miniatur|Ilse Middendorf (1996)
Ilse Middendorf (* 21. September 1910 in Frankenberg/Sa.; † 2. Mai 2009 in Berlin) war eine deutsche Atemtherapeutin und Begründerin einer Atemlehre, die sie selbst als Erfahrbarer Atem bezeichnete.
Leben und Werk Ilse Middendorf wurde als Ilse Kullrich geboren, ihr Vater war Textilfabrikant, die Mutter Modeschöpferin. Mit 18 Jahren ließ sie sich gegen den Willen der Eltern zur Gymnastiklehrerin ausbilden. Sie besuchte die Atemschule von Clara Schlaffhorst und Hedwig AndersenMargarete Saatweber: Einführung in die Arbeitsweise Schlaffhorst-Andersen: Atmung, Stimme, Sprache, Haltung und Bewegung in ihren Wechselwirkungen, Schulz-Kirchner Verlag, 6. Auflage 2007, ISBN 978-3-8248-0019-3 und absolvierte am „Institut für Atem- und Nervenpflege“ in Baden-Baden, das zu den Yogaschulen zählte, eine Ausbildung bei dem Atemlehrer Emil Aurelius-Baeuerle.Bernd Wedemeyer-Kolwe: „Der neue Mensch“: Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Königshausen & Neumann 2004, ISBN 978-3-8260-2772-7, S. 92f. Mit Mitte 20 eröffnet sie in Berlin-Lichterfelde eine eigene Praxis.Jürgen Bräunlein: Berliner Luft, Berliner Zeitung vom 20. September 2005 Über ihre erste Lehrerin, die Tänzerin Ewe Waren, schrieb Ilse Middendorf, sie habe ihr „durch Bewegung, Atem und Meditation die Einheit unserer menschlichen Existenz deutlich gemacht“.Ilse Middendorf: Der erfahrbare Atem, 1990, S. 14/15 Prägenden Einfluss hatte auch der jungianische Tiefenpsychologe und der Atemtherapeut Cornelius Veening, selbst Schüler von Schlaffhorst/Andersen, der sie ermutigte eine eigene Atemlehre zu begründen.E.M. Rosenmayr-Khemiri: Atemtherapie nach Middendorf bei Stimmstörungen, in: Gerhard Böhme: Komplementäre Verfahren bei Kommunikationsstörungen, Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-149691-1, S. 94f.
1940 heiratete sie den Organisten Jost Langguth, der im Zweiten Weltkrieg fiel. 1941 wurde ihr Sohn Helge Langguth geboren, der bis heute ein Ilse-Middendorf-Institut in Beerfelden leitet. 1950 heiratete sie den Fotografen Erich T. Middendorf (1903–1985), dessen fotografischen Nachlass sie dem Landesarchiv Berlin übereignete.
mini|hochkant=0.5|links|Grabstätte auf dem Parkfriedhof Lichterfelde 1965 gründete Ilse Middendorf in Berlin das Institut für Atemtherapie und Atemunterricht, das heute den Namen Ilse Middendorf Institut für den Erfahrbaren Atem trägt. Sie bezog die hochherrschaftlichen ehemaligen Wohnräume der Prinzessin Viktoria-Luise am Viktoria-Luise-Platz in Berlin-Schöneberg, wo sich die Schule bis heute befindet. Den Kernsatz ihrer Atemlehre beschreibt Ilse Middendorf folgendermaßen: Jeder Mensch sei eine Individualität und der Atem genauso individuell wie ein Gesicht oder die Gliedmaßen. Einige Atemtherapien setzten den Atem gezielt ein, um bestimmte heilende Wirkungen auf den Körper zu erreichen, der erfahrbare Atem gehe einen anderen Weg. Das Atmen soll bewusst erfahren werden, aber ohne dass er vom Willen oder Denken gesteuert wird. „Ich lasse meinen Atem kommen, ich lasse ihn gehen und warte, bis er von selber wieder kommt.“
1971 wurde Middendorf als Professorin an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Berlin berufen und lehrte dort Atem- und Körperbildung sowie Tonlehre für Schauspieler und Sänger. Zu ihren Schülerinnen und Schülern gehörten unter anderen der Berliner Intendant Walter Felsenstein, der Liedermacher Klaus Hoffmann und die Schauspielerin Gaby Dohm. Bis 2004 gab sie zahlreiche Fortbildungsseminare im In- und Ausland.Internetseite www.krankenkassen.de
Ilse Middendorf ist auf dem Parkfriedhof Lichterfelde begraben (Abt. 15-173).
Schriften Der Erfahrbare Atem. Mit 2 CDs: Eine Atemlehre, Band 2, Band 28 von Reihe Innovative Psychotherapie und Humanwissenschaften, Junfermann Verlag, 1990 ISBN 978-3-87387-218-9 Der Erfahrbare Atem in seiner Substanz, Junfermann Verlag, 2000 ISBN 978-3-87387-397-1 (3. Aufl. 2008) Psychosomatische Störungen, mit Jakob Derbolowsky, Psychopaedica 1999, ISBN 978-3-933400-04-8
Literatur Hadassa K. Moscovici: Der Erfahrbare Atem. Ilse Middendorf, in dies.: Vor Freude tanzen, vor Jammer halb in Stücke gehn. Pionierinnen der Körpertherapie, Luchterhand-Literaturverlag, Hamburg/Zürich 1991 (zweite Auflage), ISBN 3-630-71019-0, s. 139–156 Lisa Malin: Der Einfluss der Atemtherapie auf die menschliche Stimme, Lit Verlag 2009, ISBN 978-3-643-50005-2, über Ilse Middendorf S. 9f. Der Erfahrbare Atem nach Ilse Middendorf, in: Rega Rutte, Sabine Sturm: Atemtherapie, 2. Auflage, Springer-Medizin-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-642-11315-4, S. 33f. Dagmar Borowsky, Nora Lachmann: Ruhe und Bewegung – Atemlehre in der Grundschule: Erfahrungen mit der Atemtherapie nach Ilse Middendorf, Schneider Verlag Hohengehren 2007, ISBN 978-3-8340-0185-6
Weblinks Ilse-Middendorf-Institut für den Erfahrbaren Atem Middendorf Institute for Breathexperience in Berkeley, Kalifornien Irene Sieben: Wer den Atem erforscht, sucht Bewegung – und findet Tanz, Goethe-Institut 2010 Ilse Middendorf „Atem - Stimme der Seele“ Eine Studie über den Erfahrbaren Atem, Film von Gerd Conradt 2009, Youtube Dorothee Nolte: Den Atem erfahren, Nachruf im Tagesspiegel vom 5. Mai 2009
Einzelnachweise und Anmerkungen
Kategorie:Psychotherapeut Kategorie:Körperpsychotherapie Kategorie:Hochschullehrer (Universität der Künste Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1910 Kategorie:Gestorben 2009 Kategorie:Frau