Jurisch war ein deutsches Unternehmen aus dem Kraftfahrzeugbereich.
Unternehmensgeschichte Der Nürnberger Konstrukteur Carl Jurisch (* 1904; † 15. April 1967Das Motorrad. 49. Jg. 1967, Nr. 10. S. 285.) gründete in den 1950er Jahren in Altdorf bei Nürnberg das Unternehmen Carl Jurisch Fahrwerkbau. Eine andere Quelle nennt die Firmierung Jurisch GmbH und den Sitz Wappelshofen bei Nürnberg. Damit dürfte Wappeltshofen gemeint sein, seit 1972 ein Ortsteil der Stadt Altdorf bei Nürnberg.
Produkte mini|Express Radex 252 mit Jurisch-Hinterradfederung Carl Jurisch stellte insbesondere Hinterradfederungen für Motorräder her. Die Jurisch-Hinterradfederung gehörte in den 1950er-Jahren zur Ausstattung der Motorräder vieler Konfektionäre, zum Teil serienmäßig eingebaut oder auf Wunsch gegen Aufpreis. Aber auch die Zündapp DB 203 Comfort zum Beispiel wurde mit dieser Federung geliefert, ebenso auf Wunsch die Victoria KR 25 Aero.Katalog 100 Motorräder. Verlag für Handel und Wirtschaft, Müller & Co., München 1952. Bei der Jurisch-Hinterradfederung, die sich auch nachträglich in einen vorhandenen Starrrahmen einbauen ließ, waren Federung und Radführung getrennt, das heißt, die Feder war anders als bei der Teleskopfederung hinter dem Gleitrohr angeordnetGeradwegfederung: Wackelt nicht Auf oldtimer-markt.de vom 27. September 2012, abgerufen am 29. November 2021., direkt über der Achse. Die letzte Ausführung hatte eine Achsaufnahme in einer festklemmbaren Exzenterscheibe (zur Verstellung der Kettenspannung) und 75 mm Federweg.Siegfried Rauch, Frank Rönicke: Männer und Motorräder – ein Jahrhundert deutscher Motorradentwicklung. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02947-7, S. 75. Der Schmierung mit Fett dienten bei älteren Ausführungen Schmiernippel, jüngere Ausführungen hatten Ölschmierung, die am Peilstab im Führungsrohr erkennbar ist.Helmut Hütten: Das Schwingrad (Gleitrohrführung). In: Hans Trzebiatowsky (Hrsg.): "Motorräder, …", Pfanneberg, Gießen 1955, S. 559–560. Rahmenteile zum nachträglichen Einbau wurden mitgeliefert. Insgesamt waren es 48 europäische Unternehmen, an die rund eine Million Federungssätze geliefert wurden.Siegfried Rauch, Frank Rönicke: Männer und Motorräder – ein Jahrhundert deutscher Motorradentwicklung. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02947-7, S. 74.
Außer dieser Hinterradfederung produzierte Jurisch weiteres Zubehör für Motorräder wie Federbeine, Vordergabeln und geschlossene Kettenkästen sowie Vollnabenbremsen.
Fahrzeuge mini|Jurisch Motoplan im ehemaligen Bruce Weiner Microcar Museum mini|Heckansicht Jurisch fertigte Kleinstwagen in Kundenauftrag. Der Markenname lautete Jurisch. Zur Zeitspanne der Produktion gibt es unterschiedliche Angaben: 1954, 1956 bis 1957, 1957, 1957 bis 1959 oder 1959. Drei Fahrzeuge wurden gebaut. Eines, das später versteigert wurde, ist hier abgebildet. Ein anderes hatte größere Räder und ein höheres, weniger elegantes Verdeck, das dritte hatte hinten eine verschließbare Ladefläche (Kasten). Tatsächliche Verkäufe blieben aus und der Prototyp wurde nach Amerika geschickt, insofern handelt es sich nicht um eine Fertigung im Kundenauftrag.
