Das Wunder von Wolbeck ist ein Fernsehfilm aus der Fernseh-Kriminalreihe Tatort.
Der Film wurde vom WDR produziert und am 25. November 2012 nahezu zeitgleich von den Sendern Das Erste, ORF 2 und SF 1 erstmals ausgestrahlt. Er ist die 851. Folge der gesamten Tatort-Reihe und der 22. Fall mit dem von Axel Prahl und Jan Josef Liefers dargestellten Ermittlerduo Thiel und Boerne, das damit sein zehnjähriges Fernsehjubiläum beging. Die Folge ist die erste aus Münster, die in HD ausgestrahlt wurde.
Handlung Der Landarzt und Heilpraktiker Raffael Lembeck wird eines Morgens von seiner Frau Stella, die ein Drogenproblem hat, auf einem restaurierten Hof bei Wolbeck vor den Toren Münsters tot aufgefunden. Erst vor vier Jahren ist die Lehrerin aus Stuttgart nach Wolbeck in das Heimatdorf ihres Mannes gezogen. Kaum trifft die Polizei ein, flüchtet ein Unbekannter mit Akten, einem Computer und dem Inhalt des Gefrierschranks. Professor Karl-Friedrich Boerne stellt am Tatort fest, dass der Tote in seiner Praxis nach einem Schlag stürzte und daraufhin über mehrere Stunden qualvoll verblutete.
Kommissar Frank Thiel und Boerne erfahren bei ihren Ermittlungen von den Dorfbewohnern, dass es Spannungen mit der Familie Kintrup vom Nachbarhof, auf dem Lembeck bei Bauer Moritz Kintrup nicht gern gesehen war, gegeben hat, obwohl die junge polnischstämmige Dolmetscherin Milena Kintrup den Arzt sehr schätzte und früher mit seiner Ehefrau befreundet war. Diese Freundschaft ging in die Brüche, als Milena schwanger wurde und Stella Lembeck im vierten Monat ihr Kind verlor. Ruth Kintrup hingegen, die in Ostpreußen als Freifrau von Miggental geboren wurde, hat ein eisiges Verhältnis zu ihrer Schwiegertochter Milena und verdrängt offenbar Geschehnisse aus der Nachbarschaft. Aus den Streitereien zwischen seiner Mutter und seiner Ehefrau hält sich der Bauer Moritz Kintrup konsequent heraus und kümmert sich stattdessen um seine Glanrinder, eine historische Rasse, von der es nur noch etwa 2.000 Tiere gibt.
Lembecks Kumpel aus dem Dorf, die drei Brüder Krien – Gastwirt Thomas, Schlachter Bert und Elektroinstallateur Gert –, versuchen, ein dunkles Geheimnis zu verbergen. In die Dorfkneipe, die Thomas zusammen mit seiner Frau Jutta betreibt, ziehen sich die drei Brüder regelmäßig zurück, anstatt die Ermittlungen zu unterstützen. Die Kriminalbeamtin Nadeshda Krusenstern bringt ans Licht, dass das Opfer den Hof von den drei Krien-Brüdern weit unter Wert erworben hatte. Offenbar hatte er jedoch weitere 100.000 Euro schwarz und in bar an die Krien-Brüder nachgeschossen. Eine Woche zuvor waren Moritz Kintrup von seinem Hof 100.000 Euro entwendet worden. Nachdem Thiel die Krien-Brüder subtil unter Druck gesetzt hat, lenken diese ein und berichten, dass sie den Hof an Moritz Kintrup verkaufen wollten, der ihn als Alterswohnsitz für seine Mutter erwerben wollte. Diese war von der Idee ihres Sohnes indes keineswegs begeistert. Der Kontrakt wäre dennoch fast mit Moritz Kintrup zustande gekommen, wenn dieser nicht im letzten Moment das Angebot nach unten korrigiert hätte, während Raffael Lembeck sein Angebot erhöhte. Damit der Hof nicht an Moritz Kintrup fiel und dieser seine Mutter Ruth dorthin abschieben konnte, hatte Ruth Kintrup ihrem Nachbarn Raffael Lembeck 100.000 Euro zum Erwerb des Grundstücks gegeben und behauptet, ihre ungeliebte Schwiegertochter Milena habe das Geld gestohlen. Mit dieser Finanzspritze konnte Lembeck den Hof von den Krien-Brüdern erwerben.
Raffael Lembecks alternative Behandlungsmethoden, mit denen er rätselhafte Fortpflanzungserfolge aufzuweisen hatte, waren insbesondere bei Frauen so beliebt, dass vermögende Patientinnen sogar aus Übersee anreisten, um sich ihren Kinderwunsch erfüllen zu lassen. Herbert Thiel entdeckte die Strecke zwischen dem Flughafen Düsseldorf und dem Wolbecker Hof für sich als lukrative Fahrtstrecke mit dem Taxi, für die er einen Exklusivvertrag mit Lembeck aushandelte.
