Das Objekt 01 war ein Gewinnungsobjekt und als selbständige Struktureinheit innerhalb der Wismut AG/SDAG direkt der Hauptverwaltung unterstellt. Es bearbeitete ein schon durch den historischen Bergbau mit Stolln, Schächten und Blindschächten erschlossenes, ca. 10 km² großes Grubenfeld im Raum Johanngeorgenstadt. Die größte Teufe im Grubenfeld des Objektes 01 wurde mit 362 m NN auf der 180-Lachter-Sohle über den Blindschacht 157bis erreicht. Das entsprach, bezogen auf die Rasenhängebank des Zentralschachtes (Schacht 227), einer Teufe von 427 m und lag damit 40 m unter der tiefsten Sohle des Altbergbaus. Alle verwendeten Teufenangaben bezogen sich auf die Altbergbausohlen, die im Objekt 01 im Einfallen von Schacht 1 gemessen und in Lachtern angegeben wurden. Bezugspunkt war der Frisch-Glück-Stolln.
Die Wismut AG teufte zu den bereits bestehenden Schächten weitere 11 Schächte und 21 Blindschächte. Weiterhin wurden zu den nachgenutzten 18 Stolln noch weitere 11 Stolln aufgefahren. Bei Neuauffahrungen wurden die Teufenbezeichnungen des Altbergbaus übernommen. Die Gesamtgewinnung von Uran des Objektes 01 in der Lagerstätte Johanngeorgenstadt belief sich zwischen 1946 und 1958 auf 3770 Tonnen.
Historischer Bergbau mini|Pulverturm bei Johanngeorgenstadt Der vollständige Verlauf der Johanngeorgenstädter Bergbauhistorie sowie deren komplexe Zusammenhänge sind bisher erst lückenhaft publiziert worden und bedürfen noch weiteren Nachforschungen.
Den Beginn der bergbaulichen Aktivitäten im Gebiet von Johanngeorgenstadt kann man auf Anfang des 14. Jahrhunderts zurückdatieren. Gesucht und gebaut wurde im Bereich Jugel auf Eisen und Zinn.
Nach der am 23. Februar 1654 durch den Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen erteilten Erlaubnis zur Stadtgründung erfolgte am 1. Mai 1654 die Grundsteinlegung durch böhmische Exulanten.
Bereits vor der Stadtgründung gab es auf dem Fastenberg Bergbau auf Zinn (belegt ist für das Jahr 1606 die Grube Zwei Brüder) und Silber (Grube St. Veith am Fastenberg; im Jahr 1651 gemutet).
Die erste Grube auf dem Fastenberg nach der Stadtgründung war die St.-Johannes-Fundgrube und wurde am 1. März 1654 auf Zinn gemutet.
Das erste Silber fand man in der Neujahr-Fundgrube, die Reminiscere 1662 auf dem Erzengel-Michael-Spat fündig wurde und 10 Mark sowie 11 Lot (ca. 2,5 kg) Silber lieferte. Der Silberbergbau im Gebiet Johanngeorgenstadt blieb aber weit hinter dem anderer erzgebirgischer Städte zurück. Bis zum Jahr 1672 blieb die Neujahr-Fundgrube die einzige Silbergrube und lieferte in dieser Zeit nur 45,7 kg Silber. In den ersten fünfzig Jahren nach den Silberfunden auf der Neujahr-Fundgrube lieferten 14 Gruben gerade einmal 14,5 Tonnen Silber, wobei im Jahr 1716 mit 2,295 Tonnen Silber das höchste Ausbringen war.
Das beim Silberbergbau gefundene Kobalt wurde zwar frühzeitig mit abgebaut, spielte aber auf Grund der geringen Menge keine große Rolle. Zwischen 1730 und 1830 wurden ca. 740 Tonnen Kobalterz ausgebracht. Das höchste Ausbringen war im Jahr 1879 mit 28,5 Tonnen, das letzte Ausbringen im Jahr 1830 mit nur noch 257 kg Kobalterz. Das geförderte Kobalterz musste zu festgelegten Preisen an die Blaufarbenwerke in Schlema geliefert werden. (Weil aber dieselbe nach Schneeberg zu denen blauen Farb-Werken müssen geliefert werden / und schlechte Zahlung davor fällt / kann man wenig Profit davon machen / Engelschall S. 187)
Wismuterze wurden als Silberbringer angesehen, aber auch in geringem Umfang mit abgebaut. Von 1654 bis 1753 wurden ca. 5 Tonnen gediegenes Wismut gefördert. Ab 1829 stieg die Wismutproduktion an und erreichte 1839 mit 660 kg einen ersten Höhepunkt. Bis 1853 sank die Produktion dann auf 0. In den nächsten Jahren stieg die Produktion wieder an und erreichte im Jahr 1937 mit 14,67 Tonnen ihren absoluten Höhepunkt. Bis zur Einstellung des Wismutbergbaus im Jahr 1945 wurden ca. 250 Tonnen Wismut gefördert, wobei es ab 1914 das alleinige Fördererz im Revier war.
