Der Tempel des Elementaren Bösen: Ein klassisches Greyhawk Abenteuer (OT: The Temple of Elemental Evil: A Classic Greyhawk Adventure) ist ein rundenbasiertes Computer-Rollenspiel des US-amerikanischen Computerspielentwicklers Troika Games für Windows-PCs. Das Spiel basiert auf der gleichnamigen Rollenspiel-Kampagne von Gary Gygax für das Pen&Paper-Rollenspiel Dungeons & Dragons und verwendete als erstes D&D-Computerspiel die Regelwerksedition 3.5. Das Spiel wurde über Atari im Oktober 2003 in Europa veröffentlicht und gilt als die werkgetreueste Umsetzung des Regelwerks von Dungeons & Dragons in einem Computerspiel.

Handlung Da es sich um eine 1985 veröffentlichte Rollenspiel-Kampagnen zu Dungeons & Dragons handelt, finden die Ereignisse in der ursprünglichen D&D-Hauptkampagnenwelt Greyhawk statt und nicht in den zum Veröffentlichungszeitraum üblichen Vergessenen Reichen der Kampagnenwelt Faerûn. Das Modul gilt als archetypisches Beispiel einer D&D-Kampagne, in der eine zu Anfang namenlosen, schwache Heldentruppe sich durch einen mit zahlreichen feindlichen Kreaturen bevölkerten Dungeon kämpft, allmählich an Stärke gewinnt und letztendlich das Böse vertreiben kann.

Die Handlung ereignet sich im Umfeld des Orts Hommlet im Land Flanaess. Dreizehn Jahre vor Beginn der Kampagne war die Region bereits einmal Schauplatz einer großen Schlacht zwischen einer Armee des Bösen unter der Dämonin Zuggtmoy und einem vereinigten Heer der nördlichen Reiche. Mit Hilfe des Magierzirkels der Acht konnten die bösartigen Kreaturen in ihr Hauptquartier, den sogenannten Tempel des Elementaren Bösen, zurückgedrängt und magisch eingeschlossen werden. Doch mit der Zeit begannen sich die Kräfte des Bösen zu regenerieren und mit seinen Truppen erneut in die umliegenden Lande einzudringen.

Zu Anfang des Spiels wird die Abenteurergruppe des Spielers mit einer scheinbar simplen Mission betraut, die sie in die Stadt Hommlet führt. Die Erzählung, die den Anlass für die Reise gibt, wird von der Gesinnung der Gruppe bestimmt und variiert daher. Nachdem die Gruppe vor Ort einige kleinere Aufträge für die Dorfbewohner ausgeführt hat, werden die Abenteurer schließlich gebeten, ein befestigtes Banditennest auszuheben, das Moathouse. Wie es sich herausstellt, werden die Banditen von einem Priester des Tempels angeführt. Mit dieser Erkenntnis wird der Tempel zusammen mit dem Piratennest Nulb als Reiseziel verfügbar und die Gruppe begibt sich nunmehr auf die Suche nach einem Zugang zum Tempel.

Im Tempel angelegt, erfährt der Spieler, dass sich die Truppen des Bösen gemäß der Elemente Feuer, Eis, Luft und Erde in vier Fraktionen aufteilen, die jeweils eine eigene Domäne innerhalb des Tempels besitzen und miteinander konkurrieren. Die Gruppe muss sich durch weitere Aufträge Zugang zu Hedrak, dem Anführer des Tempels, erarbeiten. Der Spieler steht vor der Entscheidung, Hedrak zu töten oder in dessen Auftrag den Hügelriesen Scoorp zu töten. Entscheidet er sich für letztere Option, wird er in die Reihen des Tempels aufgenommen und das Spiel beendet. Tötet er Hedrak, erhält Zugang zu den vier elementaren Knoten, die jeweils einen Edelstein beherbergen. Diese lassen sich in ein mächtiges Artefakt einsetzen. Es folgt die abschließende Konfrontation mit Zuggtmoy, die zu drei unterschiedlichen Finalvarianten führt: Zuggtmoy wird für 66 Jahre gebannt Zuggtmoy wird endgültig vernichtet Zuggtmoy wird verschont und die Abenteurergruppe reichlich belohnt