Die Ermittlungen treten auf der Stelle, doch den beiden ehemaligen Freundinnen Milena und Stella gelingt es, ihre Freundschaft wieder aufleben zu lassen, nachdem Stella Milenas Kind Theo akzeptiert hat. Milena fasst sogar so viel Vertrauen zu ihr, dass sie Theo in die Arme ihrer Freundin legt.
Die Stimmung zwischen Thiel und Boerne hingegen ist getrübt aufgrund offener Spielschulden in Höhe von 120 Euro nach einer Schachpartie, die Thiel trotz der ihm von Boerne gestellten Rubinstein-Falle für sich entscheiden konnte. Für die Stimmung ist es wenig förderlich, dass Haarproben, die Boerne dem Opfer unter dessen Fingernägeln entnehmen konnte, von einer Ziege gefressen werden, als Boerne seinen Wagen auf einer Weide für einen Moment aus den Augen lässt. Boerne verschweigt dieses Malheur ebenso wie die Tatsache, dass der Tote ein Hämatom auf der linken Wange aufweist, das von einem Siegelring stammt und recht deutlich die Gravur des Schmuckstücks zeigt. Um die Situation zu retten, versucht Boerne ohne das Wissen von Thiel, das Rätsel um den Besitzer des Siegelrings im Alleingang zu lösen, indem er Moritz Kintrup Einblick in die Unterlagen und Fotografien der Obduktion gibt. Thiel gelingt es derweil, Gen-Material aus Rasierapparaten, Windeln und von Schnullern zu sammeln, das Gerichtsmediziner Boerne im Labor verwerten kann. Staatsanwältin Wilhelmine Klemm ordnet daraufhin einen DNA-Test in Wolbeck an, um Vergleichsproben zu erhalten und Klarheit über die Verwandtschaftsverhältnisse der Dorfbewohner zu bekommen.
Kaum scheinen die Ermittlungen Fahrt aufzunehmen, verschwindet Theo, Milenas Baby. Stella entführte den Sohn ihrer Nachbarin, nachdem Thiel ihr mitgeteilt hat, dass ihr Mann Raffael der Vater des Kindes von Milena ist, die eine Samenspende empfing, weil ihr Mann Moritz nicht zeugungsfähig ist. Thiel und Boerne können Stella im Münsteraner Hafen stellen, wo sie auf einen hohen, stillgelegten Verladekran flüchtet. Nach einer lautstarken Auseinandersetzung mit Thiel entgleitet ihr die Windel aus den Armen und fällt zu Boden. Boerne stellt fest, dass nicht Theo im Hafenbecken gelandet ist, sondern ein Teddy. Theo befindet sich derweil unversehrt auf dem Rücksitz von Stellas Auto.
Es stellt sich heraus, dass Raffael Lembeck durch Samenspenden der drei Krien-Brüder denjenigen seiner Patientinnen zu Nachwuchs verholfen hat, deren Partner zeugungsunfähig waren. Daraufhin verlässt Jutta Krien ihren Mann Thomas.
Ruth Kintrup hatte vor Lembecks Tod einen Vaterschaftstest durchführen lassen, der Raffael Lembeck als Vater von Theo auswies. Das Ergebnis teilte sie ihrem Sohn Moritz mit. Daraufhin ging Moritz zu Raffael Lembeck, der ihm riet, sein Kind als „Wunder von Wolbeck“ anzusehen. In blanker Wut streckte Moritz den Arzt mit einem Fausthieb zu Boden. Durch den Siegelring, den Thiel und Boerne auf einem Hochzeitsfoto von Moritz und Milena Kintrup entdecken, können sie Moritz als Täter überführen. Doch auch Ruth Kintrup suchte Lembeck des Nachts auf, weil sie sich schuldig fühlte, ihrem Sohn von dem Ergebnis des Vaterschaftstests erzählt zu haben. Sie sah Lembeck verletzt am Boden liegen und ließ ihn verbluten. Ihrem Sohn teilte sie mit, dass es Lembeck gut gehe. Thiel unterstellt ihr jedoch, dass sie lediglich ihren Sohn schützen will, um selber für den Tod des Arztes verantwortlich gemacht zu werden.
Als Thiel den Verdächtigen Moritz Kintrup zum Wagen führt, gesteht Ruth Kintrup, dass sie vor etwa 40 Jahren von Eugen „Arschloch“ Krien, dem Vater der Krien-Brüder, vergewaltigt worden ist. Aus dieser Tat ist ihr Sohn Moritz hervorgegangen. Die Vergewaltigung hat sich in dem Stall abgespielt, in dem auch Lembeck starb. Es hatte nichts mit Lembeck zu tun, dass Ruth Kintrup ihn sterben ließ, sondern einzig mit dem Ort des Geschehens.
Thiel führt Moritz Kintrup ab, der seine Mutter, seine Frau und seinen Sohn auf dem Hof zurücklassen muss.
