Der Belgische Rundfunk (BRF), ehemals Belgischer Hör- und Fernsehfunk (BHF), ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien. Bis zur Regionalisierung Ende der 1970er Jahre war er integraler Bestandteil der staatlichen Radiodiffusion-Télévision Belge/Belgische Radio en Televisie (RTB/BRT). Der Sender mit heute rund 70 festen Mitarbeitern und Sitz in Eupen strahlt zwei Hörfunkprogramme und ein Fernsehprogramm aus. Sendestudios befinden sich außer in Eupen noch in Sankt Vith (Regionalstudio) und in Brüssel (Hauptstadtstudio).

Sender Die Schwerpunkte der Berichterstattung bilden neben dem internationalen und innerbelgischen Geschehen vor allem die Tagesaktualität in der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit ihren Gemeinden sowie alle Themen von Belang für die in Ostbelgien lebenden Menschen aus den Dreiländerecken Belgien-Deutschland-Niederlande bzw. Belgien-Deutschland-Luxemburg.http://u.brf.be/profil/leitbild/

Hörfunk Die beiden Programme BRF1/2 werden über UKW, über DAB+ Ostbelgien Kanal 8AMehr Informationen zum Ensemble Ostbelgien 8A und im Kabel im Sendegebiet verbreitet sowie als Internetstream BRF1 ist das Nachrichten-, Magazin-, Rock-, Pop- und Klassikprogramm. Das Programm wird zusätzlich ins DAB+ und DVB-T-Ensemble im Gebiet Brüssel-Wallonie eingespeist. Die Nachrichten und Magazine berücksichtigen insbesondere das Bedürfnis der Hörerschaft nach lokalen und regionalen Informationen aus Ostbelgien, das von den deutschen und wallonischen Sendern nicht befriedigt wird.Webseite des Senders: Empfang BRF2 spielt Schlager- und Volksmusik. Im Wortprogramm gibt es neben Nachrichten auch Sendungen zu Glaubensfragen (katholisch, protestantisch) und Beiträge in verschiedenen Mundarten der Plattdeutschen Gemeinden Ostbelgiens. Das Programm wird ins DAB+-Ensemble im Gebiet Brüssel-Wallonie eingespeist. BRF-DLF ist ein Rundfunkprogramm, das in Brüssel und über die flämischen Kabelnetze zu empfangen ist und in Kooperation mit dem Deutschlandfunk produziert wird.

Die UKW-Frequenzen von BRF 1 und 2:mini|Funkhaus am Kehrweg in Eupen|394x394px +UKWStandort BRF 1Kilowatt88,5Lüttich-Sendeturm Bol d’Air5088,8Malmedy0,189,0Herbesthal-Rabotrath0,492.2Burg-Reuland0,193,4Recht (St. Vith)0,194.9Wallerode594,9Eupen-Sender Kehrwegstadion0,0595,2Brussegem (BRF-DLF)297,7Namur0,5 +UKWStandort BRF 2Kilowatt91,0Lüttich (Rocourt)0,593,2Herbesthal-Rabotrath597,6Malmedy0,198,4Eupen-Sender Kehrwegstadion1104,1Wallerode20105,9Raeren-Sender Raeren-Petergensfeld0,1

Fernsehen

Blickpunkt mini|324x324px|Testbild des BRF Fernsehens Das BRF-Fernsehen (früher: KA3) sendet im Kabel und über DVB-T2 wöchentlich am Freitag (Wiederholung am Samstag und Sonntag) um 18:45 Uhr und 21:45 Uhr sein rund 25-minütiges regionales Nachrichtenmagazin "Blickpunkt" mit einem Rückblick auf die Meldungen, die in der vergangenen Woche jeweils tagesaktuell als einzelne Beiträge online auf der Homepage gestellt wurden. Dort ist die Sendung auch schon eine Stunde früher abrufbar ab 17:45 Uhr. Bis Ende 2025 wurde der Blickpunkt selber auch zusätzlich montags bis freitags als tägliches Magazin produziert, welches durch die Sparauflagen der Regierung Anfang 2026 eingestellt werden musste. Der Blickpunkt sowie einige Specials und Sondersendungen sind wie alle Einzelbeiträge jederzeit auf der Homepage des BRF abrufbar und in der RTBF Auvio App.

Früher wurde das BRF-Fernsehen terrestrisch über DVB-T im Bouquet der RTBF lediglich in einem kurzen Programmfenster auf dem damals dort noch verbreiteten Sender Euronews aufgeschaltet. Inzwischen sendet man in HD über DVB-T2 zwar rund um die Uhr, aber bis auf den Blickpunkt am Wochenende lediglich Tafeln mit Programmhinweisen und Veranstaltungstipps sowie zeitweise mit Nachrichten und Wetter. Dazu ist das erste Hörfunkprogramm BRF1 zu hören, welches parallel auch als Radioprogramm via DVB-T2 verbreitet wird – im Gegensatz zum zweiten Hörfunkprogramm BRF2.

Via Euregio Zwischen 2012 und 2016 gestaltete der BRF mit sechs weiteren regionalen Fernsehsendern aus der Euregio Maas-Rhein ein euregionales Fernsehmagazin namens Via Euregio für die rund 5 Millionen Einwohner der Grenzregion.

Die beteiligten Sender waren verantwortlich für Auswahl und Ausstrahlung der Themen aus ihrem Sendegebiet. Die Beiträge wurden zwischen den verschiedenen Partnern ausgetauscht. Die Programme waren in der Sprache des jeweiligen Sendegebietes untertitelt. Die Themen betrafen Wirtschaft, Sicherheit, Tourismus, Sport, Kultur, Events, Innovationen und anderes. Sie wiesen jedoch immer einen euregionalen Bezug auf.

Teilnehmende Euregio-Partner waren seinerzeit:http://m.brf.be/viaeuregio/ BRF, Eupen RTC Lüttich Télévesdre (VEDIA), Verviers (Dison) TV Limburg Belgien, Hasselt TV Limburg Niederland, Roermond Mediahuis Aachen NRW.TV, Düsseldorf (bis 8. Januar 2018)

Internet Die Internetseite des Senders erfuhr im Juni 2015 einen umfassenden Relaunch. Die einzelnen Produkte des Funkhauses – BRF-Nachrichten, BRF1 und BRF2 – haben eigenständige Seiten erhalten. Darüber hinaus erhielt der BRF eine eigene Online-Mediathek, unter der alle Videos und Fernsehsendungen abrufbar sind. Gleichzeitig wurde das gesamte Erscheinungsbild des Belgischen Rundfunks modernisiert und vereinheitlicht. Die einzelnen Produkte setzen sich jeweils durch farblich abgestimmte Signets voneinander ab, behalten aber grafisch ihre BRF-Zugehörigkeit.

Kooperationen 100’5 Das Hitradio: Der Belgische Rundfunk hielt anfangs über BRF Medien AG 40,8 % der Aktien. 10 % der Anteile lagen bei der PFD Pressefunk GmbH. Jeweils 5 % hielten der Zeitungsverlag Aachen und die Grenz-Echo AG. Die verbleibenden 39,2 % der Aktien hielt Radio Salü in Saarbrücken. Hierbei nutzt der Radiosender die Infrastruktur des BRF und ist heute ohne Beteiligung des BRF nur noch Mieter des Obergeschosses vom BRF Funkhaus in Eupen.radioszene.de RTBF (Radio-télévision belge de la Communauté française, vormals RTB/Radiodiffusion-télévision belge) vrt (Vlaamse Radio- en Televisieomroep, vormals BRT/Belgische Radio en Televisie). Diese Kooperation besteht seit dem 1. Oktober 1945, dem Start der Sendungen in deutscher Sprache in Brüssel. Deutschlandfunk Köln: Das Gemeinschaftsprogramm BRF-DLF ist am 15. November 2001 aus der Taufe gehoben worden. Beide Rundfunkanstalten liefern über den Tag verteilt Sendungen für das 24-Stunden-Programm im Raum Brüssel, das über UKW 95,2 MHz zu empfangen ist. Es gibt darüber hinaus einen regelmäßigen Themenaustausch zwischen den beiden Rundfunkanstalten. Auch wird jährlich eine gemeinsame öffentliche Podiumsdiskussion organisiert. 2014 ging es um das Thema „Krieg und Grenzraum“ als Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, 2015 behandelte die Debatte die Flüchtlingsproblematik auf europäischer Ebene. WDR Aachen: Abgleich tagesaktueller Themen die beide Seiten der Europäischen Grenzregion im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft betreffen. SWR Trier: Ein täglicher Themenaustausch innerhalb der Europäischen Großregion besteht seit Jahrzehnten zwischen BRF-Studio St. Vith und dem SWR-Studio Trier insbesondere für den Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit der grenzüberschreitenden Eifelregion. Radio 100,7: Ein gemeinsames Thema mit dem öffentlich-rechtlichen Sender aus dem Großherzogtum Luxemburg ist die Qualitätssicherung im Journalismus. RTR Chur: 2014 haben im Rahmen der Kooperation mit dem Rätoromanischen Rundfunk in Chur unter anderem mehrere Journalistenaustausche und einige gemeinsame Debatten, wie etwa „Die Gefahr der Nähe – Redaktionelle Schwierigkeiten und Herausforderungen in kleinen Senderäumen“, stattgefunden. 2016 lautete das gemeinsame Thema „Internet First“.http://u.brf.be/profil/kooperationen/ Rai Südtirol ist neben Radio 100,7 und RTR mit dem BRF an einer Peer-Review zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten beteiligt.