mini|Gedenktafel zur Entdeckung des Elementes Uran nahe der ehemaligen Georg-Wagsfort-Fundgrube Uranerz wurde erstmals 1767 von Franz Ludwig Cancrinus erwähnt. Es wurde in mehreren Gruben im Johanngeorgenstädter Revier gefunden. Am 24. September 1789 veröffentlichte Martin Heinrich Klaproth in Berlin die Entdeckung des Elementes Uran in einer Erzstufe aus dem Grubenfeld George Wagsfort. Der erste Nachweis über die Förderung von Uranerzen stammt aus dem Jahr 1819. Es handelte sich um 30 Pfund (ca. 14 kg), die in der Gottes-Segen-Fundgrube gefördert wurden. Die Gesamtfördermenge im Revier belief sich bis 1945 auf ca. 28 Tonnen Uranerz mit einem Metallinhalt von ca. 4,4 Tonnen.
Als erster großer revierübergreifender Stolln wurde im Jahr 1663 der Gnade-Gottes-Stolln bei 681,60 m über NN angeschlagen. Er brachte Saigerteufen zwischen 126 m an der Grube Neu Leipziger Glück, 135 m am Schaarschacht und 139 m im Bereich der Fundgrube Hoh Neujahr in das Revier ein. Als zweiter großer Revierstolln wurde im Jahr 1672 St.-Georg(en)-Stolln bei 679,12 m über NN angeschlagen. Beide Stolln liegen am vorderen Fastenberg, wie z. B. auch der Frisch-Glück-Stolln (1671) und der Gottes-Segen-Stolln (1679). Weitere wichtige Stolln im Revier waren der Adolphus-Stolln (1707), Elias-Stolln (1708), Eleonora-Stolln (1715) und Aaron-Stolln (1716) am Mittleren Fastenberg sowie Gegenglück-Stolln (1694) im Lehmergrund und der Einigkeiter-Stolln (1679) am Schwarzwasser.
Mit dem Rückgang der Silberförderung ab dem Jahr 1720 erlebte der Johanngeorgenstädter Bergbau einen starken Niedergang. Die Belegschaft ging von ca. 900 Beschäftigten im Jahr 1718 auf 340 Beschäftigte im Jahr 1770 zurück. Um den Bergbau weiterhin am Leben zu erhalten, wurde er durch die 1767 gegründete Churfürstliche Bergbaukasse mit 900 bis 1350 Talern pro Jahr unterstützt.
Die Suche nach neuen Erzgängen wurde intensiviert und tiefere Sohlen aufgefahren. Der im Frisch-Glück-Stolln (697 m über NN) geteufte Frisch-Glück-Kunst-und-Treibeschacht erreichte im Jahr 1777 die 95-Lachter-Sohle (527 m über NN) und 1791 die 140-Lachter-Sohle (448 m über NN). Die Teufe wurde bei 409 m über NN eingestellt. Die Auffahrungen trafen nur einen erzleeren Gang an. Daraufhin wurden die Untersuchungen eingestellt und im Jahr 1798 der Frisch-Glück-Kunst-und-Treibeschacht unterhalb der bei 481 m über NN angeschlagenen 120-Lachter-Sohle aufgegeben. Nachdem die Aussichtslosigkeit des Unternehmens klar wurde, gab man im Jahr 1812 auch die Sohlen unterhalb des St.-Georg(en)-Stollns, dem tiefsten wasserlösenden Stolln im Revier, auf.
Oberberghauptmann Siegmund August Wolfgang Freiherr von Herder trieb ab 1834 ein Tiefbauprojekt voran, welches wahrscheinlich schon im Jahr 1774 vom Generalbergkommissar und Geheimen Rat Friedrich Anton von Heynitz unter dem Namen Orcus erarbeitet wurde. Das zur Projektverwirklichung benötigte große Grubenfeld wurde im Jahr 1838 mit der Vereinigung gutachterlich ausgewählter Gruben am Fastenberg geschaffen. Dazu wurden die teilweise schon miteinander vereinigten Gruben Frischglück samt Neujahr und George-Wagsfort-Erbstolln, Gnade-Gottes-Fundgrube samt Neujahrs Maaßen und Römisch Adler gemeinschaftlich Feld, Gottes-Segen-Erbstolln samt St.-Georg-Fundgrube, Hohneujahr samt Unverhofft-Glück-Fundgrube, Neu-Leipziger-Glück-Fundgrube, Gotthelf Schaller samt Silberkammer und Herrmann-Fundgrube zu dem Vereinigt Feld im Fastenberge zusammengefasst. Die Gruben Treue-Freundschaft-Fundgrube, Wildermann-Fundgrube, Adolphus-Fundgrube und Gewerken-Hoffnung-Fundgrube blieben vorerst als eigenständige Gruben erhalten.
