Micheal „Sugar“ Ray Richardson (* 11. April 1955 in Lubbock, Texas; † 11. November 2025 in Lawton, Oklahoma) war ein US-amerikanischer Basketballspieler und -trainer. Zu Beginn seiner Spielerkarriere galt Richardson als eines der größten Basketballtalente auf der Point-Guard-Position. Seine Leistungen verschlechterten sich jedoch durch Drogenprobleme und nach einem dritten positiven Drogentest wurde er schließlich 1986 als erster Spieler lebenslang in der NBA gesperrt. 1988 setzte er seine Karriere in Europa fort und spielte dort bis 2002 für verschiedene Vereine in Italien, Kroatien und Frankreich. 2004 wurde er Spielertrainer in der CBA und setzte sich bei folgenden Stationen in verschiedenen unterklassigen Ligen in seinem Heimatland immer noch selbst bis 2011 als Spieler mit ein.
Karriere Der gebürtige Texaner wuchs in Denver auf. Aus dem Bundesstaat Colorado wechselte er 1974 zum Studium nach Montana, wo er in Missoula an der University of Montana – Missoula studierte und dort für die Hochschulmannschaft Grizzlies in der Big Sky Conference der ersten NCAA-Division spielte. 1978 gewann man als Erstplatzierter der Conference auch das Meisterschafts-Finalturnier der Conference. Im anschließenden NBA-Draftverfahren wurde Richardson an vierter Stelle, noch zwei Stellen vor der späteren NBA-Legende Larry Bird, von den New York Knicks ausgewählt.
USA (1978 bis 1988) Die Knicks hatten in den 1970er Jahren mit ihrem charismatischen Spielmacher und späteren „Hall-of-Famer“ Walt Frazier zweimal die Meisterschaft gewonnen und waren auf der Suche nach einem Nachfolger auf dessen Position. Richardson konnte diese Erwartungen zunächst erfüllen und erreichte in seiner zweiten Spielzeit mit 10,1 Assists und 3,2 Steals pro Spiel die Bestwerte aller Spieler der NBA in diesen Wertungen. Er war damit der erste Spieler, der diese Kategorien gemeinsam anführte. 1981 trat der ehemalige Meisterschaftstrainer Red Holzman zurück und Hubie Brown übernahm seinen Posten. Der aus den Mountain States stammende, mit kleineren Stotterproblemen kämpfende Richardson war zuvor schon als Person bekannt gewesen, die gerne feierte.
Nachdem beim Umbau der Mannschaft auch zwei Spieler in einem Spielertausch transferiert worden waren, die als Bezugspersonen von Richardson innerhalb der Mannschaft galten, suchte Richardson zunehmend Ablenkung außerhalb des Spielfeldes und glitt in die Drogenszene der Großstadt New York Anfang der 1980er ab. Dies blieb nicht ohne Auswirkung auf seine spielerischen Leistungen, so dass Trainer Hubie Brown auf einen Wechsel von Richardson drängte. Die Golden State Warriors aus Kalifornien waren vom Leistungsvermögen von Richardson weiter überzeugt und gaben den aus New York stammenden Bernard King 1982 für Richardson ab. Doch nach drei Monaten mussten auch die Warriors einsehen, dass Richardson in seiner derzeitigen Verfassung nicht zu helfen war und er insbesondere der Mannschaft nicht weiterhelfen konnte, und suchten einen neuerlichen Spielertausch.
Trainer Larry Brown, der als Spieler und Trainer in den 1970er Jahren in Richardsons Heimat Denver gearbeitet hatte, holte diesen zurück an die Ostküste zu den New Jersey Nets. Richardson durchlief mehrere Rehabilitationsprogramme, die er zumeist nach kurzer Zeit als nach eigener Aussage „geheilt“ beendete. Die Nets glaubten jedoch nicht an eine echte Heilung und suchten das Vertragsende, da sie ihn nahezu aufgegeben hatten. Die NBA gewährte jedoch keine Vertragsauflösung, da sie mit der Spielergewerkschaft ein Abkommen geschlossen hatte, die eine endgültige Sperre erst nach drei positiven Drogentests vorsah. Richardson hielt schließlich eine Rehabilitation durch und kehrte mit vermeintlich alter Leistungsstärke zurück.
