Die Schlacht um die Huon-Halbinsel war eine Reihe von Kampfhandlungen zwischen japanischen und alliierten Truppen, die während des Pazifikkriegs in den Jahren 1943 und 1944 im Nordosten der Insel Neuguinea stattfanden. Sie markierte den Anfangspunkt einer ab 1943 stattfindenden allgemeinen alliierten Offensive und konnte die japanischen Truppen über einen Zeitraum von vier Monaten aus ihren bisherigen Stellungen auf der Halbinsel verdrängen. Die hauptsächlich an der Schlacht beteiligten australischen Truppen profitierten vom rapiden technologischen Fortschritt der alliierten Kriegsindustrie, mit dem die japanische Industrie nicht Schritt halten konnte. Durch die feindliche Überlegenheit in der Luft und zu See fiel es Japan darüber hinaus schwer, ausreichenden Nachschub und Verstärkungen nach Neuguinea zu schaffen.

Die Schlacht wurde durch Landungen der australischen 9th Division östlich von Lae am 4. September 1943 vorbereitet. Es schloss sich ein Vormarsch entlang der Küste in Richtung Westen an, um sich mit der von Nadzab aus vorrückenden 7th Division zusammenzuschließen. In der Zwischenzeit führten amerikanische und australische Truppen eine Reihe von Angriffen in der Region um Salamaua durch. Schwerer Regen und Überschwemmungen verlangsamten den Vormarsch der 9th Division genau so wie die japanische Nachhut, weshalb Lae erst durch den Einmarsch der 7th Division am 16. September gesichert werden konnte. Die japanische Garnison der Stadt wich nach Norden aus. Weniger als eine Woche später begann am 22. September die Schlacht um die Huon-Halbinsel, als australische Truppen von See her weiter östlich anlandeten, um Finschhafen zu erobern.

Nach der Landung am Scarlet Beach rückten die Alliierten nach Süden vor, um Finschhafen zu sichern. Daraus resultierten ebenfalls Kämpfe bei Jivevaneng. Mitte Oktober starteten die japanischen Truppen einen Gegenangriff auf den australischen Brückenkopf am Scarlet Beach, der die Australier zeitweise in Bedrängnis brachte und zur Aufteilung ihrer Truppen zwang, bevor er nach etwa einer Woche abgewehrt werden konnte. Im Anschluss hieran rückten sie ins Inland vor, um mit der Eroberung des Sattelbergs die Initiative zurückzugewinnen. Nach heftigen Kämpfen und einem weiteren japanischen Gegenangriff wurde der Berg Ende November gesichert und die australischen Truppen konnten beginnen, weiter nördlich eine Linie zwischen Wareo und Gusika zu sichern. Dies gelang bis Anfang Dezember, woraufhin die Alliierten entlang der Küste über Lakona auf Fortification Point vorrückten. Dabei kam es zu schweren Gefechten mit japanischen Verbänden, die einen Verzögerungskampf lieferten.

Die letzte Phase der Schlacht war vom Zusammenbruch des organisierten japanischen Widerstands gezeichnet. Ein schneller Vormarsch australischer Kräfte entlang der Nordküste der Halbinsel und die Eroberung Sios folgten bis Januar. Parallel landeten amerikanische Truppen bei Saidor. Bis März führten die alliierten Truppen daraufhin Säuberungsaktionen im eroberten Gebiet durch, um letzte Widerstandsnester und versprengte Feindverbände aufzuspüren und auszuschalten. An die Schlacht schloss sich eine mehrmonatige, eher ruhige Phase im nördlichen Neuguinea an, bevor es im Juli zu schweren Kämpfen am Driniumor kam. Bis November kam es immer wieder zu vereinzelten Kämpfen, bis die australische Armee die großangelegte Schlacht um Aitape-Wewak begann.

