mini|US-amerikanische Fraternities Tau Kappa Epsilon und Kappa Alpha Order mini|Vorbereitung eines Paukanten der polnischen Korporacja Akademicka Sarmatia für eine Mensur

Neben den Studentenverbindungen im deutschsprachigen Raum gibt es Studentenverbindungen und ähnliche Vereinigungen auch außerhalb des deutschen Sprachraums. Zu diesen zählen zum einen die Studentenverbindungen in Mittel- und Osteuropa, die gleichfalls durch Lebensbundprinzip, Conventsprinzip und Comment, häufig auch Couleur und MensurPaul Ehinger: Studentenverbindungen, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 3. Dezember 2013. geprägt sind. Insbesondere nach der deutschen Reichsgründung 1871, als die Studentenverbindungen in Deutschland ihren Höhepunkt erreichten, dienten sie als Modell für andere Länder.Lieve Gevers, Louis Vos: Studentische Bewegung, in: Walter Rüegg (Hrsg.): Geschichte der Universität in Europa. Band 3: Vom 19. Jahrhundert zum Zweiten Weltkrieg (1800–1945). Beck, München 2004. S. 260. In einigen Ländern außerhalb Europas gründeten deutsche Auswanderer oder deren Nachfahren Studentenverbindungen nach deutscher Tradition, in anderen wurden Studentenverbindungen durch Austauschstudenten gegründet.

Daneben gibt es in vielen Ländern Studentenvereinigungen jeweils eigenständiger Tradition, die sich zum Teil deutlich von den deutschen Studentenverbindungen unterscheiden. Teilweise entwickelten sie sich aber aus den Nationes oder den Studentenorden und weisen daher zumindest gemeinsame Ursprünge mit den deutschen Studentenverbindungen auf.

Dieser Artikel soll lediglich semestrale Studentenverbindungen aufnehmen, weitere feriale Korporationen sind unter der Liste der Ferialverbindungen zu finden.

Europa

Baltikum mini|Wappen des Vereins Studierender Esten (EÜS). Seine Farben wurden später zu den estnischen Nationalfarben.

In den drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland haben sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zahlreiche farbentragende Studentenverbindungen neu- und wiedergegründet, die zum Teil auf den Traditionen der ab dem frühen 19. Jahrhundert bestehenden deutsch-baltischen Studentenverbindungen, teilweise – wie der Verein Studierender Esten (estn. Eesti Üliõpilaste Selts) – auf eigenen Traditionen beruhen.Toivo Miljan: Historical Dictionary of Estonia. Rowman & Littlefield, Lanham 2015, ISBN 978-0-8108-7244-8. S. 429.

Estland In Estland gibt es zahlreiche Studentenverbindungen unterschiedlicher Ausrichtung. Mit der Arminia Dorpatensis existiert auch eine Verbindung des christlichen Wingolfsbundes.Website der Arminia Dorpatensis

Lettland In der lettischen Hauptstadt Riga gibt es zahlreiche studentische Korporationen. Im Präsidenkonvent (lett. Prezidiju Konvents) sind ca. 23 Verbindungen (davon eine russische Korporation) und im Präsidenkonvent der lettischen Damenverbindungen ca. 13 Damenverbindungen zusammengeschlossen. Sieben dieser Verbindungen wurden 1947 von lettischen Flüchtlingen in Deutschland gegründet, fünf an der Baltischen Universität in Pinneberg, zwei in München.

Litauen In Litauen existieren zurzeit sieben Korporationen, welche 2006 den Rat der Litauischen Korporationen gegründet haben. Die Korporation Tautito an der TU Kaunas ist auch Mitglied der Freien Kurie im EKV.EKV: Mitgliedsverbindungen der freien Kurie

Belgien In Belgien gibt es Studentenverbindungen und ähnliche Vereinigungen verschiedenster Historie und Tradition. Zu beachten ist die notwendige Differenzierung zwischen Studentenverbindungen im flämischen und wallonischen Teil Belgiens.

Dänemark Nach der 1920 erfolgten Abtretung Nordschleswigs an Dänemark wuchs die Zahl der deutsch-nordschleswigschen Studenten an der Universität Kopenhagen. Viele hatten zuvor and deutschen Universitäten studiert und waren Mitglieder deutscher Studentenverbindungen. 1924 entstand in Kopenhagen durch Unterstützung von Hans Hansen Kaad die Verbindung Schleswigscher Studenten (VSSt), die in der Tradition deutscher Studentenverbindungen stehen, dabei jedoch den besonderen Umständen in Kopenhagen Rechnung tragen sollte.Verbindung Schleswigscher Studenten – Collegium 1961, Apenrade, 2001 Es entwickelten sich eine Aktivitas und eine Altherrenschaft im Sinne des Lebensbundprinzips.

