mini|Filialkirche St. Georg in Niederwerth mini|St. Georg, Luftaufnahme (2016) mini|Fenster mit Fischblasenmaßwerk Die römisch-katholische Filialkirche St. Georg in Niederwerth, einer Ortsgemeinde auf der gleichnamigen Rheininsel im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz, wurde im 15. Jahrhundert als Augustiner-Chorherrenkirche im Stil der Gotik errichtet. Die Kirche besitzt eine reiche Ausstattung an Kunstwerken. Im Jahr 1972 wurden Wand- und Gewölbemalereien aus dem frühen 16. Jahrhundert entdeckt und wieder freigelegt.
Die Filialkirche St. Georg ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und steht auf der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz.
Geschichte Wie aus Gräberfunden hervorgeht, war die Insel Niederwerth bereits in fränkischer Zeit besiedelt.Gunnar und Rüdiger Mertens: Die ehemalige Klosterkirche St. Georg in Niederwerth. 3. Auflage, Köln 2024, ISBN 978-3-86526-151-9, S. 3. Im 13. Jahrhundert hatte der Erzbischof von Trier auf der Insel neben anderen Besitzungen einen Hof, den Hasenkammerhof, in dem er wohnte, wenn er sich zur Jagd und zum Fischfang in Niederwerth aufhielt. Hier übernachtete Anfang November 1338 acht Tage lang der englische König Eduard III., als er auf Einladung des Kaisers Ludwig des Bayern beim Koblenzer Fürstentag zu Gast war. Gastgeber des Königs in Niederwerth war der erzbischöfliche Kaplan Konrad Winter.Die Kunstdenkmäler des Landkreises Koblenz. Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1944, Nachdruck 1981, ISBN 3-590-32142-3, S. 250.
In einer Urkunde vom 17. Januar 1275 ist eine zu Ehren des heiligen Georg geweihte Klause in der Nähe des bischöflichen Hofgutes überliefert, bei der es sich wahrscheinlich um die Ansiedlung von Klausnerinnen handelte.Gunnar und Rüdiger Mertens: Die ehemalige Klosterkirche St. Georg in Niederwerth. 3. Auflage, Köln 2024, ISBN 978-3-86526-151-9, S. 4. Nach Unstimmigkeiten mit dem Trierer Erzbischof Otto von Ziegenhain siedelten die Beginen um 1428 nach Besselich bei Urbar über und die Klausnereigebäude übergab Otto von Ziegenhain samt dem erzbischöflichen Hofgut in Niederwerth den Augustinerchorherren im niederländischen Zwolle, die sich der Windesheimer Kongregation angeschlossen hatten.Gunnar und Rüdiger Mertens: Die ehemalige Klosterkirche St. Georg in Niederwerth. 3. Auflage, Köln 2024, ISBN 978-3-86526-151-9, S. 5. Die Augustiner stellten das Kloster unter das Patronat Unserer Lieben Frau und begannen mit dem Bau der heutigen Kirche, die 1474 geweiht wurde.Die Kunstdenkmäler des Landkreises Koblenz. Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1944, Nachdruck 1981, ISBN 3-590-32142-3, S. 252 u. 253.
Das Kloster brachte es zu erheblichem Reichtum, wozu auch Fälschungen von Schenkungs- und Kaufurkunden beitrugen.Aloys Schmidt: Die Urkundenfälschungen des Paters Johannes Deutsch für das Kloster Niederwerth. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst des Mittelrheins 2/3 (1950/51), S. 67–84. In der Folge der Reformation lebten 1580 nur noch zwei Chorherren in Niederwerth.Gunnar und Rüdiger Mertens: Die ehemalige Klosterkirche St. Georg in Niederwerth. 3. Auflage, Köln 2024, ISBN 978-3-86526-151-9, S. 7. Auf Anordnung des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Jakob von Eltz mussten sie das Kloster verlassen, damit dort Zisterzienserinnen aus Koblenz einziehen konnten, deren Gebäude der Bischof den Jesuiten zur Verfügung gestellt hatte, die in Koblenz eine neue Niederlassung gründen und die Gegenreformation auf seinem Territorium vorantreiben sollten.
Um 1600 ließen die Zisterzienserinnen neue Klosterbauten errichten: Die wenigen erhaltenen Gebäudereste stammen aus den Bauphasen von 1658 bis 1744. Sie sind zu Wohnungen umgebaut. Im Norden des Langhauses sind drei Joche des ehemaligen Kreuzganges erhalten und als Werktagskapelle eingerichtet. Diese Kapelle hat ein Netzgewölbe und drei zweibahnige Maßwerkfenster.
Liste der Äbtissinnen:Förderverein St. Georgskirche Niederwerth: Spannende Geschichte(n) der Niederwerther St. Georgskirche Folge 14: Die Zisterzienserinnen und ihre Kunstwerke, Artikel in Blick aktuell vom 24.8.2020 https://www.blick-aktuell.de/Berichte/Die-Zisterzienserinnen-und-ihre-Kunstwerke-450691.htmlJosef Pfaffenheuser, Förderverein St. Georgskirche Niederwerth: Die Zisterzienserinnen auf der Rheininsel 1580 bis 1637, Spannende Geschichte(n) der Niederwerther St. Georgskirche Folge 15 https://www.blick-aktuell.de/Berichte/Die-Zisterzienserinnen-aufder-Rheininsel-1580-bis-1637-453922.html.Josef Pfaffenheuser, Förderverein St. Georgskirche Niederwerth: Spannende Geschichte(n) der Niederwerther St. Georgskirche Folge 15, Teil 3: Die Zisterzienserinnen auf der Rheininsel 1637 bis 1811, Artikel in Blick aktuell vom 26.10.2020 https://www.blick-aktuell.de/Berichte/Spannende-Geschichten-derNiederwerther-St-Georgskirche-Folge-15-457691.html. Gutta Bolen von Mertloch († 22. September 1580), letzte Äbtissin vor der Umsiedlung auf die Insel Anna I. Meser von Horchheim (* ca. 1517, † 10. Dezember 1607), amtierte 1580–1607, erste Äbtissin nach der Umsiedlung Katharina Gergon (* ca. 1574, † 22. Februar 1658), amtierte 1612–1658 Maria von Ufflingen († 22. Januar 1669) wurde am 21. März 1658 zur Äbtissin gewählt, amtierte 1658–1669 Anna Renata von Ufflingen (* ca. 1635, † 25. August 1703), Schwester der vorigen, amtierte 1669–1703 Maria Catharina von Sinneren (* ca. 1638, † 5. Februar 1716), amtierte 1703–1716
Nach der Besetzung des Kurfürstentums Trier durch französische Revolutionstruppen fiel Niederwerth mit den rechtsrheinischen Gebieten an Nassau-Weilburg und wurde 1811 säkularisiert. Gebäude und Ländereien wurden verkauft, die ehemalige Klosterkirche wurde als Schenkung der Gemeinde Niederwerth übertragen. 1954 wurde die Kirche der Pfarrei übereignet. St. Georg ist eine Filiale von Vallendar und gehört zur Pfarreiengemeinschaft Vallendar-Urbar. Von 1968 bis 1972 wurde die Kirche unter dem Architekten Hansjoachim Neckenig aus Neuwied grundlegend restauriert. Unter anderem wurde an fast allen Fenstern das verwitterte Maßwerk durch Nachbildungen ersetzt und ein bisher vermauertes Fenster an der Nordseite des Chors wurde geöffnet.
Nach Abschluss der Restaurierung und Wiedereröffnung der Kirche brach am frühen Morgen des 16. Januar 1973 im Bereich der Orgel ein Feuer aus, das schwere Schäden im Innenraum verursachte. Dennoch konnte dank des erneuten Einsatzes der Restauratoren 1974 der 500. Jahrestag der Kirchweihe in dem Gotteshaus gefeiert werden.Spannende Geschichten, Folge 13. In: Blick aktuell. Abgerufen am 1. September 2024.
Architektur Außenbau Die Kirche ist ein einschiffiger, spätgotischer Bau mit einer lichten Innenlänge von insgesamt 33,85 Metern und einer Breite von 11,20 Metern im Kirchenschiff. Der Chor ist 17,80 Meter lang und 8,50 Meter breit. An der Südseite des Chors ist auf quadratischem Grundriss ein zweigeschossiger Sakristeibau mit einem Innenmaß von etwa 5 × 5 Metern schräg zur Längsachse der Kirche angebaut. Chor und Sakristei sind unterkellert. Auf dem Dach des Langhauses sitzen zwei Dachreiter, im Westen ein kleiner im barocken Stil, der nicht aus der Erbauungszeit stammt, sondern im 17. Jahrhundert aufgesetzt wurde. Der ältere und höhere Dachreiter über dem Chor musste 1911 abgetragen werden, nachdem er baufällig geworden war. Erneuert wurde er erst 1968 bei einer großen Außenrenovierung der Kirche.Die Dachreiter der St. Georgskirche Niederwerth. In: Blick aktuell. Abgerufen am 31. August 2024. Von den weißen Außenmauern des Gebäudes heben sich die rot gefassten Fensterumrahmungen ab. Zwischen den Fenstern der Langhaussüdwand sind Rosetten gemalt. Chor und Westfassade werden durch stark hervortretende, einmal abgetreppte Strebepfeiler gestützt, die mit Pultdächern gedeckt sind. Das südliche Langhaus, die Westfassade und der Chor sind von dreibahnigen Spitzbogenfenstern mit Fischblasenmaßwerk durchbrochen. Die Fenster der Nordwand sind zugemauert.