Bei seiner glänzenden Rückkehr konnte er tatsächlich an Leistungen aus seiner zweiten NBA-Saison anschließen und die Nets besiegten in der ersten Play-off-Runde um die Meisterschaft 1984 den amtierenden Meister Philadelphia 76ers. In der folgenden Saison wurde Richardson 1985 zum vierten Mal für das NBA All-Star Game berufen. Diese Berufung war im Nachhinein nicht ohne Pikanterie, da er damit den „Rookie“ () Michael Jordan, der später die Liga bestimmte, aus der Mannschaft der NBA Eastern Conference verdrängte. Eine Spielzeit später jedoch wurde Richardson nach einem Rückfall im Anschluss an eine Weihnachtsfeier zum dritten Mal positiv auf Kokain getestet und NBA-Commissioner David Stern sprach im Februar 1986 die lebenslange Sperre gegen Richardson aus. Richardson platzierte sich mit einem Schnitt von 2,6 Ballgewinnen pro Spiel auf dem zweiten Rang und einem Schnitt von gut 7 Korbvorlagen pro Spiel in der ewigen NBA-Bestenliste unter den ersten 25 Spielern dieser Wertungen.
Anschließend war Richardson zwei Jahre in unterklassigen Ligen beschäftigt. 1988 gewann er mit den Albany Patroons den Meisterschaftstitel der CBA. Den ersten Titel hatten die Patroons unter Trainer Phil Jackson 1984 gewonnen, der 1978 zu Richardsons Karrierebeginn als Spieler von den New York Knicks zu den New Jersey Nets gewechselt war und 1987, vor dem Engagement von Richardson bei den Patroons, als Trainer in die NBA zu den Chicago Bulls wechselte, wo er mit Michael Jordan mehrere Meisterschaften gewann.
Europa (1988 bis 2002) Zwar hob die NBA 1988 die lebenslange Sperre von Richardson auf, doch dieser wechselte zunächst in die italienische Lega Basket Serie A zum Verein Virtus Bologna. Mit dem mehrfachen italienischen Meister gelangen Richardson in seiner dreijährigen Zeit bis 1991 zwei italienische Pokalsiege. 1990 gewann man zudem den Europapokal der Pokalsieger. 1991 wechselte er zu KK Split nach Kroatien, der die drei Jahre zuvor jeweils den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte. Infolge der Jugoslawienkriege war diese Mannschaft jedoch auseinandergebrochen und der Verein konnte in der Saison 1991/92 an diese Erfolge nicht mehr anschließen. Es reichte nur zu einem nationalen Pokalsieg. Daraufhin kehrte Richardson nach Italien zurück und spielte für den italienischen Vizemeister von 1989 Libertas aus Livorno. Dieser erreichte jedoch 1993 nur knapp die Play-offs um die Meisterschaft und schied in der ersten Runde aus. Eine Spielzeit später kam es noch schlechter, als man eine Play-off-Platzierung um einen Sieg verpasste, und man in eine Relegationsrunde mit den besten Zweitligisten musste. Dort setzte sich Mens Sana Basket Siena durch und kehrte in die höchste Spielklasse Italiens zurück, während Livorno sieben Siege aus zehn Spielen wegen Verkleinerung der obersten Spielklasse nicht zum Klassenverbleib reichten. Anschließend stellte der Verein seinen professionellen Spielbetrieb ein.
1994 wechselte Richardson in die LNB Pro A zum französischen Vizemeister Olympique d’Antibes. Zusammen mit seinem zehn Jahre jüngeren Landsmann David Rivers gewann der mittlerweile 40-jährige Richardson 1995 mit Olympique unter Trainer Jacques Monclar die französische Meisterschaft. Ohne Rivers, der nach Griechenland wechselte und 1997 mit Olympiakos Piräus deren ersten Europapokal der Landesmeister gewann, schied man in der folgenden Spielzeit als Titelverteidiger im Play-off-Halbfinale gegen den späteren Meister EB Pau-Orthez aus. In der darauffolgenden Spielzeit verpasste man dann sogar die Play-offs um die Meisterschaft. 1997 verließ Richardson den Verein und sollte in Rieti bei AMG Sebastiani Basket spielen. Der Zweitligist und ehemalige Korać-Cup-Sieger wurde jedoch vor Saisonbeginn aus finanziellen Gründen vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Richardson kehrte daraufhin nach Frankreich zurück und spielte beim französischen Verein aus Cholet. Dieser gewann 1998 mit dem nationalen Pokalsieg seinen ersten Titel und erreichte auch im Korać-Cup überraschend das Halbfinale.
