Robert und Bertram ist eine deutsche Komödie und ein antisemitischer Propagandafilm des Regisseurs Hans H. Zerlett aus dem Jahr 1939.
Es handelt sich um einen Vorbehaltsfilm der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Er gehört damit zum Bestand der Stiftung, ist nicht für den Vertrieb freigegeben und darf nur mit Zustimmung und unter Bedingungen der Stiftung gezeigt werden.
Handlung Der Film spielt zur Zeit des Biedermeiers im Jahr 1839. Die fidelen Landstreicher Robert und Bertram fliehen aus dem Gefängnis und gelangen zu einem Gasthof. Hier werden sie freundlich von Lenchen aufgenommen, der umworbenen Tochter des Wirts. Ein windiger Gläubiger, Fritz Biedermeyer, bedrängt den verschuldeten Wirt, ihm Lenchen zur Frau zu geben; auch der tumbe Bauer Michel wirbt um sie, muss jedoch zum Wehrdienst.
Bei einer Hochzeit im Gasthof stehlen Robert und Bertram eine Brieftasche, finden aber statt Geld einen Brief, der Biedermeyers Machenschaften aufdeckt. Aus Dankbarkeit wollen sie Lenchen helfen, fahren nach Berlin, schleichen sich auf einer Soiree des neureichen, jüdischen Kommerzienrats Ipelmeyer ein und stehlen Schmuck. Nach einer wilden Flucht schicken sie den Schmuck dem Wirt, wodurch Lenchen frei ist. Michel kehrt als Korporal zurück, ist zum „ganzen Mann“ geworden und nimmt sie sich aggressiv zur Verlobten.
In einer nachträglich eingefügten Szene lässt der Herrscher, erkennbar Friedrich Wilhelm IV., ganz in der Manier der NS-Filme Gnade mit den „kleinen Gaunern“ walten, da sie nicht eigennützig gehandelt hätten. Gleichwohl fliehen Robert und Bertram weiter, landen als Frauen verkleidet auf einem Volksfest, werden enttarnt und entkommen in einem Fesselballon. Michel hindert die Gendarmen am Schuss, und die beiden entschweben in den Himmel, wo leicht bekleidete Engelsscharen sie freundlich aufnehmen.
Produktion Die Vorlage für den Film bildete die gleichnamige Posse von Gustav Raeder (1811–1868) aus dem Jahr 1856. Die Aufnahmeleitung hatten Rudolf Fichtner und Karl Buchholz inne. Filmbauten wurden besorgt von Erich Zander und Karl Machus. Für optische Spezialeffekte zeichnete Ernst Kunstmann verantwortlich, für Standfotos Richard Wesel. Regie-Assistentin war Elly Rauch.
Kritik Erwin Leiser zufolge gehört Robert und Bertram mit Leinen aus Irland zu den ersten der „wichtigsten antijüdischen Propagandafilme“ der NS-Zeit.Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 67. Die in die komische Handlung eingebettete „Karikatur des jüdischen Untermenschen“ illustriere die NS-Propaganda-These, dass „der Jude zwar schlau, aber nicht klug sei. Die nordische List besiegt den jüdischen Dreh!“Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 67f. Die Pointe des Films, in dem die jüdischen Figuren wie Ipelmeyer nur als grobe Karikaturen sowie tollpatschige und ungebildete Emporkömmlinge aus dem Ghetto vorkommen, bestehe darin, „daß der Jude die Zeche zahlen muß: der ‹Betrüger› ist der Betrogene“,Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 68. wobei der Film offensichtlich die Ansicht vertrete, dass es erlaubt sei, einen Juden zu bestehlen, gemäß der antisemitischen Propaganda, nach der Juden ihr Eigentum selbst nur durch Betrug und Diebstahl erworben haben können.Erwin Leiser: „Deutschland, erwache!“ Propaganda im Film des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 68f.
Das Lexikon des internationalen Films hält das „turbulente reichsdeutsche Musical“ für „treffend besetzt“, gesteht aber auch zu, dass es „einige böse antisemitische Karikaturen“ enthalte: „‚Die Juden‘ sind plattfüßig, mauschelnd, geil und geldgierig.“
Siehe auch Liste der während der NS-Zeit im Deutschen Reich uraufgeführten deutschen Spielfilme
Weblinks
Robert und Bertram bei CineGraph
Robert und Bertram in der Filmwoche Hans Schmid "Dr. Goebbels und die Weltverschwörung: Antisemitismus mit Spiel und Tanz und FSK" bei Telepolis abgerufen am 2. Oktober 2013
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1939 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Vorbehaltsfilm Kategorie:Antisemitischer Film