mini|Erzbischof Ignaz Anton Demeter Ignaz Anton Demeter (* 1. August 1773 in Augsburg; † 21. März 1842 in Freiburg im Breisgau) war von 1836 bis 1842 Erzbischof von Freiburg.
Kindheit Ignaz Demeter war das erste Kind des Augsburger Bäckermeisters Johann Nepomuk Demeter, geboren in Höchstädt an der Donau und seiner Ehefrau Eleonore geb. Bruggberger aus Augsburg. Nachweislich folgten zehn Geschwister, von denen aber fünf bereits in den ersten Lebensjahren verstarben.
Jugend Bereits in den Jugendjahren hatte sich Ignaz der Musik verschrieben. Er spielte Geige, Cello und auch Fagott. Sowohl als Musiker wie als Sänger war er an der Domstiftskirche Augsburg tätig. In jene Zeit fällt auch die Freundschaft zu Anton Böhm, ebenfalls Kirchenmusiker in Augsburg. Während Demeter Augsburg später verließ, gründete sein Freund Böhm dort einen noch heute bestehenden Musikverlag. Böhm widmete in späteren Jahren seinem Jugendfreund Demeter eine in seinem Verlag erschienene Messe.
Bereits 1789 verstarb Demeters Vater, noch nicht ganz 46 Jahre alt und nur wenig nach der Geburt des letzten Kindes. Die Witwe heiratete am 27. Dezember 1791 in zweiter Ehe Bernhard Stark aus Augsburg.
Ignaz Anton Demeter besuchte in Augsburg die Stadtschule und das Jesuitenkolleg St. Salvator. Zur Musikliebe kamen noch die Sprachen, hier brachte er es bis zu einem Schulpreis. Seine Ausdauer und Begabung brachten ihn 1793 an das Bartholomäerinstitut in Dillingen an der Donau, das Priesterseminar der Diözese Augsburg und eine philosophisch-theologische Hochschule.
Hier lernte er den Theologen Johann Michael Sailer kennen, der Demeter auch unterrichtete. Die „Erweckungsbewegung“ Sailers, eine Art Erscheinungsform des Pietismus in der katholischen Kirche, beeindruckte den angehenden Theologen. Sailer war es auch, der in Demeter den Hang zur Erziehung, zum Unterrichten, entdeckte. Demeters ausgezeichnete Studienzeugnisse legen nahe, dass dies seine Bestimmung war.
Baron Clemens Wenzeslaus Schenk von Stauffenberg aus der Wilflinger Stammlinie erkannte das Potential des Seminaristen Demeter und bedachte ihn mit dem sogenannten Tischtitel, den man mit einem Stipendium vergleichen kann, der bis zur Priesterweihe gültig war. Im Hause Stauffenberg war man den Ideen der Aufklärung verpflichtet. Die Hochschule verließ Ignaz Demeter nach dreijährigem Studium mit guten Zeugnissen und wurde am 10. August 1796 zum Priester geweiht. Die Primiz feierte er in seiner Heimatstadt Augsburg.
Erste Pfarrstellen In den folgenden Jahren verbrachte er seine Zeit als Hilfspriester in Ried, das zur stauffenbergschen Herrschaft Jettingen gehörte. In dieser Gegend waren auch Christoph von Schmid und Martin Boos tätig. Auch sie waren Schüler Sailers und Anhänger seiner Ideen. Dafür allerdings war die Zeit nicht reif und gerade im ländlichen Raum hegte man größtes Misstrauen gegen diese Bewegung. Auf eine Anzeige des Jettinger Dekans Johann Michael Steiner veranlasste der Augsburger Generalvikar Nigg Hausdurchsuchungen bei den verdächtigten Priestern.
Bei der nächtlichen Aktion wurde beim Hilfspriester Demeter auch dessen Briefwechsel mit Johannes Evangelista Goßner gefunden, der später der Bewegung separatistische Züge verlieh und sowohl Jahrgänger als auch Landsmann Demeters war. Diesen Briefen verdanken wir den Einblick in Ignaz Demeters Seelenleben: ein tief religiöser Mensch, der sich schließlich von den Ansichten Goßners löste und sich auch keiner evangelisch-protestantischen Tendenz verdächtig machte.
