Die Burgen in Meßstetten sind mehrere abgegangene Burgen im Hauptort der Stadt Meßstetten im Zollernalbkreis (Baden-Württemberg). Die Meßstettener Burgen gehören zu einer Burgengruppe der Tierberger Herrschaft, die neben den Meßstettener Burgen aus der Burg Hossingen sowie den Burgen Wildentierberg, Neuentierberg und der Stammburg Altentierberg besteht. mini|hochkant|Wappen der Herren von Tierberg mini|hochkant|Wappen der Hohenberg in der Zürcher Wappenrolle (ca. 1340)
Namen der Burgen und Geschlechter
Der Heimatforscher und Pädagoge Hermann Krauß ging davon aus, dass alle Meßstetter Burgen/Wohntürme Tierberg genannt wurden und durch einen Namenszusatz von anderen Burgen unterschieden wurden. Also könnte beispielsweise die Burg zum Neuen Tierberg am Bschorner Weg, Stein oder See genannt worden sein. 1380 wird ein Berthold B(e)schornen von Schwenningen in Urkunden des Klosters Beuron erwähnt. Hermann Krauß orientiert sich 1988 am damaligen Stand der Forschung zur Burg Wildenstein im Donautal mit mehreren kleineren Burgen in deren näherer Umgebung, den ehemaligen Burgen Altwildenstein, Unterwildenstein, Wildensteiner Burg Hexenturm und Wildensteiner Burg Hahnenkamm.
Der heute wegen der von Blindgängern ausgehenden Gefahren nicht mehr zugängliche Burgstall300 Zivilisten auf dem Truppenübungsplatz. In: Schwarzwälder Bote, Meßstetten, 30. August 2010. Schlössle ist in alten Karten hinter dem Sendeturm Kählesbühl über einem flachen Tal zwischen Zitterboch und Feldboch verzeichnet. Die Grundmauern des Wirtschaftshofes liegen in der Panzerschießbahn auf der Gemarkung von Meßstetten am historischen Bschorner Weg. Die Stadt Meßstetten musste 1909 fast 40 Prozent ihrer Gemarkungsfläche für den Truppenübungsplatz Heuberg an den Reichsfiskus verkaufen.Wilfried Groh (wgh): . In: Zollern-Alb-Kurier vom 30. September 2009. Die Burg im Hülbgässle wurde vermutlich im 13. Jahrhundert von den Herren von Meßstetten (seit 1251 erwähnt) erbaut. Sie lag auf dem Territorium der Scherragrafschaft. Propst und Konvent von Beuron verkaufen 1369 ihrem Mitkonventualen, dem Priester Berthold von Meßstetten, ein Leibgeding „aus des Klosters Gütern“. Berthold hat längere Zeit die Klostergüter im Breisgau verwaltet und dem Kloster eine reiche Stiftung gemacht. Von 1389 bis 1404 war er Propst. Er ist anscheinend in Freiburg gestorben, denn das Jahr seines Todes wollen die Konventualen einem Brief aus Freiburg vom Jahre 1405 entnommen haben. Aus der Familie der Burgherren wirkt ein Berthold von Meßstetten 1337 als Propst von St. Max bei Geweiler im Elsass. 1374 Hans von Meßstetten als Schultheiß von Ebingen.Bestand A 602 Nr 6601 auf Landesarchiv-BW.de
1327 erwirbt Kunz (Vater: Konrad von der Altentierberg) eine jetzt Neuentierberg genannte Burg mit allem Zubehör bei dem Hof von der Familie von Bubenhofen, aber ohne den Kirchensatz zu Lautlingen, ohne Meßstetten (Stetten) und etliche Leibeigene. 1345 und 1347 erfolgt ein Verkauf mit Hossingen, Tieringen und Meßstetten an Heinrich von Tierberg. Heimatforscher Krauß vermutete, dass Ritter Heinrich von Tierberg genannt Haiterbach seinen Besitz in Haiterbach verkauft und dafür seine neue Herrschaft erworben hatte, deren Mittelpunkt Meßstetten war. Bereits in Julius Kindler von Knoblochs Ende des 19. Jahrhunderts erschienenem Oberbadischem Geschlechterbuch wurde der Ort Haiterbach dem Beinamen dieser Seitenlinie der Herren von Tierberg zugeordnet.Oberbadisches Geschlechterbuch, S. 223. Digitalisat, UB Uni Heidelberg
Die St. Lamprechtskirche in Meßstetten wird von Heinrich und Burkhard von Tierberg unterstützt.Bestand A602 NR6736 = WR6736 auf Landesarchiv-BW.deLandesarchiv Baden-Württemberg, Bestand A 602: Württembergische Regesten, Weltl. und geistliche Ämter, Balingen G. V. (Stand 2012) 1360 stiftet der Burgherr eine Jahrzeit für sich, seine Vorfahren und Nachkommen in der Kirche zu Meßstetten (St. Lamprecht, nach Erdbebenschäden 1911 weitgehend erneuert), wo seine Mutter, seine Frau und drei Schwestern begraben sind.Bestand A 602 auf Landesarchiv-BW.de 2016 wurden bei Bauarbeiten Gräber im Kirchenraum der Lamprechtskirche gefunden und dokumentiert.Christoph Holbein: Lamprechtskirche. In: Schwarzwälder Bote, 28. Oktober 2016.