Spielprinzip Der Tempel des Elementaren Bösen ist ein gruppenbasiertes Rollenspiel, das aus einer isometrischen Überblicksperspektive gespielt wird. Die Steuerung erfolgt indirekt mit Maus und Tastatur über eine Point-and-Click-Benutzeroberfläche. Es ist das erste Computerspiel, das auf der Regelwerksedition 3.5 von Dungeons & Dragons basierte, die dazu vom Entwickler nahezu vollständig und wortgetreu umgesetzt wurde. Zu Beginn des Spiels erstellt oder wählt der Spieler eine fünfköpfige Heldengruppe, zu der im Laufe des Spiels bis zu drei weitere, computergesteuerte Charaktere hinzustoßen können. Diese kann der Spieler zwar ebenfalls steuern, doch sie verlangen Anteil an der im Spiel gefundenen Beute, den sie sich automatisch sichern. Die Charaktererstellung folgt dem D&D-Regelwerk. Die sechs Grundattribute (Stärke, Geschicklichkeit, Intelligenz, Weisheit, Geschicklichkeit, Charisma) werden ausgewürfelt, wobei die Würfe im normalen Schwierigkeitsmodus bei Nichtgefallen wiederholt werden können. Die restlichen Fertigkeiten werden nach einem Point-Buy-System erworben, d. h. der Spieler investiert eine vorgegebene Zahl von Punkten in die gewünschten Fähigkeiten. Das Spiel besitzt zusätzlich einen speziellen Schwierigkeitsmodus mit der Bezeichnung Ironman, in dem der Spieler bei der Charaktergenerierung nur einmal die Möglichkeit erhält, die Werte seines Charakters auszuwürfeln. Weiterhin besitzt der Spieler in diesem Modus nur einen Speicherstand. Stirbt ein Charakter im Ironman-Modus, kann er nicht mehr ins Leben zurückgeholt werden.

Die Spielwelt setzt sich aus verschiedenen Einzelkarten zusammen, zwischen denen der Spieler mit seiner Heldengruppe hin- und herreist. Die Erkundung der Spielwelt verläuft in Echtzeit, das Kampfsystem hingegen ist rundenbasiert. Die Zugreihenfolge ergibt sich hierbei anhand der Charakterwerte der Figuren und Kreaturen, dem sogenannten Initiative-Wert. Statt der für Rundenkämpfe verbreiteten Quadrat- oder Hexfeld-Aufteilung arbeitet Der Tempel des elementaren Bösen mit einem System aus kreisförmigen Aktionsradien. Die D&D-typische Gesinnung (gut, neutral, böse), die zu Beginn des Spiels für die Heldengruppe festgelegt werden muss, bestimmt darüber, welche Gesinnungstypen Mitglied der Heldengruppe werden können, und hat gewissen Einfluss auf Einstieg und Abschluss des Spiels sowie die angebotenen Aufgaben. Für das Erledigen von Aufträgen und das Töten gegnerischer Kreaturen erhält der Spieler rollenspiel-üblich Erfahrungspunkte. Bei Erreichen gewisser Punktestufen erfolgt ein sogenannter Stufenaufstieg (Level up), durch den ein Charakter aufgewertet werden kann und etwa neue Fähigkeiten erlernen oder bestehende Fähigkeiten ausbauen kann. Die Stufenobergrenze des Spiels liegt bei Level 10.

Entwicklung Der Tempel des Elementaren Bösen wurde am 9. Januar 2003 unter dem Titel Greyhawk: The Temple of Elemental Evil angekündigt. Es war nach Arcanum: Von Dampfmaschinen und Magie das zweite Projekt des Entwicklungsstudios Troika Games und entstand im Auftrag des damaligen D&D-Softwarelizenzinhabers Atari. Es nutzt für die Darstellung eine Kombination aus zweidimensionalen, vorgerenderten Hintergründen, vor denen die in 3D animierten Spielfiguren interagieren. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der Arcanum-Engine. Das Spiel orientiert sich sehr nahe an der Rollenspiel-Vorlage und erweiterte diese lediglich um einige Nebenquest-Szenarien und einen größeren Umfang der zentralen Ortschaft Hommlet, um mehr Abwechslungsmöglichkeiten für den Spielen bieten zu können.

