mini|Kaiserbrünndl – Gefasste Quelle der Dürren Wien am Kaiserbrunnberg / Pressbaum mini|Um 1790: Der Flusslauf im Wienerwald bis „Hiedeldorf“: der Ursprung der Kalten Wien wird bezeichnet: „Felinggraben/Ursprung der/Wien“ (links unten Mitte, heute zur Gemeinde Wolfsgraben), (Josephinische Landesaufnahme) mini|Der Fluss verlief in Wien in einem breiten Bett mit mehreren Nebenarmen bzw. Mühlbächen (um 1790) mini|Die Wien am späteren Karlsplatz, 1822 mini|Wienflussregulierung 1898; Blickrichtung flussaufwärts, rechts hinten die Secession mini|In der Stadtbahnzeit nach 1945, heute U4, auf der Brücke die Gürtellinie, heute U6 mini|Teile des Flussbettes sind als öffentliche Freizeitwege freigegeben mini|Das Wienflussportal von Friedrich Ohmann beim Stadtpark, 1./3., Johannesgasse; Blickrichtung flussaufwärts mini|Nach der Radetzkybrücke mündet der Wienfluss in den Donaukanal mini|Die Wientalterrasse nahe der U-Bahn-Station Pilgramgasse; Blickrichtung flussaufwärts Die Wien (oder der Wienfluss) entspringt im westlichen Wienerwald bei Rekawinkel. Sie mündet an der Grenze zwischen dem 1., 2. und 3. Wiener Gemeindebezirk bei der Urania in den Donaukanal. Sie hat eine Länge von 34 Kilometern und ein Einzugsgebiet von 221 Quadratkilometern. Obwohl der Fluss auch durch Stadtgebiet fließt, hat er alpinen Charakter und gilt als Wildwasser.
Geografie Geologie Das 221 Quadratkilometer große Einzugsgebiet des Wienflusses liegt im Sandsteingebiet des Wienerwaldes. Der Sandsteinboden kann Niederschläge und Schmelzwasser nur teilweise aufnehmen. Weiters ist das Gefälle des Wienflusses zu Beginn recht hoch. Dadurch kann bei starken Regenfällen die Wassermenge des Wienflusses innerhalb kurzer Zeit stark anschwellen.
Am 6. Juli 2009 stieg der Pegel des Wienflusses am Messort Kennedybrücke innerhalb von zehn Minuten um über einen Meter an.Thomas Ofenböck: . In: Magistrat Wien, MA 45 – Wiener Gewässer, 28. Februar 2013, Präsentationsfolien, (PDF; 9,7 MB), Folie/Seite 14. Bei Hochwasser führt der Wienfluss bis zu 450.000 Liter Wasser pro Sekunde, normalerweise jedoch nur 200, ein Verhältnis von über 2000:1.Wienfluss-Hochwasserschutz. In: Stadt Wien, Wiener Gewässer (Magistratsabteilung 45), aufgerufen am 18. März 2018.
Verlauf Die Wien verläuft zirka zur Hälfte im Bundesland Niederösterreich und zur anderen Hälfte in Wien.
Quellflüsse Sie hat zwei Quellflüsse: die Dürre Wien und die Kalte Wien. Die Dürre Wien entspringt in 520 Meter Höhe am Kaiserbrunnberg bei Rekawinkel, wo sich auch eine Fassung in Brunnenform befindet. Die Kalte Wien (auch Große Wien) entspringt unterhalb des Hengstlberges in der Gemeinde Wolfsgraben. Ab der Vereinigung der Dürren mit der Kalten Wien im Zentrum von Pressbaum () heißt der Fluss nur noch Wien.
Die Zuflüsse der Dürren Wien sind Sanatoriumsgraben mit Pelzergraben, Haitzawinkelgraben, der wichtigste Nebenfluss der Kalten Wien ist der Pfalzauer Bach.
Nach der Vereinigung Am Zusammenfluss mit dem Wolfsgrabenbach wird der Wienfluss im Wienerwaldsee für das Wientalwasserwerk aufgestaut. Dieser See war ursprünglich zur Trinkwasserversorgung von Wien und Purkersdorf errichtet worden und dafür auch lange in Verwendung. Heute wird er als Rückhaltebecken genutzt. Nach Pressbaum fließt der Wienfluss kurz durch das Ortsgebiet von Tullnerbach und weiter durch das Stadtgebiet von Purkersdorf. Zuflüsse bis Wien sind: Saubach, Weidlingbach, Brentenmaisbach (Pressbaum), Norbertinumsbach (Tullnerbach), Wolfsgrabenbach, Tullnerbach, Dambach, Großer Steinbach, Kleiner Steinbach, Deutschwaldbach und Gablitzbach (Purkersdorf).
Das Stadtgebiet von Wien erreicht die Wien am Mühlberg (14. Bezirk, Penzing). Zuflüsse in Wien sind: Wurzbach, Mauerbach, Halterbach, Hirschenbach, Rotwassergraben und Grünauer Bach.wien.gv.at: Verlauf und Einzugsgebiet des Wienflusses Marienbach, Lainzerbach, Rosenbach und Ameisbach sind heute nicht mehr bis zur Mündung zu sehen, sondern fließen bald in die städtische Kanalisation.