Das Kloster Margrethausen wurde 1338 durch den Ortsherren Konrad von Tierberg als Franziskanerinnen-Kloster gestiftet. Die Klause erwarb von der Haiterbachlinie der Herren von Tierberg auf der Burg Meßstetten nacheinander eine Reihe von Meßstetter Hofgüter. Der Klosterbesitz umfasste fünf Meßstetter Lehenshöfe, 168 Jauchert Ackerland und 104 Mannswahd Wiesen. mini|hochkant|Evangelische Lamprechtskirche Meßstetten
1370 kam die Herrschaft Meßstetten an die Wildentierberger Linie. Die Brüder Hans Rudolf und Hans Konrad von Tierberg von der Wildentierberg beurkunden eine Übereinkunft wegen der geistlichen Lehen zu Ebingen, Lautlingen, Margrethausen und Meßstetten (Stetten). 1418 verkauft Konrad von Hölstein Tieringen, Meßstetten und Hossingen an Württemberg, behält aber sein Haus in Tieringen.Bestand A602 Nr 6627=WR6627 auf Landesarchiv-BW.de Die Herren von Meßstetten waren Ministeriale der Grafen von Hohenberg.Meßstetten bei leo-bw.de
Im Ebinger Lagerbuch von 1561 wird ein alter Zoll erwähnt. Die Bewohner der Burg sind als Bürger von Meßstetten vom Zoll befreit. Die Einwohner der hinter der Burg Meßstetten gelegenen Orte Schwenningen, Stetten am kalten Markt, Hartheim, Glashütte und Heinstetten erkauften die Zollbefreiung für den Ebinger Markt. Jeder Haushaltsvorstand lieferte ein Viertel Korn, das sogenannte Zollkorn.
Bergbau Die auf der Alb vorkommenden Bohnerze wurden im Umfeld der Burg Meßstetten verhüttet. Die Adelsfamilien waren tief in die Auseinandersetzungen der damaligen Zeit verstrickt und bestrebt, in den Kämpfen zwischen König und Gegenkönig, Kaiser und Papst, ihre eigene Machtbasis zu erhalten. Betrachtet man die Geschichte der Stauferzeit, des Investiturstreits, der ja zum großen Teil in Schwaben ausgetragen wurde, und die wechselnde Parteinahme der schwäbischen Adelsgeschlechter – mal zu Gunsten des Kaisers, mal des Papstes –, möchte man folgende Hypothese wagen: Um in diesem Streit mithalten zu können, mussten die ortsansässigen Adelsgeschlechter alle Reserven mobilisieren. Dies verhalf auch den Erzlagerstätten des Albvorlandes zu neuer Bedeutung. Das Ende der mittelalterlichen Eisenproduktion fällt zeitlich mit dem Aufstieg des Hauses Württemberg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zusammen. Später wurde in Wehingen, Thiergarten und Ludwigsthal die Erze verhüttet. Untersuchungen der Schlacke historischer Eisenschmelzen im Bereich der Schwäbischen Alb zeigen einen neuen Kleinschmelzofentyp, der seit dem 13. Jahrhundert effektiver arbeiten konnte.Rennofen. In: Reutlinger Generalanzeiger, 22. Mai 2007.Martin Kemp: Mittelalterliche Eisenhütten, Schwäbisch Gmünd.
Nach einer der Burgen ist das Schulzentrum Burgschule/Skistraße benannt. Auch eine schmale Gasse bei der früheren Hülbe wird Burg genannt. Im Truppenübungsplatz liegt der Burgstall Schlössle hinter dem Schlossberg.