Patronatsherr Klemens Schenk Reichsgraf von Stauffenberg präsentierte Ignaz Anton Demeter am 11. Februar 1802 als Pfarrer der Kirchengemeinde Lautlingen/Margrethausen. Hier trat er die Nachfolge von Pfarrer Fidelis Lenz im März an und war somit der ungerechtfertigten Verfolgung im Bistum Augsburg entzogen. Zusammen mit ihm kam seine dritte Schwester Maria Viktoria Josefa nach Lautlingen um seinem Pfarrhaushalt vorzustehen. Es gab in dieser kleinen Gemeinde, im Jahre 1812 zählte man 623 Einwohner, wovon 598 als ortsanwesend galten, viel zu tun. Der Kirchenchor war mindestens seit den 1780er Jahren vorhanden, die Schule allerdings bestand nur als Winterschule. In den Sommermonaten wurde jede Hand für die bäuerliche Arbeit gebraucht. Neben der doch sehr einfachen Seelsorgearbeit unterrichtete er die Kinder sieben Jahre lang in allen Fächern. Er konnte hier seine eigenen Lehrmethoden ausprobieren und erzielte dabei solche Erfolge, dass sowohl jüngere als auch ältere Lehrer nach Lautlingen kamen, um sich zu informieren. Ganz seinen Intentionen folgend, richtete er im Pfarrhaus Lautlingen ein kleines Lehrerseminar ein, in dem er den Lehrerkollegen seine Unterrichtsmethoden erläuterte und sie weitergab. Dies war die erste private Lehrerbildungsstätte im Königreich Württemberg. Auch pädagogische Werke gab er in dieser Zeit heraus, so z. B. das 1804 beim Herderverlag in Freiburg erschienene Werk Hexen- und Gespenstergeschichten, das später mehrmals neu aufgelegt wurde. Daraus stammt auch das Zitat: „An Hexen und Gespenster glaubt kein gescheiter Mann, nur in verrückten Köpfen trifft man noch so was an“. Zusammenfassend muss noch erwähnt werden, dass sich in Lautlingen die erste Dorfschule im Königreich Württemberg befand, an der ganzjährig Unterricht erteilt wurde.
Bereits zu dieser Zeit gab es im Ort eine „geringe Musikgesellschaft“, die wohl bei Hochzeiten und anderen Anlässen mehr schlecht als recht aufspielte, deren Geschichte aber bis heute noch nicht fassbar ist. Dies konnte dem aufstrebenden Pfarrer nicht genügen. Er kannte die musikalischen Höhepunkte geistlicher Musik aus seiner Jugendzeit am Augsburger Dom und in Lautlingen wollte er wenigstens ein kleines Abbild schaffen. Dass sich hier im Ort dafür ein fruchtbarer Boden fand, zeigt sich schon daran, dass der katholische Kirchenchor bereits existierte. Auch eine Theatergesellschaft gab es schon und so ergab es sich, dass einige musikalisch Begabte sich um Unterricht beim Pfarrer, der ja selbst Musiker war, bemühten. Sein erklärtes Ziel war die Hebung der Kirchenmusik. Nach zahlreichen Bitten berief er eine Versammlung der Interessenten ein und legte diesen einen bis ins Detail ausgearbeiteten Vertrag vor, der heute noch im Pfarrarchiv Lautlingen lagert. Wie wir später noch hören, war er der „Vergnügungsmusik“ gegenüber unerbittlich und im Vertrag schreibt er auch vor, dass diese Musik der liederlichen Spielleute nicht ausgeübt werden dürfe, unter anderem auch um den gewöhnlichen Musikanten ihr Brot nicht zu schmälern. Es kann kein deutlicheres Zeichen dafür geben, dass es in Lautlingen also schon vorher Musikanten gab.
Die Bildung zu mehren und damit auch das gemeinschaftliche Leben zu fördern war das Ziel Demeters. Seinem Grundsatz „Lieber nichts anfangen, als nicht gut ausführen und rühmlich enden. Lieber gar nichts, als eine Bettelmusik“ folgend, kämpfte er für seine Gesellschaft, denn die Armut in Lautlingen war groß. Bedingt durch Kosten der Revolutionskriege und der Viehverluste durch Seuchen sowie durch Straßenbauten und den Bau bzw. die Instandhaltung öffentlicher Gebäude hatte die bürgerliche Gemeinde einen Schuldenberg von über 72.000 Gulden1 Gulden (fl. = Florin) entspricht 60 Kreuzern und diese 480 Hellern. Die Mindestkosten für den tägl. Lebensunterhalt betrugen um 1800 etwa 12–15 Kreuzer. Auf dieser Basis und unter einigen Vorbehalten können wir dem Gulden heute einen Geldwert von knapp 50,-- € zuweisen. aufgebaut. Pfarrer Demeter klärte die Finanzierung bereits im Vertrag. Die Besitzverhältnisse der Instrumente waren ebenfalls geklärt. Sie gehörten je zur Hälfte der Kirchenpflege und der Musikgesellschaft. Den erforderlichen Unterricht erteilte er größtenteils selbst, da er ja Fagott und Violoncello einwandfrei beherrschte. Die weiteren Stunden erteilten auswärtige Musiker gegen Bezahlung. Dass die ausgebildeten Musiker ihrerseits für neue Schüler sorgen mussten, war weitsichtig und sorgte dafür, dass die Gesellschaft kein Strohfeuer wurde. Demeter wollte dafür sorgen, dass die Musik in Lautlingen nie ersterbe und im Falle von Krankheit oder Verhinderung Ersatz vorhanden ist.
