mini|hochkant|Grzegorz Braun (2024)rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert|hochkant
Grzegorz Michał Braun (* 11. März 1967 in Toruń) ist ein polnischer Politiker und Publizist, Regisseur, Drehbuchautor und Synchronsprecher. Er war von 2019 bis 2024 Mitglied des Sejm und wurde bei der Europawahl 2024 ins Europaparlament gewählt. Er ist seit 2019 Vorsitzender der monarchistischen, paläokonservativen und als rechtsextrem geltendenPrzemysław Witkowski: Główne narracje polskiej skrajnej prawicy w pierwszym roku pandemii COVID-19 – analiza narracyjna. „Rocznik Bezpieczeństwa Międzynarodowego”. 15 (1), 2021-10-23. Wydawnictwo Naukowe Dolnośląskiej Szkoły Wyższej. doi:10.34862/rbm.2021.1.10. ISSN 2450-3436. (pol.).Jarosław Tomasiewicz: Confederacy — the polish new right wing between tradition and modernity. „Studia Politicae Universitatis Silesiensis”, s. 7–32, 12 września 2020. Uniwersytet Śląski. doi:10.31261/SPUS.11379. ISSN 2353-9747. (ang.). Partei Konfederacja Korony Polskiej (KKP; „Konföderation der Polnischen Krone“) und war bis Januar 2025 einer der Vorsitzenden des Parteienbündnisses Konfederacja Wolność i Niepodległość (Konföderation der Freiheit und Unabhängigkeit). Bekannt geworden ist er mit öffentlichen, teils gewaltsamen Aktionen gegen politische Gegner und Minderheiten, vor allem antisemitischer, homophober und fremdenfeindlicher Art. 2015 und 2025 kandidierte er für das polnische Präsidentenamt.
Leben mini|Grzegorz Braun (2025)
Frühe Jahre (bis 2014) Grzegorz Braun ist der Sohn des Regisseurs Kazimierz Braun, dessen Vorfahren Mitte des 18. Jahrhunderts aus Österreich nach Lemberg eingewandert waren. Seine Geschwister Monika und Justyna sind Schauspielerinnen bzw. Schauspiellehrerinnen; Monika, die auch Kulturwissenschaftlerin ist, distanzierte sich 2025 vom politischen Wirken ihres Bruders. Ihr Onkel Juliusz Braun war unter anderem Vorsitzender des polnischen Landesrundfunkrates (KRRiT), des nationalen Medienrates (RMN), 2011–2015 Leiter des staatlichen Fernsehens TVP und Abgeordneter der ersten drei Sitzungsperioden des Sejm der Dritten Republik. Zu seinen Vorfahren mütterlicherseits zählt der Rittergutsbesitzer zu Mirogonowice (Woi. Heiligkreuz) Wincenty Sebastian Reklewski de Rekle. Dieser wurde Ende 1939 von den Sowjets liquidiert.
Er war seit 1987 Mitorganisator der Orangen Alternative (Pomarańczowa Alternatywa), wofür er in der Endphase der Volksrepublik Polen Repressalien ausgesetzt war. 1988 und 1989 beteiligte er sich an Studentenprotesten an der Breslauer Universität. Dort schloss er 1990 ein Studium der Polonistik, 1993 ein Aufbaustudium an der Fakultät für TV und Radio (heute K.-Kieślowski-Filmschule) der Universität Kattowitz ab. Bis 2007 hielt er an der Breslauer Universität Vorlesungen über Journalismus. Von 1990 bis 1994 schrieb er für die Quartalsschrift Fronda.