1959 wurde mit dem Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt) ein Freundschaftsabkommen vereinbart. 1961 wurde das erste Haus in Hellerup bei Kopenhagen, 1969 das zweite Haus in Højbjerg bei Aarhus, erworben. Infolge der 1968er Bewegung war die VSSt von Mitte der 1970er bis Anfang der 80er Jahre suspendiert. Seit 1982 dürfen auch Studentinnen Mitglied werden. 1995 wurde in Odense ein weiteres Haus gekauft. Nach der Jahrtausendwende wurde die Aktivitas reaktiviert, sie feiert im Jahr 2024 ihr 100. Stiftungsfest.

Finnland

In Finnland gibt es die Studentnationen aus der Zeit des Schwedischen Reiches. Auf Finnisch heißen sie auch Osakunta. Manche von ihnen unterhalten Kontakt zu den estnischen Korporationen. An der Akademie zu Turku wurde 1816 eine Nachahmung der Urburschenschaft gegründet, die sich aber bereits 1817 auflöste.Walter Rüegg: Themen, Probleme, Erkenntnisse in: derselbe (Hrsg.): Geschichte der Universität in Europa. Band 3: Vom 19. Jahrhundert zum Zweiten Weltkrieg (1800–1945). Beck, München 2004. S. 35.

Frankreich mini|hochkant|Wappen der SBV Wilhelmitana von 1855

Corpo, Bitard, Basochard und Faluchard In Frankreich existieren Corpos. Corpo ist eine Kurzform von frz. corporation und bezeichnet eine bestimmte Art von Studentenvereinigungen oder Studentenverbindungen in Frankreich. Sie sind nicht mit den deutschen Corps zu verwechseln. Es existieren weitere französische Studentenvereinigungen, die sogenannten Bitards, Basochards und Faluchards. Sie alle tragen die Faluche, welche eine traditionelle französische Baskenmütze aus schwarzem Samt ist, die mit farbigen Bändern und Abzeichen verziert ist. Früher wurde die Faluche fast ausschließlich mit Falucharden in Verbindung gebracht, obwohl es auch andere Folklore über die Faluche gibt. Ihre Geschichte geht auf den 25. Juni 1888 zurück.La faluche, histoire, décryptage et analyse, Guy Daniel, thèse pour le doctorat en médecine, Lille, 1990 (Bibliothèque universitaire – Section de Médecine – Lille 50375 1990 166)La symbolique de la faluche, K. Vernier, mémoire de maîtrise d'ethnologie, Strasbourg, 1991–1992La faluche, naissance et renaissance, C. Lambert, thèse pour le doctorat de pharmacie, 1993La faluche, une forme de sociabilité estudiantine, Manuel Ségura, mémoire de maîtrise d'histoire, Poitiers, 1994La faluche, béret hérité, béret des héritiers, N. Romé, mémoire de maîtrise de sociologie, Angers, 1994Symbolism and the faluchard movement, M. Collins, Sunderland England, 1999 (en anglais)

Elsass In Straßburg gab es vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche deutsche Korporationen, nach 1919 waren es nur noch fünf. Die Schwarzburgverbindung Wilhelmitana war die einzige, die nach 1945 (Wiedergründung des Altherrenvereins 1956, Aufnahme der ersten Studenten 1964) wiedergegründet werden konnte. 1967 konnte sie wieder ihr Verbindungshaus übernehmen. Allerdings konnte sie bis 1980 nur 45 neue Mitglieder gewinnen, weshalb sie 1985 wieder aufgelöst wurde.Paulgerhard Gladen, Kurt U.Bertrams: Das studentische Korporationswesen in Straßburg. WJK-Verlag, Hilden 2012, S. 145.

Die 1992 als Cercle d’Etudiants Alsatia (Namensvorbild war Alsatia Straßburg) gegründete christliche Verbindung EStV Robert Schuman Argentorata (umbenannt 1996) ist seit 1993 Mitglied im Europäischen Kartellverband (EKV).Paulgerhard Gladen, Kurt U.Bertrams: Das studentische Korporationswesen in Straßburg. WJK-Verlag, Hilden 2012, S. 174.; sie ist farbentragend und gemischt mit den Farben blau und gelb auf silbernem Hintergrund. Sie ist aktiv (Stand: 2024).