Das einzige Modell wird von vier Quellen Motoplan, von einer anderen Quelle Einsitzer und Jurisch-Kabine, von einer weiteren Kabine und vom Autor Michael Wolff Metternich einfach Dreirad genannt. Es war ein Dreirad, bei dem sich das einzelne Rad hinten befand. Der Aufbau bestand aus den Schalen eines Seitenwagens von Steib. Anstelle von Türen konnte das komplette Oberteil der einsitzigen Karosserie zurückgeklappt werden. Angetrieben wurde das Fahrzeug von einem Einzylinder-Viertaktmotor von Heinkel, der auch die Heinkel Kabine antrieb. Der Motor leistete 9,3 PS aus 173 cm³ Hubraum. Das Fahrzeug war mit elektrischem Anlasser und einem Vierganggetriebe ausgestattet. Es war 228,6 cm lang und 122 cm breit. Das Leergewicht ist je nach Quelle mit 165 kg oder 173 kg angegeben.
Ein Jurisch Motoplan existiert noch. Es war im Bruce Weiner Microcar Museum in Madison im US-Bundesstaat Georgia ausgestellt. Im Februar 2013 wurde es – als „Prototyp“ bezeichnet – für 103.500 US-Dollar versteigert.
Literatur
Chris Rees: Three Wheelers A–Z. The definitive encyclopaedia of three-wheeled vehicles from 1940 to date. Quiller Print, Croydon 2013, ISBN 978-0-9926651-0-4, S. 102 (englisch). Hanns-Peter Baron Thyssen-Bornemissza von Kaszon, Otto Walenta (Hrsg.): Europäische Kleinwagen von A–Z. Das Nachschlagewerk. Band 2: 1956–1965. Rabenstein Verlag Otto Walenta, Mainz 1996, ISBN 3-929712-03-2, S. 142.
Weblinks
Hanns-Peter Baron von Thyssen-Bornemissza: Auf autolexikon-thyssen.de.
Einzelnachweise Chris Rees: Three Wheelers A–Z. The definitive encyclopaedia of three-wheeled vehicles from 1940 to date. Quiller Print, Croydon 2013, ISBN 978-0-9926651-0-4, S. 102. (englisch)
1957 Jurisch Motoplan Auf microcarmuseum.com, abgerufen am 8. November 2012 (englisch). Hanns-Peter Baron von Thyssen-Bornemissza: Auf autolexikon-thyssen.de. Hanns-Peter von Thyssen-Bornemissza, Otto Walenta (Hrsg.): Europäische Kleinwagen von A–Z. Das Nachschlagewerk. Band 2: 1956–1965. Rabenstein Verlag Otto Walenta, Mainz 1996, ISBN 3-929712-03-2, S. 142. (Der Autor zeigt im Bild eine Jurisch Kabine „von 1957“ und schreibt zugleich: „Der Nürnberger Konstrukteur Jurisch präsentierte im Herbst 1959 dieses Dreirad …“. ) Jurisch Auf allcarindex.com, abgerufen am 31. Januar 2014 (englisch). Jurisch Auf dauto.nl, abgerufen am 10. Januar 2015 (niederländisch). 1957 Jurisch Motoplan Prototype Auf rmsothebys.com vom 15. Februar 2013, abgerufen am 4. Dezember 2021 (englisch). Keith Ray: Bizarre Cars. The Strangest vehicles of all time. The History Press, Stroud 2013, S. 133. Michael Wolff Metternich: 100 Jahre auf 3 Rädern. Deutsche Dreispur-Fahrzeuge im Wandel der Zeiten. Neue Kunst Verlag, München 1993, ISBN 3-929956-00-4, S. 192–193.
Kategorie:Ehemaliger Pkw-Hersteller (Deutschland) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Landkreis Nürnberger Land) Kategorie:Organisation (Altdorf bei Nürnberg) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Landkreis Nürnberger Land) Kategorie:Gegründet in den 1950er Jahren Kategorie:Aufgelöst im 20. Jahrhundert