Kernpunkt des Tiefbauprojektes war die Aufwältigung des Frisch-Glück-Schachtes, die im Jahr 1844 begann. Das Schachttiefste des bestehenden Schachtes wurde im Jahr 1862 bei 409,00 m über NN erreicht und der Schacht weiter geteuft. Im Jahr 1863 wurde die 160-Lachter-Sohle (397 m über NN) angeschlagen und 1867 erreichte man bei 374 m über NN den unterlagernden Granit, worauf nach 2 Lachter weiterer Teufe im Granit das Abteufen eingestellt wurde.
Zur weiteren Untersuchung des Grubenfeldes wurde in der 78-Lachter-Sohle der Schaarschacht (1852) und querschlägig das Grubenfeld Gottes Segen (1860) angefahren. Der Schaarschacht wurde als zweiter Förderschacht bis zur 95-Lachter-Sohle weiter geteuft, welche er 1857 erreichte.
Zur Erweiterung des Grubenfeldes erwarb man im Jahr 1859 zusätzlich die an der Grenze in Böhmen gelegenen Grubenfelder Maria Magdalena, Glück mit Freuden und Rosenhof. Der hier auf dem Gegentrum des Frisch-Glück-Spates und weiteren Erzgängen umgegangene Bergbau war im Jahr 1826 eingestellt worden. Zur Erschließung und Entwässerung dieser Gruben musste der Einigkeiter-Stolln aufgewältigt werden. Zusätzlich wurden in Richtung dieses Grubenfeldes aus dem Frisch-Glück-Kunst-und-Treibeschacht Strecken zur weiteren Untersuchung auf der 60- und 78-Lachter-Sohle aufgefahren. Gleichzeitig erfolgte auch der Aufschluss der 18-Lachter-Sohle im Streichen des Gottes_Segen-Spates. Auch dieser zweite Tiefbauversuch brachte keinen Erfolg und bestätigte die Unbauwürdigkeit des Frisch-Glück-Spats in den tieferen Sohlen. Das Revier wurde dennoch weiterhin über den Frisch-Glück-Kunst-und-Treibeschacht bis zur 60-Lachter-Sohle wasserfrei gehalten.
mini|Kaue (Glöckl) des Frisch-Glück-Stollns 1892 nahm man die Arbeiten zur Aufwältigung des Schachtes auf und baute zur Sümpfung der Tiefbaue ein neues Kunstrad ein. Ziel dieser Arbeiten war die tiefe Auffahrung des Gottes-Segen-Spates zur Untersuchung auf Uranerze. Nachdem der Schaarschacht wieder betriebsfähig hergestellt wurde, konnte man im Jahr 1895 mit der Aufnahme der Förderung von Bergemassen aus den Bereichen des wismuterzführenden Hohneujahr Morgengangs beginnen. Ebenso war der Neu Leipziger Glück Treibeschacht (der damalige Pferdegöpel) in Betrieb. Der Bergbau im böhmischen Feld wurde hingegen nach der Förderung von ca. 2 Tonnen Wismut im Jahr 1894 eingestellt. Hier erfolgten weiterhin nur noch Sicherungsarbeiten in den Schächten.
Der im Jahr 1896 um 60 Prozent gefallene Preis für Wismut führte zum Abbruch der Sümpfungsarbeiten und zur Entlassung von 55 Prozent der Belegschaft. In den Folgejahren ging der Bergbau nur noch auf den Sohlen oberhalb des St.-Georg-Stollns und der 26-Lachter-Sohle am Schaarschacht um. Erst im Jahr 1906 wurde die 60-Lachter-Sohle gesümpft.
Ab dem Jahr 1902 wurde Salzsäure zur Aufbereitung der Wismuterze eingesetzt. Dieses Verfahren ermöglichte es, auch ärmere Erze aufzubereiten.
Zur Stromerzeugung wurden im Jahr 1909 auf dem Gnade-Gottes-Stolln am Schaarschacht und im Jahr 1910 auf der St.-Georg-Stollnsohle am Frisch-Glück-Kunst- und -Treibeschacht Turbinen und Generatoren aufgebaut.
Ab dem Jahr 1910 wurde die Suche nach Uranerzen im Revier, unterstützt durch staatliche Fördermittel, die über den Johanngeorgenstädter Bergbegnadigungsfonds ausgezahlt wurden, intensiviert. Allein in diesem wurden 18.600 Mark aus dem Bergbegnadigungsfonds in Anspruch genommen. Zusätzlich flossen noch 10.100 Mark durch den Verkauf von Kuxen in die Kasse der Gewerkschaft Vereinigt Feld im Fastenberge.
Im August des Jahres 1911 wurde das Grubenfeld der Gewerken-Hoffnung-Fundgrube von der Gewerkschaft Vereinigt Feld im Fastenberge übernommen.
Im Jahr 1912 erreichte die im Jahr 1902 begonnene Aufwältigung des Frisch Glücker Kunst- und Treibeschachtes die 78-Lachter-Sohle. Ein Jahr später ging im Frisch-Glück-Kunst-und-Treibeschacht die zweitrümige elektrische Förderanlage in Betrieb.