Großbritannien mini|Emblem des Bullingdon Clubs (1852)

Geheimgesellschaften An einigen britischen Universitäten bestehen elitäre Geheimgesellschaften in Form von Debattierclubs und Tischgesellschaften. Bekannte studentische Geheimgesellschaften in Großbritannien sind die Cambridge Apostles an der Universität Cambridge und der Bullingdon Club in Oxford.Christoph Scheuermann: Die Auserwählten, Der Spiegel, Nr. 42, 2015.

Als Grund dafür, dass sich an britischen Universitäten von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen keine den deutschen Korporationen ähnlichen Vereinigungen entwickelten, geben einige Autoren die Unterschiede zwischen den Universitätsformen an.Lieve Gevers, Louis Vos: Studentische Bewegung, in: Walter Rüegg (Hrsg.): Geschichte der Universität in Europa. Band 3: Vom 19. Jahrhundert zum Zweiten Weltkrieg (1800–1945). Beck, München 2004. S. 256.Matthias Stickler: Universität als Lebensform? Überlegungen zur Selbststeuerung studentischer Sozialisation im langen 19. Jahrhundert. In: Rüdiger vom Bruch (Hrsg.): Die Berliner Universität im Kontext der deutschen Universitätslandschaft nach 1800, um 1860 und um 1910. De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2010. S. 149–186, hier S. 152f. Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem angelsächsischen Collegewesen und der Humboldtschen Universität in Deutschland bestand darin, dass erstere auch die Erziehung der Studenten übernahm, während letztere sich ausschließlich auf die Forschung und Lehre beschränkte.Rainer F. Schmidt: Beschränkte Sicht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. August 2006, Seite 6. Dieses Vakuum – die sogenannte Humboldtsche LückeSiegfried A. Kaehler: Wilhelm von Humboldt und der Staat. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1962, S. 228ff. – beförderte im deutschsprachigen Raum die Entstehung der Verbindungen.Henrike Wiemker: O goldne Herrlichkeit der Studienzeit, faz.net, 14. Dezember 2016.Harald Lönnecker: „… auch das wackere und freie Burschenleben kam nicht zu kurz, wie es von alters her den deutschen Universitäten eigen“ – Zum Rostocker Studentenvereinswesen seit dem späten 18. Jahrhundert bis 1935. Ein Überblick. In: Gisela Boeck, Hans-Uwe Lammel (Hrsg.): Von Rechtsquellen und Studentenverbindungen, Lateinamerikanistikpionieren und politisch Unangepassten. Facetten Rostocker Universitätsgeschichtsschreibung. (= Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Bd. 27), Rostock 2014. S. 39–69, hier S. 43f. Colleges und Verbindungen sei jedoch zumindest der Corpsgeist gemein.Sonja Levsen: Elite, Männlichkeit und Krieg: Tübinger und Cambridger Studenten 1900–1929. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006 (= Kritische Abhandlungen zur Geschichtswissenschaft, Bd. 170), S. 13.

Verbindungen deutscher Tradition In London gibt es zwei Verbindungen. Am 23. Mai 2003 wurde die deutschsprachige Katholische Europäische Landsmannschaft Gregoriana London, Tochterverbindung der K.Ö.L. Josephina Wien im KÖL, gegründet. Ihre Farben sind rot-weiß-gold. Der Wahlspruch ist Viribus unitis. Am 21. Oktober 2007 wurde eine englischsprachige Tochterverbindung der Gregoriana namens English Catholic and Academic Fraternity Britannia London gegründet, die den Traditionen der deutschen Studentenverbindungen folgt.ECF Britannia: About Us Ihre Farben sind rot-weiß-blau. Der Wahlspruch ist Sola virtus invicta.

Italien

In Italien gibt es die goliardischen Orden.G. Gottwals: Ordini goliardici, in: GDS-Archiv für Hochschul- und Studentengeschichte, Band 4, Köln 1998, S. 168–170. Die Bewegung hat ihren Ursprung im Jahre 1888 in Bologna anlässlich der 800-Jahr-Feier der dortigen Universität genommen. Goliardische Orden bestehen hauptsächlich in Nord- und Mittelitalien. Im Gegensatz zu deutschen Verbindungen besteht bei den allermeisten Orden kein Lebensbundprinzip – die Mitglieder scheiden mit dem Ende des Studiums aus.

In Südtirol gibt es neben mehreren Schülerverbindungen zwei deutsche Studentenverbindungen: A.V. Meinhardia Bozen, Mitglied im Österreichischen Cartellverband (ÖCV) F.V. Vinalia Neumarkt, eine Ferialverbindung

Es gab in Südtirol früher: