In der Zeit der Entwicklung des Marktfleckens zur Stadt Gotha etwa 1150 fällt auch die Gründung der Münzstätte Gotha. Die ersten Groschenprägungen erfolgten nach der vorübergehenden Verlegung der Münzstätte Freiberg um 1424 nach Gotha. Spätestens 1482, noch unter Wilhelm III. (1445–1482), Herzog von Sachsen und Landgraf von Thüringen, musste die Münze ihren Betrieb einstellen. Im Jahre 1650 errichtete Herzog Ernst der Fromme (1640–1675) in seiner Residenz in Gotha in Räumen des Westflügels des Schlosses Friedenstein die Münzstätte für sein Herzogtum Sachsen-Gotha. Von etwa 1684 bis 1776 befand sich die Münze im Wallgraben des Schlosses. Die 1828 unter Herzog Ernst I. (1826–1844) von Sachsen-Coburg und Gotha errichtete „Neue Münze“ stellte nach nur zehnjähriger Betriebszeit ihren Betrieb ein.

Geschichte mini|Ludwig III. (Thüringen) (1172–1190), Landgraf von Thüringen, Reiterbrakteat um 1180, Münzstätten Eisenach/Gotha

mini|Albrecht der Entartete (1288–1307), Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, Reiterbrakteat, Münzstätte Gotha

Brakteatenzeit Wahrscheinlich noch unter Ludwig II. (1140–1172) oder bereits unter Ludwig III. wurde die Münzstätte Gotha als zweite Münze der Landgrafen von Thüringen errichtet. Die Hauptmünzstätte mit dem größeren Prägevolumen befand sich in Eisenach.

Für die Thüringer Landgrafen ist der Reiterbrakteat der Münzstätten Eisenach und Gotha von etwa 1150 bis 1247, geprägt unter den Ludowingern und ab 1247 bis etwa 1290 unter den Wettinern nach der Vereinigung von Meißen und Thüringen, die typische Pfennigmünze. Brakteaten mit dem Namen der Münzstätte wurden erstmals im Münzschatzfund von 1909 in der Nähe von Ohrdruf entdeckt. Neben Reiterbrakteaten mit Buchstaben und Türmen als Hohlrandverzierung waren auch solche mit der Hohlrandinschrift G-O-T-A enthalten. Die genaue stilistische Übereinstimmung mit den anderen Reiterbrakteaten mit Türmen und Buchstaben gilt als Beleg dafür, dass diese Münzen mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls in der Münzstätte Gotha geschlagen worden.Wolfgang Steguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, Weimar 1987, S. 24 Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen Brakteaten mit thronendem Landgrafen und dem Buchstaben A. Der Buchstabe A mit darüber schwebendem Kugelkreuz ist in gleicher Form auf den Reiterbrakteaten mit der Inschrift G-O-T-A vorhanden. Wolfgang Steguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, Weimar 1987 S. 30

Aus dem Jahr 1340 gibt es einen urkundlichen Beleg für die Verpachtung der Münzstätte an den Stadtrat von Gotha.

Groschenzeit Seit Mitte des 14. Jahrhunderts sind Meißner Groschen der Markgrafen von Meißen aus ihrer Münzstätte Freiberg im Zahlungsverkehr in Thüringen nachgewiesen. Sie wurde 1338/39 erstmals in Freiberg geprägt. Im Jahr 1391 wurde zum ersten Mal in der meißnischen Groschengeschichte außerhalb der Landesmünzstätte Freiberg in der Münzstätte Sangerhausen Groschen geprägt. Pfennige (Brakteaten) blieben dennoch im 14. Jahrhundert die Hauptgeldsorte für den größten Teil der Bevölkerung im sächsisch-thüringischen Raum.

KRUG gibt dafür Preisbeispiele an:Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen 1338–1500, Berlin 1974, S. 17 1324 ein Huhn 2 Pfennige ein Lammbauch 8 Pfennige vor 1382 ein Mastschwein 360 Pfennige ein junges Schwein 180 Pfennige 1382 ein Schock Eier 10 Pfennige acht Ellen Leinentuch 54 Pfennige einen Hafen Butter 40 Pfennige ein Stück frische Butter 3 Pfennige 1395 sechs Hühner 48 Pfennige

Zur neuen Groschenwährung, den Breiten Groschen und zur Ablösung der „breiten Brakteaten“ wurde eine neue Pfennigmünze, der Hohlpfennig, zu neun Stück auf den Groschen geschaffen. Die Münzstätte Gotha war eine der ersten in Thüringen, in der die neuen Pfennige hergestellt wurden. Im Jahr 1352 wird der Gothaer Münzmeister Berlt Printz erwähnt, unter dem die ersten Gothaer Pfennige wahrscheinlich geschlagen wurden.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen 1338–1500, Berlin 1974, S. 38 Die ersten sechs Hohlpfennigtypen tragen die Umschriften und Bilder:Wolfgang Steguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, Weimar 1987, S. 31 und 32 GOTA, große Krone mit Lilienornament GOTA, großes A GOTA, großes Emcsearch.info: Landgräfliche Münzstätte Elisabeth von Arnshaugk, Witwe des Landgrafen Friedrich I., Hohlpfennig. Gotisches E, Umschrift GOTA GOTA, lockiger Kopf mit Lilien (?)mcsearch.info: Städtische Münzstätte, Hohlpfennig. Mohrenkopf nach links, Umschrift: IN (?) GOTA. IN GOTA, barhäuptiger Kopf nach links IN GOTA, barhäuptiger Kopf nach rechts

mini|hochkant|Elisabeth von Arnshaugk (* 1286, † 1359), Gothaer Hohlpfennig als Teil der Breiten Groschen

Die Bedeutung des Buchstabens A auf dem Hohlpfennig ist nicht bekannt. Das große gotische E kennzeichnet eine Prägung der Witwe des Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen Friedrichs I. (1307–1323). Die Pfennige wurden in der Regierungszeit Friedrich II. (1329–1342) geprägt. Die Witwe Friedrichs I., Mark- und Landgräfin Elisabeth (* 1286, † 1359), besaß Gotha als Witwensitz.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen 1338–1500, Berlin 1974, S. 113

Nach der Münzvereinbarung von 1381 zwischen den fünf Städten Eisenach, Gotha, Jena, Langensalza und Weißensee wurden mit Billigung Friedrichs III. (1349–1381) zwei neue Hohlpfennigtypen zu acht Stück auf den Meißner Groschen geschlagen. Die Pfennige der Stadt Gotha, geprägt unter meißnischer Aufsicht, tragen die Umschriften und Münzbilder:Wolfgang Streguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, Weimar 1987, S. 33 GOThA, zwei gegeneinander gesetzte Kronen in gekippter Lage GOThA, zwei gegeneinander gesetzte Kronen in horizontaler Lagemcsearch.info: Städtische Münzstätte, Hohlpfennig ca. 1410–1444. Im Hohlring zwei gegeneinander gestellte Kronen in horizontaler Lage. Umschrift: +GOThA. Sie wurden bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts geprägt. Urkundlich belegt ist, dass 1404 der Gothaer Münzmeister Hans von Smyre den Auftrag erhielt, Pfennige im vorgeschriebenen Fein- und Raugewicht zu prägen. Im Jahre 1412 wurde Hans Martersteck als Wechsler eingesetzt und zugleich als künftiger Münzmeister vorgesehen.

mini|Schildgroschen (Schildiger Groschen) Friedrichs IV. des Streitbaren aus der Münzstätte Gotha, geprägt nach dem Vorbild der ersten Ausgabe von 1405/1412. Dieser bildgleiche Schildgroschen wurde jedoch erst 1425/1428 geprägt.

Um 1424 verlegte Markgraf Friedrich der Streitbare (1381–1428), seit 1423 Kurfürst von Sachsen, vermutlich aus Sicherheitsgründen (Hussitenkriege) vorübergehend die Hauptmünzstätte Freiberg nach Gotha. Hier ließ er in Gemeinschaft mit seinem Bruder Markgraf Wilhelm II. (1407–1425) von Meißen und seinem Vetter Landgraf Friedrich dem Friedfertigen (1406–1440) von Thüringen um 1424/25 Schildgroschen prägen. Nach dem Tod Wilhelms II. prägte der Kurfürst bis zu seinem Tod im Jahre 1428 in Gotha den Groschentyp weiter. Unter Landgraf Friedrich wurden ab 1425 bis 1432 in Gotha Schockgroschen oder Kleine Groschen im Wert von ⅓ Schildgroschen oder 3 Pfennigen vom Typ der alten Meißner Groschen mit Buchstabenzeichen f vor dem Löwen sowie Münzzeichen 4-blättrige Rose geprägt. Die heute seltenen Groschen blieben nicht im Land, sondern wurden wahrscheinlich wegen ihres zu hohen Silbergehaltes zur Herstellung von geringhaltigem fremdem Geld eingeschmolzen.

mini|Landgraf Wilhelm III., Neuer Schockgroschen o. J. (1445–1451), Münzstätte Gotha

Kurfürst Friedrich II. (1428–1464) von Sachsen münzte größtenteils mit seinen Anverwandten. In Gotha ließ er im kurzen Zeitraum von 1437 bis 1443 Schildgroschen nur unter seinem Namen schlagen.

Herzog und Landgraf Wilhelm III. (1445–1482) prägte unter seinem alleinigen Namen in der Münzstätte Gotha im Zeitraum von 1445 bis 1465 Judenkopfgroschen, Schildgroschen, Neue Schockgroschen und Hohlpfennige (Landsberger Pfennige). Im Zeitraum von 1457 bis 1464 kamen noch Großgroschen, Rautengroschen und einseitige Pfennige zur Ausprägung. Ab 1465 prägte Wilhelm wieder in Gemeinschaft mit seinen Vettern in den Münzstätten Freiberg, Gotha, Leipzig, Wittenberg und Zwickau sowie mit der Kurfürstin Margaretha in der Münzstätte Colditz (siehe auch Spitzgroschen und Colditzer Margarethengroschen).

Spätestens 1482, mit dem Tod Wilhelms III., musste die Gothaer Münze ihren Betrieb einstellen.Wolfgang Streguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, Weimar 1987, S. 38 (Die Weimarer Münze war bereits geschlossen worden, als Wilhelm seine Alleinprägungen aufgegeben hatte.)

mini|Gotha mit der Burg Grimmenstein (Holzschnitt von 1572). Auf der Burg wurden die Gedenkmünzen von 1553 und die Notklippen während der Belagerung von 1567 geprägt.

mini|Dukat, Feldklippe von 1567, geprägt auf Burg Grimmenstein in Gotha

mini|Kurfürst August, Guldengroschen (Taler) 1567, auf die Einnahme von Gotha

mini|Kipper-24 Kreuzer (Sechsbätzner) o. J. (1621), Münzmeister Wolf Frömell, Gotha

Talerzeit 1545–1622 Im Jahr 1545 brannte die stillgelegte Münze im Hause „Zum Einhorn“ in der Salzgasse ab.Wolfgang Steguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Weimar 1987, S. 24.

Die zwei Gedenkmünzen, ein Gothaer Schreckenberger und eine Gedenkmünze in der Größe der Schreckenberger, beide von 1553, wurden auf dem Grimmenstein in Gotha vom Saalfelder Münzmeister Gregor Einkorn unter Herzog Johann Friedrich dem Großmütigen (1532–1547–1554) geprägt. Beide Münzen zeigen unter anderem den sächsischen Kurschild, obwohl der Kurfürstentitel der Ernestiner nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 vom Kaiser an die Albertiner übertragen worden war. Der Kurschild auf den ernestinischen Münzen musste auf den albertinischen Kurfürsten provozierend gewirkt haben. Herzog Johann Friedrich der Mittlere, Sohn Johann Friedrichs des Großmütigen, versuchte die Kurwürde und das verlorene Kurland zurückzugewinnen. Er verband sich mit dem wegen der Ermordung des Bischofs von Würzburg geächteten fränkischen Edelmann Wilhelm von Grumbach (Grumbachsche Händel). Daraufhin belagerten kaiserliche Truppen unter dem Befehl des sächsischen Kurfürsten August (1553–1586) die Stadt Gotha und den Grimmenstein. Während der Belagerung wurden zur Deckung der innerstädtischen Geldausgaben auf dem Grimmenstein Notklippen (Belagerungsmünzen) mit dem kursächsischen Wappenschild, der Jahreszahl 1567 und den Buchstaben H HF G K (Herzog Hans Friedrich geborener Kurfürst) ebenfalls unter der Leitung des Münzmeisters Gregor Einkorn geschlagen.coingallery.de / Prägungen anlässlich von Belagerungen im 16. Jh. / Fortsetzungseite / Belagerung und Einnahme von Gotha 1567. Darin: Notklippe 1567 zu drei Groschen, Gotha. Vs.: Kursächsisches Wappenschild mit H HF G K. Rs.: Römische Wertzahl.Talernotklippe (Belagerungsmünze) 1567, Münzstätte Gotha, in den Interaktiven Katalogen der Münzkabinette Die Talerklippen zeigen mitunter noch ein G für Grimmenstein oder Gotha. Mit der Gefangennahme Johann Friedrichs wurde auch die Tätigkeit des Saalfelder Münzmeisters Einkorn beendet. Die vom Herzog befohlene widerrechtliche Gestaltung der Gothaer Belagerungsklippen musste der Münzmeister mit seiner Entlassung büßen.

Im Ergebnis der Auseinandersetzung von 1566/67 wurde Gotha zerstört und der Grimmenstein bis auf die Grundmauern niedergerissen.Wolfgang Steguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, Weimar 1987, S. 43 Der Herzog blieb bis zu seinem Lebensende in kaiserlichem Gewahrsam. Grumbach wurde am 18. April 1567 gevierteilt.

Gedenktaler auf die Einnahme Gothas