mini|Turner beim Bodenturnen Bodenturnen ist eine Turndisziplin aus Turnübungen aus dem Stand oder aus dem Anlauf. Bodenturnen grenzt sich damit zu anderen Disziplinen an Geräten wie Pferd oder Barren ab. Anfänglich waren die Übungen auf einem normalen Hallenboden auszuführen. Beim klassischen Inhalt im Schul- und Breitensport kommt heute eine durch Anreihung von Bodenmatten entstehende Bahn oder seltener eine schwere, von Kindern kaum zu handhabende Rollmatte zum Einsatz. Hier ist ein Bewegungsablauf nur in einer oder entgegengesetzter Richtung möglich. Im fortgeschrittenen Leistungsbereich und Wettkampfsport, häufig als Kunstturnen bezeichnet, ist diese Richtung beliebig. Die Wettkampffläche ist hier groß und kann ebenfalls durch Auslegen mit Matten erreicht werden. Eine aufwändige Variante besteht aus einer leicht federnden Unterkonstruktion mit darauf liegenden Deckläufern. Sie ist bei Wettkämpfen oder nur in wenigen Turnhallen und dann vorzugsweise im Daueraufbau zu finden.

Während der Kür muss die gesamte Fläche beturnt werden, und zwar vor allem mit akrobatischen Elementen, also Überschlägen oder Salti (vorwärts und rückwärts), von denen keines mehr als einmal wiederholt werden darf. Wird während der Übung die weiße Außenmarkierung auf der Bodenfläche übertreten, gibt es Punktabzug. Bei den Männern muss auch ein Gleichgewichtselement (z. B. Standwaage) enthalten sein. Die Frauen müssen hingegen auch gymnastische Sprünge und Drehungen zeigen. Die Übung als Kombination von akrobatischen Reihen, Verbindungsteilen und gymnastischen Elementen muss in einem harmonischen Rhythmus als Wechsel von schnellen und langsamen Passagen geturnt werden. Eine Bodenkür darf zwischen 50 und 90 Sekunden dauern.

Noch in den 1970er-Jahren zählte ein Doppelsalto zu den schwierigsten Elementen des Bodenturnens. 1987 zeigte der Russe Valeri Ljukin in einem Wettkampf den seitdem nach ihm benannten Dreifachsalto rückwärts (gehockt), der im männlichen Bereich noch immer zu den Höchstschwierigkeiten zählt (G-Element). In den Bodenübungen heutiger Eliteturner werden Doppelsalti rückwärts mit bis zu drei Längsachsendrehungen gezeigt.

Wettkampffläche Die Größenangaben wurden von der Fédération Internationale de Gymnastique (FIG) Apparatus Norms festgelegt. Die Abmessungen sind für die weiblichen Sportlerinnen die gleichen wie für die männlichen Sportler.

Aufführungsfläche: ± 3 cm Diagonalen: 1697 cm ± 5 cm Rand: 100 cm Sicherheitszone: 200 cm

Inklusion

Turnen (Special Olympics) ist eine Sportart, die auf den Regeln für das Boden- und Geräteturnen beruht und in Wettbewerben und Trainingseinheiten der Organisation Special Olympics weltweit für geistig und mehrfach behinderte Menschen angeboten wird. Turnen ist seit 1972 bei Special Olympics World Games vertreten und seit 2020 auch bei Special Olympics Deutschland als offizielle Sportart anerkannt.

Olympiasieger im Bodenturnen mini|Akrobatisches Element am Boden Männer 1932: István Pelle 1936: Georges Miez 1948: Ferenc Pataki 1952: Karl William Thoresson 1956: Walentin Muratow 1960: Nobuyuki Aihara 1964: Franco Menichelli 1968: Sawao Katō 1972: Nikolai Andrianow 1976: Nikolai Andrianow 1980: Roland Brückner 1984: Li Ning 1988: Sergei Charkow 1992: Li Xiaoshuang 1996: Ioannis Melissanidis 2000: Igors Vihrovs 2004: Kyle Shewfelt 2008: Zou Kai 2012: Zou Kai 2016: Max Whitlock 2020: Artem Dolgopyat 2024: Carlos Yulo

Frauen 1952: Ágnes Keleti 1956: Ágnes Keleti 1960: Larissa Latynina 1964: Larissa Latynina 1968: Věra Čáslavská und Larissa Petrik 1972: Olga Korbut 1976: Nelli Kim 1980: Nadia Comăneci und Nelli Kim 1984: Ecaterina Szabó 1988: Daniela Silivaș 1992: Lavinia Miloșovici 1996: Lilija Podkopajewa 2000: Jelena Samolodtschikowa 2004: Cătălina Ponor 2008: Sandra Izbașa 2012: Alexandra Raisman 2016: Simone Biles 2020: Jade Carey 2024: Rebeca Andrade

Siehe auch Rhythmische Sportgymnastik

Weblinks

Die Geschichte des Bodenturnens

Einzelnachweise

Kategorie:Gerätturndisziplin