Hintergrund Geographie Die Huon-Halbinsel liegt im Nordosten Neuguineas und erstreckt sich von Lae im Süden, am Huongolf gelegen, bis Sio im Norden, an der Vitiaz-Straße. Die Küstenlinie zwischen diesen beiden Punkten wird durch eine Vielzahl von mündenden Flüssen und kleineren Wasserläufen durchschnitten.Mark Johnston: The Huon Peninsula 1943–1944. 2005, S. iv. Die bekanntesten sind die Flüsse Bumi, Mape und Song.John Coates: Bravery Above Blunder. The 9th Australian Division at Finschhafen, Sattelberg, and Sio. 1999, S. 99. Ihren Ursprung haben die Flüsse im Landesinneren, welches von verschiedenen Höhenzügen dominiert ist. Die markantesten sind das Rawlinson- und Cromwell-Gebirge im Süden beziehungsweise Osten, die an ihrem Treffpunkt im Zentrum der Halbinsel das Saruwaged-Gebirge bilden. Dieses geht weiter westlich in das Finisterre-Gebirge über. Abgesehen von einem schmalen, flachen Küstenstreifen war das Gebiet zur Kriegszeit von dichtem Dschungel dominiert, der von nur wenigen Straßen und Wegen durchquert wurde. Die meisten dieser Transportwege wurden erst im Kriegsverlauf von Pioniereinheiten so weit ausgebaut, dass sie von Fahrzeugen befahren werden konnten. Der Transport des Nachschubs erfolgte daher abseits der Küsten großteils zu Fuß.John Coates: Bravery Above Blunder. The 9th Australian Division at Finschhafen, Sattelberg, and Sio. 1999, S. 98–99.

Während der Planungen für die Schlacht definierten die Alliierten drei Gebiete als wichtige und entscheidende Punkte: den Strand nördlich von Katika, der später den alliierten Codenamen Scarlet Beach erhielt, den 960 m hohen Sattelberg, acht Kilometer südwestlich, der durch seine Höhe die umliegenden Gebiete beherrschte, und Finschhafen, das über ein kleines Flugfeld verfügte und durch seine Lage an einer Bucht Raum für leicht zu schützende Hafenanlagen bot. Finschhafen lag 9 km südlich von Scarlet Beach. Die japanischen Stäbe hatten Finschhafen und den Sattelberg ebenfalls als essentielle Punkte identifiziert.John Miller junior: Cartwheel. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 213. Zusätzlich hatten sie einen Höhenrücken zwischen Gusika an der Küste, etwa 5,5 km nördlich von Katika, und Wareo, 7,5 km Richtung Westen im Landesinneren, als Schlüsselpunkt definiert. Die Wichtigkeit des Höhenrückens bestand in einem auf ihm verlaufenden Weg, über den der japanische Nachschub zum Sattelberg transportiert wurde. Er stellte darüber hinaus ein natürliches Hindernis für jeden von Finschhafen nach Norden gehenden Vorstoß dar, was ihn zu einer idealen Verteidigungslinie machte.

Militärische Situation mini|Karte der Operationen auf der Huon-Halbinsel, 1943–44 Bis 1943 waren die groß angelegten Offensivaktionen der Japaner im alliierten Befehlsbereich Southwest Pacific Area (SWPA) zum Erliegen gekommen. Ihr Vormarsch auf Neuguinea war bereits im Vorjahr zum Stehen gekommen, als es australischen Truppen gelang, die japanische Armee in der Schlacht am Kokoda Track zu blockieren. Sich anschließende Niederlagen in den Schlachten in der Milne-Bucht, Buna-Gona, Wau und Guadalcanal zwangen die japanischen Truppen lokal bereits zum Rückzug. Als Folge wechselte die Initiative bis Mitte 1943 endgültig auf die Seite der Alliierten.Eustace Keogh: The South West Pacific 1941–45. 1965, S. 287.

Die alliierten Militärstrategen begannen nach diesen Erfolgen mit der Planung des weiteren Kriegsverlaufs. Sie maßen der Rückeroberung der Philippinen dabei eine hohe Priorität bei, an die sich potentiell eine Invasion der japanischen Hauptinseln anschließen sollte. Den Dreh- und Angelpunkt der japanischen Streitkräfte in der Region stellte der groß ausgebaute Stützpunkt Rabaul dar. Die Ausschaltung dieser Basis wurde als elementar für den Erfolg im SWPA angesehen und die Operation Cartwheel wurde zu diesem Zweck gestartet.Mark Johnston: The Huon Peninsula 1943–1944. 2005, S. 1.

