Die Scholtz-Kaserne war eine Kaserne der Bundeswehr in Neumünster, Schleswig-Holstein.

Geschichte Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht fanden 1935 erste Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und der Stadt Neumünster zum Erwerb eines Geländes am damaligen Stadtrand für den Bau einer neuen Kasernenanlage statt, die in die Übereignung eines 124.000 Quadratmeter großen Areals für 50 Reichspfennig je Quadratmeter mündeten. Es sollte eine Artillerieabteilung der 30. Infanteriedivision untergebracht werden. 1936 begannen die Bauarbeiten. Es entstanden vier Wohnblocks, Geschützhallen, Pferdeställe, eine Reithalle und weitere Reitanlagen und ein Exerzierplatz. Am Nachmittag des 12. Oktober 1937 wurden die Schlüssel dem Kommandeur der I. Abteilung des Artillerieregiments 66 übergeben, dessen Einheit mit der 7. Ergänzungsbatterie in Stärke von 600 Soldaten, 400 Pferden und 12 Haubitzen einzog. Die Kaserne erhielt noch im selben Jahr ihren Namen vom General Friedrich von Scholtz. Die Fertigstellung einiger Anlagen verzögerte sich jedoch, so dass bis zum Sommer 1938 die Pferde noch in angemieteten Zirkuszelten untergebracht werden mussten. Zur Vorbereitung des Überfalls auf Polen verließ die Artillerieabteilung am 25. August 1939 die Kaserne und verlegte nach Schlesien.Oberstleutnant Kolster: 40 Jahre Scholtz-Kaserne/Unsere Heimat - die "Scholtz-Kaserne" (Beilage), in: Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12.6.1977, Neumünster/Rendsburg 1977 Während des Zweiten Weltkriegs waren in der Kaserne Ersatztruppenteile untergebracht, insbesondere ab 15. Oktober 1940 die Fahrersatzabteilung 10 (ab 1943: Fahr-Ersatz- und Ausbildungsabteilung 10) der Division Nr. 190. Diese Division wurde mit ihren beweglichen Einheiten im September 1944 in die Niederlande verlegt. Am 4. Mai 1945 wurde die Stadt Neumünster kampflos den britischen Truppen übergeben, die am 7. Mai 1945 auch die Scholtz-Kaserne besetzten.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12.6.1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 29–32. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen Einheiten der British Army of the Rhine (Britische Rheinarmee) die Kaserne, die nunmehr „St Georges Barracks“ hieß. Die Briten stationierten in den St Georges Barracks zunächst für längere Zeit eine Ausbildungseinheit und den Garnisonsingenieur. 1951 folgten norwegische Besatzungstruppen, deren Kasernen in Itzehoe noch nicht bezugsfertig waren. Ab 1952 wurde eine polnische Wacheinheit der Civil Mixed Labour Organisation mit etwa 100 Mann untergebracht. Zugleich waren eine Einheit der German Service Organisation, die aus ehemaligen deutschen Soldaten bestand und zur Instandsetzung der Kaserne diente, sowie eine Reitschule der britischen Truppen in der Kaserne nun beheimatet. Am 24. Mai 1956 begannen die Besprechungen zur Übergabe der Kasernenanlage an die Bundeswehr, die im Dezember 1956 vollzogen wurde. Zugleich erhielt der Standort den Namen „Scholtz-Kaserne“ zurück. Dennoch verblieben bis zum 2. September 1957 noch britische Soldaten und die polnische Wacheinheit in der Kaserne.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12.6.1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 35.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 13

Als erste Einheit zog schrittweise in die Scholtz-Kaserne das bereits ab dem 24. Juli 1956 in der Sick-Kaserne aufgestellte Panzerjägerbataillon 3 ein. Im Dezember 1956 wurde zunächst lediglich das Gerät des Panzerjägerbataillons verlegt, so dass die Ausbildung und der technische Dienst bereits in der Scholtz-Kaserne stattfand, die Soldaten jedoch in der Sick-Kaserne untergebracht waren. Dies hatte seine Ursache nicht nur in der Belegung der Scholtz-Kaserne durch britische Einheiten, sondern auch in Umbau- und Modernisierungsarbeiten, die dort noch stattfanden. Ab Februar 1957 erfolgte dann der Umzug des Personals.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 12 f. Am 9. April 1957 fand die erste Vereidigung von Soldaten der Bundeswehr in der Scholtz-Kaserne in Neumünster statt.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12.6.1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 39. Das Panzerjägerbataillon 3 wurde am 16. März 1959 wieder aufgelöst. Teile wurden am selben Tag zur Aufstellung des Panzerbataillon 184 der neuen Panzerbrigade 18 verwendet, das in der Scholtz-Kaserne stationiert blieb. Des Weiteren wurde die 1. Kompanie zur Panzerjägerkompanie 320, die 2. Kompanie zur Panzerjägerkompanie 170 und die 3. Kompanie zur Panzerjägerkompanie 160 umgegliedert. Diese Einheiten kamen an neue Standorte. Das neue Panzerbataillon 184 verfügte zunächst über vier Kompanien.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 16 f. Im Juni 1972 kam eine 5. Kompanie als Geräteeinheit hinzu, die einem Truppenversuch mit konserviertem Panzergerät diente, jedoch zum 31. Dezember 1974 wieder aufgelöst wurde.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 29 und 32 Im Tausch mit dem Nachschubbataillon 6 zog ab 17. November 1983 das Panzerbataillon 184 aus und verlegte in die Rantzau-Kaserne nach Boostedt. Damit sollte die Stadt Neumünster von Panzerlärm entlastet werden.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 48 In Boostedt erfuhr das Bataillon im Zuge der Heeresstruktur 5 am 13. März 1992 sein Ende als aktiver Truppenteil und wurde nichtaktiv gesetzt. Zum 31. Dezember 2008 wurde das noch in der Rantzau-Kaserne beheimatete Bataillon schließlich aufgelöst.

Die ab 1. September 1958 aufgestellte Feldjägerkompanie 6 der 6. Panzergrenadierdivision wurde am 5. Januar 1959 in der Scholtz-Kaserne stationiert. Sie bildete die Feldjägerwachkommandos Neumünster und Hamburg in der Scholtz-Kaserne aus. Am 1. Mai 1959 begann für das Feldjägerwachkommando Neumünster der Dienst in der Scholtz-Kaserne. Die Feldjägerkompanie 6 wechselte in die Sick-Kaserne und kam im Frühjahr 1960 schließlich in die Hindenburg-Kaserne. Ihr folgte 1963 das Feldjägerwachkommando Neumünster unter Umbenennung in Feldjägerdienstkommando Neumünster. Zum 1. Januar 1980 wurde die Feldjägerkompanie 6 aus der 6. Panzergrenadierdivision herausgelöst und zur 4./Feldjägerbataillon 610. Sie verblieb in der Hindenburg-Kaserne bis zum 1. Dezember 1995, wurde nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne verlegt, wo sie am 31. März 1997 aufgelöst wurde.Panzerbrigade 18 (Hrsg.): Neumünster. Skizzen einer Garnisonsstadt. Tag der Bundeswehr 12.6.1977, Neumünster/Rendsburg 1977, S. 59 f.

Die 1. Kompanie des Aufklärungsbataillons 6, das zum 1. Oktober 1958 in der Scharnhorst-Kaserne in Lingen aufgestellt worden war, verlegte am 6. April 1959 in die Scholtz-Kaserne, während der Stab, die 2. und 3. Kompanie in die Truppenunterkunft Boostedt einziehen mussten. Die Trennung des Bataillons wurde erst mit Umzug in die Rettberg-Kaserne in Eutin am 11. April 1961 beendet.Panzeraufklärungsbataillon 6 „Holstein“ und Sparkassen-Kulturstiftung Ostholstein (Hrsg.): 50 Jahre Panzeraufklärungsbataillon 6. 1958 – 2008. Eutin, 2. Auflage 2008, S. 147

Zum Panzerbataillon 184 zugeordnet war die Ausbildungskompanie 10/6, die am 2. Januar 1961 in der Scholtz-Kaserne aufgestellt wurde. Diese Einheit erfuhr jedoch bereits am 30. September 1966 wieder die Auflösung.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 19 und 25

1959 erreichten die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen in der Scholtz-Kaserne einen Höhepunkt. Hintergrund war die notwendige Umnutzung einer einst für pferdebespannte Artillerie errichteten Anlage für einen Panzerverband. Reithalle und ältere Pferdeställe wurden abgerissen. Ein Pferdestall wurde zu einem Lehrsaalgebäude umgebaut. Des Weiteren wurden eine Panzerwerkstatt, ein ABC-Übungsraum, ein KK-Stand, Offiziers- und Unteroffiziersheim, Mannschaftskantine, Schleppdächer, Panzerabstellplätze und Betonstraßen errichtet.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 17 Im April 1966 folgte die Einweihung einer neuen Panzerschießhalle und im April 1970 wird das neue Wirtschaftsgebäude fertiggestellt, dessen Bezug in zwei Abschnitten im April 1970 und November 1971 vorgenommen wird.Panzerbataillon 184 (Hrsg.): Militärisches Tagebuch Panzerbataillon 184. 1956–1992. Boostedt/Enger, o. J., S. 24 und 27 f.

Die mittlere Instandsetzungskompanie 6 bildete gemeinsam mit der Nachschubkompanie 6, die aus der Quartiermeisterkompanie 6 hervorgegangen war, den Grundstock für die Bildung des Versorgungsbataillons 6 der 6. Panzergrenadierdivision, die ab 5. August 1966 in der Rantzau-Kaserne in Boostedt erfolgte und schließlich am 1. Oktober 1972 ihren Abschluss fand. Dabei wurde die 1./Versorgungsbataillon 186 zur 1./Versorgungsbataillon 6. Am 1. Oktober 1975 erfolgte eine weitere Umgliederung zum Nachschubbataillon 6. Am 1. Oktober 1980 bildete das Bataillon die Nachschubausbildungskompanie 7/6. Im Dezember 1983 begann der Auszug des Bataillons mit der Ausbildungskompanie 7/6 aus der Rantzau-Kaserne und der Umzug nach Neumünster in die Scholtz-Kaserne, der am 30. März 1984 abgeschlossen wurde. Die Nachschubausbildungskompanie 7/6 wurde am 1. Oktober 1988 zur aktiven 5. Kompanie des Nachschubbataillons 6. Am 14. Mai 1997 erfolgte der Umzug in die Hindenburg-Kaserne in Neumünster. Das Bataillon wurde zum 1. April 2003 zunächst in einen nichtaktiven Truppenteil umgewandelt und zum 31. März 2006 aufgelöst.

Am 1. April 1986 wurde aus den bisherigen Fahrschulen des Nachschubbataillons 6 und der Nachschubausbildungskompanie 7/6 die Fahrschulgruppe Neumünster 2 in der Kaserne gebildet, die jedoch mit der Heeresstruktur 5 zum 1. April 1994 wieder aufgelöst wurde.

Zum 1. April 1994 wurde das Nachschubregiment 6 der 6. Panzergrenadierdivision mit Stab und Stabskompanie in der Rantzau-Kaserne in Boostedt gebildet, dessen Feldersatzkompanie als Geräteeinheit in der Scholtz-Kaserne in Neumünster stationiert wurde. Doch bereits zum 31. März 1997 wurde die Ersatzkompanie wieder aufgelöst. Das Regiment folgte diesem Schicksal zum 30. Juni 1997.

Am 14. Oktober 1996 kam aus der Stapelholmer Kaserne in Seeth die 1./Transportbataillon 610 in die Scholtz-Kaserne nach Neumünster. Diese Einheit war am 1. April 1994 aus der 1./Nachschubbataillon 610 hervorgegangen. Doch der Prozess zur Auflösung des Transportbataillons 610 war durch die Entscheidung am 15. März 1995 längst angestoßen, die meisten Kompanien außer Dienst genommen und der Auflösungsappell des Bataillons bereits durchgeführt. Deshalb ereilte auch die 1./Transportbataillon 610 das gleiche Schicksal zum 31. März 1997.

Am 9. Juli 1997 wurde die Scholtz-Kaserne feierlich durch das Nachschubbataillon 6 an die Standortverwaltung abgegeben. Die endgültige Aufgabe durch die Bundeswehr erfolgte zum 31. Dezember 1997.

Zur medizinischen Versorgung war vom 1. Juli 1972 bis 31. März 1997 in der Scholtz-Kaserne der Sanitätsbereich 11/14 mit Material ausgestattet. Vom 1. November 1979 bis zum 30. September 1996 bestand das Sanitätszentrum 107. Die Zahnarztgruppe 107/2 bestand ab dem 1. April 1981 bis zur Aufgabe der Kaserne. Zudem war die Standortfernmeldeanlage 117/303 eingerichtet.

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