mini|Luftaufnahme (2016)Das Fort Großfürst Konstantin ist ein 1827/28 fertiggestelltes Außenwerk der preußischen Festung Koblenz auf der Karthause. Es gehörte zum Verteidigungssystem der benachbarten Feste Kaiser Alexander und diente der Sicherung der Höhen südwestlich der Stadt. Die Anlage ist weitgehend erhalten und steht heute unter Denkmalschutz.

Geschichte Vorgeschichte mini|Das Karthäuser Kloster in 1789

Als Teil der preußischen Großfestung Koblenz wurde das Fort Großfürst Konstantin auf dem äußersten Bergsporn des Hunsrücks südwestlich der Koblenzer Innenstadt auf einer Höhe von 110 Meter errichtet. Es handelt sich dabei um ein vermutlich bereits im 9. Jahrhundert besiedeltes Areal, auf dem zuletzt ein Kloster der Kartäuser stand. Am 23. Juni 1818 erwarb der preußische Staat von dem aus Niedersachsen stammenden Kaufmann Christian Seidensticker für 47.222 Taler (85.000 Rheinische Gulden) das frühere Kloster, den Berghof und den dazugehörigen Grundbesitz. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Klosteranlage noch aus acht Gebäuden. Vgl. ausführlich über den Verkauf:

Errichtung mini|Gemälde von C. F. Stanfield (1838) mini|System Feste Alexander in einem Plan der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein aus den 1880er Bereits im Sommer 1816 wurde das Kloster als Kaserne für Pioniereinheiten genutzt, die an der Errichtung der nahe gelegenen Feste Kaiser Alexander beteiligt waren. Nach deren Fertigstellung begann Ende 1821 der Abbruch erster Teile der Klosteranlage. Auf der Grundlage einer Projektierung des Festungsingenieurs Heinrich Ferdinand Schuberth wurde 1822 mit dem Bau des Kasemattenkorps begonnen; 1823 folgte die Anlage der Fundamente des Kehlturms. Im Jahr 1824 wurden die übrigen Klostergebäude mit Ausnahme des Prioratsgebäudes abgerissen. Während eines Besuchs am 12. September 1825 verlieh der preußische König Friedrich Wilhelm III. dem Bauwerk zu Ehren des anwesenden russischen Großfürsten Konstantin Pawlowitsch den Namen Fort Großfürst Konstantin. Bis 1827 waren die Bauarbeiten am Fort weitgehend abgeschlossen. Im Jahr 1828 wurde auch das bis dahin noch als Unterkunft genutzte Prioratsgebäude abgebrochen; auf dessen Fundamenten entstand eine Kriegsbäckerei.

Mit der Ausführung der Bauarbeiten waren neben dem Ingenieur-Hauptmann Heinrich Ferdinand Schuberth mehrere Ingenieur-Offiziere betraut. Als Ingenieurleutnant war zunächst August Wilhelm Beyse tätig, der unter Schuberth sowie dem anschließend eingesetzten Ingenieur-Hauptmann Friedrich Peter Favreau (* 16. Februar 1793 in Berlin; † 12. Januar 1866 in Magdeburg) arbeitete. Favreau war 1815 aus den Freiwilligen Jägern in das preußische Ingenieurkorps eingetreten und wurde in den Jahren 1823 und 1824 in Koblenz verwendet. In der späteren Bauphase wirkten die Ingenieurleutnante Ludwig Gärtner und Johann Wilhelm von Metzen an der Ausführung mit. Gärtner stand dabei unter dem Kommando von Oberst Johann Carl Magdalena von Vigny, der von 1823 bis 1831 die Leitung hatte. Von Metzen war in den Jahren 1831 bis 1832 am Fort tätig.

Als letzte größere Baumaßnahme entstand 1862/63 unter Verwendung eines alten Klosterkellers das zweite Kriegspulvermagazin.Weber, S. 197–198, 202; Wischemann, S. 87–88.

Garnison Seit 1831 waren das Kasemattenkorps und seit 1850 der Kehlturm zur Truppenunterkunft hergerichtet worden. Weshalb Engelke davon ausgeht, dass das Fort seitdem dauerhaft „bewohnt blieb“. Jedoch lässt sich weder in den fraglichen Regimentsgeschichten noch in den Adressbüchern der Stadt und des Regierungsbezirks Koblenz ein Hinweis auf dort stationiert gewesene Einheiten nachweisen. Lediglich Wischemann behauptet, dass im Fort zeitweise die Musiker (also das 42 Mann starke Musikkorps) des Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 untergebracht waren.Wischemann, S. 87. Tatsächlich weist die ausführliche Chronik dieser Einheit dort nur die Regimentskammer und Handwerkstätten nach. Wahrscheinlich wurde das Fort daher bis etwa 1910 lediglich als Regimentslager und Werkstatt (beispielsweise für Büchsenmacher und Schneider) von den auf der Feste Kaiser Alexander stationiert gewesenen Einheiten genutzt. Zudem befanden sich dort nachweislich Büros der Fortifikationsverwaltung. Die drei Anfang der 1870er Jahre an der Zufahrt zum Fort errichteten Baracken, die bereits 1878 durch einen einzigen Holzschuppen ersetzt wurden,Kleber, S. 31. waren nicht zur Truppenunterkunft vorgesehen.

