miniatur|Pfaffenkogel mit dem Finkenhaus (rechts) und Linsbauerfelsen (links), im Vordergrund die Zweierwiese Die Malleiten ist eine Bezeichnung für die Bergkuppen und Hochflächen im Norden der Fischauer Vorberge in Niederösterreich. Die Malleiten ist etwa 2,4 ha groß. Die höchste Erhebung der Malleiten ist der Pfaffenkogel mit Seehöhe. Aufgrund der archäologischen Funde steht das gesamte Gebiet unter Denkmalschutz.

Ausdehnung Die Malleiten wird im Süden durch die Landesstraße von Bad-Fischau nach Dreistetten begrenzt. Im Norden und Westen fällt die Hochfläche relativ steil zum Marchgraben hin ab. Im Osten leitet sie sanft ins Wiener Becken über. Sie erstreckt sich (im Uhrzeigersinn) über die Gemeinden Markt Piesting, Winzendorf-Muthmannsdorf, Bad Fischau-Brunn und Wöllersdorf-Steinabrückl.

Namensgeschichte Neben der heute üblichen Bezeichnung Malleiten gibt es die älteren Flurbezeichnungen Maleiten, Malleitenberg oder Mahlleithen. Die älteste Namensform ist Mardleyten (1428). Spätere sind Marchleuthen und Marleiten (1690) oder Mattleutten (1655) oder Martleitehn (1701). Der begrenzende Marchgraben taucht als Mortgraben (1335), Martgraben (1416) und Morgraben (1530) auf.

Gipfel und Erhebungen Pfaffenkogel mini|Darstellung von 1893 von Johann Varrone für eine Ausstellung in Baden Der mit Seehöhe höchste Gipfel der Malleiten bietet einen schönen Blick über das Steinfeld. An der höchsten Stelle steht das Finkenhaus, ein ehemaliges Gasthaus, auf das die Wanderwege ausgerichtet waren. Einst befand sich hier auch die Schubert-Aussichtswarte. Heute ist das Haus in Privatbesitz und es wird kein Gastbetrieb mehr geführt (wie auch im 2. ehemaligen Gasthaus der Fischauer Berge, dem Gasthaus zum Kürassier). Das Betreten des Finkenhauses und des dazugehörigen Grundstückes ist heute nicht mehr gestattet, auf dem Zufahrtsweg herrscht Fahrverbot. Die Wegweisertafeln sind großteils entfernt worden und die Markierungen abgekratzt.

Andreasstein Ein Vorgipfel des Pfaffenkogels mit Höhe liegt innerhalb der Kehre des oben genannten Fahrwegs und ist nur weglos zu erreichen.

Töpferboden mini|Mondidol (Mondhorn) ausgestellt im MAMUZ Schloss Asparn Zwischen Marchgraben und Pfaffenkogel befindet sich der recht ebene Töpferboden, mit der Töpferwiese. Benannt ist die Wiese nach den häufigen Keramikfunden. Die bedeutendste Höhle hier ist die von Ignaz Hofmann entdeckte und nach ihm benannte Hofmannshöhle (1864/8). Ein Geheimtipp am westlichen Rand des Töpferbodens sind der Linsbauerfelsen und der Hanslstein, zwei Punkte mit schöner Aussicht. Im Marchgraben befindet sich die Zigeunerhöhle (1864/21).

Steinereben mini|Situla (Tongefäß) ausgestellt im MAMUZ Weitgestreckte Hochfläche östlich der Fiedlerwiese. Hier befinden sich der Teufelsmühlstein und die Durchgangshöhle Steinerner Stadl (1864/18). Am Rande der Hochfläche befindet sich eine große Anzahl von Höhlen, wie z. B. die Muidwurmhöhle.

Geologie Die Malleiten wird großteils von Kalksteinen und Dolomitsteinen aus der Trias gebildet.

