der norwegischen Biathletinnen vor. Ihre ersten internationalen Einsätze erhielt sie im Winter 2010/11, als sie in Beitostølen (mit Platz 31 von etwa 70 Starterinnen) ihr Debüt im zweitklassigen IBU-Cup gab und dann für die Juniorenweltmeisterschaften 2011 in Nové Město na Moravě nominiert wurde. Dort war ihr bestes Ergebnis ein neunter Rang im Einzel beim Sieg der etwa um ein halbes Jahr älteren Italienerin Dorothea Wierer. Ebenfalls im Einzel gewann sie am Saisonende ihre erste Medaille bei den norwegischen Meisterschaften der Erwachsenen: Sie blieb ohne Fehlschuss und belegte – mit mehr als vier Minuten Rückstand auf die Olympiasiegerin Tora Berger – den zweiten Rang.Berger vant NM-gull med over fire minutter auf tv2.no. 30. März 2011. Abgerufen am 4. November 2022.

Von 2011 bis 2014 gehörte Olsbu in drei aufeinanderfolgenden Saisons dem norwegischen Rekrutt-Kader an, der zweiten Mannschaft hinter dem von Tora Berger angeführten Elitekader.Brit Jorunn Svanes: Fem løparar på skiskyttarlandslaget auf nrk.no, 27. April 2011 (Kader 2011/12), To Bø på skiskytterlandslaget auf aftenposten.no, 24. April 2012 (Kader 2012/13), NSSFs landslag sesongen 2013-2014 auf skiskyting.no, 3. April 2013 (Kader 2013/14); jeweils abgerufen am 4. November 2022. Während sich einige ihrer etwa gleichaltrigen Konkurrentinnen wie Tiril Eckhoff und Synnøve Solemdal in diesen Jahren im Weltcup etablierten, erhielt Olsbu nach ihrem Debüt in Östersund im November 2012 zunächst nur sporadische Einsätze in der höchsten Wettkampfserie. Sie startete vorrangig im IBU-Cup, wo sie im Dezember 2012 ihre ersten Rennen für sich entschied. Bei den Europameisterschaften 2014 siegte sie im Sprint und fand zum Saisonende erstmals regelmäßig Berücksichtigung im Weltcup. Dort platzierte sie sich sowohl im Sprint auf der Pokljuka als auch in der Verfolgung von Kontiolahti unter den ersten Zwölf. Schließlich gewann sie bei den norwegischen Meisterschaften Ende März vor Tora Berger Gold im Einzelrennen und damit ihren ersten nationalen Meistertitel im Erwachsenenbereich (dem bis 2018 sieben weitere folgten). Im Frühjahr 2014 beförderte sie der norwegische Verband in den von Stian Eckhoff trainierten fünfköpfigen Elitekader.Rune Stensland: Takker kjæresten for suksessen auf fvn.no. 15. April 2014. Abgerufen am 4. November 2022.

Annäherung an die internationale Spitze und erste Olympiateilnahme (2014 bis 2018) mini|links|Marte Olsbu (rechts) neben Kaia Wøien Nicolaisen und Synnøve Solemdal bei den norwegischen Meisterschaften 2016 Der norwegische Frauen-Biathlonsport erlebte nach dem Rücktritt von Tora Berger 2014 einen Umbruch. Zwischenzeitlich fiel das Land in der Nationenwertung vom ersten Platz (im Winter 2013/14) auf den sechsten Platz (2014/15) zurück.2013–14 Women's Nations Cup und 2014–15 Women's Nations Cup auf realbiathlon.com. Abgerufen am 4. November 2022. In einem späteren Interview sprach Marte Olsbu davon, dass in dieser Zeit schrittweise ein neues Team aufgebaut werden musste.Giulio Gasparin: Marte schwebt auf Wolke 7. In: Biathlonworld, Nr. 55/2020, S. 30–34. Die mediale Berichterstattung sah vor allem Tiril Eckhoff in der Rolle als Nachfolgerin Tora Bergers und neue Leitfigur im norwegischen Team.Kurt B. M. Haugli: «Jeg var helt fjern. Jeg var utkjørt. Mentalt utkjørt.» In: Aftenposten. 3. März 2016. Abgerufen am 4. November 2022 via PressReader. Olsbu galt dagegen zwar als solide Schützin – mit einer Trefferquote von gut 80 Prozent war sie in dieser Teildisziplin im Winter 2014/15 etwas stärker als Eckhoff –, läuferisch blieb sie aber zunächst klar hinter den Spitzenläuferinnen im Weltcup zurück und belegte in der Gesamtwertung der Wettkampfserie 2014/15 den 44. Rang.2014–15 Season statistics auf realbiathlon.com. Abgerufen am 4. November 2022. In der Folgesaison verbesserten sich Olsbus Leistungen in der Loipe deutlich, was die Sportlerin selbst auf kontinuierliches Training zurückführte.Vidar Lorentsen: Dropper premieren. In: Agderposten, 9. November 2016. Abgerufen am 4. November 2022 via PressReader.

Ein Schlüsselmoment in Olsbus Laufbahn war das Frauenstaffelrennen bei den Weltmeisterschaften 2016 am Osloer Holmenkollen, das sie gemeinsam mit Synnøve Solemdal, Fanny Horn Birkeland und Tiril Eckhoff gewann: Die Norwegerinnen hatten zuvor in den zwei Jahren seit Bergers Rücktritt in keinem Staffelwettkampf das Podest erreicht und galten als Außenseiterinnen. Olsbu wurde bei den Heimweltmeisterschaften erstmals in ihrer Karriere als Staffelschlussläuferin aufgestellt, sie übernahm das Rennen in Führung liegend von EckhoffHans Henrik Bårtvedt & Hanne Skjellum: Taktisk genistrek ga sensasjonelt VM-gull auf nrk.no. 11. März 2016. Abgerufen am 4. November 2022. und brachte einen Vorsprung von fünf Sekunden auf die französische Schlussläuferin Marie Dorin-Habert ins Ziel. Später sprach sie von einem „Wendepunkt“ in ihrer Laufbahn: Das ganze Team habe nach dem Erfolg an Selbstbewusstsein gewonnen. Bei den Weltmeisterschaften holte Olsbu außerdem Bronze mit der Mixed-Staffel und als bestes Einzelergebnis einen siebten Rang im Massenstart. Zum Saisonende stand sie beim Sprint von Chanty-Mansijsk als Dritte hinter Kaisa Mäkäräinen und Gabriela Soukalová erstmals auf dem Podium in einem Einzel-Weltcuprennen.