2005 veröffentlichte Braun einen Dokumentarfilm über die Zusammenarbeit des Solidarność-Anführers und späteren Präsidenten Polens Lech Wałęsa mit dem Staatssicherheitsdienst (Służba Bezpieczeństwa, SB) der Volksrepublik Polen. Wałęsa strengte einen Zivilprozess gegen ihn an; es folgte eine Gegenklage. In einer summarischen Verhandlung wurde auf eine Sachentscheidung verzichtet. Wałęsa hatte eine Verstrickung geleugnet. Ein anderer von Braun der Zusammenarbeit mit dem SB Beschuldigter gewann gegen Braun in Polen über zwei Instanzen, verlor dann aber 2014 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Seit 2014 ist er mit seiner Cutterin verheiratet, sie haben drei Kinder. Das Paar heiratete in einer Kirche der Redemptoristen nach dem Tridentinischen Ritus.Kim jest żona Grzegorza Brauna? Zanim się pobrali pracowali razem przy produkcjach filmowych, natemat.pl, 19. November 2019 Braun ist mit Organisationen des katholischen Traditionalismus verbunden und nimmt an Wallfahrten teil. Als typisch für sein Auftreten gilt der althergebrachte katholische Gruß Szczęść Boże (etwa „Grüß Gott“, heute alltäglich und kurz cześć „Hallo“). Braun wird vorgeworfen, die Formel durch die schiere Häufigkeit, aber auch durch Beifügung selbstausgedachter Kehrverse zu banalisieren und politisch zu instrumentalisieren. 2015 nutzte er sie als Bezeichnung für ein Wahlkomitee. Vor der Heirat habe der nunmehrige „Ultrakatholik“ Braun mit einer anderen Frau 20 Jahre in einer eheähnlichen Gemeinschaft gelebt und eine liberalere Lebensauffassung vertreten, wie Gazeta Wyborcza Ende 2025 unter Berufung auf alte Bekannte berichtete.
Erste Präsidentschaftskandidatur und Parteigründung (2015–2024) Im Mai 2015 kandidierte er bei der Präsidentschaftswahl in Polen und erreichte 0,83 % der Stimmen. Am 25. Januar 2019 kündigte er seine Kandidatur bei den vorgezogenen Wahlen zum Bürgermeister von Danzig an. Bei der Wahl am 3. März erhielt er 11,86 % der Stimmen und unterlag Aleksandra Dulkiewicz. Im Januar 2019 trat Braun dem für die Europawahl gebildeten Bündnis der rechtsextremen Parteien KORWiN (unter Janusz Korwin-Mikke) und Ruch Narodowy (RN; unter Robert Winnicki) bei, das sich zunächst Konfederacja KORWiN Braun Liroy Narodowcy nannte und für einen Austritt Polens aus der Europäischen Union eintrat. Mit 4,5 Prozent der Stimmen verpasste das Bündnis den Einzug ins Europäische Parlament; Braun selbst fuhr im Wahlbezirk Rzeszów ein knapp unterdurchschnittliches Ergebnis ein.
Im September 2019 gründete Braun die monarchistische, nationalistische und traditionalistische Partei Konfederacja Korony Polskiej (KKP; „Konföderation der Polnischen Krone“). Diese trat zu den Parlamentswahlen im Oktober 2019 wieder mit KORWiN und RN im rechtsextremen Bündnis Konfederacja Wolność i Niepodległość (Konföderation der Freiheit und Unabhängigkeit; kurz nur Konfederacja) an, das zusammen auf 6,8 Prozent der Stimmen kam. Braun selbst erhielt als Kandidat im Wahlbezirk Rzeszów (Woiwodschaft Karpatenvorland) 31.148 Stimmen und errang einen Sitz im polnischen Sejm. Dies gelang ihm auch bei der Parlamentswahl in Polen 2023, als er die Wahlliste der Konföderation im Wahlkreis Rzeszów anführte, wo sie mit 9,5 Prozent überdurchschnittlich stark abschnitt. Bei der Bürgermeisterwahl in Rzeszów 2021, die durch den gesundheitsbedingten Rücktritt des seit 2002 amtierenden Tadeusz Ferenc (verstorben 2022) vom SLD notwendig geworden war, trat er für die Konfederacja an und belegte mit 9,2 % der Stimmen den vierten und letzten Platz.Ergebnis auf bip.erzeszow.pl, abgerufen am 22. Mai 2024.
Abseits von Parteipolitik und Medienauftritten steht Braun der 2015 gegründeten Vorfeldorganisation Pobudka vor (bed. Weckruf, exklamatorisch auch „Aufstehen!“), deren ordnungsstaatlich motivierte, von ihm häufig deklamierte Losung lautet: Kirche, Schule, Schützenhaus, Münze! und die als Reminiszenz an die alte Adelsrepublik mit dem Slogan „Wecken wir schlafende Ritter!“ wirbt. Wesentliche Ziele sind: Förderung katholischer Konfessionsschulen, Wiederverbreitung der tridentinischen Messe aus der Zeit vor dem Vaticanum II, Wehrertüchtigung, monetäre wie finanzielle Autarkie Polens. Es bestanden Finanzflüsse zwischen der Gesamtpartei und Brauns Initiative. Am 26. September 2022 war er bei der AfD-Bundestagsfraktion zu Gast. Brauns Wahl ins EU-Parlament Mitte 2024 mit einem starken Ergebnis von über 110.000 Stimmen wurde als Strategie der Konfederacja beurteilt, die Kontroversen um seine Person in Polen zu entschärfen. Braun möchte jedoch nicht als EU-Abgeordneter angesprochen werden und erklärte, die EU müsse vernichtet werden, da sie sonst „uns“ vernichte. Er ist in der 10. Legislaturperiode (2024–2029) Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten sowie stellvertretendes Mitglied im Haushaltskontrollausschuss. Er ist zudem Delegierter in den Parlamentarischen Ausschüssen EU-Montenegro und EU-Russland.