Aufgabe und Teilzerstörung 1886 erfolgte für die gesamte Großfestung Koblenz die Rückstufung als Festung der 2. Linie, deren Bauzustand nur noch zu erhalten sei. Am 23. Januar 1900 wurde das Fort aufgelassen und am 27. Januar 1903 als Befestigung aufgegeben. Etwa 1910 errichtete man entlang der gesamten Innenfassade einen 2,5 Meter breiten hölzernen Galeriebau, um das Kasemattenkorps besser für Unterkünfte, Werkstätten und Büros nutzen zu können. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg bestand vor allem Frankreich auf der völligen Zerstörung der Koblenzer Befestigungsanlagen. Am 13. Februar 1922 erging der Beschluss zur vollständigen Schleifung des Forts Großfürst Konstantin. Da die Anlage aber ähnlich wie die Feste Ehrenbreitstein prägend für das Koblenzer Stadtbild ist, stellte das deutsche Entfestigungsamt einen Antrag auf Erhalt des Forts, dem die Alliierten letztlich zustimmten. Von April bis Ende August 1922 wurden daher nur die beiden Kriegspulvermagazine sowie die Kriegsbäckerei beseitigt, der Verbindungsgang zur Feste Kaiser Alexander zerstört, die Erdabdeckung auf dem Dach des Kasemattenkorps entfernt und der Hauptgraben zugeschüttet.

Zweiter Weltkrieg mini|Überbunkerte Kasematten und Haupttor vom Innenhof aus fotografiert Der Koblenzer Polizeipräsident, SA-Brigadeführer August Wetter, der selbst unweit des Forts eine große Villa in der Simmerner Straße Nr. 50 bewohnte, ließ am 25. September 1944 seine Befehlsstelle in den Kehlturm des Forts verlegen. Zuvor war zum Schutz vor den alliierten Luftangriffen seit Juli 1944 im nördlichen Teil des Kasemattenkorps ein dreigeschossiger Luftschutzbunker mit einer 2 Meter starken Betondecke eingebaut worden. Vermutlich wurde dabei der hölzerne Galeriebau an der gesamten Innenfassade wieder entfernt. Des Weiteren waren mehrere Stollenbunker für die Bewohner der umliegenden Häuser sowie die Reisenden des Hauptbahnhofes vorhanden. Drei befinden sich in der Felsenwand unter dem Fort zur Simmerner Straße hin. Ein weiterer, noch aus preußischer Zeit stammender Stollen verläuft direkt unterhalb des Kehlturms. Sein Eingang liegt an der Ostseite des Turmschafts. Mit zunehmender Zerstörung der Innenstadt wurde Ende November 1944 das Luftschutzwarnkommando in die Bunkeranlage umquartiert. Es blieb dort bis Anfang März 1945. Am 17. März 1945 begann der Angriff des III. Bataillons, Infanterie-Regiment Nr. 345 der 87. US-Infanterie-Division von der Hunsrückhöhenstraße aus auf die Karthause sowie über die Stadtteile Moselweiß und Goldgrube auf die Innenstadt. Der Eckpfeiler der Verteidigung und damit auch der letzte deutsche Widerstand im linksrheinischen Teil der Stadt war in diesem Bereich das Fort Konstantin. Nach heftigem Artillerie- und Panzerbeschuss ergab sich die Besatzung (fünf Offiziere und 70 Mann) unter dem Kommando von Hauptmann Franz Josef de Weldige-Cremer am 19. März.

Nachkriegszeit mini|Kasemattenkorps (1991) mini|Toranlage nach Brand (1994) Bereits kurz nach Kriegsende bis März 1972 diente das Fort als Notunterkunft für ausgebombte und geflüchtete Familien. Danach wurden die Fensteröffnungen und das Haupttor zugemauert. Die vermüllte Anlage verfiel zunehmend. Häufig kam es zu Brandstiftungen. 1985 brannte ein illegales Reifenlager in der Kriegsbäckerei, und wenig später zerstörte ein Feuer das Holztor am Haupteingang. Lediglich der Kehlturm wurde seit Dezember 1958 noch als Standort für einen Füllsender für die Stadtteile Goldgrube und Oberwerth genutzt. Bei einer langjährigen Sanierung des Turms im Zuge des Ausbaus der B 9 mussten 1985 tiefe Risse in tragenden Teilen verfüllt und Decken durch Beton und Stahlanker stabilisiert werden. 1987 erhielt der Turm einen neuen Außenputz.