Besatzung durch wehrpflichtige Meßstetter Bürger mini|Salpetergewinnung um 1580
Laut der Musterungsliste, ab dem Jahre 1521 erhalten, obliegt den Meßstetter Milizsoldaten die Sicherung der Burg auf dem Schlossberg, zugleich Sperrwerk des Bschorner Weges.Bestand A 28 aBd M 21 auf Landesarchiv-BW.de Die Namen der Soldaten sind überliefert: Hans Bartlin, Ludwig Bechthold, Caspar Bechthold, Hans Bippeler, Auberlin Blocker, Balle Bucher, Andreas (auch Enderlin)Bestand A44 U116a auf Landesarchiv-BW.de Decker, Caspar Decker, Batt Decker, Lentzin Decker. Aus diesem Geschlecht wird eine Agnesa Decker 1587 in Rottweil durch Verbrennung hingerichtet. Der Rat der Stadt Rottweil hat am 15. April 2015 einen Beschluss zur sozialethisch-moralischen Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse gefasst.nrwz.de: Andreas Dentzel, Gallin von (Gersten) Eck(hern), Melchior FreyderBestand A 44 U116a auf landesarchiv-bw.de Bastian (auch Balthasar) Freyder (Nebenform: Fraider), Thomann Fritz, Stefan Jörg (sen), Stefan Jörg (jun), Lorentz Kiesinger, Knall Hans, Blein Heinzelmann, Jakob Hirt, Lenhart Hirt, Hans Kästle, Stefan Kästle (ein Stephan und Jäcklin Kästlin ist nach dem Bauernkrieg ausgetreten, also geflohen).Casimir Bumiller: Das Amt Balingen und das südliche Württemberg im Bauernkrieg von 1525. In: Heimatkundliche Blätter. Herausgegeben von der Heimatkundliche Vereinigung Balingen, Jg. 2025. Auberlin Kienle, Adam Kienle (sen), Adam Kienle (jun), Auberlin Klockner, der Landöß, Stefan Löffler (nach Gerichtsverhandlung ausgeschieden) der Mutschlenhans, Gorius Müller, Ulrich Narr (Nebenform: Barr), Ballus Pfeifer, Jakob Pfeifer, Gallin Ruß, Baltus Taler, Martin Vischer (heute: Fischer), Oswald Villing, Hans Villing, Auberlin Wolfer, Bernhart Weiß, Jakob Weber, der Weber, Bartlin Weidentaler, Peter Weidentaler, der Wurtzer. Hans Löffler wird, nachdem sein Bruder Stefan einen Forstknecht erschossen hatte, das Tragen der Wehr verboten.Bestand A 44 U 5686 auf Landesarchiv-BW.de 1709 wird die Freie Pirsch in Meßstetten abgeschafft und von 1713 bis 1806 als herzogliches Gnadenjagen wieder eingeführt.
In der letzten erhaltenen Musterungsliste von 1603 stellt Meßstetten mit dem Weiler Hossingen einen Zimmermann, vier Musketenschützen, 49 einfache Schützen, 19 Doppelsöllner (Rüstung), 45 einfache Knechte und einen Fuhrmann mit zwei Raismönchen (Zugtieren). In Meßstetten üben die Soldaten sonntags auf Schießständen. Den Salpeter für das Schießpulver stellten Salpetersieder wie der aus Tailfingen stammende Johannes Ammann und Johannes Schempp (Salzsieders Sohn, Kurzform örtlicher Dialekt Salvaiter) in Meßstetten her. 1606 lud Hans Dietrich von Westerstetten zum Wettschießen nach Lautlingen. 1627 stiftete Frau von Westerstetten ein Paar Hosen für den besten Schützen. Auch auf Schloss Werenwag finden Wettschießen statt. Büchsenschießen zu Trochtelfingen 1564: Der Graf stiftete 10 Gulden. Neun Schüsse in drei Umgängen auf drei schwebende Scheiben, die von Zweck und Nagel (Mittelpunkt) aus nach allen Seiten ungefähr zehn Ellen weit, 250 Schritt Abstand hatten.
Die Wohnungen der Bediensteten Die Knechte wohnten in der hiesigen Gegend in stadtähnlich aneinandergereihten bescheidenen Seldnerhäusern mit Ettertor auf kleinen zugeteilten Ödlandparzellen. In Oberdigisheim Armeleuteviertel in Frommern Granitz genannt. Später erweiterte Seldnerhäuser konnten auf der Eichhalde in der Talstraße und in Oberdigisheim erhalten werden. Somit könnte die in der Sage genannte Stadt Wangen auf die tatsächlich vorhandenen Seldnerhäuser von Saisonarbeitern, Kleinhandwerkern und Knechten von den Wirtschaftshöfen der Burgen zurückgehen. Im Herdstättenverzeichnis von 1477 werden in Nüwenghausen 18 Häuser mit Männern und sechs Knechte genannt.
Soldat Kaspar Landöß (Landeß) von Meßstetten (Stetten) und Barbara (Ba(e)rbelin) Stahel von Lautlingen (Lutlingen) beurkunden, dass sie mit Zustimmung ihres Junkers Melchior von Tierberg geheiratet haben, dem die Ausstellerin mit Leibeigenschaft verpflichtet und zugehörig ist. Die Aussteller versprechen, dass Barbara Stahel und die von ihr geborenen Kinder jeder schriftlichen und mündlichen Aufforderung ihres Junkers Melchior von Tierberg Folge leisten werden, sich wieder unter seine Herrschaft zu begeben, wie es Leibeigene ihren Leibherren mit Fastnachtshennen und anderem schuldig und pflichtig sind.Bestand Dep. 38 T 1 auf Landesarchiv-BW.de
Mit dem Wohnort in Meßstetten waren auch Pflichten verbunden. So sind nach der Beschädigung der Schalksburg 1464 von Meßstetten, Oberdigisheim, Hossingen und Tieringen Frondienste zu leisten.
Die Gemarkung der Burg auf dem Schlossberg Die eingezäunten Zelgen der Dreifelderwirtschaft waren das Saibenried, Lange Gerberten und Reisbühl. Die Ösche Paffental, Heimberg und Dicker See waren mit der nicht bebauten Zelge Weideland. Sie wurde dann nach 1400 mit der Meßstetter Gemarkung vereinigt.