Innenraum mini|Innenraum Die Kirche ist ein dreijochiger Saalbau, an den sich im Osten ein eingezogener, dreijochiger Chor mit Fünfachtelschluss anschließt. Den westlichen Abschluss des Langhauses bildet eine vierjochige Empore, deren Brüstung aus kunstvollen Maßwerkfeldern besteht.
Die Kreuzrippengewölbe von Langhaus und Chor sind mit aufwendig gestalteten Schlusssteinen verziert, die Wappen und figürliche Darstellungen zeigen. Auf den Schlusssteinen im Chor sind Gottvater, die Hand Gottes, das Lamm Gottes und der heilige Augustinus dargestellt. Zwei Schlusssteine, links der Engel, rechts Maria, geben die Verkündigungsszene wieder. Auf einem anderen Stein steht ein Chorknabe hinter einem knienden Bischof, der durch sein Wappen als Johann II. von Baden (1434–1503) ausgewiesen ist. Im Langhaus sind der Schmerzensmann, Maria auf der Mondsichel und ein Christuskopf mit Dornenkrone zu sehen.
Auch die Konsolen sind mit Figuren skulptiert. Neben den zwölf Aposteln stellen sie Propheten und biblische Könige dar.
Der Sakristeianbau hat im Untergeschoss, in der eigentlichen Sakristei, ein Kreuzrippengewölbe mit Schlussstein, der die fünf Wundmale Christi zeigt, und ein dreibahniges Maßwerkfenster. Das über eine Wendeltreppe zu erreichende Obergeschoss ist flach gedeckt, Licht fällt durch kleine rechteckige Fenster in den Raum.
Wandmalereien Bei der Renovierung von 1968 bis 1972 kam eine Wand- und Gewölbeausmalung zum Vorschein, die wahrscheinlich in der Zeit kurz nach der Weihe der Kirche angelegt worden war. Danach wurde die figürliche Malerei im Kirchenschiff beziehungsweise Langhaus vollständig freigelegt. Die spätgotischen Fresken im westlichen Joch stellen die vier Kirchenväter mit den Symbolen der Evangelisten dar. Ambrosius ist der geflügelte Mensch des Matthäus zugeordnet, Augustinus der Adler des Johannes, Hieronymus der Löwe des Markus und Gregor der Stier des Lukas. Das folgende Joch zeigt weibliche Figuren mit Spruchbändern, die wahrscheinlich Sibyllen darstellen sollen. Im östlichen Joch tragen vier Engel die Leidenswerkzeuge Jesu: Geißelsäule, Kreuz und Leiter, Schwamm und Lanze. Auch an anderen Stellen wie in der Sakristei wurden Reste von Ranken- und Architekturmalerei wiederentdeckt. In einer Nische der nördlichen Langhauswand ist die Ölbergszene () in einem Gemälde dargestellt, das wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert stammt und im 17. Jahrhundert nach Beschädigungen übermalt sowie durch eine Jesusfigur ergänzt wurde. 1977 rekonstruierte Johannes Hartmann die Szene in Ölfarben. Hochwasserschäden machten 2007 eine erneute Sanierung erforderlich.
Bleiglasfenster
In ein Fenster des südlichen Langhauses wurden Fragmente eines Grisaillefensters von 1480 wieder eingefügt. Unter einem gotischen Baldachin ist eine Figur dargestellt, die als Bernhard von Clairvaux gedeutet wird. Auch in das große Fenster der Westfassade sind Fragmente mittelalterlicher Scheiben einbezogen.
Die neugotischen Chorfenster sind mit der Jahreszahl 1873 bezeichnet. Auf dem linken Fenster werden die heilige Katharina von Alexandrien, Maria und die heilige Elisabeth von Thüringen dargestellt, die in ihrem Gewand Rosen trägt. Das rechte Fenster zeigt den heiligen Georg, das Heiligste Herz Jesu, und den heiligen Nikolaus, zu dessen Füßen das Pökelfass mit den drei Scholaren steht.