Geschichte Im Bereich der Malleiten befand sich eine der größten ur- und frühgeschichtlichen Höhensiedlungen Österreichs, die unter anderem mit der Produktion von Bronze und Keramik in Zusammenhang stand. Die Lage auf einer Hochfläche bot natürlichen Schutz und Überblick über die Umgebung. Die Siedlung bestand in der Zeit zwischen etwa 1000 und 500 v. Chr. und wird der Urnenfelderkultur und der älteren Hallstattzeit zugerechnet. Für dieses Zentrum handwerklicher Fertigkeit ist zum Beispiel aufgrund von Kupferresten intensive Bronzegießerei und Metallverarbeitung nachgewiesen. Zahlreiche Funde (z. B. Tonscherben und -gefäße), die zum Teil im Wiener Neustädter Stadtmuseum aufbewahrt werden, zeugen davon. 14 Hügelgräber sind bereits erforscht. Derzeit finden keine neuen Grabungen statt; der Forschungsschwerpunkt liegt auf der wissenschaftlichen Auswertung des historischen Fundbestandes. Die außergewöhnlichsten Keramikfunde sind „Mondidole“, Mondhörner, die als Feuerböcke zur Ablage von Grillspießen gedient haben könnten. Daneben gibt es reiche Grabbeigaben. Einige Stücke sind im Urgeschichtemuseum MAMUZ auf Schloss Asparn ausgestellt. Die Siedlung gehört kulturell zur Kalenderberggruppe, einer regionalen Ausprägung der Hallstattkultur im östlichen Österreich. Diese Gruppe zeichnet sich durch charakteristische Keramikformen, Bilddarstellungen (etwa Jagdszenen) und metallurgisches Handwerk aus.

Römische Steindenkmäler von der Malleiten befinden sich in den Schlössern Ebreichsdorf und Hernstein.Peter Aichinger-Rosenberger u. a. (Bearb.): Niederösterreich südlich der Donau (= Die Kunstdenkmäler Österreichs. Band 8). Verlag Berger, Wien 2003, ISBN 3-85028-364-X, S. 121.

Methodik und Ablauf der Ausgrabungen Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden archäologische Bodenfunde meist nur nach materiellem Wert beurteilt. Grabungen nach Relikten der „barbarischen“ Vergangenheit waren ein Nebenerwerb der Bauern. Aus der Zeit um 1860 wird berichtet, dass „ganze Traglasten“ von Funden aus dem Bereich der Neuen Welt und Umgebung „in einer nahen Metallwarenfabrik als Altmetall verkauft und eingeschmolzen wurden.“ Durch den Goldfund von Stollhof (ca. 7 km entfernt) im Jahre 1864 haben sich die Raubgrabungen intensiviert. Man sprach von einer „beinahe krankhaften Neigung, Alterthümer zu entdecken und zu verwerten“.

Erst nach und nach wurden die Funde als wichtige wissenschaftliche Quelle erkannt. Der Lehrer Ignaz Hofmann (1857–1934), der ab 1880 am Militärwaisenhaus in Fischau unterrichtete und ein begeisterter Sammler war, erforschte ab 1884 die Malleiten und gilt als Wiederentdecker der urgeschichtlichen Höhensiedlung. Seine Sammlung prähistorischer Funde von der Malleiten stand mehrmals im Mittelpunkt von Ausstellungen z. B. in Baden im August 1892 oder 1893. Seine thematisch breite Sammlung ist nicht vollständig erhalten. Er verkaufte sie an Richard Böhmker (Museum Stillfried), der sie 1920 an das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien weitergab. Ein kleiner Teil gelangte vor dem Ersten Weltkrieg an das Stadtmuseum Wiener Neustadt. Seine frühe Erschließung im 19. Jh. erfolgte noch nicht nach modernen archäologischen Standards.

In den 1950er Jahren waren „Schatzgräber“ unterwegs. Heute wird von illegalen Sondengehern mit Nachtsichtgeräten berichtet. Der wissenschaftliche Wert dieses bedeutenden Bodendenkmals wird stetig kleiner. „Heute ist der stark gefährdete Fundplatz in weiten Teilen zerstört.“Susanne Klemm zit. n.

Literatur Georg Kyrle, Ignaz Hofmann: Sammlung Ignaz Hofmann (mit besonderer Berücksichtigung der Funde vom Malleitenberge). In: Dagobert Frey: Die Denkmale des politischen Bezirkes Baden (= Österreichische Kunsttopographie. Band 18). Wien 1924, S. 360–386 (PDF 11,5 MB). Wilhelm J. Wagner: Hohe Wand - Steinfeld. Natur-Kultur-Geschichte. Eigenverlag Verein Region Schneebergbahn-Hohe Wand-Steinfeld, Bad Fischau-Brunn, 1996 Friedrich Hönigsperger: Das alte Wöllersdorf. Heimat-Verlag, Schwarzach 2005.

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Einzelnachweise

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