Troika bekam die Vorgabe, das Spiel innerhalb von zwei Jahren zu entwickeln. Effektiv wurde es innerhalb von zwanzig Monaten fertiggestellt. Die Entwicklungsarbeiten begannen offiziell am 1. Februar 2002, mit einem ursprünglich geplanten Abschluss der Arbeiten am 1. Juni 2003. Troikas Entwicklungsteam bestand aus 14 Personen, unterstützt durch einige Praktikanten und externe Auftragsarbeiten. Ziel war von Beginn an eine möglichst detailgetreue Umsetzung des D&D-Regelwerks und ein Spielprinzip ähnlich klassischer Rollenspiel-Titel wie The Bard’s Tale und Wizardry. Allerdings sah das Konzept ursprünglich eine Anpassung an die Regelwerksversion 3.0 vor und wurde erst später auf 3.5 umgestellt, nachdem Troika erfahren hatte, dass die Veröffentlichung der neuen Regelwerksversion unmittelbar bevorstand. Für diese Anpassung wurde der Entwicklungszeitraum in Absprache mit Atari um zwei Monate bis zum 1. August 2003 verlängert. Die Arbeiten verzögerten sich jedoch, sodass Troika erst am 30. August 2003 die fertige Fassung des Spiels einreichte.

Neben der Aktualisierung des Regelwerks wurde der Spielumfang im Vergleich zum ursprünglichen Konzept in einigen weiteren Punkten erweitert. So entwickelten einige engagierte Entwickler in ihrer Freizeit das einführende Tutorial, um Einsteigern das komplexe Regelwerk näher zu bringen. Das umfangreiche, mit Hyperlinks arbeitende Hilfemenü und die Bildschirmausgabe der im Hintergrund ablaufenden Würfelwürfe wurden ebenfalls im Verlauf hinzugefügt, die Zahl der Zaubersprüche von 82 auf 223 erhöht. Bereits zu Beginn der Entwicklungsarbeiten entstand zudem die Idee der unterschiedlichen Startpositionen und Einstiegsmotivationen, je nach Gesinnung der Heldentruppe, für die neun zusätzliche Karten und Dialoge erstellt werden mussten. Während des gesamten Entwicklungszeitraums hatte Entwickler Troika mit der Einhaltung der veranschlagten Entwicklungszeit und der Liefertermine für die Projektmeilensteine zu kämpfen. Insbesondere für eine ausführliche Fehlersuche fehlte es an zusätzlicher Entwicklungszeit, trotz zweier weiterer Entwicklungsmonate und Überziehung dieses Zeitkontingents. Im Vergleich zur Ausgangsmaterial mussten besonders gegen Ende des Spiels einige Anpassungen vorgenommen werden, die sich für das Computerspiel nicht sinnvoll umsetzen ließen. Daher gibt es Anpassungen beim Leveldesign und der Zusammenstellung der Kämpfe.

Ursprünglich angekündigt zur Veröffentlichung in den USA am 2. Oktober 2003 und in Deutschland Ende November, vermeldete Publisher Atari überraschend bereits am 4. September 2003 die Fertigstellung der Entwicklungsarbeiten. Die Veröffentlichung wurde entsprechend vorgezogen und das Spiel erschien in den USA somit bereits am 16. September, in Europa am 2. Oktober. Zuvor wurde am 10. September eine offizielle Demo des Spiels veröffentlicht.

Die Erstveröffentlichungsversion litt unter erheblichen Programmfehlern, die auch durch drei im Laufe der Zeit veröffentlichten Patches nicht vollständig behoben werden konnten. Erst durch einen von der Fangemeinde erstellten, sogenannten Community-Patch wurden zahlreiche weitere Probleme behoben.

Rezeption +Wertungsspiegel Deutschsprachige Wertungen Publikation Wertung 4Players 70 % Computer Bild Spiele Note 2,12 Gamecaptain 83 % GameStar 74 % GBase 8,0 von 10 Krawall.de 76 % Looki 82 %Looki.de: PC Games 79 % Internationale Wertungen CGW 2,5 von 5 GameSpy 4,5 von 5 GamePro (US) 4,5 von 5 Game Informer 7 von 10 GameSpot 7,9 von 10 Gamezone (US) 8,4 von 10 IGN 7,5 von 10 PC Gamer (US) 79 %Metawertungen GameRankings 70,88 % Metacritic 71 von 100

Rezensionen Der Tempel des Elementaren Bösen erhielt mehrheitlich positive, wenngleich zurückhaltende Bewertungen (GameRankings: 70,88 %GameRankings: , basierend auf 23 Wertungen. Abgerufen am 26. November 2012. / Metacritic: 71 von 100Metacritic: Durchschnittliche Wertung des Spiels, basierend auf 24 Artikeln. Abgerufen am 26. November 2012.). Unter anderem litt die Verkaufsversion unter erheblichen Programmfehlern, die die Veröffentlichung dreier Patches notwendig machten und selbst danach nicht vollständig behoben waren. Das Spiel wurde insgesamt als sehr komplex eingestuft.