Ab dem Umspannwerk Auhof bildet die Wien in der Folge die Grenze zwischen den orografisch linksufrigen Bezirken 14, 15, 6 und 1 (Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus, Mariahilf und Innere Stadt) und den rechtsufrigen Bezirken 13, 12, 5, 4 und 3 (Hietzing, Meidling, Margareten, Wieden und Landstraße).
Im Verlauf in Wien wurde der Wienfluss in ein künstliches Betonbett gelegt, um die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts häufigen verheerenden Überschwemmungen zu verhindern (daran erinnert der Name der Vorstadt Gumpendorf im heutigen 6. Wiener Gemeindebezirk). Teilweise ist er in Wien auch komplett eingewölbt. Im Bereich des Wiener Stadtparks wurde sein Lauf als landschaftgestalterisches Element genutzt.
Geschichte Der Wienfluss hatte einen Vorgänger im geologischen Zeitalter des späten Miozäns, des Torton. Als „Paläo-Wien“ ist ein Wasserlauf in ähnlicher Lage wie der heutige Wienfluss publiziert, der an seiner Mündung im Gebiet des (heute) südwestlichen Wien Sedimente aus der Flyschzone in den damals vorhandenen Pannonischen See einbrachte. Das ergab sich aus einer 80 Meter tiefen Bohrung am Gelände der Geologischen Bundesanstalt im dritten Wiener Gemeindebezirk.bei : Matthias Harzhauser, Mandana Peresson, Christian Benold, Oleg Mandic, Stjepan Ćorić, Gert J. De Lange: Environmental shifts in and around Lake Pannon during the Tortonian Thermal Maximum based on a multi-proxy record from the Vienna Basin (Austria, Late Miocene, Tortonian). In: PALAEO - Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 610 (2023) 111332. Verlag Elsevier. 2022.
Der Name könnte sich vom keltischen *Vēdunia/*Vēdinia „Wald-Wildnis“ ableiten und möglicherweise zunächst nur den Wienerwald bezeichnet haben. Etwa ab dem Jahre 1100 siedelten sich viele kleine Mühlenbetriebe an den Ufern des Wienflusses an. Als Träger und Organisatoren traten die Grafen von Formbach auf. An die Mühlenbetriebe angeschlossen waren oft auch Weingärten und Wirtshäuser. Um die Mühlen siedelten sich Holz verarbeitende Betriebe an, da die hölzernen Bauteile der Mühlen häufig erneuert werden mussten.
Ehemalige Mühlbäche Im heutigen Stadtgebiet befanden sich mehrere verschiedene Mühlbäche am Wienfluss, deren Verlauf sich über die Zeit veränderte und die heutzutage nicht mehr erhalten sind: Der Mühlbach vom Mariabrunner Wehr zweigte linksseitig in Mariabrunn vom Wienfluss bzw. Mauerbach ab, floss durch mehrere Ortsteile des heutigen 14. Bezirks (Hadersdorf, Hütteldorf, Baumgarten), überquerte den Halterbach und den Rosenbach, speiste die Glutmühle (Utendorfgasse 27), die Hütteldorfer Mühle / Brauhaus (Bergmillergasse), die Hackinger Mühle (Fabrik Gustav Seidel, Deutschordenstraße) sowie die Baumgartner herrschaftliche Mühle (Westermayergasse) und mündete beim Baumgartner Wehr nahe dem heutigen Preindlsteg bis ca. 1809 in den Wienfluss. Der rechtsseitige Hackinger Mühlbach in Ober St. Veit bzw. Hacking (Wien) zweigte beim Hackinger Wehr ab (heute: Auhofstraße 162), überquerte den Marienbach, speiste die Neumühle in Ober St. Veit (Auhofstraße 116 / Geylinggasse) und führte zunächst zurück zum Wienfluss am Baumgartner Wehr. Nach einem Umbau speiste dieser den Hietzinger Mühlbach und versandete wohl um 1860 in Folge eines Streites um die Hackinger Mühlgrabensteuer. Der rechtsseitige Mühlbach von Hietzing begann um 1780 am Baumgartner Wehr bei der heutigen Preindlgasse und diente den Mühlen im heutigen Unter St. Veit und in Hietzing. Anfang des 19. Jahrhunderts muss das Baumgartner Wehr einem Hochwasser zum Opfer gefallen sein, und der Wienfluss wurde aufgrund von Regulierungsarbeiten immer mehr eingetieft. Um ausreichend Wasser zu erhalten, wurde das Wasser für diesen Mühlbach aus zwei Quellen bezogen: aus dem Hackinger Mühlbach (welcher jedoch bis 1860 versandete) sowie aus Baumgarten mittels einer über den Wienfluss führenden Trogbrücke mit Wasser vom Mühlbach vom Mariabrunner Wehr. Diese Trogbrücke bestand von ca. 1825 bis ca. 1897 zur Wienflussregulierung. Dieser Mühlbach verlief dann nördlich der später errichteten Hutfabrik Giuseppe Bossi (Amalienstr. 