Professor Boerne fährt in dieser Folge einen in Dülmen gefertigten dunkelgrünen Wiesmann Roadster MF3 mit 343 PS.Hafenfreunde – Das Magazin für Münsters Hafen: Tatort Mittelhafen, Ausgabe 05/2012, S. 4
Stammbaum der Nebenrollen
Hintergrund
Der Film wurde an verschiedenen Orten in Münster und Köln gedreht. Die Dreharbeiten begannen am 17. April 2012. Ab dem 20. April 2012 wurde in Münster gedreht.Iris Sauer-Waltermann: in: Westfälische Nachrichten, 5. Mai 2012 Am 5. Mai 2012 wurde am stillgelegten Verladekran im Münsteraner Hafen vor dem Flechtheim- und dem Rhenusspeicher sowie dem GuD-Kraftwerk gedreht.Jennifer von Glahn: in: Westfälische Nachrichten, 7. Mai 2012Stadt Münster: Galerie Zudem wurde in Münster an der Salzstraße sowie vor der Stadtbücherei und der Lambertikirche gedreht.WDR: Und Klappe!, Aktuelle Stunde, Ralph Grimm, 5. Mai 2012 Weitere Dreharbeiten fanden in Münster-Wolbeck statt. Schließlich wurde an der Wolbecker Landstraße gedreht. Das Filmteam verbrachte zwei Drehtage in Münster.Das Kraftwerk von Wolbeck: Münster-„Tatort“ bringt die münsterländische Volksseele zum Kochen Westfälische Nachrichten, 26. November 2012 In einer Szene, in der über die Dächer der Stadt Münster geblickt wird, sind das Stadthaus, die Lamberti-, die Dominikaner-, die Heilig-Kreuz- sowie die Clemenskirche zu sehen. Die Aufnahmen, die auf dem Hof des getöteten Arztes Raffael Lembeck spielen, wurden zwei Wochen lang auf Gut Asperschlag in Niederaußem gedreht.Kölnische Rundschau: Bergheim beliebter Drehort: Der „Tatort“ auf Gut Asperschlag, Bergheim-Niederaussem, Dietmar Fratz, 26. November 2012 Hier entstand zugleich an der Dormagener Straße die Szene, in der Thiel eine Imbissbude besucht und im Hintergrund das Kraftwerk Niederaußem zu sehen ist, das bereits im Filmvorspann gezeigt wird. Die gegen Ende des Films enthaltene Szene, die Thiel und Boerne vor einer Kirche zeigt, wurde in Hüchelhoven vor der St. Michaelskirche aufgezeichnet, wo an der Nikolaus-Adams-Straße zugleich die Szenen in und vor der Dorfkneipe entstanden. Die Dreharbeiten endeten am 22. Mai 2012, abweichenden Angaben zufolge dauerten sie einen Tag länger. in: Münstersche Zeitung, 23. April 2012
Am 22. Oktober 2012 erfolgte die Vorführung in der UCI Kinowelt im Colosseum in Berlin, in der Mundsburg in Hamburg sowie in Düsseldorf.T. Blaschke: 10 Jahre Tatort Münster – „Das Wunder von Wolbeck“ in: rheinruhrfreizeit.deAnne Hemmes: UCI-Kino im Hafen: Münsteraner Tatort vorab in Düsseldorf in: Rheinische Post, 23. Oktober 2012 Tags darauf wurde der Film im Mathäser Filmpalast in München gezeigt. Am 15. November 2012 wurde die Folge in drei ausverkauften Vorstellungen im Cineplex Münster vor insgesamt 3.000 Zuschauern vorgeführt. in: Westfälische Nachrichten, 27. September 2012 Münstersche Zeitung, 27. September 2012Zusatz-Termine für „Tatort“-Premiere in: Münstersche Zeitung, 9. November 2012Tatort-Vorschau im Kino in: Westfälische Nachrichten, 10. November 2012Neuer Tatort: Wild-West in Wolbeck: 3000 Zuschauer bei der Premiere in: Münstersche Zeitung, 16. November 2012Premiere des neuen Münster-Tatorts: Tatort-Stars genießen „Das Wunder von Wolbeck“ im Kino in: Westfälische Nachrichten, 16. November 2012Annette Waschbüsch: Münstersche Zeitung, 16. November 2012 Dabei waren die Schauspieler Axel Prahl, Christine Urspruch, Lisa Feller und Claus D. Clausnitzer sowie der Regisseur Matthias Tiefenbacher zugegen.Münster4Life: Münster Tatort – Das Wunder von Wolbeck – Premiere 15.11.2012 Cineplex Münster, bei YouTube Zudem waren der Leiter der Abteilung Fernsehfilm, Kino und Serie des WDR Prof. Gebhard Henke, Redakteurin des WDR Nina Klamroth sowie die Produzentinnen Iris Kiefer und Katrin Kuhn anwesend.presseportal.de: Premiere Tatort Münster: „Das Wunder von Wolbeck“ – Einladung zum Pressefototermin, Köln, ots, Gudrun Hindersin, 8. November 2012 Sie wurden vom amtierenden Oberbürgermeister Markus Lewe begrüßt.„Tatort“: Kommissar Axel Prahl kam mit TV-Papa zur Premiere in: Münstersche Zeitung, 16. November 2012