mini|310px|Großer Arber mit den beiden Radarkuppeln des AbgTZug 133 (heute: AbgTZug 358).
Der Einsatzführungsbereich 1 (kurz EinsFüBer 1 oder umgangssprachlich EFB 1) mit dem zugehörigen Control and Reporting Centre (CRC) Sweet Apple in der Luftwaffenkampfführungsanlage Martin war ein Verband mit Regimentsstatus der Luftwaffe der Bundeswehr.
Der Führungsstab des Verbands war in der Zollernalb-Kaserne in Meßstetten stationiert und unterstand dem Kommando Einsatzverbände Luftwaffe. Der Verband führte fünf weitläufig dislozierte Abgesetzte Technische Züge (AbgTZg) und war standardmäßig für den gesamten süddeutschen Raum zuständig.
Auftrag Der Einsatzführungsbereich 1 war Teil des Einsatzführungsdienstes der Luftwaffe (EinsFüDst Lw). Der Auftrag bestand in der operationellen Nutzung des zugehörigen CRC der Luftwaffe im Verbund der integrierten NATO-Luftverteidigung. Dabei erfüllte er u. a. folgende Aufgaben: Überwachung, Schutz und Verteidigung des zugewiesenen Luftraums der Bundesrepublik Deutschland und entlang der Grenzen Erstellung, Führung und Bewertung des Luftlagebildes (Recognized Air Picture (RAP)) im Zuständigkeitsbereich Taktische Führung und Unterstützung von Luftstreitkräften Koordination militärischer Flugbewegungen mit den relevanten NATO-CRC und CAOC (zuletzt mit dem CAOC 2 Uedem), dem Nationalen Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum, den Gefechtsständen der Flugabwehrraketentruppe (Surface to Air Missile Operations Center (SAMOC)) sowie die Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten im Bereich luftpolizeilicher Aufgaben (Air Policing) Sicherstellen der materiellen und operationellen Einsatzbereitschaft Wartung und Instandsetzung des Dauereinsatzbetriebs (24/7) der eingesetzten Radargeräte, Flug- und Datenfunkgeräte sowie der elektronischen Ausrüstung Sicherstellung des Dauereinsatzbetriebs (24/7) der Luftwaffenkampfführungsanlage Martin Führung der unterstellten Einheiten und Einrichtungen.
Geschichte
Vorgeschichte (1958–1960) Zum 1. April 1958 wurde die Aufstellung eines Stabes des zukünftigen Fernmelderegiments 31 (FmRgt 31) angeordnet. Als erste Einheit, welche später dem FmRgt 31 unterstellt werden sollte, wurde die Flugmeldeabteilung 312 (FlugmAbt 312) auf dem Fliegerhorst Lechfeld aufgestellt. Zuerst sollten deutsche Soldaten in die vorhandenen US-amerikanischen Stellungen integriert und am Arbeitsplatz praktisch ausgebildet werden. Danach sollte die Übernahme der US-amerikanischen Stellungen erfolgen sowie neue Stellungen aufgebaut, besetzt und betrieben werden. Die Stellungen befanden sich in Burglengenfeld, Freising, Giebelstadt, Hof, Regensburg, Türkheim und auf der Wasserkuppe.
Die FlugmAbt 312 zog Anfang 1959 von Lechfeld in die Boelcke-Kaserne in Ulm um und nahm am 13. Februar 1959 den Dienstbetrieb auf. Am 10. September 1959 übernahm die Luftwaffe die erste Radarstellung der US Air Force von der 616th ACWRON in Türkheim. Bereits am 15. Februar 1960 wurde mit der Flugmeldeabteilung 311 (FlugmAbt 311) die zweite Abteilung des zukünftigen FmRgt 31 aufgestellt.
Fernmelderegiment 31 (1960–1989) Am 24. Mai 1960 wurde schließlich das FmRgt 31 in der Boelcke-Kaserne in Ulm aufgestellt. Zum 1. Februar 1962 erfolgt die Umgliederung der FlugmAbt 311 und FlugmAbt 312 in II. bzw. I./FmRgt 31.
Ab 1960 wurden um Meßstetten die Truppenunterkunft Geißbühl (ab 1974: Zollernalb-Kaserne) und die Luftwaffenkampfführungsanlage Martin (LwKpfFüAnl) sowie ab 1962 die Radarstation auf dem Weichenwang gebaut. Am 3. August 1964 nahm der Bunker Martin auf Befehl vom Kommandeur I./Fernmelderegiment 31 Oberstleutnant Jan König vom 21. Juli 1964 seinen Betrieb mit dem Gefechtsführungssystem 412L auf. Am 1. Oktober 1964 wurde der Probedauerbetrieb, am 22. Dezember 1964 der Einsatzbetrieb des CRC gestartet.
Radarführungsabteilung 22 (1989–2004) Zum 1. Oktober 1989 wurden mit der neuen Luftwaffenstruktur zahlreiche Umgliederungen und Umbenennungen eingeleitet. Dabei wurden die Bezeichnungen der FmRgt an den Kernauftrag Radarführung angepasst. Durch die Fusion von je zwei Regimentsstäben wurden aus den vier FmRgt zwei Radarführungskommandos (RadarFüKdo). Das RadarFüKdo wurden in Goch, das RadarFüKdo 2 in Meßstetten stationiert. Aus den Abteilungen der FmRgt wurden Radaführungsabteilungen (RadarFüAbt) und somit aus I./FmRgt 31 die RadarFüAbt 22. +Umbenennungen im Rahmen der Luftwaffenstruktur 3 zum 1.10.1989Dienststellenbezeichnung (alt)Dienststellenbezeichnung (neu)Fernmelderegiment 31Radarführungskommando 2I./Fernmelderegiment 31Radarführungsabteilung 22Stab/StKp I./Fernmelderegiment 31Stab/StKp Radarführungsabteilung 221./Fernmelderegiment 31Radarführungskompanie 2212./Fernmelderegiment 31Technische Kompanie 222II./Fernmelderegiment 31Radarführungsabteilung 24 FreisingI./Fernmelderegiment 32Radarführungsabteilung 21 BirkenfeldII./Fernmelderegiment 32Radarführungsabteilung 23 Lauda6./Fernmelderegiment 31Abgesetzter Technischer Zug 243 Großer Arber6./Fernmelderegiment 31Abgesetzter Technischer Zug 233 Wasserkuppe8./Fernmelderegiment 32Abgesetzter Technischer Zug 234 DöbrabergLuftwaffensanitätsstaffel I./Fernmelderegiment 31Luftwaffensanitätsstaffel Radarführungsabteilung 22 In der weiteren Folge wurde das RadarFüKdo 2 in RadarFüRgt 2 umgegliedert und umbenannt.
Einsatzführungsbereich 1 (2004–2013) Aus dem Radarführungsdienst der Gründungsjahre der Bundeswehr wurde Mitte der 2000er Jahre der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe. Ein hochmoderner Serviceprovider für die Führung und Vernetzung sämtlicher Luftkriegsmittlel. Daraus resultierend wurde das RadarFüRgt 2 als auch die RadarFüAbt im Rahmen der fünften Luftwaffenstruktur zum 30. September 2004 aufgelöst. Als Nachfolgeverband wurde der Einsatzführungsbereich 1 (EinsFüBer) aufgestellt. Der EinsFüBer 1 war der größte Verband am Standort Meßstetten und sein Stab zugleich weiter für die Versorgung aller dort stationierten Dienststellen zuständig.
Im Rahmen des Konzepts zur Stationierung der Bundeswehr in Deutschland 2011 des Bundesministers der Verteidigung vom 26. Oktober 2011 wurde am 1. Oktober 2013 der Betrieb des CRC eingestellt und der Einsatzführungsbereich 1 selbst mit Wirkung zum 31. Dezember 2013 offiziell aufgelöst. Die Radarstellung auf dem Weichenwang und die angeschlossenen Funkanlagen wurden als Abgesetzter Technischer Zug 249 (AbgTZg 249) in den Einsatzführungsbereich 2 integriert, die Abgesetzten Technischen Züge des Einsatzführungsbereiches 1 (Erbeskopf, Döbraberg, Großer Arber, Lauda, Freising) auf die Einsatzführungsbereiche 2 und 3 aufgeteilt.
Wappen Das Wappen des EinsFüBer 1 ist rot und zeigt innerhalb einen schwarzen Kreis in dem sich eine stilisierte Radaranlage und darüberliegend die Kompassrose der NATO befinden. Vor der Aufstellung des EinsFüBer 1 wurde das Wappen größtenteils identisch von den Vorgängereinheiten verwendet, jedoch durch eine in weiß geschriebene Zahl („31“ beim FmRgt 31 bzw. „22“ bei der RadarFüAbt 22) unterhalb des schwarzen Kreises ergänzt.