70), speiste die Feldmühle (Auhofstr. 78), versorgte die Lederfabrik Flesch (Auhofstraße 25 / Fleschgasse 9) und führte durch den Park der Villa Gecmen-Waldek und die Neue Welt, um die Hietzinger Mühle bzw. Faistenmühle (Lainzer Straße 12) zu versorgen, bis dieser Mühlbach in den Lainzer Bach mündete und auch die Hietzinger Schleifmühle antrieb. Ursprünglich verlief der Kanal rechts der Wien weiter zur Kattermühle (später Schönbrunner Schlosspark) zur Roten Mühle in Obermeidling (Schönbrunner Str. 293) und mündete beim Meidlinger Wehr zurück in den Wienfluss. Ein Rest hiervon bestand 1825 noch vom Anna-Strauß-Platz bis zum heutigen Parkhotel Hietzing. Ein Pfeifferscher Mühlbach: vom 1793 errichteten Gaudenzdorfer Wehr unterhalb des Meidlinger Wehrs wurde Wasser nach links zur Pfeifferschen Lederfabrik geleitet. Der Mühlbach vom Meidlinger Wehr zweigte linksseitig beim Meidlinger Wehr ab und speiste die Dorotheermühle (Hofmühlgasse 7), die Kirchen- oder Angermühle in der Mollardgasse, die Mollardmühle und die Dominikanermühle (alle im 6. Bezirk). Er mündete beim Gumpendorfer Wehr in den Wienfluss. Der Mühlbach vom Gumpendorfer Wehr begann beim Gumpendorfer Wehr, floss durch Teile des heutigen 4. Bezirks, Wieden, und betrieb die Schleif-, die Heu- und die Bärenmühle. Ein weiterer Mühlbach auf der Wieden wurde bereits um 1670 aufgegeben, an ihm befand sich die Bürgerspitalsmühle.
Regulierung und Einwölbung Regulierungsmaßnahmen wurden schon 1713 und 1781 (Projekt des Schönbrunner Gartenarchitekten Johann Wilhelm Beyer 1785) avisiert, doch kam es nur zur Aushebung eines tieferen Flussbettes durch Sträflinge und zur Uferbepflanzung mit Weiden und Akazien.
1860 wurde von Josef Maximilian Petzval ein Konzept für die teilweise Einwölbung sowie eine zweigleisige Bahn am Ufer entwickelt. Diese Vorhaben wurden vorerst nicht angenommen. Nach der katastrophalen Überschwemmung von 1862 wurde von Staat, Kronland Niederösterreich und Stadt Wien im Großen und Ganzen dieses Konzept übernommen, das neben der Regulierung der Donau und des Donaukanals auch die Wienflussregulierung zum Ziel hatte.Hans K.Kaiser: In: Internationale Mathematische Nachrichten, Dezember 2001, S. 9–19, zum Wienfluss: S. 12f., aufgerufen am 17. März 2018. Die Realisierung der Wienflussregulierung erfolgte dann aber erst in den 1890er-Jahren, lang nach der 1875 fertiggestellten Donauregulierung.
Der Fluss war vom Hochwasser in Mitteleuropa im September 2024 betroffen; die tausendjährliche Wasserführung verursachte Ausfälle der nahegelegenen Verkehrsverbindungen, etwa der U-Bahn und der Westbahn.
Umwelt Verbauungen und Regulierungsmaßnahmen Im Stadtgebiet von Wien verläuft der Fluss heute fast durchwegs in einem oben offenen ausgemauerten Kanalbauwerk.
Diese sogenannte Wienflussregulierung wurde in den Jahren 1895 bis 1899 errichtet, um die verheerenden Hochwässer des Flusses zu kanalisieren.
Dies geschah gleichzeitig mit dem Bau der Wientallinie der Wiener Stadtbahn, die den Fluss von der Zufferbrücke zwischen Hütteldorf und Hacking (seit 1938: 13./14. Bezirk) bis zur Johannesgasse beim Stadtpark (1./3. Bezirk) an dessen rechter, südlicher Seite in Tieflage begleitet, durch eine Mauer vom Flussbett abgegrenzt.
Auf einer Fließstrecke von 17 km wurde vom Reichsrat, dem cisleithanischen Parlament, 1892 im Gesetz über die Ausführung öffentlicher Verkehrsanlagen in Wien beschlossenRGBl. Nr. 109 / 1892 (= S. 621 ff.) und unter Verantwortung der dem k.k. Handelsminister unterstehenden Commission für Verkehrsanlagen in Wien verwirklicht. An den mit 15 Millionen Gulden (Wert inflationsbereinigt 2016: 200 Millionen €) veranschlagten Kosten der Regulierung beteiligten sich der Staat, das Land NiederösterreichLGBl. Nr. 42 / 1892 (= S. 85) und die Gemeinde Wien mit je 5 Millionen Gulden.