Die Pfarrhaushälterin und Schwester Maria Josepha Viktoria ehelichte am 18. März 1805 den Oberlehrer Johann Pfister. Die Trauung fand in der Stiftskirche Hechingen statt, dem Wohn- und Wirkungsort des Bräutigams. Im Oktober des gleichen Jahres besuchte Demeters Mutter die schwangere Tochter im hohenzollerischen Hechingen. Auf der Rückfahrt, Demeter war mit dabei, stürzte die Kutsche bei Laufen in die Hochwasserführende Eyach, verursacht durch eine Unachtsamkeit des Kutschers. Während Ignaz Demeter mit dem Schrecken davonkam, ertrank die Mutter Eleonore und wurde erst am anderen Tag gefunden. Er selbst hielt in Lautlingen die Beerdigung ab, für die Mutter, deren Tod einen herben Verlust für Ignaz Demeter bedeutete.
Im weiteren Verlauf gründete Demeter in seiner Pfarrgemeinde Lautlingen auch eine Dorfbücherei, er kümmerte sich um die Baumzucht und auch um die Gartenpflege.
Der weitere Werdegang vollzog sich außerhalb Württembergs, das er am 5. Januar 1809 mit seiner Abreise nach Rastatt verließ. Die Abschiedspredigt an die Gemeinde hatte er bereits zu Neujahr gehalten und einen Tag vor dem endgültigen Abschied stiftete er noch 50 Gulden zu einem Jahrtag am 15. Oktober, dem Todestage seiner Mutter.
Direktor des Lehrerseminars und Stadtpfarrer in Rastatt In Rastatt übernahm er, nach Fürsprache und Protektion von Generalvikar Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg, sein neues Amt als Direktor des Lehrerseminars, als Professor für Pädagogik am Gymnasium und Schulvisitator für Stadt und Land. Gleichzeitig war er aber auch noch Stadtpfarrer und Dekan in Rastatt. Dies war die Zeit, in der Ignaz Anton Demeter seine pädagogischen Veröffentlichungen teils erneut herausgab bzw. neue Bücher schrieb und verlegen ließ. Infolge der Kriegswirren ist beim Herder-Verlag in Freiburg nur noch ein einziges Exemplar aus Demeters Zeit vorhanden. Diese Veröffentlichungen erlangten hohen Bekanntheitsgrad und waren maßgeblich für die Ausbildung neuer Schullehrer.
Pfarrer von Sasbach Am 29. Oktober 1818 wurde Ignaz Demeter auf die Pfarrei Sasbach versetzt. Er selbst hatte krankheitshalber um diese Versetzung gebeten. Hier wurde er 1819 Definitor und am 31. Dezember 1831 Dekan. In Sasbach gibt es noch reichlich Archivmaterial aus dieser Zeit. Auch hier waren es die Förderung der Schule und die der Kirchenmusik, die Demeter bewegte. Dass er die Musik förderte, fand auch Zustimmung beim Kreisdirektorium Kinzig. Unter anderem schreibt man von dort: „… Nach unserer Ansicht darf nichts vernachlässigt werden, was auf Verbesserung der noch so rohen Sitten dieser Pfarrgenossen wirken kann …“
In diesem Zusammenhang wurde ein Zuschuss von 66 Gulden zur Ausführung „des edlen Zweckes“ genehmigt. Bereits drei Jahre später hatte man mit vereinten Kräften der Gemeinden Obersasbach, Sasbachwalden, Sasbach-Dorf und Sasbachried die ersten Erfolge aufzuweisen.
Demeter selbst berichtet: „Die jungen Leute singen neue Messen ganz vom Blatte“ und: „Der deutsche Kirchengesang leidet darunter so gar nicht, dass er im Gegenteil dadurch befördert wird. Die alle Sonntage gesungenen deutschen Messen tönen reiner und die deutschen Canons verschönern den deutschen Gesang.“
Immer wieder wird von Zuschüssen berichtet, die auch von den anderen Gemeinden kamen. 1824 berichtet der Pfarrer in einem neuen Antrag, dass „die kalte und gewissermaßen undankbare Gemeinde Sasbachwalden“ sich geweigert habe ihre Quote zu leisten.