Organisation Kommandeure Dienstgrad, Name DienstzeitFlugmeldeabteilung 312Oberstleutnant Geppert 19.05.1958 – 13.03.1961Oberstleutnant Schmidt-Gal 04.03.1961 – 01.03.1962Oberstleutnant König 01.03.1963 – UmgliederungFernmelderegiment 31Oberst Steingroß 24.05.1960 – 31.03.1963Oberst Wels 01.04.1963 – 30.09.1968Oberst Maekelburg 01.10.1968 – 30.09.1971Oberst Langner 01.10.1971 – 31.03.1979Oberst Hennemann 01.04.1979 – 31.03.1982Oberst Malmus 01.04.1982 – 27.09.1989Radarführungsabteilung 22Oberst Beutin 01.10.1989 – 14.01.1991Oberst Schaay 15.01.1991 – 30.03.1993Oberst Ploeger 01.04.1993 – 30.06.1995Oberst Fiegle 01.07.1995 – 31.08.1997Oberst Gülzow 01.09.1997 – 31.03.1999Oberstleutnant Tessner 01.04.1999 – 28.02.2002Oberstleutnant Bodenbender 01.03.2002 – 30.11.2005Einsatzführungsbereich 1Oberstleutnant Engel 01.12.2005 – 31.03.2008Oberstleutnant Hinz 01.04.2008 – 31.08.2010Oberstleutnant Engelmann 01.09.2010 – 01.10.2013
Unterstellte Einheiten +EinheitAbkürzungStandortRadargerätRufzeichenEinsatzführungskompanie 11EinsFüKp 1121x21px Meßstetten–Stabs- und Unterstützungskompanie 12Stabs-/UstgKp1221x21px MeßstettenHADRSweet Apple Romeo (SAR)Abgesetzter Technischer Zug 131AbgTZg 13121x21px Birkenfeld (Erbeskopf)HADRHardwheel (HW)Abgesetzter Technischer Zug 132AbgTZg 13222x22px Schwarzenbach am Wald (Döbraberg)RRP 117Rustcrowd (RC)Abgesetzter Technischer Zug 133AbgTZg 13321x21px Bayerisch Eisenstein (Großer Arber)RRP 117Snow Cap (SC)Abgesetzter Technischer Zug 134AbgTZg 13423x23px Lauda-KönigshofenMPRBatman (BN)Abgesetzter Technischer Zug 135AbgTZg 13524x24px FreisingMPRColdtrack (CD)
Kooperationen Truppen- und Einsatzpartnerschaften verbanden den EinsFüBer 1 und seine Vorgängereinheiten mit dem Centre de détection et de contrôl (CDC) Drachenbronn, welches innerhalb Maginot-Linie im Elsass lag, jedoch 2015 ebenfalls aufgelöst wurde, dem Betriebsstab Luftraumüberwachung des österreichischen Bundesheeres im CRC St. Johann im Pongau in der sogenannten Einsatzzentrale Basisraum, EZ/B sowie der Operationszentrale der Schweizer Luftwaffe in Dübendorf.Operationszentrale Luftwaffe, auf staatskalender.admin.ch
Chronik Datum Ereignis1960–1963Bau der unterirdischen Luftwaffenkampfführungsanlage Bunker Martin1962 Aufstellung des ersten Luftraumüberwachungsverbandes (I./Fernmelderegiment 31) in Meßstetten1964 Inbetriebnahme des CRC Meßstetten mit dem 412-L-System1984 Außerdienststellung 412-L-System, Beginn der Einrüstung des GEADGE-Systems („German Air Defence Ground Environment“)1986 Wiederinbetriebnahme des CRC Meßstetten mit GEADGE-System1989 Umbenennung des Verbandes in Radarführungsabteilung 221993 Unterstellung des abgesetzten technischen Zugs 223, Birkenfeld1998 Generalinstandsetzung des Bunkers Martin, Verlagerung des Einsatzbetriebs nach Lauda und Freising2000 Wiederinbetriebnahme des sanierten Bunkers2004 Aufstellung/Umbenennung des Verbandes in Einsatzführungsbereich 1 und Unterstellung von fünf abgesetzten technischen Zügen am Erbeskopf, auf dem Döbraberg, auf dem Großen Arber, in Lauda und in Freising2005Abschaltung des veralteten ARKONA (FüWES) und Inbetriebnahme des neuesten marktverfügbaren FüWES Lw / GIADS2006Obsoleszenzersatz des veralteten ADMAR durch CIMACT2010 Einrüstung RMCDERMCDE steht für „Radar Message Conversion & Distribution Equipment“ und ist ein Netzknoten auf Applikationsprotokollebene für die Konvertierung, Filterung und Verteilung von Radardaten. und Anschluss an das MilRADNETMilRADNET steht für „Militärisches Radardatennetzwerk“. der Luftwaffe2011 Auflösungsentscheidung des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg)2013 Einstellung des Betriebes und Auflösung
Siehe auch
Einsatzführungsbereich 2 Einsatzführungsbereich 3 Einsatzführungsdienst der Luftwaffe Luftwaffenkampfführungsanlage Martin Zollernalb-Kaserne
Literatur 50 Jahre Einsatzführungsdienst der Luftwaffe 1960–2010, L. Fölbach 2001, Sonderpublikationen Fölbach Verlag Rufzeichen „Sweet Apple“ – Die Geschichte der Luftwaffe auf dem Geißbühl, Einsatzführungsbereich 1 2013, BAIUDBw DL I 4 Zentraldruckerei Köln/Bonn
Einzelnachweise
Kategorie:Militärischer Verband der Luftwaffe (Bundeswehr) Kategorie:Gegründet 1962 Kategorie:Meßstetten