mini|Integriert in ein Wohnhaus am Hirschgraben: das einzige erhaltene höhere Stück der Speyerer Stadtmauer. Spätsalische Quadermauer von etwa 1100. Erkennbar vor Ort noch die romanischen Zinnen, die in der spätgotischen Backsteinerhöhung deutlich abzulesen sind. Links neben dem Fallrohr der Dachrinne in diesem Bereich eine der vier erhaltenen Armbrustschießscharten. Am Straßenrand die Kontreeskarpemauer, hinter der sich der inzwischen verfüllte Hirschgraben befand.S. 190. mini|Gewesteter Stadtplan von 1730 mit Mauerplan mini|Der Riegel als alte Sicherung des Bacheinlaufs nördlich der Altstadt mini|Heidentürmchen im Domgarten mini|Links der Domstaffelturm, rechts die Nikolauskapelle mini|Rest der Stadtmauer der Gilgenvorstadt an der Hilgardstraße am Spielplatz am Drachenturm mini|Rest der Stadtmauer der Gilgenvorstadt an der Hilgardstraße am Zaun zwischen Spielplatz am Drachenturm und Sportplatz der Zeppelinschule mini|Rest der Stadtmauer der Gilgenvorstadt an der Hilgardstraße am Sportplatz der Zeppelinschule mini|Schmiedeturm mini|Rest der Stadtmauer der Kernstadt in der Zeppelinstraße mini|Postgraben Ostseite mini|Postgraben Westseite, die Kontreeskarpemauer. Gut zu sehen die soliden Stützen mini|Niedriger Mauerrest am Eselsdamm mini|Von links: Lauertor, Salztor. Lauerturm, Gouache von Christian Georg Schütz 1760 mini|Der Wartturm, früher die Wormser Warte, von 1451 gibt Zeugnis von der Speyerer Landwehr
Speyerer Stadtbefestigung im engeren Sinn bezeichnet die Speyerer Stadtmauer, das Festungssystem, heute dessen Reste, das die Speyerer Bischöfe als Stadtherren und später die Bürgerschaft der Stadt Speyer ab ca. 948 errichteten, um die Stadt vor militärischen Angriffen zu schützen.
Ausgehend von der im Auftrag des Bischofs Reginald als neuem Stadtherrn um 946 zur Geschichte der Stadt Speyer auf speyer.de; abgerufen am 7. Februar 2024. bis 950 erstellten ersten ottonischen StadtmauerS. 94. wurden die Befestigungen bestehend aus Mauern, bis zu 71 Türmen, Toren, Pforten und z. T. ausgemauerten und z. T. bewässerten Gräben mit großem Aufwand über Jahrhunderte aufgebaut, erhalten, verstärkt, später auch um vier Vorstädte erweitert und immer wieder modernisiert. Im Laufe der Zeit wurde auch eine Landwehr mit Landwehrgräben, Wall, Landwehrhecken und Warten als Vorverteidigung aufgebaut, siehe: Speyerer Landwehr.
Grundlegende qualitative Umgestaltungen waren der Umbau der Befestigungswerke als Reaktion auf das Aufkommen der Armbrust im 14. JahrhundertS. 191ff. und später die Verstärkungen und Ausbauten als Reaktion auf Aufkommen der ersten Schusswaffen im 15. Jahrhundert,S. 197ff. als etwa Bermenmauern, Geschützstände und Zwinger hinzugebaut wurden. Ein Ende fand dieses militärische System durch die von Ludwig XIV. befohlene Zerstörung von Stadt und Stadtbefestigung im Jahr 1689.S. 304ff.
Die verwüstete und 11 Jahre verlassene Stadt wurde ab 1698 wieder aufgebaut und dabei wurde beginnend ab 1700 mit den ersten Toren bis 1730S. 313. auch wieder eine Stadtmauer errichtet, die aber nicht mehr militärische Verteidigung ermöglichen sollte. Ihr Zweck war nur noch Schutz vor Überfällen, Dieben, Räubern, Gesindel und Ausschweifungen zu bieten und die Warenströme an den Toren zu bündeln.S. 316. Diese Mauer hatte bis ca. 1814 (letzter Erweiterungsplan) also polizeiliche Funktionen.S. 94.
Mit dem Einzug der bayrischen Verwaltung 1816 endete diese Phase und die Zeit des Abrisses und der Verwertung der Steine begann. 1819 erlaubte das Landkommissariat den Abriss der inneren Anlagen, die Außenmauer musste zunächst bis zu einer Höhe von drei Metern stehen bleiben.S. 321–323 Bis 1826 war das meiste zerstört, der Abriss ging aber weiter bis 1958, als für den Falkenturm eine Abrissgenehmigung erteilt wurde.S. 324.
Heute stehen die abgesehen vom Altpörtel bescheidenen Reste der Stadtbefestigung Speyer unter Denkmalschutz.
Befestigungen während der römischen Herrschaft und die Übergangszeit Im weiteren Sinne meint Speyerer Stadtbefestigung auch die Befestigungen in den vier Jahrhunderten römischer Herrschaft.