Brauns bisher letztes Filmprojekt, das auf seinem Buch von 2018 basiert, nimmt die Dietrichswalder Marienerscheinungen von 1877 zum Ausgangspunkt für geschichtsphilosophische Ausführungen. Die am 7. September 2024 erschienene Produktion, die wie Brauns Luther-Film (2017) auch in westlichen Sprachen erscheinen soll, wurde ursprünglich für 2019 angekündigt. Der Regisseur engagierte sich in einer Bürgerinitiative, die gegen ein Lidl-Logistikzentrum im Pilgerort opponierte. Das Unternehmen gab das dortige Vorhaben im Juni 2025 auf. Örtliche Geistliche hatten nicht öffentlich Stellung bezogen.
Nach Recherchen von Newsweek Polska traf Braun 2018 einen mutmaßlichen russischen SWR-Agenten in Moskau.Braun i kontakty z ludźmi rosyjskiego wywiadu. "Ta działalność powinna zostać prześwietlona" newsweek.pl, 16. Dezember 2023. Er selbst gab an, diesen im Zusammenhang mit Dokumentarfilmarbeiten getroffen zu haben. Seit Ende 2023 wird Braun wegen pro-russischer Aktivitäten auf einer Liste der ukrainischen Organisation Myrotworec geführt. Auf Veranstaltungen mit Braun treten häufig Protagonisten der pro-russischen Szene auf, so aus dem Umfeld der einstigen Samoobrona, sowie umstrittene Akademiker, die sich für einen Ausgleich mit Russland einsetzen, darunter Leszek Sykulski und Adam Wielomski.
Seit der zweiten Präsidentschaftskandidatur (ab 2025) Braun gab Mitte Januar 2025 seinen Start bei den kommenden Präsidentschaftswahlen bekannt, obwohl die Konfederacja zuvor Sławomir Mentzen nominiert hatte. Angekündigte Vorwahlen waren abgesagt worden. Aus Brauns Umfeld war wiederholt davon die Rede, man sei als Faktion übergangen worden. Den Entschluss zur Kandidatur verband er mit der Ankündigung, womöglich aus der Sammlungspartei auszutreten. Ein Parteigericht schloss ihn kurz später aus der Bündnispartei aus. Mitte März wurde Braun wegen antisemitischer Äußerungen für 6 Monate von den Plenarsitzungen des Europaparlaments ausgeschlossen. Im April entließ er seinen Wahlkampfleiter wegen dessen Beziehung mit einer in Scheidung befindlichen Influencerin. Im Mai erreichte Braun dann 6,34 % der Stimmen. Ebenfalls rief er als Sammelbecken radikaler Kräfte nach Art der Alt-Right die sogenannte „breite Feuerlöscher-Front“ (szeroki front gaśnicowy) aus, offiziell als Allianz für die Parlamentswahl in Polen 2027. Die Bezeichnung spielt auf sein antijüdisches Delikt im Sejm an. Im Rahmen der Front finden sich auch säkular-rechte und libertäre Kräfte. Seit dem Präsidentschaftswahlkampf 2025 wird Braun bei öffentlichen Auftritten von einer paramilitärisch aufgemachten Gruppe begleitet. Ein Journalist der von Braun bekämpften Gazeta Wyborcza betonte, dass diese tatsächlich aus Männern mit Erfahrung bei bewaffneten Organen bestünde, während sich die sog. Grenzschutzbewegung von Robert Bąkiewicz, obgleich medienpräsent, überwiegend aus Rentnern zusammensetze, „die ihre Klamotten im Anglershop kaufen“. Seine Präsenz im öffentlichen Raum und auf Social Media suchte die Partei KKP auch durch eine Art Popanz des Politikers zu stärken. Anfang 2026 reagierte TikTok auf die Videos von Brauns Aktionen, löschte einige und drosselte seine Reichweite.