Für die Spielzeit 1998/99 kehrte Richardson schließlich doch nach Italien zurück und spielte in der zweiten italienischen Liga A2 für Libertas aus Forlì. Der ehemalige Erstligist scheiterte jedoch in den Play-offs um den Aufstieg in die oberste Spielklasse an dem Nachfolgeverein von Richardsons ehemaliger Mannschaft aus Livorno. Am Ende der Spielzeit stellte auch Libertas Forlì seinen professionellen Spielbetrieb ein. Richardson kehrte nach Livorno zurück, das zuvor in der Finalserie den Aufstieg verpasst hatte. In der folgenden Spielzeit fand sich Livorno jedoch in den unteren Tabellenrängen der zweiten Spielklasse wieder und der Vertrag mit dem beinahe 45-jährigen Richardson wurde im Februar 2000 beendet. In der Folge hatte Richardson bis 2002 noch kurzfristige Engagements in Antibes und bei einem unterklassigen Klub aus Golfe-Juan ebenfalls an der Côte d’Azur.
Spielertrainer in den USA Nachdem Richardson in sein Heimatland zurückgekehrt war, übernahm er im Dezember 2004 das Traineramt bei seinem ehemaligen Verein Albany Patroons, die in die CBA zurückkehrten. 2007 erreichten die Patroons die Finalserie der CBA gegen die Yakama Sun Kings. Nach dem verlorenen ersten Endspiel wurde Richardson wegen antisemitisch gewerteter Äußerungen gesperrt und anschließend durch den ehemaligen NBA-Profi Vincent Askew als Trainer ersetzt. Richardson wurde daraufhin Trainer des Ligarückkehrers Cavalry aus Lawton (Oklahoma) und gewann 2008 auf Anhieb die Meisterschaft der CBA, nachdem man den amtierenden Meister Sun Kings in der Halbfinalserie besiegt hatte. 2009 verteidigte man die Meisterschaft gegen die Patroons, als man im dritten und entscheidenden Spiel in der Verlängerung siegte.
Die Continental Basketball Association stellte jedoch als Liga anschließend ihren Spielbetrieb ein, so dass die Cavalry in der folgenden Spielzeit in der Premier Basketball League (PBL) antraten. Trotz Tumulten im verlorenen ersten Spiel der Finalserie der PBL gewann man die Serie noch und feierte für den Verein die dritte Meisterschaft hintereinander. In der folgenden Spielzeit kam es erneut zu einem Aufeinandertreffen mit den Razorsharks aus Rochester (New York) in der Finalserie, die diesmal die Oberhand hatten. Richardson unterstellte den Schiedsrichtern, die Spiele zugunsten der Razorsharks verschoben zu haben, und verließ die Liga und den Verein.
Für die Spielzeit 2011/12 übernahm Richardson das Traineramt bei den Lightning aus London (Ontario) in der National Basketball League of Canada. Die neu gegründete Mannschaft wurde auf Anhieb Meister dieser Liga und Richardson gewann zum vierten Mal in fünf Jahren einen Meistertitel.
Richardson starb im November 2025 an den Folgen einer Krebserkrankung.
Persönliche Auszeichnungen 4-mal NBA All-Star 1980 bis 1982, 1985 2-mal NBA All-Defensive First Team 1980 und 1981
Erfolge Als Spieler 1988 CBA-Meister mit Albany Patroons 1989 und 1990 Italienischer Pokalsieger mit Knorr Bologna 1990 Europapokal der Pokalsieger mit Knorr Bologna 1992 Kroatischer Pokalsieger mit KK Split 1995 Französischer Meister mit Olympique d’Antibes 1998 Französischer Pokalsieger mit Cholet Basket Als Trainer 2007 CBA-Vizemeister mit Albany Patroons 2008 und 2009 CBA-Meister mit Lawton-Fort Sill Cavalry 2010 PBL-Meister mit Lawton-Fort Sill Cavalry 2011 PBL-Vizemeister mit Lawton-Fort Sill Cavalry 2012 NBL Kanada-Meister mit London Lightning
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