Das waren zunächst die drei aufeinanderfolgenden Kastelle, das erste A errichtet unter Drusus ab ca. 10 vor Christus, das zweite B nach der Niederlage des Varus errichtet 9 n. Chr. und das dritte C unter Tiberius ca. 30 n. Chr.S. 92. Die bei den Kastellen entstandene Zivilsiedlung Noviomagus war zunächst ungesichert. Zu Schutzzwecken siedelten die Römer im Gebiet um Speyer die Nemeter, als germanischen Föderatenstamm, an und machten ihr Noviomagus als Civitas Nemetum zur Hauptstadt des Nemetergaues. Kaiser Valentinian I. sicherte Nemetum 369 mit einem starken Festungsbau mit ca. 2,5 Meter dicken Mauern und Kriegshafen.S. 93. Nach dem erfolgreichen Eroberungszug der Wandalen und Alanen zum Jahreswechsel 406/407, siedelten die Römer zunächst Burgunder an, die 430 ins heutige Burgund umgesiedelt wurden. Jede römische Verwaltung endete 454 mit der Ermordung des weströmischen Heermeisters Ätius.S. 94. Letztlich setzten sich im Speyergau die Franken durch, die zunächst keine Befestigung errichten, sondern in unbefestigten Dörfern lebten. Der salfränkische Herzog Konrad der Rote übertrug 946 die zunächst von einem Grafen verwaltete Stadt dem Speyerer Bischof Reginald, der ca. zwischen 946 und 950 im Hinblick auf die Heerzüge der Ungarn, die erste ottonische Stadtmauer errichten ließ.S. 95.
Chronologie im Überblick 946 bis 950 Errichtung der ottonischen Stadtmauer unter Speyerer Bischof Reginald in der Zeit der Normannen- und Ungarneinfälle, als sich zeigte, dass die Nutzung oder der Ausbau alter Römermauern zur Verteidigung vielfach die Rettung bedeutete.S. 94. Der Bau war auch Symbol der uneingeschränkten Stadtherrschaft des Bischofs.S. 102. Zunächst bestand die Anlage nur aus Mauern und Toren. 955 Ende der Ungarngefahr durch die Schlacht auf dem Lechfeld. Um 1050 Errichtung eines gen Westen verschobenen neuen Mauerrings zur Sicherung der erfolgten Stadtvergrößerung im Zuge des Dombaus, die frühsalische Stadtmauer. Sie entsprach im Verlauf etwa dem heute vermuteten westlichen Ende der Civitaes Nemetum vor dem ersten Alamaneneinfall von 275.S. 102–108. Vermutlich bald nach 1080 erfolgte zur Sicherung der abermaligen Stadterweiterung im Zuge des Dombaues 2 die spätsalische Wallerweiterung nach Nordosten (Augustinerlinie).S. 109–113. Erweitert wurde in spätsalischer Zeit auch die Domhügelummauerung.S. 114. Vermutlich zur Zeit des Bischofs Johannes (1090–1104) wurde die spätsalische Nordummauerung (Hirschgrabenlinie) errichtet.S. 115–124. 1116 scheiterte an der Speyerer Stadtmauer die Belagerung durch Erzbischof Adalbert von Mainz.S. 116. 1128 belagerten König Lothar III. mit Erzbischof Adalbert von Mainz und dem Speyerer Bischof drei Monate vergeblich die Stadt.S. 292. 1129 schloss Lothar III. mit seinem Heer die Stadt erneut ein. Nach sechs Monaten erfolgreicher Verteidigung gab die Stadt wegen Hungers auf.S. 292. 1134 belagerte Herzog Konrad von Schwaben die Stadt, musste aber einem Entsatzheer von Lothar III. weichen.S. 293. 1201 belagerte Gegenkönig Otto IV. den König Philipp von Schwaben in Speyer. Philipp entkam per Schiff, Otto IV musste die Belagerung unter Verlusten abbrechen.S. 292. 1206 belagerte König Otto IV. Speyer erneut, musste aber nach vergeblicher Belagerung einem Entsatzheer von König Philipp von Schwaben weichen.S. 175. Um 1230 bei der spätstaufischen Torturmaktion werden die ersten vier Tortürme errichtet, das Altpörtel, das Weidenpörtel, das Rheinpörtel und das Neupörtel.S. 293. Um 1240 wurde der Stapelplatz am neuen Hafen an der Nordseite der Stadt (Fischmarkt) ummauert, wobei erstmals Ziegelsteine, statt bisher Sandstein eingesetzt wurde.S. 125. Um 1250 wird Herrn Utos Eckturm am Domhügelsporn, der Utenturm, errichtet. Um 1260 wurde die Mauer durch Blendbögen verstärkt.S. 178. Ab 1278 verstärkten die Bürger die salische Mauer vom Domhügel her und begannen das Gebiet des Bischofs, mit dem sie im Streit lagen, mit außerordentlich hohen Türmen