mini|Miltenberg, offene Regen- und Abflussrinne in der Gasse zum "Schnatterloch-Turm" Im Spessart und im Maintal hat fast jeder Ort einen Spitznamen, Utz-, Uznamen, Spottnamen, Ortsnecknamen. Er ist meistens auf eine ortstypische Tätigkeit zurückzuführen, für den es auch einen speziellen Ausdruck in der Mundart gibt.

Zweck Ortsnecknamen wurden oft von Nachbarn oder den jeweils Einheimische selbst vergeben. Sie wurden früher verwendet, um die Bewohner zu charakterisieren, die Frauen oder jungen Männer zu verspotten. Heute benennen sich Vereine und besonders Faschingsgesellschaften danach. Es ist auch eine Art Brauchtumspflege, dass manche, wenn auch kräftige und deftige Ausdrücke, in der Zukunft erhalten bleiben und nicht verloren gehen.Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Lkr. Miltenberg 2003.

Ortsneckname Altenbuch: Wildsäu Amorbach: Gowedler, Jolle, Dornscheißer, Staffelbrunzer Amorbach, OT Beuchen: Heuhüpfer Amorbach, OT Reichartshausen: Mösischkratzer (Mooskratzer) Amorbach, OT Boxbrunn: Heubooz (Vogelscheuche) Breitendiel: Ameler, Kerscheknödel, Hasenbäuerli Bürgstadt: Kreuzköpf Collenberg, OT Fechenbach: Staffelscheißer, Wasserärsch Collenberg, OT Kirschfurt: haam - haam (nach Hause - nach Hause) Collenberg, OT Reistenhausen: Üzer Dorfprozelten: haam - haam (nach Hause - nach Hause) Eichenbühl: Krummbirnsäck (Kartoffelsäcke) Elsenfeld: Sandhasen Elsenfeld, OT Eichelsbach: Höhbauern Elsenfeld; OT Rück: Rücker Krummbierndrücker Erlenbach am Main: Sandhasen Erlenbach am Main, OT Mechenhard: Berginidaner, Strohköpp Erlenbach am Main, OT Streit: Schtraadä Mistbraadä (Mistverteiler) Eschau: Kla Paris Faulbach: Bachscheißer Faulbach, OT Breitenbrunn: Petzköpp Großheubach: Böhner Großwallstadt: Hefeklöß, Matteköpp, Schollekläpperer, Pollacken Hausen: Blattköpp Kirchzell: Schluddebohne (Bohnenhülsen), Sandhasen Kirchzell, OT Breitenbuch: Remschüh (Hemmschuhe) Kirchzell, OT Ottorfszell: Talkrappe Kirchzell, OT Watterbach: Gräbbeleshüpfer Kleinheubach: Hannjörche, Hamerige Kleinwallstadt: Pollacken, Mainbrunzer Kleinwallstadt, OT Hofstetten: Russen, Krake (Krähen) Klingenberg am Main: Spatzen Klingenberg am Main, OT Röllfeld: Sandhasen Klingenberg am Main, OT Trennfurt: Türken Laudenbach: Kröpfer Leidersbach: Hutzelgründer, Besenbinder, Sacco Valley Leidersbach, OT Ebersbach: Laameritscher (Lehmrutscher) Leidersbach, OT Rossbach: Backschüsselärsch Leidersbach, OT Volkersbrunn: Pannekichelsche Miltenberg: Schnatterloch Miltenberg: Hurnochsen, Staffelbrunser, Meescheißer Miltenberg, OT Mainbullau: Pollacken, Bloßärsch Mömlingen: Messerklingen, Stampes Mönchberg: Gesetzbücher Neunkirchen: Ablasstiker, Krautköpp Neunkirchen, OT Richelbach: Samedsfresser, Bachbrunzer Niedernberg: Honisch (habe ich), Blechkatzen (ein in Niedernberg erprobtes Gerät zum Vernichten der Wühlmäuse durch Rauchgase) Obernburg am Main: Handumme (nach dem dort häufig vorgekommenen Vornamen Johann-Thomas), Stadtbauern Obernburg am Main, OT Eisenbach: Zicke Zacke - Digge Dagge Röllbach: Worzelköpp Rüdenau: Klammhörnli Schneeberg: Krabbe (Raben) Stadtprozelten: Gaashockeler (tragen bei Hochwasser ihre Ziegen im Huckepack den Berg hinauf) Stadtprozelten, OT Neuenbuch: Kieknörzli (Kienholz-Stümpfe) Sulzbach am Main: Määmuschel, Schlöt Sulzbach am Main, OT Dornau: Gaggl Sulzbach am Main, OT Soden: Säirä Griene (Kernobstsorte), Nosterer (wippen auf Polstermöbeln) Weilbach: Frösch, Dannescheißer Weilbach, OT Weckbach: Steckelesspitzer Wörth am Main: Schlackschisser,Der große Uz-Atlas. Primasonntag, 11. November 2012. Zettelfresser, Armensuppe

Spottverse Eschau: Wer von Eichelsbach kommt ohne Wind, vom Hammer ohne Sünd’ und durch Eschau ohne Spott, hat besondere Gnad’ von Gott.

Eschau: Die Gashäi ess houchgeboän, Äschich ess zu Dräck gefroän, en Summere ess de Houchmu grouß, en Hobbach ess de Deifel lous. Auf Hochdeutsch: „Die Geißhöhe ist hochgeboren, Eschau ist zu Dreck gefroren, in Sommerau ist der Hochmut groß, in Hobbach ist der Teufel los“. Wörth am Main: Kümmst von Wörth, biste gstört.

Siehe auch Liste der Ortsnecknamen in Stadt- und Landkreis Aschaffenburg

Literatur Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Lkr. Miltenberg 2003, . Monika Fritz-Scheuplein, Almut König, Sabine Krämer-Neubert, Norbert Richard Wolf (Hrsg.): Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn: Ortsnecknamen in Unterfranken. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2012, ISBN 978-3-8260-5048-0.

Weblinks Ortsnecknamen in Unterfranken (Lehrstuhl für Sprachwissenschaft an der Universität Würzburg/Unterfränkisches Dialektinstitut) Vorträge und Publikationen von Professor Dr. Almut König

Einzelnachweise

Ortsnecknamen Kategorie:Liste (deutsche Toponyme)