Um dieses Ziel zu erreichen, benötigten die Alliierten Zugriff auf eine Reihe frontnaher Flugfelder. Die alliierten Oberbefehlshaber, darunter General Douglas MacArthur, befahlen daher die Eroberung der schon bestehenden Flugfelder bei Finschhafen und Lae. Die Eroberung und Sicherung von Lae sollte einen Hafen öffnen, über den Nadzab und die Operationen im Markham-Tal versorgt werden konnten. Die Kontrolle Finschhafens und der Huon-Halbinsel bot einen Ausgangspunkt für Operationen auf Neubritannien. Der natürliche und geschützte Hafen erleichterte darüber hinaus die Kontrolle der wichtigen Vitiaz- und Dampierstraße.Eustace Keogh: The South West Pacific 1941–45. 1965, S. 287.John Miller junior: Cartwheel. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 189.

Streitkräfte In der Zeit unmittelbar vor Beginn der Schlacht befanden sich im Southwest Pacific Area keine US-Bodentruppen im direkten Kampf mit den JapanernMark Johnston: The Huon Peninsula 1943–1944. 2005, S. 14., weshalb Finschhafen durch die australische 9th Division gesichert werden sollte. Die Division gehörte zur Second Australian Imperial Force (2nd AIF), die großteils aus Freiwilligen bestand. Sie hatte im Verlauf des Afrikafeldzugs bereits Erfahrungen gesammelt. Anfang 1943 war sie nach Australien rückverlegt und nach dem neuen Dschungelkampfschema umgerüstet worden.Albert Palazzo: Organision for Jungle Warfare. 2004, S. 91. Bei einer Stärke von 13.118 MannAlbert Palazzo: Organision for Jungle Warfare. 2004, S. 183–184. verfügte die Division anschließend über drei Infanteriebrigaden zu je drei Bataillonen und verschiedenen ungebundenen Unterstützungsbataillonen. Unterstützend griff die 4. Brigade der Heeresreserve später in die Kämpfe ein. Der amerikanische Anteil an der Schlacht bestand hauptsächlich im Stellen von logistischer und Seeunterstützung sowie im Pionierwesen. mini|Ein Boomerang-Jäger der 4. Staffel der RAAF mit Bodenpersonal, 5. Oktober 1943 Luftunterstützung wurde durch die No. 9 Operational Group RAAF geleistet, deren Staffeln unter anderem mit den Flugzeugtypen Commonwealth Boomerang und WirrawayMark Johnston: The Huon Peninsula 1943–1944. 2005, S. 7. sowie dem Sturzkampfbomber Vultee A-31 Vengeance ausgerüstet waren. Sie flogen während der Kämpfe zahlreiche Nahunterstützungs- und Versorgungseinsätze.George Odgers: Air War Against Japan 1943–1945. 1968, S. 68. Amerikanische Republic P-47 und Lockheed P-38 der 348th und 475th Fighter Group flogen Jagdschutz für den die Kämpfe versorgenden SchiffsverkehrJohn Miller junior: Cartwheel. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 195.George Odgers: Air War Against Japan 1943–1945. 1968, S. 82. während mittlere und schwere Bomber der Fifth Air Force Bombenangriffe gegen die japanischen Feldflugplätze auf Neubritannien und um Wewak flogen sowie im Zusammenspiel mit PT-Schnellbooten deren Nachschublinien angriffen.John Miller junior: Cartwheel. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 218. Der schwierige Einsatz von Radfahrzeugen führte dazu, dass der Nachschubtransport stark auf das Wasser verlegt wurde. Landungsboote und andere kleine Seefahrzeuge landeten kleinere Nachschubmengen entlang der Küste an von wo aus sie von einheimischen Trägern zu den Truppen verschafft wurden.Ross Mallett: Logistics in the South-West Pacific 1943–1944. 2004, S. 103–104. Seltener wurden auch Kampftruppen für Transportzwecke abgestelltMark Johnston: The Huon Peninsula 1943–1944. 2005, S. 11. oder wenn möglich Jeeps eingesetzt.