einzufassen. Bei der 1280er Turmaktion wurden errichtet: Ecktürme: Roter Turm, Judenturm, Schmiedturm Bachfront: Salzturm, Holztorturm, Tränktorturm Rheinfront: Nikolauspfortenturm, Heidenturm, Zimmerleutturm, Metzgerturm, Armbrusterturm Der Anblick von Uten-, Zimmerleut-, Armbrusterturm, von Rheinpörtel, Schmiedturm, Neupörtel, Altpörtel und Roter Turm beeindruckte noch 300 Jahre später den englischen Reiseschriftsteller Coryate. Coryate der von London über Frankreich nach Norditalien gereist war, besuchte Speyer auf der Rückreise von Venedig. Er schrieb über seinen Eindruck von Speyer: Es ist von starken Mauern umgeben mit Türmen, die so hoch wie unsere Kirchtürme sind, die höchsten Türme in einer Mauer, die ich auf meiner Reise sah. Nach Coryates langer Reise ein bemerkenswertes Urteil.S. 184. Eine Ahnung einer solchen turmbewehrten Mauer vermittelt heute annähernd die Museggmauer in Luzern. 1331 erfolgte nach dem Severins-Sturm die Erbauung des Turms zum halben Dach (Schusterturm), des Turmes zum Maulbronner Garten (Pulverturm) und vermutlich des Bäckerturms. Bis zum 14. Jahrhundert bildeten sich vier Vorstädte, südwestlich die Gilgenvorstadt, nordwestlich die Vorstadt Altspeyer (das frühere Dorf Altspeyer), nordöstlich die Vorstadt überm Hasenpfuhl und südöstlich die Marxenvorstadt (auch Fischervorstadt). Die Gilgenvorstadt wurden im Zeitraum zwischen 1320 und 1334, vermutlich 1324 bis 1326 ummauert.S. 131–133. Die Vorstadt überm Hasenpfuhl wurde um 1335 ummauert und mit dem Lauerturm gesichert. 1340 wurden die Bachriegelbauten errichtet, der Obere Bachriegel, der Untere Riegel (Gackturm) und die Untere Lauerpforte. 1350 wurde spätestens der Bäckerturm und der Eurichsturm, vielleicht auch der Judenturm errichtet. Die St.-Marxen-Vorstadt wurde um 1365 ummauert. Reste dieser Mauer stehen heute noch an der Karl-Leiling-Allee und neben der Rettungswacht. Unter der Markusstraße befinden sich ebenfalls Reste der Stadtmauer. Darüber hinaus kamen bei Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Melchior-Hess-Filzfabrik Reste der Mauer zum Vorschein. Ein Teil dieser Mauerreste bildet die Rückwand des Hofschlösschens ein anderer Teil befindet sich unterirdisch. Da die Erhaltung der unterirdischen Reste wegen der geplanten Neubauten nur mit einem sehr großen Aufwand realisierbar ist, sollen diese abgetragen und die so erhaltenen Steine für die Ausbesserung anderer Mauerreste genutzt werden.Geschichtsträchtiger Boden. In: Die Rheinpfalz – Speyrer Rundschau. 6. Juni 2014.
Die Vorstadt Altspeyer wurde um 1380 ummauert. Das nördlich von Speyer gelegene Dorf Spire (später Altspeyer) verfügte selbst schon seit ca. 1080 um eine Mauer, ebenso wie das dort geschaffene Judenviertel.S. 174. 1410 wurde die zweite Windmühle und zwar auf dem Windmühlenturm (Roter Turm) errichtet. 1602 wurde am Woogbach die älteste Pulvermühle der Pfalz errichtet. Diese wurde in ihren besten Zeiten im Schichtbetrieb rund um die Uhr betrieben. Eine weitere Mühle besaß der Müller und Ratsverwandte Kohn dort am Schießberg. Die Gebäude sind untergegangen, aber noch heute erinnert in Speyer der Pulvermühlenweg an diese Produktion. Aufbewahrt wurde das Schwarzpulver im Pulverturm der Speyerer Stadtbefestigung.Christoph Schennen: Die Pulvermühle war ein gefährlicher Arbeitsplatz. In: Speyerer Morgenpost. 7. Juni 2014, S. 1.
Türme und Tore der Stadtbefestigung Speyer Seit 1469 waren die stärksten Türme den Zünften zur Verteidigung zugeteilt. Aus dem Waffeninventar von 1611 gehen die Verteidiger der Türme hervor: Salzturm – Salzgießer Lauerturm – Lauer Judenturm – Bäcker Totengräberturm – Schuster Weidentor – Krämer Roter Turm – Weber Eurichsturm – Tucher Neupörtel – Metzger Schmiedturm – Schmiede Armbrusterturm – Münzer Zimmermannsturm – Zimmerleute Kürschnerturm – Kürschner Nikolausturm – Schneider Für das Altpörtel, wie auch vermutlich alle übrigen Türme, war der Stadthauptmann mit seinen Söldnern zuständig.