Geschichte mini|Das ehemalige Funkhaus am Flageyplatz in Brüssel Die Hörfunksendungen des belgischen Rundfunks in deutscher Sprache gehen auf den 1. Oktober 1945 zurück, als im Funkhaus an der Place Flagey in der Brüsseler Gemeinde Ixelles die ELA (Émissions en langue allemande) mit Irene Janetzky starteten. Nur 20 Minuten täglich dauerte die Sendung. Nach einer bleiernen Anfangszeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, in der die aus Janetzky und einem weiteren Mitarbeiter bestehende Redaktion über wenig journalistischen Spielraum verfügte und vor allem die offizielle Brüsseler Sicht auf das Land und seine Belange vermitteln sollte, entwickelte sich die Sendung im Laufe der 1970/80er Jahren zu einem ganztägigen Vollprogramm, das in Ostbelgien produziert wird, inmitten der Region, die seither im Fokus der Berichterstattung steht. Später kamen BRF2 und für die Brüsseler Region ein gemeinsames Programm von BRF und Deutschlandfunk (DLF) hinzu.

Brüssel spricht zur Minderheit in Ostbelgien (1945–1969) Nur 20 Minuten täglich dauerten die ELA (Émissions en langue allemande) mit Irene Janetzky, die vom reichweitenschwachen Mittelwellensender in Aye im Nordwesten der belgischen Provinz Luxemburg ausgestrahlt wurden und belgische und internationale Nachrichten, eine tägliche Chronik sowie französische Sprachkurse enthielten. Mit diesem Angebot wandte sich die erste Redakteurin und Sendeleiterin aus einem Studio im Brüsseler Funkhaus an die deutschsprachigen Landsleute in Ostbelgien in deren Muttersprache, was unmittelbar nach dem Ende der deutschen Besatzung Belgiens keine Selbstverständlichkeit war. 1952 sollte die Sendung wegen fehlender Geldmittel eingestellt werden, doch Janetzky gelang es, den damaligen belgischen Premierminister, Achille Van Acker, von der Notwendigkeit eines Programms für die deutschsprachige Minderheit im Osten des Landes zu überzeugen, sodass der Sendebetrieb weitergeführt werden konnte.http://u.brf.be/profil/geschichte/

„Der Anfang dieser Sendung war klar und durch die politischen Verhältnisse vorgegeben: Sie sollte die schnelle Integration der deutschsprachigen Bevölkerung in Belgien über das Radiomedium fördern und eine regelmäßige Verbindung zwischen den Ostkantonen und dem Inland schaffen“, analysiert der spätere Redakteur Hubert Jenniges, auf die frühen Jahre des Senders zurückblickend. Im Programm tauchten zwar auch zunehmend ausländische Korrespondentenberichte auf, meist Übernahmen des internationalen Dienstes des französischsprachigen belgischen Rundfunks; hinzu kamen in unregelmäßigen Folgen Berichte von Mitarbeitern in europäischen Hauptstädten, doch, so Jenniges weiter, „es kann wohl als Zeichen jener Zeit angesehen werden, dass das deutschsprachige Programm über keinen Korrespondenten in Bonn verfügte. Die politischen Umstände waren dazu wohl noch nicht gegeben.“ H. Jenniges, „Information auf dem Prüfstand. Die Anfangsjahre des aktuellen Zeitfunkmagazins“, in: Belgischer Rundfunk (Hg.), 18.00 Uhr. Hier ist der Belgische Rundfunk ... 20 Jahre BRF-Aktuell, Sankt Vith 1990, S. 22. Im ersten Nachkriegsjahrzehnt beabsichtigte die belgische Regierung noch die Assimilation der deutschsprachigen Minderheit an die französische Kultur, keinesfalls jedoch irgendeine Rückkopplung an die Gebiete jenseits der deutsch-belgischen Grenze, für deren Überquerung bis zum Ausgleichsvertrag zwischen dem Königreich Belgien und der Bundesrepublik Deutschland von 1957 nur begrenzt Passierscheine ausgegeben wurden.