Am 12. September 1993, dem bundesweiten Tag des offenen Denkmals, wurde der Verein PRO KONSTANTIN e. V. gegründet. Ziel war es, den fortschreitenden Verfall der Anlage aufzuhalten und das Fort langfristig einer Nutzung zuzuführen. Am 11. September 1994 konnte es erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In den ersten Jahren konzentrierten sich die Aktivitäten auf Sicherungs- und Freiräumungsmaßnahmen. Vereinsmitglieder legten in Eigenarbeit Gebäudeteile frei, entfernten Schutt aus den Kasematten sowie Bewuchs von den Dachflächen und machten den stark überwucherten Innenhof wieder zugänglich. Auch die Kellerräume der ehemaligen Kriegsbäckerei wurden freigelegt. Zur Sicherung des Forts wurden Zugänge verschlossen und gegen Vandalismus geschützt.

Ab Mitte der 1990er Jahre wurde die Instandsetzung durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) unterstützt, die kontinuierliche Arbeiten ermöglichten. Diese reichten von archäologischen Freilegungen über bauliche Sicherungen bis hin zu Mauer-, Putz- und landschaftsgestalterischen Maßnahmen. Eine bedeutende Einzelmaßnahme war die Sanierung des Daches des Kasemattengebäudes, die wesentlich zum Erhalt der Bausubstanz beitrug. Im Juli 1995 wurden erste Grabfunde im Innenhof gemacht. Im Zuge der Wiederherstellung des preußischen Hofniveaus unter Leitung des Archäologischen Denkmalamtes konnte 1997 die Krypta der ehemaligen Klosterkirche sowie der ursprüngliche Fußboden und große Teile der Backöfen im Gewölbekeller der Kriegsbäckerei freigelegt werden.

Parallel dazu wurde das Fort schrittweise wieder für die Öffentlichkeit erschlossen. Bereits ab 1994 fanden erste Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die das öffentliche Interesse steigerten. Um das Jahr 2000 wurden erste Räume dauerhaft nutzbar gemacht und ein Führungsbetrieb eingerichtet. Im Zuge der Entwicklung eines Nutzungskonzepts kam es Ende der 1990er Jahre zu einer funktionalen Aufteilung der Anlage: Der Kehlturm wurde für museale Zwecke hergerichtet und wird seit 2000 vom Arbeitskreis Koblenzer Karneval (AKK) als Rheinisches Fastnachtsmuseum genutzt, während der Verein PRO KONSTANTIN e. V. die übrigen Bereiche des Forts betreut und weiterentwickelt. Nach dem Ende der ABM-Förderung im Jahr 2003 mussten die Arbeiten in ihrem Umfang reduziert werden.

2005 begann die Restaurierung von Fenstern und Außentüren im Südflügel des Kasemattenkorps. Das restaurierte und teilweise rekonstruierte Haupttor konnte im November 2007 wieder eingebaut werden. Durch eine weitere Brandstiftung kam es am 5. Januar 2013 zu einem größeren Schaden im Ausstellungsbereich des Vereins. In der Bunkeranlage befindet sich seit 2015 die Dauerausstellung Koblenz im Zweiten Weltkrieg.

Baubeschreibung mini|Karte der Feste Alexander mit dem Fort Konstantin am oberen linken Eck der Grafik von 1888

Das Fort Großfürst Konstantin übernahm innerhalb des Systems Alexander vor allem die Aufgabe, die steilen Abhänge des Karthäuser Plateaus zum Rhein und der Mosel hin abzusichern. Dabei deckten die Kehlturm-Geschütze einen Bereich ab bis etwa zur Mitte der Insel Oberwerth auf der Rhein- und bis fast zum Kemperhof auf der Moselseite. Zudem sicherten die Geschütze im Kasemattenkorps die Rückfront der Feste Kaiser Alexander, während die offene Geschützstellung auf der Kriegsbäckerei die Rheinebene beherrschte.

Das Fort besteht aus dem dreiflügligen Kasemattenkorps auf der Südwestseite mit anschließendem Innenhof, von dem eine Rampe im Norden zu einem etwas niedriger gelegenen Plateau mit den Fundamenten des ehemaligen Pulvermagazins führt und einem Verbindungsgang (gedeckter Weg) zum Kehlturm, einer Kaponniere am Fuße des Berges. Über dem Weinberghang an der Ostseite erhebt sich die Kriegsbäckerei. Die Nordseite mit dem Luftschutzbunker liegt an einem felsigen Steilhang.

Kasemattenkorps mini|Linker Teil des Kasemattenkorps